Schlechtes Gewissen

Genau dieses befiel mich. Das schlechte Gewissen. Ich stand am Wasserhahn und füllte die Giesskanne, um meinen Garten zu wässern. Einen Garten, der streng genommen zu nichts nütze ist. Er versorgt weder mich noch irgendwelche Nutztiere mit Nahrung. Er dient rein der Zierde und meiner Freude. Gut, der eine oder andere Vogel mag sich hierhin verirren, Insekten, kleine Säugetiere.

Ich versuche, so viel Wasser zu geben, dass die diversen Pflanzen trotz der lange anhaltenden Trockenheit einigermassen eine Gattung machen. Rasen wässern, soviel Vernunft hat Einzug gehalten, ist kein Thema! Auch so füllt sich die Giesskanne mindestens zehn Mal mit zehn Litern.

Wie lange können wir uns den Luxus noch erlauben, unsere Ziergärten zu wässern? In unserer Gemeinde ist das Wasser noch nicht rationiert. Es wurde aber vor sechs Tagen zum “schonenden Umgang mit Trinkwasser” mit zahlreichen konkreten Tipps aufgerufen.

Was heisst das nun? Bei uns ist alles Wasser, das aus der Wasserversorgung stammt, Trinkwasser. Auch das, das ich über die Pflanzen kippe, mit dem ich Wäsche wasche, dusche, die Toilette spüle. Jedes Mal, wenn ich Gemüse wasche, denke ich, mit diesem Wasser könnte man schon wieder eine Pflanze wässern. Aber unsere Infrastruktur sieht das nicht vor. Ich müsste das Gemüse statt im Spülbecken in einem Plastikbecken waschen und dieses dann nach draussen tragen. Das wäre machbar. Und tatsächlich habe ich das auch schon praktiziert. Aber längst nicht immer.

Ich erinnere mich an eine Radioreportage vor einigen Monaten wo berichtet wurde, dass in Südafrika das Wasser auf 50 Liter pro Person und Tag rationiert sei. Da überlegt man sich zweimal, wofür man das Wasser braucht und wie man es recyceln kann. Ob es in Südafrika in der Zwischenzeit ausgiebig geregnet hat, weiss ich nicht. Die eigenen Probleme haben die Wasserknappheit am anderen Ende der Welt in den Hintergrund rücken lassen. Die Medien müssen nicht mehr um den halben Globus reisen, um über Dürren und drohende Ernteausfälle zu berichten.

Unsere Seen sind gewaltige Süsswasser-Speicher. Aber was nützen sie den Gemüseanbauern, die oft weit weg davon ihre Felder vertrocknen sehen? Wo führt der sorglose Umgang mit dem kostbaren Wasser und den Ressourcen im Allgemeinen noch hin? Es hat mich erschüttert zu hören, dass wir weltweit den Erdüberlastungstag bereits erreicht haben; wir Schweizer mit unserem sorglosen Verhalten sogar schon am 7. Mai.  !!!

Ich weiss, dass ich da auch meinen Anteil dran habe. Vielleicht etwas weniger als der Durchschnitt hierzulande, aber ich hause  wie alle, die hier mitlesen, nun mal nicht in einer Lehmhütte.

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Das Bild stammt ausdrücklich nicht von meinem Garten! Ich habe es im Juli 2006 auf der Schwedischen Insel Öland aufgenommen, wo es auch extrem trocken war.

Abkühlung

Ich weiss nicht, wieso mir der Gedanke ausgerechnet heute kam. Als ich nach dem Einkaufen bei gefühlten 50 und tatsächlichen 34 Grad auf mein Auto zuging, kam mir plötzlich in den Sinn, dass ich neue Winterreifen brauche.

Dieser Gedanke hat kurz für etwas Abkühlung gesorgt.

Aber wirklich nur ganz kurz.

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Auf zum musikalischen See

Weiter geht’s! Dies sind Tag drei und vier unserer Mehrtages-Wanderung.

Nach einem Gewitter in der Nacht sieht das Wetter am Morgen wieder einigermassen freundlich aus.

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Morgens um halb Acht ist ein Pflug talwärts gefahren. Kein Witz! Wir vermuten, dass das nach jedem Regen Programm ist, um die losen Steine, die sich zweifelsohne vom seltsam anmutenden Gestein immer wieder lösen, zur Seite zu schieben.

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Die Hochspannungsleitung begleitet uns auf dem Weg zum Sanetsch-Pass.

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Mit dem Sanetschpass haben wir auch die Wasserscheide überquert. Dieses lammfromme Bächlein – es hört auf den Namen Sarine (Saane) –  fliesst dereinst in die Nordsee.

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Der Weg führt dem Ufer des Sanetschsees entlang und ist schon beinahe übertrieben gut gesichert.

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Die Ernüchterung an der Staumauer: Das Restaurant ist geschlossen. Wie wir später erfahren werden schon längere Zeit. Kein Kafi! Sad smile

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Was wir dagegen bereits gewusst haben: Der anvisierte Weg ist nach einem Felssturz gesperrt.

