Öfters mal Panne (36)

… oder: Nasse Füsse auf dem Fussballplatz

Wenn mein innig geliebter Mitreisender und ich einen Campingplatz anfahren, geschieht dies nicht aus täglicher Gewohnheit, sondern hat ausnahmslos triftige Gründe. Wir greifen nämlich nur auf derartige Infrastruktur zurück, wenn es gar nicht mehr anders geht. Das kann sein, weil der Strom im Womi am ausgehen ist (dank Solarpanelen an unseren europäischen Womis eigentlich die Ausnahme), weil wir dringend Wäsche waschen müssen oder weil es – wie im nachstehenden Geschichtchen – weit uns breit keinen geeigneten Übernachtungsplatz gibt.

England, das fanden wir innert kürzester Zeit heraus, ist nicht wirklich für Wohnmobile geeignet. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass England regelrecht wohnmobilfeindlich ist. Doch dieses Thema will ich hier nicht weiter plattwalzen. Tatsache ist, dass wir damals auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz in Südengland resigniert auf einen Campingplatz einbogen. Zuerst dachten wir, wir hätten uns verfahren und seien auf direktem Weg zu einem Fussballplatz. Der topfebene Platz wies keinerlei Strukturen auf. Keine Hecke, kein einziger Baum auf dem riesigen Areal von der Grösse zweier Fussball-Felder. Für die Engländer schien das, wie das folgende Bild zeigt, normal. Sie richteten sich ein mit ihren Zelten, Pavillons und Sichtschutzwänden. Campingfahrzeuge oder Wohnwagen hatten Seltenheitswert.

Wir suchten uns eine Ecke aus und fuhren auf das Grün. Dieses war, nach den vorangegangenen intensiven Niederschlägen, ziemlich weich. Ein mulmiges Gefühl beschlich uns, Erinnerungen an ähnlich weiches Terrain waren sofort wieder präsent. In solchen Fällen heckt der Mitreisende immer einen Plan B aus. Dieser sah primär vor, dass wir unser Fahrzeug wendeten, so dass wir im Vorwärtsgang wieder auf das schmale Asphaltband zurückfahren konnten. Man weiss ja nie.

Als mitten in der Nacht der Regen einsetzte, war es um unsere Nachtruhe geschehen. Dies nicht nur, weil der Regen in einem Wohnmobil viel lauter aufs Dach trommelt als zu Hause. Der Mitreisende machte nicht lange Federlesens. Er setzte sich ans Steuer, liess den Motor an und fuhr aus dem potentiellen Sumpf heraus. Nach wenigen Metern standen wir auf dem asphaltierten Platz vor einem geschlossenen Sanitärgebäude.

Was die Engländer in ihren Zelten ab uns gedacht haben mögen, war uns in diesem Moment ziemlich egal. Uns konnte der Regen nichts mehr anhaben. Wir standen auf sicherem Boden.

Vorsicht ist die Mutter der Porzellan-Kiste. Und die Schutzpatronin der Wohnmobil-Reisenden.

Öfters mal Panne (35)

… oder: Campieren ohne Campingplatz

Meine Pannenserie hat schon bald das dritte Dutzend vollendet und noch immer habe ich keine Panne beschrieben, die sich in der Schweiz ereignet hätte. Daraus könnte man (fälschlicherweise) ableiten, dass man in diesem Land so sicher ans Werk geht, dass sich Pannen schon gar nicht erst ereignen können. Man könnte aber auch daraus schliessen, und damit läge man mit der Wahrheit schon sehr viel näher, dass mein innig geliebter Mitreisender und ich gar nicht so oft im eigenen Land unterwegs waren.

Stellt sich aber auch die Frage, wann ist ein Ereignis wirklich eine Panne? Reicht es, wenn das Angetroffene nicht den Vorstellungen entspricht? In diesem Falle könnte ich unter anderem mit folgenden eidgenössischen Pannen aufwarten:

Auf der Suche nach einem „schönen Stellplatz auf einer Alp“ an einem heissen Sommerwochenende verliessen wir die Region Obersee im Glarnerland wieder und mussten resigniert feststellen, dass dieses Land nicht auf Individualisten wie unsereins eingestellt ist. „Campingplatz oder gar nicht“ hiess die damalige Devise. Wir verliessen den Ort des Schreckens fluchtartig und endeten auf einem Waldparkplatz am Ricken.

