Putzig

Das Gerücht hält sich hartnäckig. Und an jedem Gerücht ist bekanntlich etwas Wahres dran. Also bin ich geneigt zu glauben, dass es tatsächlich Leute gibt, die gerne

! ! ! P U T Z E N ! ! !

Eine beängstigende Vorstellung. Kann mir garantiert nicht passieren! Ich mag es zwar sauber in meiner Wohnung, aber dennoch nicht klinisch rein. Und ich renne nicht jedem Stäubchen hinterher; Dreck wird grundsätzlich im Kollektiv eingesammelt.

Daraus ergibt sich folgende, für Putzteufelchen nicht nachvollziehbare These: Eine fünfstündige Wanderung strengt mich weitaus weniger an, als zwei Stunden lang mit Putzlappen, Staubsauger und Strupper bewaffnet in meiner Wohnung zu wirken.

Deshalb bin ich heute zwecks Erholung auch nicht zu Hause anzutreffen.

Gefährliches Duschen

In den vergangenen Tagen in Italien logierte ich in drei verschiedenen Hotels.

Was ist jeweils die besondere Überraschung in einem neuen Hotelzimmer? Richtig, die Dusche und das Bett. Beides genauso wichtig, um sich nach einem anstrengenden Wandertag wieder als Mensch zu fühlen.

Die Betten waren in Ordnung. Sieht man mal davon ab, dass ich eine richtige Bettdecke bevorzuge. Unter diesen Leintüchern mit Bettüberwurf und gegebenenfalls noch Wolldecke fühle ich mich nämlich immer, wie wenn ich unter einem Stück Teppich liegen würde. Ich mag mich einkuscheln in die Decke.

Die Duschen dagegen, naja, da floss sehr unterschiedlich viel Wasser. Um der Wahrheit ein Stück näher zu treten: Es floss unterschiedlich wenig Wasser.

Als ich daheim wieder das erste Mal unter der Dusche stand und den Wasserhahn, wie ich es in den letzten 8 Tagen getan hatte, voll aufdrehte, wäre ich beinahe ertrunken.

Bild 052

Messerscharf

Es ist weder eine gänzlich neue Erkenntnis, noch ist sie auf meinem Mist gewachsen. Aber es soll einfach mal wieder gesagt sein:

Es geht nichts über das richtige, scharf geschliffene Messer.

Jeder Koch wird das bestätigen können. Und auch am Tisch ist das richtige Messer von entscheidender Wichtigkeit. Selbst das perfekt gegarte Rindsfilet fühlt sich nämlich nicht ganz so perfekt gegart an, wenn man mit einem stumpfen Messer daran sägt.

Bei einer Freundin von mir brauchte es mehrere, durchaus als unzimperlich zu bezeichnende Vorstösse, bis sie endlich einsah, dass die Investition in gute Steakmesser lohnend ist. “Soll ich dir welche von Frankreich heim bringen”, hatte ich seinerzeit noch gefragt. Wohlwissend, dass sie einen sehr eigenen Geschmack hat und ich mit ziemlicher Sicherheit die falschen Hegel gebracht hätte. Mittlerweile hat sie Steakmesser angeschafft und wir lachen jedes Mal darüber, wenn sie sie aus der Schublade holt. Es ist nämlich erwiesen, dass man das Fleisch als wesentlich zarter empfindet, wenn das Klinge wie durch Butter schneidet.

Langfristig gesehen zahlt sich die Investition aus, weil man durchaus etwas zäheres Fleisch servieren kann und es keiner merkt….

IMG_2572

… und wie schmeckt Kaktus?

Wer hat sich diese Frage schon mal gestellt? Wahrscheinlich kaum jemand hierzulande. Sieht man mal ab von Frau Flohnmobil, die in Mexiko tatsächlich auf einem Markt Kaktusohren gekauft, gekocht und mit Genuss gegessen hatte.

Aber einen Kaktus getrunken, das hatte selbst Frau Flohnmobil noch nie. Ihr Gemütszustand darf demnach durchaus als kritisch-gespannt bezeichnet werden, als sie zum ersten Schluck ansetzte.

IMG_3408

Wie kommt man nur darauf, ein Getränk mit Kaktus-Aroma zu versetzen? Und was überhaupt ist Kaktus-Aroma? All meinen Kakteen mag ich jedenfalls keinen einzelnen Geschmack andichten.

Assoziieren die Tüftler dieses Gesöffs Kaktus-Aroma mit einer gewissen John-Wayne-Romantik? Vielleicht hatten sie folgendes Bild vor ihren Augen:

Der Protagonist – kurz vor dem Verdursten – stösst mit schleppendem Gang auf einen dicken, fetten Kaktus. Mit letzter, ach nein, mit allerletzter Kraft nimmt er seinen Schweizer Militärhegel aus dem Sack, verflucht einmal mehr den Entwickler dieses Präzisions-Werkzeugs, weil er mit seinen dicken Fingern kaum die Klinge öffnen kann. Dann machen die vor Schwäche zitternden Hände den lebensrettenden Schnitt. Der Kaktus ist halbiert, draus tropft das köstliche Nass. Unser Cowboy schlürft genüsslich. Das Kaktus-Wasser rinnt ihm aus den Mundwinkeln, versiegt auf dem staubigen Kragen seines Hemds. Es folgt ein längere Zeit anhaltender derben Flüche. Wie gut, dass die findigen Helvetier ihr Taschenmesser auch mit einer Pinzette versehen haben.

IMG_3409

Fazit :

a) Hätte es damals schon Vitamin Well Upgrade mit Kaktus-Geschmack gegeben, hätte der Cowboy nicht Stunden damit verbringen müssen, die Dornen aus seinen Fingern zu pfriemeln.

b) Hätte es in dem Getränk, das Frau Flohnmobil am Kiosk in Moutier kaufte, kein Kaktus-Aroma gehabt, sie hätte es wohl nicht bemerkt.

Das Stinktier in meinem Nacken

Einen gewisse Patina mag ihm durchaus gut anstehen. Er sieht dann so erfahren aus. Wirkt vielgereist. Und er kann sich mit einer nicht zu leugnenden Vertrautheit brüsten.

Doch alles was darüber hinausgeht, ist des Guten definitiv zu viel. Deshalb musste er auf Tauchstation gehen. Wasserknappheit hin oder her. Eine ganze Nacht hatte ich ihn eingelegt, anschliessend geschrubbt, gespült und zum Trocknen aufgehängt.

Das Problem ist nur: Bei der Frequenz, die wir beide an den Tag legen, wird der zarte Blütenduft, der ihn neuerdings umgibt, nicht lange anhalten. Mein Rucksack wird über kurz oder lang wieder stinken.

P1050931

Schon lang nicht mehr gehabt

Es passierte. Einfach so. Hatte ich mich getäuscht, oder war da wirklich was? Nein, da war es wieder. Und grad nochmals. Beinahe hartnäckig.

Es brauchte einen Moment, bis ich realisierte, was da gerade in Gang war. Mit mir. Mit der Umwelt.

Noch länger dauerte es, bis ich mich daran erinnerte, dass Scheibenwischer zur serienmässigen Ausstattung eines Autos gehören.

Es regnete tatsächlich!

IMG_3184