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Es bleibt keine Wahl: Wir müssen mit der Seilbahn runter.

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In Gsteig empfängt uns die einzige Regenzelle über dem ganzen Land. Wir stehen bei der Kraftwerkszentrale unter, erhalten von einem sehr aufgeschlossenen Mitarbeiter eine private Werksführung und lassen es draussen schiffen.

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Schon wieder drängt sich eine Änderung auf. Wir visieren zuerst Gsteig an, wo wir kurz einkehren und es ausregnen lassen.

Die Regentrachten sind sehr variantenreich. Am besten gefällt mir Barbaras Dööh-Piäss.

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In drückender Wärme, begleitet von letzten Tropfen, packen wir den Aufstieg zur Chrine an.

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Blick zurück zum Col du Pillon.

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Nach der Chrine ein weiterer kurzer Anstieg und dann geht es nur noch bergab.

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Und endlich kommt er in Sicht. Der See, der uns schon so lange nachläuft.

…. Note Note Note  L o u e n e – S e e e e e e h  Note Note Note 

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Unterwegs fallen nochmals ein paar Tropfen, aber als wir am Ufer des kleineren der beiden Seen stehen, scheint die Sonne. Badefreuden steht nichts mehr im Weg.

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Das Postauto bringt uns nach Lauenen, wo wir im Hotel Wildhorn bestens einquartiert sind. Wir sind uns einig, dass wir uns mit jedem Tag, sowohl was die Übernachtung als auch die Verpflegung betrifft, gesteigert haben.

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Es finden einige Rochaden statt und so starten wir den vierten und letzten Tag nur noch zu sechst und mit zwei total frischen Wanderern.

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Der Aufstieg nach Chüetungel übers Tungeltrittli ist teilweise ausgesetzt, aber gut abgesichert.

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Und immer wieder der Blick zurück zum….   Note Note Note 

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Bei Chüetungel öffnet sich die Landschaft.

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Im sehr sympathischen Alpbeizli Stieretungel kehren wir ein.

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Es gilt nochmals 300 Höhenmeter zu bewältigen.

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Auf 2’378 m haben wir den höchsten Punkt aller vier Tage erreicht. Unser Zwischenziel, der Iffigsee, ist auch zum Vorschein gekommen.

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Baden ist einmal mehr freiwillig.

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Es folgt noch der Abstieg zur Iffigenalp und eine laaaange Heimfahrt.

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Den genauen Routenverlauf von Tag drei kann man HIER und HIER nachlesen.

Denjenigen des vierten Tages HIER.

Schweiz Mobil behauptet, wir seien in diesen vier Tagen 54,15 km weit gelaufen, hätten 4’144 Höhenmeter im Aufstieg und 2’913 im Abstieg bewältigt.

Ich dagegen behaupte, unabhängig dieser nackten Zahlen war es einfach nur schön. Und Wetterglück hatten wir auch. Aber in erster Linie habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass eine Wanderung nur so toll sein kann, wie die Leute, die mitwandern.

Ich danke allen Mitwanderinnen und Mitwanderern für ihren Einsatz und ihr Vertrauen in mich als Tourenleiterin. Auf ein ander Mal!

Weitere Fotos und Informationen zu den ersten drei Tagen dieser Wanderung gibt es HIER.

Und wer den Anfang verpasst hat: HIER geht es zum Bericht von Tag eins und zwei.

Angehimmelt

Kurz vor 21.30 Uhr hielt ich es daheim nicht mehr aus. Ich wollte das Schauspiel nicht verpassen und folgte dem Bann des Trabanten.

Auf einer Anhöhe bei unserem Dorf mit freier Sicht gen Osten stand zwar nicht gerade eine Menschenmenge, jedoch war ich mit meiner Idee nicht alleine.

Man sah den Mond bereits knapp über dem Horizont. Wo blieb das Schauspiel?

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21.43 Uhr

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21.53 Uhr

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22.07 Uhr

Mittlerweile war auch das Ragusa am Firmament aufgetaucht. Oder wie hiess dieser Planet schon wieder?

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22.18 Uhr

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22.23 Uhr

Eine Stunde des Wartens später stand ich auf und ging heim. Ich hatte den Mond lange genug angehimmelt – selten hat dieser Begriff besser zugetroffen.

Der angenehme Nebeneffekt dieses Naturschauspiels war zweifelsohne die kühle Brise, die auf der Anhöhe blies. Es hat sich nur schon deshalb gelohnt.

Und es werde Derborence!

Lange geplant, am 23. Juli umgesetzt. Wir sitzen zu siebt im Zug ins Wallis und starten das Unternehmen “Viertageswanderung”. Die lange Fahrt endet in einer Region, wo wir sonst für Tageswanderungen nicht hinkommen: im Waadtland. In Bex besteigen wir das altertümliche Züglein Richtung Villars-sur-Ollon.

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Die Euphorie über die Nostalgie-Fahrt auf dem Schmalspur-Trassee mit Zahnstangen verpufft rasch, als wir feststellen, dass der Bus nach Solalex den um etwa 10 Minuten verspäteten Zug nicht abgewartet hat. Der nächste Bus fährt erst in vier Stunden. Rolf setzt sich ins Zeug und so können die drohenden zwei Zusatzstunden Wanderzeit immerhin halbiert werden.