Am Ausgangspunkt unserer Skitour am San Bernardino, wo wir im vorigen Jahr noch übernachtet hatten, stand eine unmissverständliche Verbotstafel.

Als wir den Campingplatz in Ascona anfahren wollten, gab es diesen nicht mehr. Dafür flogen uns Golfbälle um die Ohren. Ein Campingplatz im unteren Maggia-Tal quartierte uns dankbar ein.

Am Umbrail-Pass, an der Grenze zu Italien, wo sich Steinbock und Murmeltier gute Nacht sagen, leuchteten uns mitten in derselben minutenlang die Grenzwächter in den VW-Bus. Dass wir uns dabei etwas unbehaglich fühlten, muss ich wohl nicht sonderlich hervorheben.

Doch nun endlich zum eigentlichen Höhepunkt meiner kleinen Auflistung helvetischer Pannen:

Es war Ende September, wir waren mit dem VW-Bus im Jura unterwegs und auf der Suche nach einem lauschigen Übernachtungsplatz. Das dürfte doch nicht schwierig werden, sagten wir uns, angesichts der für helvetische Verhältnisse grosszügigen Platzverhältnisse dort. Und so fuhren wir abseits der Hauptstrasse einer der für die Gegend typischen Pferdeweiden entlang, bis wir einen flachen Boden erspähten. Dort sollte es sein! Der Mitreisende lenkte den Camper aufs Grün, wollte noch etwas korrigieren und Keile unterlegen, damit wir schön gerade stehen. Soweit die Theorie. Doch unser Fahrzeug war da anderer Ansicht. Als der Mitbewohner nämlich den Rückwärtsgang einlegte und Gas gab, begannen die Räder durchzudrehen. Der Untergrund, obschon es seit Tagen nicht mehr geregnet hatte und oberflächlich trocken schien, war viel weicher als angenommen. Wir sassen fest! Unser VW-Büssli wollte sich nicht mehr vom Fleck bewegen. Anschieben half nichts mehr, da drückte man bestenfalls den Kühlergrill ein, und die Räder hätten sich nur noch tiefer in den Dreck gegraben.

Der Mitreisende war zwar im ersten Moment sprach-, nicht jedoch ratlos. Von den nahen Tannen brachen wir Äste ab und legten sie unter die Räder. Viele Äste. Aber es hatte auch viele Tannen. Er warnte mich, aus dem Weg zu gehen, wenn er erst mal Fahrt aufgenommen hätte, er würde erst wieder anhalten, wenn er Asphalt unter den Rädern hätte. Mit etwas Wiegeln und Anschieben und dank der tatkräftigen Unterstützung einer ganzen Armee von Tannnadeln gelang es schliesslich, das Fahrzeug wieder aus der Wiese zu fahren.

Die Lust auf einen lauschigen Übernachtungsplatz im Grünen war uns ziemlich vergangen und wir stellten uns auf einen Parkplatz am Rande eines Dorfs.

Seither sind wir sehr, sehr vorsichtig, wenn wir mit einem Campingbus oder Wohnmobil die befestigte Strasse verlassen. Schon oft haben wir gestaunt, mit welcher Selbstverständlichkeit beispielsweise auf Sandstrände gefahren wird. Da lassen wir lieber die Finger davon. Wie peinlich wäre das denn gewesen, hätten wir seinerzeit einen Bauern mit seinem Traktor um Hilfe bitten müssen!

Kostbare Hinkelsteine

Wenn wir fernab der Heimat unterwegs sind, haben mein innig geliebter Mitreisender und ich öfters die Erfahrung gemacht, dass wir als Touristen gelegentlich unerwünscht sind. Nicht selten vermitteln uns die Einheimischen den Eindruck, dass es ihnen eigentlich am liebsten wäre, wir würden unsere Kohle da lassen und uns selber möglichst schnell wieder aus dem Staub machen. So geschehen beispielsweise an der kroatischen Küste, in Tschechien oder auch in England. Diese kurze Auflistung ist übrigens alles andere als vollzählig, und es gehören sowohl Destinationen dies- wie jenseits der Schweizer Grenze in diese unrühmliche Galerie.

