Auf dem Viehmarkt

“Nimm doch d’Bea.” Sinngemäss kam es wohl so rüber, wenngleich sie es bestimmt nicht wörtlich gesagt hatte. Die Aufforderung galt einem Bekannten von ihr, der eben erst eine Beziehung beendet hatte, die zunehmend kompliziert wurde. “Weisch, d’Bea hät kei Altlaste. Da gitts weder en ifersüchtige Ex-Partner no Chind, wo chönnted schwierig tue.”

“Nimm doch d’Bea.” Hallo? So einfach geht das nicht! Ich werde ja schliesslich nicht feil geboten auf einem Viehmarkt.

Wer mein Herz erobern will, muss sich schon etwas einfallen lassen. Jawohl!

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Tatzeit: 13.51 Uhr

Man stelle sich vor: Eine Frau am Steuer. Ein Aufgebot zum Auto vorführen in ihrer Handtasche.

Weiter im Auto:
Freundin A
Freundin B
Freundin C
Freundin D
Freundin E

Die Frau am Steuer wartet vor dem grossen Tor, das sich rechtzeitig wie von Zauberhand öffnet. Das Abenteuer “Auto vorführen auf Bahn 4 um 13.51 Uhr” geht in die entscheidende Phase (im grossen Kanton nennt man das TÜV Fahrzeugprüfung oder so ähnlich).

Der nichtsahnende Experte schreitet auf das grosse Fahrzeug zu. Die Lenkerin steigt aus. Und mit ihr fünf weitere Frauen im völlig überdrehten Quassel-Modus. “Grüezi, mir chömed nu schnäll cho s’Auto vorfüehre und gönd nachher all zäme in Usgang.” Man stelle sich den Experten vor, der sich der mitleidigen Blicke aller anderen Anwesenden in der grossen Halle sicher sei kann!

Es ist leider nicht so weit gekommen. Meine Freundin bzw. ihr Auto hat die Fahrzeugprüfung ohne unsere Unterstützung bestanden. Aber die Idee … diese Idee … müsste man weiterverfolgen. Und dann unbedingt das Handy bereithalten, um den Gesichtsausdruck des Experten festzuhalten.

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Im Rub(b)el-Fieber

Etwas an dem Umschlag war merkwürdig. Nicht nur die Tatsache, dass kein Absender auszumachen war, sondern vor allem, dass auf dem Brief eine 60-Rappen-Briefmarke klebte.

,60 Rappen, das gab es meines Wissens seit der Einführung von A- und B-Post nicht mehr. Also musste es eine Massensendung sein. Ein gezielter Schnitt mit einem Küchenmesser, das mir jeweils als Brieföffner dient, und das Geheimnis war gelüftet.

Aha, mein Bank. Sie bot ihre Dienste und Beratung an im Zusammenhang mit meiner bevorstehenden Pensionierung. Sie wollte mich unter anderem in der Entscheidung unterstützen, ob ich mir eine vorzeitige Pensionierung leisten könne. Mich überkam ein heftiger Hustenreiz.

Als originelles Zückerli schickte mir die Bank ein Rubbellos. Ganz nach dem Motto: Wenn Sie damit kein Glück haben, kommen Sie zu uns. Dazu eine Art Kalenderblatt, dem ich entnehmen konnte, dass ich dereinst an einem Montag pensioniert werde.

Nun, ich hatte Glück mit dem Los. Gleich fünffach!

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50 Stutz hatte ich gewonnen. Nicht ganz ausreichend, um mir einen Lebensabend in Saus und Braus zu finanzieren. Aber bis dahin kann ich mir noch etwas überlegen. Dauert ja noch 9 Jahre.

Glückliche VR-Hühner

Im Gewerbemuseum Winterthur läuft noch bis am 28.4.19 die Ausstellung Food Revolution 5.0.

Im ersten Stock zieht ein besonderes Stück Geflügel die Besucher in seinen Bann: ein Huhn mit aufgesetzter VR-Brille. Dem Vogel wird so vorgegaukelt, er gehe als glückliches Huhn durchs Leben, sei an der frischen Luft, finde Würmer zum ausscharren. All das macht die moderne Technik und eine Art “Huhn-Laufband” möglich.

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Angesichts solcher Utopie geriet meine Fantasie ins Wallen. Könnte so etwas auch mit Wanderern möglich sein? Wenn jedes Mitglied unserer Wandertruppe so ein Brille aufgesetzt hätte, unser Wanderleiter das richtige Programm geladen hätte und das Laufband seinen Dienst verrichtete, könnten wir alle bequem von zu Hause aus jedes erdenkliche Ausflugsziel dieses Landes gänzlich ohne Treibhausgas-Emissionen erreichen und wären so glücklich dabei wie das VR-Huhn. Wir könnten miteinander zufrieden gackern, pardon, sprechen. Wir würden uns gemeinsam ans gleiche Seeufer setzen und unser Picknick auspacken, das gleiche Panorama beobachten, zusammen wieder aufbrechen.

