Hochheilige 13

Bei uns im Fitness-Center bleibt das Garderoben-Kästchen mit der Nummer 13 häufig als einziges unbenutzt. In Flugzeugen gibt es keine 13. Reihe. Es tropft vor lauter Aberglaube!

Die Dreizehn gilt als Unglückszahl. Ich dagegen finde sie super. Ich habe am 13.2.1993 meinen Mann kennen gelernt, wohne seit zwei Jahrzehnten glücklich und zufrieden in der Hausnummer 13 und bringe dieser Zahl je länger je mehr Sympathien entgegen, da es das Schicksal heute vor einem Monat wieder gut mit mir gemeint hat.

Die Dreizehn ist definitiv meine Lieblingszahl! Deshalb habe ich keine Skrupel, diesen Blogbeitrag heute um 13.13. Uhr zu veröffentlichen.

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Tage wie dieser

  • können keiner Fliege etwas zu Leide tun
  • dürfte es ruhig mehr geben
  • lassen den Puls jedes Skifahrers höher schlagen
  • sind einfach herrlich
  • sind so etwas wie das Filetstück eines Winters
  • sollen wirklich Unglück bringen?

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Ich wünsche euch – auch an diesem Freitag, den 13. – einen wunderschönen Tag ohne schwarze Katzen und dergleichen.

Gibt es hier jemanden, der abergläubisch ist? Auf was?

Der pinkfarbene Wetterbote

Heute mache ich mit euch einen kleinen Ausflug in die Botanik. Begleitet ihr mich?

Sicherlich habt ihr dieses Gestrüpp schon mal gesehen.

Aber vielleicht wisst ihr nicht, dass es sich hierbei um das Schmalblättrige Weidenröschen (Epilobium angustifolium) handelt. Es wächst im Verlauf des Sommers zu einem zünftigen Gestrüpp heran, das bis 1,5 Meter hoch werden kann. Die Sonnenanbeterin bevorzugt Ufer, Böschungen, Kiesgruben und dergleichen. Sie kommt in Höhen lagen bis gegen 2’000 Meter vor. Die zahlreichen Blüten des Nachtkerzengewächses bilden einen Blütenstand ähnlich einer langen Ähre und öffnen sich von unten nach oben. Die sich daraus bildenden Kapselfrüchte enthalten winzige Samen. Ausgestattet mit einem langen Haarschopf kann der Wind diese mehrere Kilometer weit davontragen. Flächen, die etwa durch Kahlschlag oder Waldbrand entstanden sind, werden dadurch rasch wieder besiedelt. Der englische Name „Fireweed“ deutet auf diese Eigenschaft hin, ist die Pflanze nach Waldbränden doch oftmals das erste Grün, das einer derart verwüsteten Gegend wieder Farbtupfer verleiht. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt das Gewächs in Deutschland den wenig rühmlichen Namen „Trümmerblume“, weil es sich auf den Schutt- und Trümmerflächen der eingestürzten Gebäude rasch ausbreitete.

Alle Pflanzenteile sind essbar, wem der Sinn danach steht, kann das Gestrüpp als Gemüse oder Salat zubereiten. Aus den Stängeln und Blättern kann man einen Tee kochen, der bei Magen- und Darmentzündungen Linderung bringen soll.

In Alaska, wo die Pflanze ebenfalls in Massen auftritt, gilt die Pflanze als Wetterbote. Haben sich die obersten Blüten geöffnet, dauert es gemäss dem Volksglauben noch zwei Wochen, bis der erste Schnee fällt. Insofern kann ich also gewisse Entwarnung geben. Das Gestrüpp habe ich letzte Woche auf unserer Wanderung auf dem Schächentaler Höhenweg fotografiert – immerhin auf einer Höhe von 1’800 Metern. Da noch nicht mal die Hälfte aller Blüten offen ist, können wir uns folglich auf einen langen, milden Herbst freuen.

Hi … hi …. Hitzgi!

Der offizielle medizinische Fachbegriff lautet: Singultus.

Noch viel trockener kommt die Beschreibung im „Wörterbuch medizinischer Fachbegriffe“ aus dem Duden-Verlag daher:
Schluckauf, reflektorische Einatmungsbewegung (Kontraktion) des Zwerchfells, wobei die Einatmung durch plötzlichen Stimmritzenverschluss unterbrochen wird.

Die Auswirkungen dieses plötzlichen Stimmritzenverschlusses nennt man hierzulande schlicht und einfach:
Hitzgi.