In England fühlten wir uns insbesondere mit dem Wohnmobil als durchwegs unerwünscht. So bietet Südengland auch keine Infrastruktur für Womi-Reisende. Stellplätze nach unserem Verständnis gibt es nicht (mag sein, dass sich das seit damals geändert hat), die Campingplätze sind eher für Zelte ausgerichtet.

Eine der zahlreichen Attraktionen Englands sind offenbar die Hinkelsteine von Stonehenge. Als der Mitreisende und ich im Sommer 2008 mit dem Ziel Irland den Süden Englands durchquerten, statteten wir diesen Hinkelsteinen einen Besuch ab. Und wurden sowohl vom Besucheransturm wie von den Preisen beinahe erschlagen. Schon auf dem vollbesetzten Parkplatz wurden wir um die ersten 3 £ erleichtert. Dafür sparten wir uns die 6.5 £ für den Eintritt und begnügten uns – wie zahlreiche andere Besucher – mit dem Anblick der Steine durch einen Maschendraht-Zaun, der das ganze Gelände umgab. Wir waren uns schnell einig, dass wir auch so genug sahen.

Mag sein, dass wir dem altehrwürdigen Gestein, von dem nicht bekannt ist, wieso und auch wie es hierher kam, zu wenig Demut entgegen brachten. Ich musste jedoch dem Mitreisenden beipflichten, dass wir uns den Umweg für diesen „Gravel“ (Kieselsteine) hätten sparen können.

Mittlerweile habe ich bei Wikipedia gelesen, dass das ganze Gelände und das bei unserem Besuch offenbar noch provisorische Besucherzentrum umgemodelt wurde und zwei Kilometer von den Hinkelsteinen entfernt eine neue Abknöpfmaschinerie, sorry ein neues Besucherzentrum, erstellt wurde. Die Eintrittspreise wurden moderat um gut 100 Prozent angehoben. Ich will niemandem den Besuch in Stonehenge vergraulen, aber so verschaukelt wie dort fühlten wir uns lange nicht mehr.

Ausflug zu den Senioren

Dieses Wochenende hätten in Maribor Damen-Skirennen ausgetragen werden müssen. Hätten, denn dort lag mal wieder zu wenig Schnee. Wen wundert’s die zweitgrösste slowenische Stadt im Osten des Landes liegt südlicher als die Schweiz und nur gerade auf 300 m.

Wenn ich „Maribor“ höre, werde ich an ein Erlebnis erinnert, das sich vor einigen Jahren zugetragen hat. Wir waren im Frühsommer mit dem Wohnmobil unterwegs, zuerst in Kroatien, dann Slowenien, schliesslich über das Südtirol zurück in die Heimat. Als ich dieses Maribor auf der Karte entdeckte, waren zwei Sachen klar: 1. da wollte ich hin und 2. dort würden wir an der Talstation der Bergbahn gut stehen, sprich übernachten können. Denn Bergbahnen verfügen immer über ein mehr oder weniger grosses Parkplatzangebot und im Sommer gab es dort in der Regel Platz zuhauf. Soweit die Theorie.

Von weitem sah es etwa so aus:

Als wir uns der Bergbahn von Maribor näherten, staunten wir nicht schlecht. Weit über hundert Reisebusse waren dort parkiert. Massen von Leuten stolperten umher. Kurz, ein Chaos, das Seinesgleichen sucht. Trotzdem lotste man uns zu einem reichlich schiefen Parkplatz. Noch bevor wir ausgestiegen waren, war uns längst klar, dass wir hier nicht bleiben würden.

Zu Fuss arbeiteten wir uns zu der klapprigen Gondelbahn vor – eine Hin- und Rückfahrt kostete 2007 7 Euro – und fragten schliesslich einen Busfahrer, was der Teufel denn hier los sei. Dieser erklärte uns, dass heute (ausgerechnet heute!) die Rentner aus dem ganzen Land hierher gekarrt wurden für einen Ausflug. Papa Staat gab sich seinen Seniorinnen und Senioren gegenüber grosszügig.