Nie mehr müssten wir uns über den Fahrplan der SBB und vollgestopfte Züge ärgern. Wir könnten ausschlafen und dennoch rechtzeitig am Ausgangspunkt sein. Und das Wetter würde uns nie mehr einen Strich durch unsere Pläne machen.

Der einzige Unterschied zum VR-Huhn wäre nur noch: Wir würden die gefundenen Würmer zuerst grillieren.

Nimm sie mit ins Bett!

“Und dann liess ich mir einen Kaffee raus, schnappte die Zeitung und ging mit beidem nochmals hoch.” Sie erzählte es mit einer derartigen Wonne, dass ich keinen Moment daran zweifelte, was sie “oben” machte. Natürlich, sie setzte sich ins Bett und las dort die Zeitung.

“Wäääk”, entfuhr es mir, “das würde ich nie machen, dann hast du ja das ganze Bett voller Druckerschwärze!” Sie schaute mich verständnislos an. “Bea, jetzt übertreibst du aber, das ist doch sooo gemütlich, im Bett Zeitung lesen. Wegen der Druckerschwärze habe ich mir noch nie Gedanken gemacht.”

Tatsache ist, dass ich jedes Mal, wenn ich die Zeitung gelesen habe, als erstes aufstehe und mir die Hände wasche. Diese von der Druckerschwärze gefärbten Pfoten kann ich nicht ausstehen. Der Gedanke, mit diesen Händen meine Bettwäsche zu berühren, widert mich ziemlich an.

Dass meine Bedenken nicht von ungefähr kommen, beweist das Sofa, wo ich seit Jahren immer an der gleichen Stelle meine Zeitung hinlege, wen ich am Lesen bin. Dort ist das Nubuk-Leder um diverse Nuancen dunkler. Das kann gar nicht anders, als von der Druckerschwärze stammen.

Übrigens habe ich in meinem ganzen Leben auch noch nie einen Kaffee im Bett getrunken. Bestenfalls eine Tasse Tee, aber da muss ich krank gewesen sein. Dass ich nichts von Frühstück im Bett mit Bröösmeli auf dem Leintuch halte, überrascht euch wahrscheinlich nun auch nicht mehr.

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Samichlaus – gänzlich untierisch

Dem Samichlaus war Wind und Weh. Auf was hatte er sich da nur eingelassen? Er musste bei einer veganen Familie antraben. Sie hatten es noch ausdrücklich vermerkt. “Nicht nur keine tierischen Produkte, auch keine tierischen Bemerkungen!” Der bärtige Mann war gefordert.

Wie sollte er seine althergebrachten Sprüche dem veganen Nachwuchs beibringen? Er durfte ihnen nicht mehr sagen, sie sollten lammfromm sein im gegenseitigen Umgang. Dass sie nicht mehr wie die Hyänen übers Essen herfallen sollten, musste er genauso von seiner Liste streichen, wie die Bemerkung, sie sollten gefälligst häufiger den Saustall in ihrem Zimmer aufräumen. 

Er seufzte, der Mann in der nicht-veganen roten Kutte. Ob jemand merken würde, dass er nicht konform gekleidet war? Er schaute auf seine warmen Lederstiefel. Die konnte er notfalls gegen ein Paar schwarze Gummistiefel eintauschen. Bei dem Huddelwetter war das gar nicht die schlechteste Idee.

Er rückte seine Brille zurecht und begann, in sein Buch zu schreiben. Das würde ja vielleicht ein Eiertanz werden in diesem veganen Hause! Er schrieb in besonders grossen Lettern, damit er ohne sein Perlmutt-Nasenvelo auskommen würde. Diese blöde Kuh von einer Mutter, was bildete sich die eigentlich ein, was er bei ihrem verzogenen Nachwuchs ausrichten könnte. “Diese Zicke soll doch selber dafür schauen, dass ihre Brut nicht wie die Hühner über die Strasse läuft”, brummte er in seinen Bart.

Plötzlich wurde es dem Samichlaus zu viel. Trotzig stampfte er mit dem Fuss. “Ich werde grad z’Leid mit dem Esel bei diesem veganen Rudel aufmarschieren.” Und sollte der Vierbeiner die vegane Weihnachts-Deko abfressen, war ihm das so lang wie breit.

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