La vita è bella

Es war noch dunkel, als ich ihn zum ersten Mal sah. Uns stand eine lange Reise bevor und eine Wanderwoche in den Abruzzen. Er war wie ich einer der vier Teilnehmer dieser Wanderwoche. Er war nett. Aber nicht mehr.

Nie hätte ich gedacht, dass ich mit ihm zusammen exakt ein Jahr später die Ausstellung des Pilzvereins in Einsiedeln besuche. Als Paar.

La vita è bella!

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Fan von Fantasie

Ich weiss, ich bin manchmal mit etwas zu viel Fantasie gesegnet. Bei Wanderungen entdecke ich auf Schritt und Tritt Figuren. Meine Fantasie lässt mir dabei freien Lauf. Mal ist es der Osterhase, mal Elvis (wie hier), dann wieder ein Frosch oder sonst ein Getier.

Mit meinem Abruzzen-Bären habe ich offenbar den Bogen eurer Fantasie etwas überspannt. Zugegeben, als ich den Bären zum ersten Mal sah, dachte ich auch eher, ich hätte es mit einer Wildsau zu tun. Ich liess mich dann aber vom Rest der Gruppe überzeugen, es handle sich hier um einen Bären…

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den euch aufzubinden ganz gewiss nicht meine Absicht war. 

Versteinert

In den Abruzzen, wo ich jüngst eine Woche wandernd Ferien machte, soll es rund hundert Braunbären geben. Ursus arctos marsicanus, um genau zu sein.

Dass man Meister Petz zu Gesicht bekommt, dürfte wohl eher selten sein.

Aber ! hallo !  ich habe ihn gesehen. Leibhaftig. Etwas statisch vielleicht. Aber ohne Zweifel ein Bär.

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Ihr erkennt ihn auch auf dem Bild, oder?

Auf dem grössten Stein Italiens

Eine ganze Woche hatten wir in den Abruzzen verbracht. “Wir”, das sind ein Bergführer und vier Gäste. Was für ein Privileg, diesem hehren Kreise anzugehören!

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Jeden Tag wanderten wir auf einen der umliegenden Gipfel. Jeden Tag eine neue Aussicht (ich deutete das in diesem Beitrag an).

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Der absolute Höhepunkt erfolgte jedoch gestern mit der Besteigung des 2’912 m hohen Corno Grande, dem höchsten Gipfel der Abruzzen.

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In den vergangenen Tagen hatten wir jeweils keine Menschenseele angetroffen. Am Samstag war das ziemlich anders. Am Parkplatz am Ende der Strasse beim Campo Imperatore war um 8.30 Uhr schon Hochbetrieb. Es brauchte keinen Feldstecher, um die Karawanen auszumachen, die bergwärts zogen.

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Der Anfang des rund 2 1/2 stündigen Aufstiegs war noch eher von der harmlosen Sorte. Je näher wir dem felsigen Gipfelaufbau kamen, desto anspruchsvoller wurde das Gelände. Wer etwas damit anzufangen weiss: T4.

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Auf dem Gipfel mussten wir beinahe Platzkarten lösen.

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Der Abstieg erforderte nochmals volle Konzentration, zumal sich noch viele Gipfelstürmer im Aufstieg befanden. Teilweise mit haarsträubendem Schuhwerk!

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Das war der überaus gelungene Abschluss einer überaus gelungenen Wanderwoche. Die sieben Wandertage dürften sich zu über 7’000 Höhenmetern, gut 100 Kilometern und 150’000 Schritten summiert haben.

Frau Flohnmobil wird aus diversen Gründen in den nächsten paar Tagen keine Wanderschuhe schnüren. Überdruss ist keiner davon.

Öfters mal Panne (37)

… oder: (r)ausgeschlossen

Um uns im folgenden Zwischenfall eine gewisse Würde zu erhalten, muss folgendes erwähnt werden: Unser Womi war keine drei Monate alt und wir befanden uns auf einer zweimonatigen Reise. Zuvor hatten wir erst eine Woche darin verbracht. Das Fahrzeug verfügte über eine Zentralverriegelung mit funkgesteuertem Drücker. Es gab zwei verschiedene Schlüssel: den Zündungsschlüssel, mit dem sich auch die Fahrertüre öffnen liess und einen Schlüssel für sämtliche Türen des Aufbaus. Schon in den ersten Tagen der Reise begann das Schloss der Aufbautüre zu spuken. Es liess sich, wenn überhaupt, nur noch mit dem funkgesteuerten Drücker öffnen, der Schlüssel selbst drehte im Schliesszylinder leere Runden.