Nun war erst recht klar, dass wir nicht hier bleiben wollten, hatten wir ohnehin nie Ambitionen gehabt, die Gondelbahn zu benützen, wollten wir uns auch nicht durch irgendwelche altersmässig verstopften Spazierwege arbeiten. Hals über Kopf verliessen wir den Ort des Schreckens, der an jedem anderen Tag des Sommers weniger belebt sein musste, und fuhren weiter.

Merke: Der Parkplatz bei einer Bergbahn ist zwar generell keine schlechte Wahl, wenn es darum geht, im Sommer mit dem Wohnmobil einen Übernachtungsplatz anzusteuern (und je weiter weg von der Schweiz man ist, umso wahrscheinlicher ist es, dass man das auch darf), aber darauf verlassen…?

Öfters mal Panne (29)

… oder: Sperrzone Côte d’Azur

An dieser Stelle möchte ich gerne die Leserinnen und Leser aus dem Wohnmobilforum Schweiz begrüssen.
Schön, dass ihr hierher gefunden habt, auch wenn ich euch den roten Teppich nicht mehr ausrollen darf.

Der Weg war lang, schmal und kurvenreich. Aber an seinem Ende lockte ein Wohnmobil-Stellplatz direkt am Meer. Also spulten wir unverdrossen die 35 Kilometer vom Col de Tende ans Mittelmeer hinunter ab. Über unzählige Kurven galt es, 1’200 Höhenmeter zu vernichten. Mein innig geliebter Mitreisender war am Steuer gefordert, sehr sogar, denn mehr als einmal kam uns auf der schmalen Strasse ein Lastwagen weit jenseits der Mittellinie entgegen.

Als wir endlich in Ventimiglia angekommen waren, zogen wir gleich noch die letzten 8 Kilometer durch bis auf die französische Seite, wo sich der Stellplatz direkt am Wasser befinden sollte. Ich war mir meiner Sache sehr sicher. Schliesslich hatte ich im Vorjahr hoch oben von der Autobahn aus in Menton unten Wohnmobile erblickt und die Stellplatz-Datenbank im Tomtom wartete ebenfalls mit einem entsprechenden Eintrag auf. Wir frohlockten, nur noch wenige Kilometer und wir würden nicht nur endlich eine Pause machen können, sondern unser Tagesziel erreicht haben.

Als Madame Tomtom ankündigte „Sie haben Ihren Zielort erreicht“, waren wir beim Yachthafen des belebten Menton. Wohl direkt am Meer aber vor einem Parkplatz mit einer Höhenbeschränkung. Ratlosigkeit. Meine Hoffnung, dass wir in der Nähe wenigstens einen Parkplatz finden würden, von dem aus wir einen Kaffeehalt schalten, etwas durchatmen und das weitere Vorgehen beraten könnten, zerschlugen sich sehr bald. Selbst Anhalten war unmöglich! Absolut kein freier Parkplatz in Sicht, weder für ein französisches Kleinstauto und schon gar nicht für unser sechs Meter langes Womi. Mir blieb keine Wahl, als den Mitreisenden wieder auf die Autobahn zu lotsen, was einfacher gedacht denn ausgeführt war. Bis wir die rettende Autobahn endlich erreicht hatten, mussten wir mindestens 20 Kilometer durch enge Strassenzüge, vorbei an Gestrüpp und überhängenden Felsen fahren. In der dichtbesiedelten Region an der italienisch/französischen Grenze plumpsen die Alpen buchstäblich direkt ins Meer und die Autobahn liegt auf gut 300 Metern.

