Chasperli-Theater

Ein Chasperli-Theater ist eigentlich eine Aufführung für kleine Kinder. Nichts desto trotz fand letzthin auch bei uns ein Chasperli-Theater statt, allerdings zu einer Zeit, in der die lieben Kleinen schon im Bett sind.

Das waren auch wir an jenem Abend, es war nach 22.00 Uhr. Unseren verzogenen Chasperli hatten wir unten in der Küche zur Nachtruhe gebettet. Kaum hatten wir die Türe hinter uns zuzogen, begann er daran zu kratzen, was wir geflissentlich ignorierten.

Offenbar stand ihm der Sinn nicht im Geringsten nach schlafen, und wenn, dann nicht alleine. Darum begann er, mit dem Kopf gegen die Türe zu hämmern. Wir ignorierten ihn immer noch, waren aber natürlich hellwach. Nach einer halben Stunde wurde es meinem innig geliebten Mitbewohner zu bunt. Er ging runter und wurde von Chasperli Freude strahlend und Schwanz wedelnd empfangen. Der Mitbewohner wies ihn an, auf sein Bett zu liegen und kam wieder hoch. Und Ruhe ward, so dösten wir endlich weg.

Es muss wohl eine Stunde später gewesen sein, als das Gerumpel wieder los ging. Chasperli war in voller Fahrt. Der Mitbewohner allerdings auch, als er ihn erneut, diesmal in wesentlich schärferem Ton, in die Schranken wies. Es kehrte Ruhe ein. Die Housesitter versanken im Lande der Träume.

Unser Glück währte diesmal fast zwei Stunden, wurde dafür aber umso abrupter beendet. Chasperli war noch immer davon überzeugt, dass ihm weit mehr als die schnöde Decke in der Küche zustehe. Zum Glück jedoch schien er sich nicht daran zu erinnern, dass er ein Hund ist und bellen kann, sondern kratzte nur an der wehrlosen, unschuldigen Türe. Die Türfalle vermochte er nicht zu öffnen, denn sobald er sich gegen die Türe lehnte, blockierte das Schloss noch mehr. Im Bett der Housesitter kam es währenddessen zu kleineren Misstönen.

Da gutes Zureden bis anhin nicht geholfen hatte, versuchte nun ich mein Glück mit der Variante “Stuhl vor die Türe”. Das wäre insofern beinahe gelungen, als es zur Türe einen kleinen Absatz nach unten gibt, in den man den Stuhl schräg hineinlegen kann. Zufrieden mit meinem Werk ging ich wieder nach oben. Mittlerweile zeigte die Uhr 2.30 Uhr an. Ich hatte wohl noch nicht viel mehr gemacht, als dem Mitbewohner erzählt, welche Barriere ich angebracht hatte, da rumpelte es bereits wieder. Dieses sture, uneinsichtige Biest!

Erneut schwang ich die Decke zurück. Unten war Chasperli damit beschäftigt, den Stuhl hin und her zu schieben, um besser an die Türe zu kommen. Mit einem siegesgewissen Ausdruck kam er auf mich zu, als ich die Leine vom Haken nahm. Dass wir um diese Zeit nicht spazieren gingen, sickerte wohl erst in sein Hundehirn ein, als er sich am Tisch angebunden sah. Mit genügend Auslauf übrigens zu seiner Decke und dem Wassernapf, aber mit gebührendem Abstand von der Türe.

Nun war es an mir, den siegesgewissen Ausdruck aufzusetzen, denn fortan war es geradezu gespenstisch ruhig in der Küche. Da Chasperli bis anhin nie Tendenzen gezeigt hatte, an unseren Schuhen zu nagen oder etwas vom Tisch zu holen, konnten wir uns einigermassen sicher sein, dass von der Einrichtung noch etwas übrig sein würde.

Am anderen Morgen war Chasperli sichtlich reserviert. Er verweigerte sogar das Fressen. Eine grössere Diva als diesen Hund kann man sich nicht vorstellen! Selbst ein Happen Fressen mitten auf der Pfote ignorierte er tapfer.

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Staub saugen für Quereinsteiger

Es beginnt immer gleich.

Man sucht ihn. Mit etwas Routine, und da er einigermassen sperrig ist, lokalisiert man den Staubsauger in jedem Haushalt ziemlich schnell. Man zerrt ihn ans Tageslicht und macht sich mit ihm vertraut. Viel mehr als zwei, drei Schalter hat selbst der komplizierteste Staubsauger nicht. Was für eine Wohltat in der heutigen Welt! Also kann man ihn ohne vorgängiges Studium einer Anleitung bedienen. Und das macht man dann auch ohne Verzug. Aber nie lange. Denn es beginnt immer gleich: Der Sack ist voll!