Es geschah im Sommer 2009. In dem Jahr, wo in den Abruzzen die Erde gebebt hatte. Wir hatten uns lange überlegt, ob wir unsere Pläne trotz dem verheerenden Erdbeben umsetzen, oder ob wir uns besser ein anderes Reiseziel aussuchen sollten. Wir entschieden uns für die Abruzzen, sahen erschütternde Bilder von mit Gurten zusammengehaltenen Kirchtürmen, Zeltlagern, gesperrten Strassen und viel grandiose Natur. Die Abruzzen sind auf jeden Fall eine Reise wert, das waren mein innig geliebter Mitreisender und ich uns schnell einig, auch wenn es im Landesinneren für Wohnmobile praktisch keine Infrastruktur gibt.

In diesem gebirgigen, hauchdünn besiedelten Landesinneren hatten wir auf dem Parkplatz am Ortseingang von Pietracamela übernachtet. Nach dem Erdbeben gehörten Bilder wie dieses zur Tagesordnung.

Ein weiterer wunderschöner Tag, wir öffneten beim Frühstück die Türe, liessen die reine, frische Luft hereinströmen. Als wir nach Abwasch, Zähne putzen etc. reisefertig waren, liess der Mitreisende, entgegen sonstiger Gepflogenheiten, den Motor an, damit er etwas warm laufen konnte. Der Mitreisende war stets um das Wohl des 2,3-Liter-Diesel-Motors besorgt und so wollte er weder die kurze, steile Rampe aus dem Parkplatz noch die steile Fahrt talwärts mit kaltem Motor fahren.

Ein letztes kurzes Beinevertreten, bevor es losgehen sollte. Da knallte ein Windstoss die Aufbautüre zu, die mit einem dumpfen Geräusch ins Schloss fiel. Na und? werdet ihr nun vielleicht sagen, macht halt die Türe wieder auf.

Das etwas Ungeschickte an der Situation war bloss, dass dieser Windstoss uns soeben rausgeschlossen hatte, während am Womi der Motor lief. Wir hatten nämlich noch keine der beiden Fahrerhaustüren geöffnet, was eine Entriegelung beider Türen zur Folge gehabt hätte. Wir standen da wie die Deppen. Jetzt ist es vielleicht an der Zeit, nochmals den roten Text zu lesen, damit ihr uns nicht für Webstübler haltet.

Der Schlüssel, der uns hätte retten können, steckte im Zündschloss. Der andere (Reserve-)Schlüssel, der die Aufbautüre wieder aufgekriegt hätte, war mit einem Magnet an einem sicheren Ort an der Karosserie angebracht. Indes, der nützte nichts, da sich die Türe nicht mehr mit dem Schlüssel öffnen liess.

Es müssen wohl dem Mitreisenden wie mir diverse Szenarien durch den Kopf geschossen sein, von Scheibe einschlagen über einen Autoknacker organisieren, der in dieser abgelegenen Gegend legal agieren durfte, bevor der Mitbewohner die Initiative ergriff. An der Türfalle der Aufbautüre ziehen, das wussten wir aus mehrwöchiger Erfahrung, endete meist im luftleeren Raum. So auch dieses Mal. Nach viel gutem Zureden, Handauflegen und des Mitbewohners feinfühliger Fingerchen hatte der defekte Mechanismus irgendwann Nachsicht mit uns und gab nach.

Ich musste unweigerlich an Alibaba und die vierzig Räuber denken.

Da war die Welt noch in Ordnung. Das Womi in entspannter Lage auf dem Ausgleichskeil, die Türe sperrangelweit offen. Der Motor aber vermutlich bereits am laufen, denn beide Sitze sind in Fahrtrichtung gedreht.

Schüttelfrost

Ein Erdbeben hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt. Dramatischer. Vor Jahren in Seattle, als ein Erdbeben mit Stärke 5,6 die Erde beben liess, kam immerhin der Kronleuchter über dem Esstisch etwas in Schwung und das Ganze dauerte einige Sekunden.

Was sich gestern Abend um 23.45 Uhr ereignete, war mehr so ein heftiger Ruck, der mich auf dem Sofa lümmelnd ereilte. Mein innig geliebter Mitbewohner und ich schauten uns etwas ratlos an. Da aber weder ein lauter Knall zu hören war noch sonst etwas weiter passierte, legten wir die Geschichte ad acta und uns schlafen.

Heute Morgen dann die Erklärung: Der Mann am Radio liest vor, dass sich in der Schweiz ein Erdbeben der Stärke 4,2 ereignet habe. 30 Kilometer unter der Erdoberfläche, Epizentrum zwischen dem Zuger- und dem Zürichsee. Schäden soll es keine gegeben haben.

Wir sind dankbar, dass unsere Welt nicht aus den Fugen geraten ist.

Hier lief es nicht so glimpflich ab. In den Abruzzen bebte im 6. April 2009 die Erde heftig. Wir bereisten die Region wenige Monate später.