Für meine Blauäugigkeit, dass es in einer solchen Region einen Wohnmobil-Stellplatz geben könnte, musste ich mir vom Mitreisenden zu Recht massive Vorwürfe gefallen lassen. Der längst überfällige Halt war erst nach weiteren 60 Kilometern Autobahn-Fahrt bei einer Raststätte möglich. Dort konsultierten wir einmal mehr unser Navi und stellten fest, dass es bei der nächsten Ausfahrt in La Napoule einen Campingplatz geben musste. Wie der aussah war zweitrangig, Hauptsache wir kamen von der Strasse weg. Als wir jedoch beim vermeintlichen Campingplatz ankamen, sahen wir vor uns wieder nur einem Parkplatz mit Höhenbeschränkung. Meine Sorge galt in dem Moment weniger einem geeigneten Übernachtungsplatz als dem Mitreisenden, dessen Nerven auch am durchglühen waren. Er musste einmal mehr einfach weiterfahren, weil wir im hektischen Südfrankreich nirgends anhalten konnten. Details der Stimmung im Womi und die dazugehörigen Gehässigkeiten erspare ich euch lieber.

Einen Kreisel später folgte das erlösende Schild. Es lotste uns auf den Campingplatz L’Argentière. Alles andere als eine gediegene Sache. Der zwar begrünte aber staubige Platz lag in der Nähe eines mückenverseuchten Bachs, in dem wir Ratten schwimmen sahen. Aber nach einer solchen Odyssee kann man wohl nicht mehr gross wählerisch sein.

Aus dieser Episode habe ich nicht nur gelernt, das damals brandneue Navi kritischer zu beurteilen, sondern auch, dass die Côte d’Azur, und zwar die gesamte Côte d’Azur, zum wohnmobilistischen Sperrgebiet gehört. Stellplätze gibt es kaum und wenn, sind sie wenig attraktiv. Die Topografie und die dichte Besiedelung tun ihr Übriges, um einem den Aufenthalt zu vermiesen. Seither haben wir um diesen Teil Südfrankreichs immer entweder einen grossen Bogen gemacht oder schnurstracks einen Campingplatz angefahren.

Kulturschock

Es war etwas hektisch, als es endlich losging. Eigentlich nichts Neues, wenn man endlich von der vollgestopften Fähre fahren konnte. Auch die ersten Meter auf dem Boden waren naturgemäss hektisch, jeder wollte so schnell wie möglich weg kommen, als ob es nach stundenlanger Fährüberfahrt eine Rolle spielen würde, ob man als Fünfundfünfzigster oder Hundertvierzehnter von Bord fuhr.

Zugegeben, nach drei beschaulichen Wochen in Schweden konnte einem schnell etwas hektisch vorkommen. Doch die Hektik liess einfach nicht nach. Im Gegenteil, sie schien sich an unsere Fersen zu heften, verfolgte uns. Von dem Moment an, als wir von der Fähre auf die Insel Rügen fuhren, fühlten wir uns gehetzt. So auf dem Weg in unsere Unterkunft 20 Kilometer südwärts bei Frau Nagel mit ihren diversen Haaren auf den Zähnen. Und im Ostseebad Göhren, wo uns die Leute ständig auf den Füssen rumstanden.

Selbst der nächste Tag mit seiner Velotour trug nicht zu unserer Entspannung bei. Es war Sonntag und durch ganz Rügen schien sich eine einzige brummende, stinkende Autokolonne zu wälzen. Mit dem Velo eine Strasse zu überqueren kam einer Mutprobe gleich. Genau genommen war es nur möglich, dank dem Mitleid, auch was sage ich Mitleid, dank dem Erbarmen einzelner Autofahrer. Die Automobilisten auf Rügen hatten es alle wahnsinnig pressant. So viele gestresste Urlauber auf einem Haufen – mein innig geliebter Mitreisender und ich waren fassungslos.

Und dann diese Strassen! Gut, es hat Radwege auf Rügen. Aber leider nicht überall. Und dummerweise nicht dort, wo wir hin wollten. So gerieten wir unversehens auf Kopfsteinpflaster. Der übelsten Sorte. Wer hatte eigentlich diese bescheuerte Idee, Rügen mit dem Rennrad zu befahren? Hätten wir uns doch wie alle anderen in die Fahrzeugkolonne eingereiht und hätten wir Deutschlands grösste und (angeblich) schönste Insel mit dem Auto bewandert!