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Wenn’s weiter nichts ist! So ein Sack ist mit wenigen Handgriffen entfernt. Bloss, wo finde ich einen neuen Staubsaugersack?

Suchen.

Dank Spürsinn ist auch die Schachtel mit den neuen Staubsaugersäcken innert nützlicher Frist lokalisiert. Also: voller Sack raus, leerer Sack…

… nein! Der Motorfilter ist dick verstopft. Igitt! Das Teil waschen wäre angesagt, aber dann ist vorläufig nichts mit Staub saugen. Also linke Hand an die Nase, ein prüfender Blick, wo der Wind her kommt, rechte Hand schüttelt den Filter. Pfui Teufel!

Endlich ist alles wieder eingesetzt und betriebsbereit. Fazit: Beim ersten Mal Staub saugen in einem fremden Haushalt dauert die Reinigung des Reingungsgeräts häufig länger als das Staub saugen an sich.

Es gibt noch mehr andere Hunde in Frankreich

Als meine Mutter erfuhr, dass wir wieder zum Housesitting nach Frankreich fahren, fand sie das ganz toll. Aber nur so lange, bis sie erfuhr, dass wir diesmal nicht einen Hund hüten. Auch nicht zwei. Nein, ganze drei Hunde sind unter unserer temporären Obhut.

Darf ich vorstellen, Chasperli:

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Olly:

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und Lekoff:

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Okay, so heissen sie eigentlich nicht, aber wir nennen sie so. Sie sind etwas schwieriger zu halten, als wir uns das vorgestellt hatten. Die beiden Rüden Chasperli und Lekoff vertragen sich nämlich nicht und sind räumlich zu trennen. Das hatten wir zwar gewusst, wussten aber nicht, wie umständlich das in der Realität werden würde. Olly ist die Schwester von Lekoff und immer mit ihm zusammen. Aber unter was für Umständen! Ausser wenn wir sie raus in den umzäunten Garten lassen oder mit ihnen spazieren gehen, sind sie in einem Zimmer eingesperrt (auf Anweisung der Besitzer!). Sind sie mal draussen, sind sie relativ ungestüm (wen wundert’s!) und auch nicht ganz zimperlich mit ihren Krallen. Festes Schuhwerk ist in Anwesenheit von Olly und Lekoff wärmstens empfohlen.

Der Dritte im Bunde, Chasperli, ist der Schwierigste der drei. Und mit neun Jahren der Älteste. Er wohnt zusammen mit uns im Ferienhaus. Er ist sackverwöhnt und verhätschelt, gehorcht keinen Dreck. Mit uns muss sich der Zögling etwas umstellen. Ich finde nämlich, dass Hunde grundsätzlich nichts in einem Bett verloren haben. Und in meinem schon gar nicht!

Es gibt noch andere Hunde in Frankreich

Regelmässige, um nicht zu sagen langjährige Leser des Flohnmobils, werden die Begriffe Housesitting, Frankreich und Hund unweigerlich mit dem Goldschätzchen in Verbindung bringen. Indes, es gibt noch mehr Hunde in Frankreich…

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… die eine Ferienvertretung suchen. Ganz abgesehen davon, ist das one and only Goldschätzchen momentan nicht auf Besuch eingestellt.

Diesmal sind wir auf einem alten Bauernhof nordöstlich von Toulouse im Département Tarn. Unsere Behausung wird in den Sommermonaten vermietet, die Besitzer – ein englisches Paar – bewohnt die andere Hälfte des 250-jährigen Steinhauses. So haben wir also eine Loge mit einer geräumigen Küche, einem Tanzsaal von einem Schlafzimmer und einem Bad, das so gross ist, dass sich mein innig geliebter Mitbewohner und ich für einmal nicht auf den Füssen rumtreten. Soweit zu den Sonnenseiten. Über die schattigen Plätze werde ich mich ein anderes Mal auslassen.

Nur noch eins: Die Internet-Verbindung ist etwas launisch. Drum bin ich schon froh, wenn ich einen eigenen Blog-Beitrag auf die Reihe kriege. Befreundete Blogs abzuklappern, deren Seitenaufbau länger dauert, als den Inhalt zu lesen, hält mein Nervenkostüm nur bedingt aus. Um Verständnis wird gebeten.

Zweifel

Vorne Autos. Hinten Autos. Wieso tun wir uns das überhaupt an?

Hunderte von Kilometern weg von zu Hause. Ob es das Wert ist?

Einmal mehr eine Fahrt ins Ungewisse. Was wird uns erwarten?

Stau um Lyon. Eine lärmige Hotelübernachtung. Am Radio erzählen sie von den Flüchtlingen, die nur ihr nacktes Leben retten wollen; wir fahren einmal mehr nur zum Vergnügen weg.

