Öfters mal Panne (29)

… oder: Sperrzone Côte d’Azur

An dieser Stelle möchte ich gerne die Leserinnen und Leser aus dem Wohnmobilforum Schweiz begrüssen.
Schön, dass ihr hierher gefunden habt, auch wenn ich euch den roten Teppich nicht mehr ausrollen darf.

Der Weg war lang, schmal und kurvenreich. Aber an seinem Ende lockte ein Wohnmobil-Stellplatz direkt am Meer. Also spulten wir unverdrossen die 35 Kilometer vom Col de Tende ans Mittelmeer hinunter ab. Über unzählige Kurven galt es, 1’200 Höhenmeter zu vernichten. Mein innig geliebter Mitreisender war am Steuer gefordert, sehr sogar, denn mehr als einmal kam uns auf der schmalen Strasse ein Lastwagen weit jenseits der Mittellinie entgegen.

Als wir endlich in Ventimiglia angekommen waren, zogen wir gleich noch die letzten 8 Kilometer durch bis auf die französische Seite, wo sich der Stellplatz direkt am Wasser befinden sollte. Ich war mir meiner Sache sehr sicher. Schliesslich hatte ich im Vorjahr hoch oben von der Autobahn aus in Menton unten Wohnmobile erblickt und die Stellplatz-Datenbank im Tomtom wartete ebenfalls mit einem entsprechenden Eintrag auf. Wir frohlockten, nur noch wenige Kilometer und wir würden nicht nur endlich eine Pause machen können, sondern unser Tagesziel erreicht haben.

Als Madame Tomtom ankündigte „Sie haben Ihren Zielort erreicht“, waren wir beim Yachthafen des belebten Menton. Wohl direkt am Meer aber vor einem Parkplatz mit einer Höhenbeschränkung. Ratlosigkeit. Meine Hoffnung, dass wir in der Nähe wenigstens einen Parkplatz finden würden, von dem aus wir einen Kaffeehalt schalten, etwas durchatmen und das weitere Vorgehen beraten könnten, zerschlugen sich sehr bald. Selbst Anhalten war unmöglich! Absolut kein freier Parkplatz in Sicht, weder für ein französisches Kleinstauto und schon gar nicht für unser sechs Meter langes Womi. Mir blieb keine Wahl, als den Mitreisenden wieder auf die Autobahn zu lotsen, was einfacher gedacht denn ausgeführt war. Bis wir die rettende Autobahn endlich erreicht hatten, mussten wir mindestens 20 Kilometer durch enge Strassenzüge, vorbei an Gestrüpp und überhängenden Felsen fahren. In der dichtbesiedelten Region an der italienisch/französischen Grenze plumpsen die Alpen buchstäblich direkt ins Meer und die Autobahn liegt auf gut 300 Metern.

Für meine Blauäugigkeit, dass es in einer solchen Region einen Wohnmobil-Stellplatz geben könnte, musste ich mir vom Mitreisenden zu Recht massive Vorwürfe gefallen lassen. Der längst überfällige Halt war erst nach weiteren 60 Kilometern Autobahn-Fahrt bei einer Raststätte möglich. Dort konsultierten wir einmal mehr unser Navi und stellten fest, dass es bei der nächsten Ausfahrt in La Napoule einen Campingplatz geben musste. Wie der aussah war zweitrangig, Hauptsache wir kamen von der Strasse weg. Als wir jedoch beim vermeintlichen Campingplatz ankamen, sahen wir vor uns wieder nur einem Parkplatz mit Höhenbeschränkung. Meine Sorge galt in dem Moment weniger einem geeigneten Übernachtungsplatz als dem Mitreisenden, dessen Nerven auch am durchglühen waren. Er musste einmal mehr einfach weiterfahren, weil wir im hektischen Südfrankreich nirgends anhalten konnten. Details der Stimmung im Womi und die dazugehörigen Gehässigkeiten erspare ich euch lieber.

Einen Kreisel später folgte das erlösende Schild. Es lotste uns auf den Campingplatz L’Argentière. Alles andere als eine gediegene Sache. Der zwar begrünte aber staubige Platz lag in der Nähe eines mückenverseuchten Bachs, in dem wir Ratten schwimmen sahen. Aber nach einer solchen Odyssee kann man wohl nicht mehr gross wählerisch sein.