In Les Ernets geht es also los und wir sind eigentlich ganz entzückt vom Weg.

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Nach weniger als einer Stunde kommt Solalex in Sicht. Bis dorthin ist die Strasse öffentlich befahrbar, es hat mehrere Ferienhäuser und zwei Restaurations-Betriebe.

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Der Aufstieg nach Anzeinde ist mitunter etwas ruppig und quert mehrere Gräben.

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Schon fast ein kleines Dorf, dieses Anzeinde. Auch hier könnte man einkehren und/oder übernachten.

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Ist das nicht einfach nur traumhaft schön?

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Am Pas de Cheville beginnt der Abstieg nach Derborence.

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Erst bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das grüne Etwas auf der verblühten Anemone als Doppelpack. Wer ist hier was und was machen die genau?

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Lac de Derborence. Wie lange wollte ich schon hierhin! Mit meinem Mann zusammen habe ich das leider nie geschafft; dieses Tal ist einfach zu abgelegen, zu weit weg von daheim.

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Meine Erwartungen werden nicht enttäuscht. Dieser See, der erst durch einen Felssturz vor 300 Jahren entstanden ist, ist ein wahres Idyll. Die ganze Gegend strahlt auf mich eine unbeschreibliche Magie aus.

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Nachdem wir uns in der Refuge du Lac einquartiert haben, unternehmen wir einen Rundgang um den See

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und in den See. Die Meisten von uns allerdings höchstens bis zu den Knien.

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Skulpturelles am Wegesrand. Die Natur erweist sich einmal mehr als begnadete Künstlerin.

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Nach einer mittelprächtig guten Nacht im Massenlager starten wir in der Kühle des Morgens zur zweiten Etappe.

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Es ist gut auszumachen, wo vor dreihundert Jahren die Felsmassen ins Tal gestürzt sind.

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Der Weg schlängelt sich im Bergsturzgebiet um die Felsblöcke. Mal auf, mal ab, zahlreiche Rinnen querend.

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Ein vermeintlicher Muni, der mitten im Weg steht, erweist sich als stämmiges Ehringer Rind. Clara rettet unseren Tag und lotst das Rindvieh zurück zur kleinen Herde.

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Irgendwo im linken Teil des Bildes muss der Weg weiter führen. Wir können uns im Moment nicht so ganz vorstellen, wo es durchgehen soll.

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Es darf gekraxelt werden.

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Wir überwinden die mit Ketten, dicken Tauen, Eisenbügeln und Leitern abgesicherte Passage und erfreuen uns oben nicht nur unserer Leistung, sondern eines prächtigen Panoramas in den Kessel von Derborence.

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Was nun folgt, kann uns nicht mehr erschüttern.

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Weder das kurze Schneefeld, über das wir auf 2’300 m absteigen müssen

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Noch die Karrenfelder, die es am Col de Sanetsch zu queren gilt.

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Wir haben unsere Tagesziel beinahe erreicht.

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Im Hotel du Sanetsch auf 2’046 m beziehen wir Quartier

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und bestaunen das Panorama auf der anderen Seite des Rhone-Tals.

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Das wären die ersten zwei von insgesamt vier Tagen.

Die Details der ersten Etappe gibt es hier nachzuschauen.

Die zweite Etappe kann man hier bequem vom PC aus mitwandern.

Wen die Geschichte von Derborence interessiert, wird hier fündig.

Fortsetzung folgt HIER.

Prioritäten festlegen

Ich stand am Bahnhof, der Rucksack hing schwer an meinen Schultern. Im Geiste scannte ich seinen Inhalt. War irgend etwas daheim geblieben?

Eiskalt lief es mir den Rücken runter. Das Handykabel!!!!!!

Ich überlegte fieberhaft. Wie konnte ich morgens um Sechs ein Ladekabel beschaffen? Ich hatte es doch beim Umsteigen gemütlich angehen und einen Kaffee trinken wollen.

Ich stand vor der schwerwiegenden Entscheidung: auf eine lebenserhaltende Tasse Kaffee verzichten…..

…. oder die kommenden Tage von der digitalen Welt abgenabelt zu sein.

Wie hättet ihr entschieden?

Wenn du denkst…

… du stehst an der Kasse, wo nur gerade einer vor dir steht und es deshalb am schnellsten geht.

Dann hast du nicht berücksichtigt, dass dieser Typ

  • seine Bananen nicht gewogen hat
  • ein zwängelndes Kleinkind dabei hat
  • seinen 20fach-Cumulus-Bon für Hosenträger auf dem Handy hat
  • dieses Handy gerade auf einem Selbstfindungs-Trip ist
  • der zweifach-Cumulus-Bon vom letzten Mal irgendwo zerknittert im Portemonnaie steckt
  • und seinen PIN-Code vor lauter Aufregung nicht auf Anhieb richtig eintippt.

Aber du hast ja alle Zeit der Welt, oder?

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