Tags darauf fuhren wir weiter, liessen die gestressten Urlauber auf ihrer Urlaubsinsel hinter uns. Der Mitreisende und ich waren uns einig wie selten zuvor: Da kann unseretwegen die Kanzlerin mit dem gesamten Bundestag, Kaiser Wilhelm oder wie er geheissen haben mag und welche Prominenz auch immer auf Rügen Urlaub gemacht haben. Da können die schönsten Strandkörbe der Welt stehen und die frischesten Fischbrötchen angeboten werden.

Nach Rügen werden wir nie, nie, nie mehr fahren!

Öfters mal Panne (27)

… oder: Ungebetene Gäste

Wenn die Natur auf Besuch kommt, kann man nicht immer die Flucht ergreifen, selbst wenn man das in einem ersten Anflug von Panik am liebsten tun würde. Auf einem Campingplatz in Sardinien hatten wir uns – seinerzeit mit dem VW-Bus unterwegs – eingerichtet und wollten einige geruhsame Tage verbringen.

Natürlich hatten wir sie entdeckt, die paar klitzekleinen Ameischen und klar hatten wir von unseren Nachbarn erfahren, dass einige der Krabbler auf ihrer Kühlbox über Nacht  jämmerlich festgefroren waren. Aber uns konnte doch nichts passieren, schliesslich hatte ein Arbeiter des Platzes um alle vier Räder des Campers ein helles Pulver gestreut, das die Tierlein fernhalten sollte. Wir wurden auch nicht misstrauisch, als wir sahen, dass ein nicht unwesentlicher Teil des Sortiments im Campingplatz eigenen Laden aus Schädlingsbekämpfungsmitteln bestand.

Die Überraschung folgte erst am nächsten Morgen, als sich herausstellte, dass ein ganzes Ameisenvolk ein gemeinsames Ziel verfolgte: unser Konfitürenglas. Mein innig geliebter Mitreisender hatte mir den Anblick erspart und das Glas entsorgt, während ich noch Morgentoilette machte. Als ich frisch geduscht unter der VW-Türe stand, war er bereits mit der Einzelabreibung beschäftigt.

Hereinspaziert waren die ungebetenen Gäste ganz einfach über unser Stromkabel. Da halfen nur radikale Massnahmen in Form von viel Chemie. Noch Tage später klaubten wir mit spitzen Fingern Leichen aus den Fugen und Ritzen unseres VW-Busses. Seither sind wir überaus sensibilisiert, wenn wir Ameisen orten. Und eine Dose Baygon ist zum ständigen Reisebegleiter geworden.

Unsere fahrende Ameisenburg am Tatort in Sardinien.

Noch mehr Lust auf ungebetene Gäste? Dann wendet euch bitte vertrauensvoll diesem Flohnmobil-Post zu.

Öfters mal Panne (26)

… oder: Schmal, schmäler, Bremsspur

Wir waren vorgewarnt. In unserem Wohnmobil-Führer stand geschrieben, dass die Küstenstrassen Norwegens für Wohngondeln wie unsere teilweise ziemlich eng seien, was aber die Norweger nicht von einem flotten Fahrstil abhielte. Die Autoren klassierten die Küstenstrassen wie folgt:

– Ist auf der Strasse ein Mittelstreifen aufgepinselt: keine Gefahr.
– Verfügt die Strasse über keinen Mittelstreifen: es könnte eng werden.
– Hat es vor einer Kurve Bremsspuren: au weia!

Mit solchen Warnungen ausstaffiert, tuckerten wir mehrere Wochen durch Norwegen. Mal auf einer Küstenstrasse bis unvermittelt nur noch Wasser vor uns lag und eine von vielen Fährüberfahrten anstand. Mal über Land. Mal breit, mal schmal, mal mit, mal ohne Mittelstreifen. Mein innig geliebter Mitreisender, der vornehmlich das Steuer in der Hand hielt (jedenfalls in Bezug aufs Autofahren!!!), war Herr der Lage. Mag sein, dass es uns zu Gute kam, dass die Hauptreisezeit noch nicht angebrochen war.