Aus dieser Episode habe ich nicht nur gelernt, das damals brandneue Navi kritischer zu beurteilen, sondern auch, dass die Côte d’Azur, und zwar die gesamte Côte d’Azur, zum wohnmobilistischen Sperrgebiet gehört. Stellplätze gibt es kaum und wenn, sind sie wenig attraktiv. Die Topografie und die dichte Besiedelung tun ihr Übriges, um einem den Aufenthalt zu vermiesen. Seither haben wir um diesen Teil Südfrankreichs immer entweder einen grossen Bogen gemacht oder schnurstracks einen Campingplatz angefahren.

Öfters mal Panne (28)

… oder: Aufgeladen

War es Glück? War es dem Geschick meines innig geliebten Mitreisenden zu verdanken? Oder war es einfach nur Zufall? Auf all unseren Reisen, die uns mitunter durch sehr abgelegene Gegenden führten, kamen wir nur ein einziges Mal in den Genuss, unser Fahrzeug abschleppen zu müssen.

Das Kataströphchen ereilte uns im Nordwesten der USA, im Staate Washington. Grundsätzlich waren wir dort bei der Schwester des Mitreisenden untergebracht. Eine willkommene Abwechslung, mal wieder einen „festen Wohnsitz“ zu haben nachdem wir bereits mehrere Monate unterwegs gewesen waren. Weshalb wir mit dem eigenen Fahrzeug ausrückten, wo doch in der Garage ein 68er Cougar stand (was für eine Rennmaschine, des Mitreisenden Entzücken kannte keine Grenzen!), weiss ich nicht mehr. Tatsache ist aber, dass wir wenige hundert Meter von der Haustüre entfernt stehen blieben. Einfach stehen blieben. Der Motor war töter als tot; das Zündsystem erhielt keinen Strom mehr. Wir gingen zu Fuss zur Garage an der Ecke, aber der dortige Mechaniker konnte unser Auto auch nicht mehr in Gang bringen. Obschon es kaum zweihundert topfebene Meter von unserem erschlafften Fahrzeug bis zur Reparaturwerkstatt waren, durfte der Camper nicht abgeschleppt werden. Die Amerikanische Gesetzgebung sieht in so einem Fall vor, dass das Auto aufgeladen werden muss.

Die Schadensaufnahme ergab schliesslich, dass unsere Steuerungs-Elektronik in die Jahre gekommen war und ersetzt werden musste. So oxidiert, wie das Ding war, grenzte es an ein Wunder, dass wir überhaupt jemals den Motor anlassen konnten.

Mit neuer Elektronik aufgewertet begleitete uns unser Dodge Campervan noch monatelang durch ganz Nordamerika bis hoch nach Alaska und im folgenden Winter runter nach Mexico. Nicht auszudenken, wenn die Elektronik bei den Mexis ausgestiegen wäre. Die sind zwar Weltmeister im Flicken und Improvisieren, aber vor derartiger Technik hätten wohl auch sie kapitulieren müssen.

Öfters mal Panne (27)

… oder: Ungebetene Gäste

Wenn die Natur auf Besuch kommt, kann man nicht immer die Flucht ergreifen, selbst wenn man das in einem ersten Anflug von Panik am liebsten tun würde. Auf einem Campingplatz in Sardinien hatten wir uns – seinerzeit mit dem VW-Bus unterwegs – eingerichtet und wollten einige geruhsame Tage verbringen.

Natürlich hatten wir sie entdeckt, die paar klitzekleinen Ameischen und klar hatten wir von unseren Nachbarn erfahren, dass einige der Krabbler auf ihrer Kühlbox über Nacht  jämmerlich festgefroren waren. Aber uns konnte doch nichts passieren, schliesslich hatte ein Arbeiter des Platzes um alle vier Räder des Campers ein helles Pulver gestreut, das die Tierlein fernhalten sollte. Wir wurden auch nicht misstrauisch, als wir sahen, dass ein nicht unwesentlicher Teil des Sortiments im Campingplatz eigenen Laden aus Schädlingsbekämpfungsmitteln bestand.