Zweifel ob der Richtigkeit des eigenen Tuns und der Menschheit generell.

Einen halben Tag später die Aussicht aus dem vorübergehenden Domizil: Nicht von den schlechtesten Eltern.

Die Umstände vielleicht etwas umständlicher als angenommen. Aller Zweifel zum Trotz: Hier lässt es sich aushalten.

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Kein Gassi mehr

Es sind weit mehr als 700 Kilometer, die uns von der Provence trennen. Es sind Welten. In vielerlei Hinsicht. Wir haben sie genossen, diese Wochen der Beschaulichkeit in dem grossen Landhaus am Waldrand. Wir haben den Pool genossen, die Stille, die quirligen Märkte, den Sternenhimmel, die Velotouren ohne Winterwäsche, das gute Essen, die Wärme. Und natürlich das Goldschätzchen, das uns – trotz seiner mannigfaltigen Marotten – sehr ans Herz gewachsen ist.

Wir  hätten es durchaus noch länger ausgehalten. Aber zu Hause ist es ja irgendwie auch schön. Einfach anders. Mit ganz anderem Aufgaben und Möglichkeiten, anderem Tagesablauf und Prioritäten. Der Hund zum ausführen fehlt. Und damit die Motivation, sich nach dem Abendessen nochmals aus dem Haus zu begeben. Dabei haben diese Gassi-Runden nicht nur dem Goldschätzchen gefallen.

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Bedenken eines Basilikums

Als gebürtiger Südfranzose war es mir vergönnt, beinahe vier Wochen lang in herrlicher Umgebung gehegt und gepflegt zu werden. Meine Ersatzmutter las mir jeden Wunsch von den Lippen ab. Sie pflanzte mich in einen schönen Topf, rannte mit mir im Garten herum auf der Suche nach dem sonnigsten Platz, nahm mich in den ersten Nächten unters Dach, machte mir regelmässig meine zarten Füsschen nass.

Doch nun droht eine drastische Wende und ich habe allen Grund anzunehmen, dass ich den Zenit meines geschmackvollen Lebens bereits überschritten habe. Ihr glaubt es nicht? Leider ja. Ich werde nun nämlich in ein Auto verfrachtet und hunderte Kilometer nordwärts erst wieder das Tageslicht erblicken. Und was mich dort erwartet, ist eines so stolzen Südfranzosen ziemlich unwürdig.

Hier war es nämlich in den vergangenen vier Wochen gerade mal einen halben Tag lang etwas feucht und insgesamt blies drei Tage der Mistral, der mich beinahe ausgetopft hätte. Währenddessen begannen die Leute dort, wo ich hin muss, bereits die Arche Noah zu bauen.

Was für düstere Prognosen! Aber ich hab noch etwas Verstärkung mitgebracht. Aber – pssst! – nicht weitersagen, das soll eine Überraschung werden. Geteiltes Leid ist  bekanntlich halbes Leid.

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Na, seht ihr einen Unterschied zu damals?

Durchblickend

Es gibt garantiert Arbeiten, die mir mehr liegen, die ich mit weniger Abscheu verrichte. Und es gibt Leute, die mich davon überzeugen wollten, dass diese Arbeit unter meiner Würde sei. Dass ich mich – schönes Haus hin oder her – nicht so weit herablassen solle.

Aber als mich unsere Hausbesitzerin fragte, ob ich die Fenster putzen würde, konnte ich nicht gut nein sagen. Was ist schon ein halber Tag Arbeit, wenn man vier Wochen Zeit dafür hat? Und ehrlich gesagt finde ich durchaus, dass ich mich so weit herablassen kann, wenn man bedenkt, dass wir ohne viel Verpflichtungen gratis und franko in diesem herrlichen Haus wohnen konnten, das im Sommer für 4’000 Pfund pro Woche vermietet wird. Oder?

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“Unser” Haus in der Provence – mit sauber geputzten Fenstern nach Schweizer Methode.

Mein Name ist Hase

Jetzt wird es langsam an der Zeit, ein Geheimnis zu lüften.
Das Geheimnis um den wahren Namen unseres Goldschätzchens.
Ein Teil meiner Leserinnen und Leser dürfte ihn gar nicht kennen.
Das soll sich ändern.
Hier und jetzt.

Und weil hier schon so viel über das Goldschätzchen geschrieben wurde (der Name ist, unter uns gesagt, rein Flohnmobil-intern und nicht bis zu Frauchen vorgedrungen), mache ich es kurz.

Als seine Besitzerin ihn im Tierheim abholte, fand sie schlicht und ergreifend, dass der Hund eine gewisse Ähnlichkeit mit ihrem längst verstorbenen Vater hätte.
So, und genau so, kam das Goldschätzchen zu seinem Namen.

Darf ich vorstellen: Conrad.

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