Das Unglück geschah dort, wo man es nicht unbedingt vermuten würde. Auf einer zwar nicht sonderlich breiten, aber schnurgeraden und übersichtlichen Strasse kam uns in ziemlich rasantem Tempo ein VW-Bus entgegen. Und ganz eindeutig mehr auf unserer denn auf seiner Strassenseite. Der Mitreisende, ohnehin nicht schnell unterwegs, wich nach rechts aus, soweit der Strassengraben dies zuliess. Doch es nützte nichts: Die beiden Fahrzeuge touchierten mit einem hässlichen Geräusch.

Der Mitreisende hielt an, der Fahrer des VW-Buses ebenfalls. Auf den ersten Blick schien unser Fahrzeug glimpflich davongekommen zu sein. Der Aussenspiegel war durch die Wucht der Streifkollision nach vorne geklappt, aber das Spiegelglas immerhin noch ganz. Etwas leider sah der Spiegel am VW-Bus aus. Von seltsam bizarrer Form fehlte im eindeutig das Glas. Der Fahrer wollte uns für den Schaden verantwortlich machen, nach dem Motto: „Ihr braucht schliesslich mehr Platz auf der Strasse.“ Als wir erwähnten, dass es uns nicht entgangen sei, dass er während der Fahrt am Telefonieren gewesen war, schlich sich der Norweger mitsamt seinem Hängespiegel kleinlaut davon.

Wir fuhren noch ein paar hundert Meter bis zu einem Ausstellplatz. Dort packte der Mitreisende sein umfangreiches Werkzeug aus und richtete den Spiegel mit einer gesunden Mischung aus Sachkenntnis und Kraft wieder an den ursprünglichen Ort.

Wir waren heilfroh, dass weiter nichts passiert war. Mit einem zerschmetterten Spiegel im Hohen Norden eine FIAT-Garage suchen zu müssen und dort ein paar Tage auf einen Ersatzspiegel zu warten, wäre so ziemlich das letzte Vergnügen gewesen, das wir uns gegönnt hätten.

Öfters mal Panne (23)

… oder: Trinkwasser beschaffen mal anders

Wir hatten unser Wohnmobil noch nicht lange und vermutlich war es das erste richtige Unwetter, das uns als neue Wohnmobil-Besitzer im Zillertal ereilte. Mit knapper Not und einigen Zwischenspurts hatten wir es geschafft, uns trocken ins Womi zu retten. Dann richteten wir es uns gemütlich ein. Sofern man von gemütlich reden kann, wenn der Regen derart laut aufs Dach prasselt, dass man sein eigenes Wort kaum mehr versteht. Damals hatten wir noch kein Sat-TV, sonst hätten wir sicher exakt an jenem Abend erfahren, dass man bei starkem Regen keinen Empfang mehr hat. Aber uns sollten bald andere Probleme beschäftigen, die jede Sorge um ein allfälliges TV-Programm hätten vergessen lassen.

Plötzlich hörten wir ein Tropfen, das nichts mit dem Prasseln der Regenschauer gemein hatte, sondern eindeutig im Fahrzeuginnern über die Bühne gehen musste. Grossalarm! Nach der Quelle des Übels mussten wir nicht lange suchen: Es tropfte munter vom Dampfabzug auf den Gasherd runter. Alles, was wir vorläufig tun konnten, war ein Gefäss unterstellen, damit sich das Wasser nicht weiter ins Womi ergoss. Mit einem etwas mulmigen Gefühl gingen wir schliesslich zu Bett, um mitten in der Nacht die bereits halbvolle Pfanne einmal zu leeren.

Am nächsten Morgen begutachtete mein innig geliebter Mitreisender bei mittlerweile strahlendem Sonnenschein die Schadensszenerie. Das Wasser konnte nach Adam Riese nur durch die Lüftungsöffnung des Dampfabzugs reingekommen sein. Wenn nicht – dann hatten wir ein gröberes Problem.