Die Überraschung folgte erst am nächsten Morgen, als sich herausstellte, dass ein ganzes Ameisenvolk ein gemeinsames Ziel verfolgte: unser Konfitürenglas. Mein innig geliebter Mitreisender hatte mir den Anblick erspart und das Glas entsorgt, während ich noch Morgentoilette machte. Als ich frisch geduscht unter der VW-Türe stand, war er bereits mit der Einzelabreibung beschäftigt.

Hereinspaziert waren die ungebetenen Gäste ganz einfach über unser Stromkabel. Da halfen nur radikale Massnahmen in Form von viel Chemie. Noch Tage später klaubten wir mit spitzen Fingern Leichen aus den Fugen und Ritzen unseres VW-Busses. Seither sind wir überaus sensibilisiert, wenn wir Ameisen orten. Und eine Dose Baygon ist zum ständigen Reisebegleiter geworden.

Unsere fahrende Ameisenburg am Tatort in Sardinien.

Noch mehr Lust auf ungebetene Gäste? Dann wendet euch bitte vertrauensvoll diesem Flohnmobil-Post zu.

Öfters mal Panne (26)

… oder: Schmal, schmäler, Bremsspur

Wir waren vorgewarnt. In unserem Wohnmobil-Führer stand geschrieben, dass die Küstenstrassen Norwegens für Wohngondeln wie unsere teilweise ziemlich eng seien, was aber die Norweger nicht von einem flotten Fahrstil abhielte. Die Autoren klassierten die Küstenstrassen wie folgt:

– Ist auf der Strasse ein Mittelstreifen aufgepinselt: keine Gefahr.
– Verfügt die Strasse über keinen Mittelstreifen: es könnte eng werden.
– Hat es vor einer Kurve Bremsspuren: au weia!

Mit solchen Warnungen ausstaffiert, tuckerten wir mehrere Wochen durch Norwegen. Mal auf einer Küstenstrasse bis unvermittelt nur noch Wasser vor uns lag und eine von vielen Fährüberfahrten anstand. Mal über Land. Mal breit, mal schmal, mal mit, mal ohne Mittelstreifen. Mein innig geliebter Mitreisender, der vornehmlich das Steuer in der Hand hielt (jedenfalls in Bezug aufs Autofahren!!!), war Herr der Lage. Mag sein, dass es uns zu Gute kam, dass die Hauptreisezeit noch nicht angebrochen war.

Das Unglück geschah dort, wo man es nicht unbedingt vermuten würde. Auf einer zwar nicht sonderlich breiten, aber schnurgeraden und übersichtlichen Strasse kam uns in ziemlich rasantem Tempo ein VW-Bus entgegen. Und ganz eindeutig mehr auf unserer denn auf seiner Strassenseite. Der Mitreisende, ohnehin nicht schnell unterwegs, wich nach rechts aus, soweit der Strassengraben dies zuliess. Doch es nützte nichts: Die beiden Fahrzeuge touchierten mit einem hässlichen Geräusch.

Der Mitreisende hielt an, der Fahrer des VW-Buses ebenfalls. Auf den ersten Blick schien unser Fahrzeug glimpflich davongekommen zu sein. Der Aussenspiegel war durch die Wucht der Streifkollision nach vorne geklappt, aber das Spiegelglas immerhin noch ganz. Etwas leider sah der Spiegel am VW-Bus aus. Von seltsam bizarrer Form fehlte im eindeutig das Glas. Der Fahrer wollte uns für den Schaden verantwortlich machen, nach dem Motto: „Ihr braucht schliesslich mehr Platz auf der Strasse.“ Als wir erwähnten, dass es uns nicht entgangen sei, dass er während der Fahrt am Telefonieren gewesen war, schlich sich der Norweger mitsamt seinem Hängespiegel kleinlaut davon.

Wir fuhren noch ein paar hundert Meter bis zu einem Ausstellplatz. Dort packte der Mitreisende sein umfangreiches Werkzeug aus und richtete den Spiegel mit einer gesunden Mischung aus Sachkenntnis und Kraft wieder an den ursprünglichen Ort.