Es gibt zahlreiche Hausmittelchen, wie man den lästigen Hitzgi wieder loswird. Luft anhalten und auf zehn zählen. Mit der rechten Hand den linken Daumen halten. Wenn man den Hitzgi hat, soll es ein Zeichen sein, dass grad jemand über einen lästert. Vielleicht wachsen aber auch nur die Zehennägel oder im Migros ist grad das ausgegangen, was ich eigentlich noch dringend kaufen wollte, was weiss ich.

Aber was mich wirklich interessieren würde: Was macht ihr gegen den Hitzgi? Und wie nennt ihr diesen plötzlichen Stimmritzenverschluss?

Versucht mal, mit Hitzgi einen Lampion auszublasen – könnte unter Umständen schwierig werden.

Noch mehr Zeugs

Bei meiner kleinen Recherche über das „Zeugs“ bin ich auf ein paar ganz abstruse Sachen gestossen. Nicht nur, dass die menstruierende Frau in vielen Kulturen abgesondert wurde – für die moderne Frau undenkbar! – es rankt auch eine zünftige Portion Aberglaube um diesen monatlich wiederkehrenden Zustand.

Dem „Handbuch des Aberglaubens“ (Reclam Verlag) entnehme ich beispielsweise, dass dem Menstrualblut besondere Kräfte zugesprochen wurden. Es sollte unter anderem Messer stumpf machen und Wein verderben, aber auch Raupen und Schädlinge des Getreides vernichten und Hagel abwenden. Über die passende Dosis, damit die erhoffte Wirkung einsetzte, konnte ich leider nichts in Erfahrung bringen. Ebenso wenig über die konkrete Anwendung im Falle dieser speziellen biologischen Schädlingsbekämpfung.

Der Blick einer menstruierenden Frau sollte Spiegel eine blutige Trübung verpassen, bei Gurken und Kürbissen Fäulnis verursachen. Wahrscheinlich auch gleich noch die Milch sauer werden lassen und das Pferd zum Erlahmen bringen, oder was?

Immerhin wurde dem Menstruationsblut auch gewisse heilsame Wirkung zugesprochen. Bäder aus Gundermann und Mens-Blut sollten bei Aussatz hilfreich sein. Dieser Auffassung war zumindest Hildegard von Bingen, die als Äbtissin immerhin um ein Haar heiliggesprochen worden wäre.

Auf einer Internet-Seite bin ich auf noch viel mehr Informationen gestossen.

Mitte des 18. Jahrhunderts glaubte man noch daran, dass ein in der Erde vergrabenes Haar einer menstruierenden Frau sich in eine Schlange verwandeln würde.

Bis in das 20. Jahrhundert hinein beurlaubten Weinkellereien und Brauereien die dort tätigen Frauen während ihrer Regel, weil man fest davon überzeugt war, dass der Wein oder das Bier durch ihre Mitarbeit sauer würden.

Noch 1970 durften menstruierende Frauen kein Blut spenden, weil man annahm, dass ihr Blut zu dieser Zeit den Abbau der roten Blutkörperchen fördern würde.

Auch sollten Frauen während ihrer Monatsblutung keinen Teig machen oder Brot backen, da das, was sie zu dieser Zeit täten, erfolglos bleiben würde.

In manchen Krankenhäusern mit Röntgenlaboratorien herrschte bis in die 1980er Jahre die Auffassung, dass Assistentinnen, die ihre Periode haben, nicht zum Entwickeln von Röntgenfilmen herangezogen werden sollten. Dasselbe galt für Fotolabore: Man war der Meinung, dass die Regel der Frauen die Qualität der Filme beeinträchtigen würde.

Auch wurde den Frauen vom Schlittschuhlaufen und Tanzen abgeraten. Außerdem sollten sie während ihrer Regel keine Pflanzen und Blumen berühren, da diese sonst verwelken würden.

Zum Glück glaubt, zumindest in der modernen Welt, niemand mehr an solche Ammenmärchen. Sonst könnte euch dieser Blog-Beitrag auch verwelken lassen, hätte ich ihn denn zu meiner persönlichen Unzeit geschrieben.

Zu spät gewarnt

Habt ihr den gestrigen Tag gut überstanden? Waaaas – ihr seid gänzlich sorglos durch diesen so bedeutungsschwangeren Tag gegangen?!? Und euch geht’s wirklich noch gut? Na dann habt ihr aber Schwein gehabt. Freitag, der Unglückstag schlechthin. Und dann noch der Dreizehnte. Da laufen ja sämtliche schwarzen Katzen des Quartiers zusammen unter einer Leiter durch und schauen sich zusammen mit dem Bräutigam das Brautkleid noch vor der Hochzeit an.