Ein paar Tage später standen wir in der Werkstatt der Womi-Vertretung. Nicht nur aber auch wegen unserer Sprinkleranlage. Darauf angesprochen meinte der Mechaniker lakonisch: „Ja, das wissen wir, das ist eine Schwachstelle von Knaus. Wenn es heftig und von der richtigen Seite her regnet, tropft es halt durch das Lüftungsgitter rein. Sie können das Gitter abkleben, dann haben Sie Ruhe.“

Ruhe! Pah, da kannte der Mechaniker aber den Mitreisenden schlecht. Sehr schlecht. Dieser hatte nämlich – wie immer, wenn bei einem seiner Fahrzeuge ein Problem auftrat – gerade eben keine Ruhe, sondern längst und intensiv über einer möglichen Lösung gebrütet. Diese bestand darin, eine passende Plastikdose zu finden, ihr den Boden rauszuschneiden und aufzukleben. Tönt banal. War aber sehr effizient, sieht man mal davon ab, dass wir im Verlauf der Jahre mehr als ein Plastikdöschen verschleissten.

Die Sprinkler-Anlage setzte sich nie mehr in Gang. Und was die Trinkwasser-Versorgung betrifft, zu diesem Zwecke hatten die Konstrukteure schliesslich einen Wassertank vorgesehen. Und dessen Einfüllstutzen befand sich ganz wo anders.

Nicht wirklich schön, aber effizient: Unser „Vorbau“ am Lüftungsgitter.

Öfters mal Panne (22)

… oder: Weder vor- noch rückwärts

Innenstädte, das weiss jeder Womi-Fahrer, sind nur bedingt wohnmobiltauglich. Wenn er es nicht weiss, so erfährt er es früher oder später. So wie wir in der nachfolgenden Episode.

Wir waren stets drauf bedacht, dass unsere Fahrzeuge nicht zu gross sind. Der Knaus, mit dem wir unterwegs waren, war keine sechs Meter lang. Doch auch die waren noch zu viel. Als wir in der Innenstadt von Trogir/Kroatien nach einem Parkplatz suchten, führte die Strasse durch eine Häuserzeile, machte eine Rechtskurve und wäre alsdann an der Wasserfront gewesen, wo viel Platz und sogar ein freier Parkplatz waren. Bloss… da hatte ein ganz gefitzter Kroate in der Kurve der Einbahnstrasse sein Fahrzeug abgestellt. Ein PW wäre noch vorbei gekommen, wir mit 2,3 Metern Breite hatten keine Chance.

Tja. Was macht man da? Der Mitreisende entschied sich für hupen. Hätte ja sein können, dass der Fahrer nur gerade unter der nächsten Türe am Palavern ist. War er offenbar nicht, denn es geschah nichts, ausser dass sich hinter uns bereits Fahrzeuge stauten. Nochmals hupen. Wurde prompt quittiert mit hupen von hinten. War zwar ein nettgemeinter Gruss, nützte aber nichts. Ich stieg aus, öffnete die Haustüre und läutete an der ersten Wohnungstüre. Nichts geschah. Dann halt ein Stockwerk höher. Dort öffnete man, verstand aber weder deutsch noch englisch noch französisch, spanisch oder italienisch. Mit Händen und Füssen gelang es mir dennoch, mich verständlich zu machen. Das Hupkonzert von draussen drang wohl laut genug bis ins Treppenhaus hinein.

Mittlerweile hatte sich um unser Womi eine ganze Anzahl wild gestikulierender, diskutierender Kroaten versammelt, die trotz aller Verärgerung diesem ausländischen Verkehrshindernis gegenüber einsehen mussten, dass wir nicht Schuld dran waren, dass es nicht mehr vorwärts ging. Zurück fahren war schon längst keine Option mehr, denn da stauten sich Dutzende von Autos hinter uns. Wir konnten nur beten (aber wie bezirzt man die kroatischen Götter?), dass der Automobilist schleunigst auftauchen würde.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, und ich kann beim besten Willen nicht mehr sagen, ob es zehn oder zwanzig Minuten dauerte, erschien einer ganz lässig jedoch etwas verschlafen, steckte den Schlüssel ins Zündschloss und machte sich aus dem Staub. Das taten wir dann schleunigst auch, denn an diesem temporären Gratisparkplatz hatten wir jegliches Interesse verloren.

Die umgebungsgerechte Müllabfuhr unterwegs in den engen Gassen von Spilt/Kroatien