Wir waren heilfroh, dass weiter nichts passiert war. Mit einem zerschmetterten Spiegel im Hohen Norden eine FIAT-Garage suchen zu müssen und dort ein paar Tage auf einen Ersatzspiegel zu warten, wäre so ziemlich das letzte Vergnügen gewesen, das wir uns gegönnt hätten.

Öfters mal Panne (25)

… oder: Parkplatz unter dem Wasserfall

Es ist eine Binsenwahrheit und jeder Wohnmobilist wird mir zustimmen: Es geht nichts über ein dichtes Fahrzeug. Leider, so liest man in Foren und Fachliteratur immer wieder, ist dies keineswegs selbstverständlich. Weder bei neuen und erst recht nicht bei etwas in die Jahre gekommenen Gefährten. Das mussten auch mein innig geliebter Mitreisender und ich mehrfach erfahren. Unter anderem in Australien.

Im subtropischen Norden von New South Wales begann es zu regnen. Das muss es dort ab und zu, sonst wäre es nicht so prächtig grün. Wir hatten uns nach dem Nachtessen gemütlich in der Nähe einer Bootsrampe eingerichtet. Der Regen legte einen Zacken zu. Die Tropfen pflatschten bereits reichlich laut aufs Womi-Dach runter. Und dann regnete es noch mehr und pflatschte noch lauter. Und plötzlich regnete und pflatschte es so fest, dass wir dachten, wir hätten irrtümlich unter einem Wasserfall parkiert.

Diese Möglichkeit konnten wir nicht mehr ganz ausschliessen, denn durch die Fensterscheiben sahen wir so gut wie nichts, obschon es draussen noch nicht völlig dunkel war. Doch was wir sahen, war alles andere als ermutigend. Es regnete ins Wohnmobil! An unseren Schiebefenstern vorbei schlichen sich zuerst einzelne Tropfen ins Fahrzeuginnere. Aus den Tropfen wurden Rinnsale und diese schliesslich zu eigentlichen Bächen. Wir mussten hilflos zusehen, wie unser Womi geflutet wurde.

Da erinnerten wir uns, dass wir in der Nähe einen Parkplatz unter einer Brücke gesehen hatten, der in unserem Führer sogar als möglicher Übernachtungsplatz erwähnt gewesen war. Hatten wir ihn anfänglich noch verschmäht, erschien er uns nun als Rettung in der Not. Wir starteten unser Fahrzeug bevor es ganz zur Badewanne verkam und fuhren die wenigen Meter bis zur Brücke. Dort standen wir einigermassen geschützt vor den sintflutartigen Regenfällen. Glücklicherweise schliefen wir im Alkoven und dort blieb es nahezu trocken, weil die Fenster viel kleiner waren.

Am anderen Morgen fuhren wir schnurstracks in eine Wäscherei. Solche Laundries gibt es in Australien in jedem Kaff und sie verfügen stets über Wäschetrockner der Grösse XXL. Wir verfrachteten unsere völlig durchnässten Sitzpolster in die Trockner und liessen sie Runden drehen. Da unser Fahrzeugaufbau vollständig aus Polyester gefertigt war, mussten wir wenigstens nicht befürchten, dass sich irgendwelche Zwischenwände aus Holz mit Wasser vollgesogen hatten. Nachdem die Polster getrocknet waren, mussten wir verhindern, dass es auf dem Teppich vor lauter Feuchtigkeit zu spriessen begann. Der Teppich übrigens war eine ganz geniale Sache, wie ich sie hierzulande noch nie gesehen habe. Das Material war angenehm zum drauf laufen, von der Dicke her etwa wie Nadelfilz, es liess sich mit Schüüfeli und Wüscherli (Schaufel und Besen) einfach reinigen und in ganz argen Fällen mit einer Bürste schrubben.

Wir fuhren auf den erstbesten Campingplatz und suchten uns einen trockenen Stellplatz. Gar keine einfache Sache nach der vorangegangenen Sintflut. Dort setzten wir alle verfügbaren Mittel ein: Unsere Klimaanlage lief auf Volldampf und der Heizlüfter ebenso. Der Mitreisende organisierte sich eine Leiter und hantierte währenddessen mit einer Tube Silikon. Damit dichtete er die Fensterrahmen der Einfachverglasung unserer Schiebefenster ab. Nicht das erste Mal übrigens, dass wir an diesem Fahrzeug mit Dichtmittel Hand anlegen mussten, wie hier nachzulesen ist.