An einem Freitag soll man nämlich – so steht es im „Wörterbuch des Aberglaubens“ – beschrieben, wichtige Unternehmungen und Reisen vermeiden, weder umziehen noch säen (der direkte Zusammenhang verschliesst sich mir in dieser Angelegenheit). Ebenfalls nicht ratsam wäre es gewesen, hättet ihr euch die Haare geschnitten (etwas ratsamer vielleicht, wenn ihr diese Arbeit einer Fachfrau überlassen habt).

Weiter steht zu lesen: Der Freitag ist der beste Tag, um sich die Fingernägel zu schneiden. Dafür ist es nun aber auch wieder zu spät und wenn ich meine Fingernägel anschaue, wäre es wirklich ratsam gewesen, ich hätte diese Tätigkeit gestern verrichtet. Ich nehme das Risiko auf mich und rücke den Fingernägeln, die nämlich beim Schreiben ziemlich lästig sind, sobald ich diesen Blogbeitrag veröffentlicht habe zu Leibe.

Und übrigens, die Schnitze der Fingernägel dürfen nicht in fremde Hände gelangen, das bringt Unglück. Insofern haben also die notorischen Fingernägelnager durchaus ihre Berechtigung. Sicher ist sicher.

Wer’s glaubt

Ich habe heute mal etwas in der Aberglaube-Kiste gegraben. Da ist allerhand erstaunliches ans Tageslicht gekommen. Unsere Vorfahren haben sich für die Tage um Ostern rum einiges eingebildet. Ein paar Müsterchen:

Der Gründonnerstag war der Tag, an dem traditionellerweise frische Kräuter auf den Tisch kamen. Ein Volksglaube besagt: Wer neunerlei Kräuter isst, wird kein Fieber bekommen. Gleich das ganze Jahr gesund bleibt, wer einen Apfel mit Stumpf und Stiel verzehrt. Pflanzen, die am Gründonnerstag Tag gesät werden, gelten als widerstandsfähig und sollen auch vor Frösten verschont sein. Eine besonders starke Heilkraft wird Heilkräutern nachgesagt, die am besagten Tag gesät oder gesetzt werden. Ob die Hühner wissen, dass am Gründonnerstag gelegte Eier länger halten? Gegen Blitzschlag wurde ein solches Ei auf den Dachboden gebracht, auf den Dachfirst gelegt oder über das Haus geworfen und an der Stelle vergraben, an der es niederfiel. Brot sollte man allerdings an diesem Tag nicht backen, denn sonst bleibt der Regen aus (hätte ich das nur vorher gewusst…). Und der ultimative Finanztipp aus der Kiste des Aberglaubens: Wer will, dass ihm das Geld nicht ausgeht, der soll am Gründonnerstag Honig, Hirse und Linsen essen.

Was am Karfreitag gesät wird, soll prächtig gedeihen. Selig wird, wer an diesem Tag in die ewigen Jagdgründe eingeht. Und ein ganzes Jahr von Schwangerschaft verschont bleibt die Frau, die am Karfreitag etwas Mehl, vermischt mit abgeriebenem Brot, isst. Keine Bange, wenn du am Karfreitag Durst erleidest, denn in diesem Fall schadet dir das ganze Jahr über kein Trunk. Na dann Prost!

Am Karsamstag säte man früher Erbsen und hob schwere Gegenstände. Das verlieh besondere Kraft. Gleichentags sollte auch ein Hufeisen an die Tür genagelt werden. Natürlich mit der Öffnung nach oben, sonst purzelt das Glück heraus!

An Ostern sollte jeder ein Ei essen. Aus diesem Grunde werden diese auch verschenkt. Und wie vieles Heilbringende müssen Ostereier gesucht werden. Da in der Fastenzeit keine Eier gegessen werden durften, sammelten sich diese an. Eier, die man nicht selbst verwerten konnte, wurden zuerst gekocht und dann verschenkt. Tönt irgendwie vertraut, oder? Nicht mehr gebräuchlich ist dagegen das folgende Ritual: Junge Mädchen schenkten ihrem Liebsten ein oder mehrere Eier. Dabei kam es auf die Farbe und die Anzahl an. Mit einem grünen Ei signalisierte sie ihre Hoffnung, mit einem Gelben drückte sie ihre Eifersucht aus, mit einem blauen Ei wollte sie seine Treue beschwören und mit einem roten Ei bekräftigte sie ihre Liebe. Schenkte sie ihrem Freund gar sechs Eier, bedeutete das, dass sie ihn heiraten möchte.

Und was lernen wir daraus? Es ist eben doch nicht schnuppe, zu welchem Ei man greift, wenn man heute Eiertütschis macht.