32 Kilowatt später war unsere Tropfsteinhöhle wieder trockengelegt. Ob es uns gelungen war, genügend abzudichten, wussten wir nicht. In den kommenden Monaten gerieten wir zwar ab und zu in einen Regenguss, aber diese „Wasserfall-Szenerie“ wiederholte sich glücklicherweise nicht mehr.

Der fotogene Millaa Millaa Fall im Nordosten Australiens. Angeblich Sujet zahlreicher Foto-Shootings.

Öfters mal Panne (24)

… oder: Hoppla, Tope!

Die Mexikaner sind ein temperamentvolles Volk. Temperamentvoll ist auch ihre Fahrweise. Und zwar derart, dass sie hemmungslos mit einem Hunderter durchs Dorfzentrum blochen würden. Wären da nicht die Topes.

Topes? Topes sind verkehrsentschleunigende Schwellen, eine Spezialität des mexikanischen Strassenverkehrs. Denn so, und nur so, ist den Rasern in diesem Land beizukommen. Topes können als betonierte oder gepflasterte Schwellen unvermittelt vor einem auftauchen. Vor, in und nach einer Ortschaft und beliebig viele hintereinander. Wenn es eine Warntafel hat, so steht sie häufig genug präzis beim Hindernis, so dass nur ein abruptes Bremsen einen allzu argen Rumpler über die Schwelle verhindert.


Bildquelle: www.mexicotravelplan.co.uk

Mehr als einmal hatte es uns an einem Tope die Besteckschublade frisch einsortiert! Mitunter steht an einem Tope auch mal ein Stück Armierungseisen vor. Das sieht man selbstverständlich nicht. Kann sich aber kurze Zeit später anhand des zerfetzten Pneus ausrechnen, dass da etwas in der Art gewesen sein muss.

In fünf Monaten Mexiko hatten wir insgesamt vier Platten zu beklagen. In fast zwei Jahren USA und Kanada dagegen erwischte es uns nie. Die Plattfüsse dürften, mit der folgenden Ausnahme, auf Topes zurückzuführen gewesen sein.

Eine Reifenpanne mit mehrfachen Folgeschäden hatten wir auf der Fahrt durch die Baja California. Bei einem aufgummierten Pneu, den wir in Mexiko kaufen mussten, hatte es den Gummi von der Karkasse geschält. Die Pneufetzen hatten den Auspuff und den Benzintank-Einfüllstutzen ramponiert und einen Teil des Kotflügels verbogen. Es war einmal mehr dem mechanischen Geschick meines innig geliebten Mitreisenden zu verdanken, dass wir nach dem Radwechsel, dem Kräfte raubenden Zurechtbiegen des Kotflügels und Anpassen des Einfüllstutzens ohne Probleme weiterfahren konnten.

Ganz ohne Probleme war es dann doch nicht, denn in der nächsten Stadt mussten wir uns auf die Suche nach einem gebrauchten Reifen machen. Was es für Auswirkungen auf den Preis hat, wenn zwei Gringos einen Pneu suchen, brauche ich euch wohl nicht näher zu erläutern.

Öfters mal Panne (23)

… oder: Trinkwasser beschaffen mal anders

Wir hatten unser Wohnmobil noch nicht lange und vermutlich war es das erste richtige Unwetter, das uns als neue Wohnmobil-Besitzer im Zillertal ereilte. Mit knapper Not und einigen Zwischenspurts hatten wir es geschafft, uns trocken ins Womi zu retten. Dann richteten wir es uns gemütlich ein. Sofern man von gemütlich reden kann, wenn der Regen derart laut aufs Dach prasselt, dass man sein eigenes Wort kaum mehr versteht. Damals hatten wir noch kein Sat-TV, sonst hätten wir sicher exakt an jenem Abend erfahren, dass man bei starkem Regen keinen Empfang mehr hat. Aber uns sollten bald andere Probleme beschäftigen, die jede Sorge um ein allfälliges TV-Programm hätten vergessen lassen.

Plötzlich hörten wir ein Tropfen, das nichts mit dem Prasseln der Regenschauer gemein hatte, sondern eindeutig im Fahrzeuginnern über die Bühne gehen musste. Grossalarm! Nach der Quelle des Übels mussten wir nicht lange suchen: Es tropfte munter vom Dampfabzug auf den Gasherd runter. Alles, was wir vorläufig tun konnten, war ein Gefäss unterstellen, damit sich das Wasser nicht weiter ins Womi ergoss. Mit einem etwas mulmigen Gefühl gingen wir schliesslich zu Bett, um mitten in der Nacht die bereits halbvolle Pfanne einmal zu leeren.

Am nächsten Morgen begutachtete mein innig geliebter Mitreisender bei mittlerweile strahlendem Sonnenschein die Schadensszenerie. Das Wasser konnte nach Adam Riese nur durch die Lüftungsöffnung des Dampfabzugs reingekommen sein. Wenn nicht – dann hatten wir ein gröberes Problem.

Ein paar Tage später standen wir in der Werkstatt der Womi-Vertretung. Nicht nur aber auch wegen unserer Sprinkleranlage. Darauf angesprochen meinte der Mechaniker lakonisch: „Ja, das wissen wir, das ist eine Schwachstelle von Knaus. Wenn es heftig und von der richtigen Seite her regnet, tropft es halt durch das Lüftungsgitter rein. Sie können das Gitter abkleben, dann haben Sie Ruhe.“

Ruhe! Pah, da kannte der Mechaniker aber den Mitreisenden schlecht. Sehr schlecht. Dieser hatte nämlich – wie immer, wenn bei einem seiner Fahrzeuge ein Problem auftrat – gerade eben keine Ruhe, sondern längst und intensiv über einer möglichen Lösung gebrütet. Diese bestand darin, eine passende Plastikdose zu finden, ihr den Boden rauszuschneiden und aufzukleben. Tönt banal. War aber sehr effizient, sieht man mal davon ab, dass wir im Verlauf der Jahre mehr als ein Plastikdöschen verschleissten.

Die Sprinkler-Anlage setzte sich nie mehr in Gang. Und was die Trinkwasser-Versorgung betrifft, zu diesem Zwecke hatten die Konstrukteure schliesslich einen Wassertank vorgesehen. Und dessen Einfüllstutzen befand sich ganz wo anders.

Nicht wirklich schön, aber effizient: Unser „Vorbau“ am Lüftungsgitter.

Öfters mal Panne (22)

… oder: Weder vor- noch rückwärts

Innenstädte, das weiss jeder Womi-Fahrer, sind nur bedingt wohnmobiltauglich. Wenn er es nicht weiss, so erfährt er es früher oder später. So wie wir in der nachfolgenden Episode.

Wir waren stets drauf bedacht, dass unsere Fahrzeuge nicht zu gross sind. Der Knaus, mit dem wir unterwegs waren, war keine sechs Meter lang. Doch auch die waren noch zu viel. Als wir in der Innenstadt von Trogir/Kroatien nach einem Parkplatz suchten, führte die Strasse durch eine Häuserzeile, machte eine Rechtskurve und wäre alsdann an der Wasserfront gewesen, wo viel Platz und sogar ein freier Parkplatz waren. Bloss… da hatte ein ganz gefitzter Kroate in der Kurve der Einbahnstrasse sein Fahrzeug abgestellt. Ein PW wäre noch vorbei gekommen, wir mit 2,3 Metern Breite hatten keine Chance.

Tja. Was macht man da? Der Mitreisende entschied sich für hupen. Hätte ja sein können, dass der Fahrer nur gerade unter der nächsten Türe am Palavern ist. War er offenbar nicht, denn es geschah nichts, ausser dass sich hinter uns bereits Fahrzeuge stauten. Nochmals hupen. Wurde prompt quittiert mit hupen von hinten. War zwar ein nettgemeinter Gruss, nützte aber nichts. Ich stieg aus, öffnete die Haustüre und läutete an der ersten Wohnungstüre. Nichts geschah. Dann halt ein Stockwerk höher. Dort öffnete man, verstand aber weder deutsch noch englisch noch französisch, spanisch oder italienisch. Mit Händen und Füssen gelang es mir dennoch, mich verständlich zu machen. Das Hupkonzert von draussen drang wohl laut genug bis ins Treppenhaus hinein.

Mittlerweile hatte sich um unser Womi eine ganze Anzahl wild gestikulierender, diskutierender Kroaten versammelt, die trotz aller Verärgerung diesem ausländischen Verkehrshindernis gegenüber einsehen mussten, dass wir nicht Schuld dran waren, dass es nicht mehr vorwärts ging. Zurück fahren war schon längst keine Option mehr, denn da stauten sich Dutzende von Autos hinter uns. Wir konnten nur beten (aber wie bezirzt man die kroatischen Götter?), dass der Automobilist schleunigst auftauchen würde.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, und ich kann beim besten Willen nicht mehr sagen, ob es zehn oder zwanzig Minuten dauerte, erschien einer ganz lässig jedoch etwas verschlafen, steckte den Schlüssel ins Zündschloss und machte sich aus dem Staub. Das taten wir dann schleunigst auch, denn an diesem temporären Gratisparkplatz hatten wir jegliches Interesse verloren.

Die umgebungsgerechte Müllabfuhr unterwegs in den engen Gassen von Spilt/Kroatien

Öfters mal Panne (21)

…. oder: Wie sich ein Problem in Luft auflösen kann

Die folgende Begebenheit ereignete sich an einem euphorischen Frühlings-Tag. Mein innig geliebter Mitbewohner und ich motteten unser Wohnmobil aus. Dazu gehörte, nachdem das Womi von seinem Wintermäntelchen befreit war und wieder auf den eigenen vier Rädern stand, eine kurze Probefahrt und eine Funktionskontrolle, ob alle Apparaturen den Winter schadlos überstanden hatten.

Zu diesen Apparaturen gehörte unter anderem die Heizung. Also Gashahn auf, zuerst kurz einen der Gasbrenner anzünden, zum feststellen, ob auch wirklich Gas kommt, dann zwei Schritte weiter hinten im Womi den Knopf der Heizung drücken. Auf Anhieb sprang sie nicht an. Kann ja mal sein, nach so langer Zeit. Also nachmals drücken. Da ging immer noch nichts. Ein Ticken verriet, dass die Elektronik Strom erhielt, also nochmals den Startknopf drücken.

W u f f

Au weia! So war das nicht vorgesehen. Hatte es uns gleich die ganze Heizung verheizt (ach daher der Begriff…)? Wir machten einen vorsichtigen Gang ums Womi um den Schaden zu begutachten.

Blenden wir zwecks Aufrollen der Geschichte einige Monate zurück. Da standen wir in einem Camping-Zubehör-Shop und erzählten von unserem genialen Einstellplatz auf einem ausgedienten Bauernhof. Das Womi stand in einem ehemaligen Geräteschuppen, vor Witterungseinflüssen geschützt, auf einem Betonboden, die Batterien durften den ganzen Winter über am Strom nuckeln. Ein gemütliches Winterquartier für so ein Gefährt.

„Dort hat es doch bestimmt Spinnen?“ erkundigte sich der aufmerksame Verkäufer, „wissen Sie, wir hatten schon Kunden, bei denen haben sich Spinnen in der Heizung eingenistet und den Kamin verstopft.“ Mit flinken Schritten verschwand er hinter dem nächsten Gestell und kam mit einem Kunststoff-Deckel zurück. „Wenn Sie diesen Deckel auf den Wandkamin aufsetzen, haben Sie Ruhe.“ Das leuchtete dem Mitbewohner ein und in solchen Dingen hat er schliesslich das Sagen. Wir erstanden folglich diese Abdeckung und vermutlich noch einiges mehr und fuhren von dannen.

Als wir Monate später nach dem lauten Knall mit vorsichtig-kritischem Blick ums Womi herum gingen, war von dem Deckel, den wir zum Schutz vor Spinnen aufgesetzt hatten, nichts mehr zu sehen. Er hatte sich in kleinste Stücke verabschiedet. Und mit ihm das Aussenteil des Heizkamins. Mit betretener Miene schauten der Mitbewohner und ich uns an. An diesen verdammten Deckel hatten wir nicht mehr gedacht! Die bange Frage, die nun im Raum stand: Funktionierte die Heizung noch oder hatten wir ihr auch grad den Garaus gemacht?

Von diesem Deckel befreit lief die Heizung zumindest auf Anhieb an. Aber würde sie ihren Dienst tatsächlich ohne Murren verrichten? Sie tat es. Und nachdem wir das Kunststoffteil am Wandkamin für wenige Franken wieder ersetzt hatten, waren wir uns schnell einig, dass wir im nächsten Frühling lieber ein paar Spinnen verheizen würden als eine neue Kaminabdeckung. So stellen sich einem immer wieder Probleme in den Weg, die sich schliesslich einfach in Luft auf lösen.

Öfters mal Panne (20)

… oder: Viel Luft unter dem Kupplungs-Pedal

Es geschah ganz an Anfang unserer gemeinsamen Zeit. Mein innig geliebter Mitreisender war damals noch nicht mal mein Mitbewohner. Es war unser erster gemeinsamer Sommerurlaub, der (hier nachzulesen) schon am ersten Abend von einer Panne geprägt war. Wir waren in Sardinien unterwegs, der VW-Bus gehörte einem Bekannten von uns und wir waren schwer verliebt.

Auch wenn ich mir mittlerweile zwangsläufig einige mechanische Kenntnisse angeeignet habe, 1993 hatte ich von Tuten und Blasen keine Ahnung. Als drum der Mitreisende mitten in der Pampa unvermittelt sagte „Jetzt ist das Kupplungs-Seil gerissen“, konnte ich mir darauf keinen Reim machen. Vermutlich habe ich etwas so Einfältiges wie „Und jetzt?“ gefragt.

Der VW-Bus, Jahrgang 1978 wenn ich mich richtig erinnere, verfügte über eine Querbank und unter eben dieser befand sich ein unberechenbares Sammelsurium an Werkzeugen und Ersatzteilen aller Gattung. Der Mitbewohner begann darin zu wühlen und förderte innert kürzester Zeit ein intaktes Kupplungs-Seil zu Tage. Noch immer hatte ich keine Ahnung, was als Nächstes passieren würde, war ich doch damals über die vielfältigen Talente meines zukünftigen Ehegatten noch nicht im Bilde.

„Und jetzt?“ dürfte ich deshalb zum wiederholten Mal gefragt haben. „Jetzt bauen wir das gerissene Kupplungs-Seil aus und das neue ein.“ Der Mitreisende schien sich seiner Sache ziemlich sicher und verschwand schon kurz darauf unter dem Fahrzeug. Es muss exakt an jenem Tag gewesen sein, als mein Stern als Handlanger aufging.

Schraubenzieher!
Grösser!
10-er Schlüssel!
Zeeehner-Schlüüüüüssel!
Halllooooooo???

Die Anordnungen folgten Schlag auf Schlag und ich wühlte artig im Werkzeug-Sammelsurium. Zwischendurch aber musste ich diesen denkwürdigen Moment festhalten und ergriff mir die Video-Kamera des Mitreisenden. Für Nichteingeweihte sieht die kurze Filmsequenz so aus, als ob da einer überfahren worden wäre, denn es schauten nur die braungebrannten Beine des Mitreisenden unter dem Auto hervor.

Trotz meines grossen Potentials als Handlangerin war es mir nicht vergönnt, diese neu entdeckte Passion auszuleben, wurde ich doch –aus rein pädagogischen Gründen, wie mir der Mitreisende später eingestand – auch noch unters Auto beordert. Und wenn ich etwas hasse, dann ist es, an einem Auto, welcher Marke auch immer, von unten Hand anlegen zu müssen.

Dass der VW-Bus mehr trotz denn wegen mir bald darauf wieder flott war, darf man als den rühmlichen Abschluss dieser Panne bezeichnen. Mittlerweile habe ich gelernt: Moderne Autos haben schon lange kein Kupplungsseil mehr. Zumindest eine gleiche Reparatur wird mir demnach erspart bleiben.