Operation Elefantenfuss

Die Geschichte zur heutigen Geschichte begann vor über dreissig Jahren. Damals konnte man mit Bea-Punkten ein Anzuchts-Set tropischer Pflanzen bestellen. Zehn verschiedene Arten von Sämchen befanden sich in zehn winzigen Beutelchen und diese musste man auf die aufgequollenen Torftabletten säen. Dazu gab es ein kleines Mini-Treibhäuschen, nicht grösser als die zehn Torftabletten zusammen. Auf allen zehn Tabletten begann es früher oder später zu spriessen. Cordyline, Musa und Beaucarnea sind die drei Pflanzen, die es am längsten mit mir ausgehalten haben. Mittlerweile gibt es nur noch die Beaucarnea, auch Elefantenfuss genannt.

Aus dem zarten Pflänzchen mit dem winzigen Knöllchen und ein paar wenigen Blättern ist eine stattliche Erscheinung geworden. Ich habe sie gehegt und gepflegt wie meinen Augapfel. Im Sommer habe ich mich an ihrem Wachstum gefreut, wenn sie weitere Blätter entwickelt hat, im Winter habe ich mitgelitten, wenn die Triebspitzen braun wurden und der Austrieb nur noch in blassem Grün erfolgte. Immer wieder musste ich ihr einen grösseren Topf besorgen. Mittlerweile steht sie im grösstmöglichen Hydro-Gefäss und schon längst nicht mehr auf einem Sockel wie in früheren Jahren.

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Ich kann die Pflanze nicht mehr umtopfen, denn ich müsste mich in der Aquarium-Abteilung nach einem geeigneten Gefäss umschauen. Da die Knolle weiterhin an Umfang zulegt und sich die Steinchen allmählich in sie hineinbohrten, musste ich im letzten Sommer Platz schaffen und etliche Hydro-Kügelchen unter den weissen Steinchen entfernen. Das Teil hält mich ganz schön auf Trab! Aber ich hänge daran, es begleitet mich schon so lange.

Schon vor Jahren hatten mein innig geliebter Mitbewohner und ich gerätselt, was wir wohl dereinst machen würden, sollte die Pflanze die Decke erreichen. Viel davon entfernt ist sie nicht mehr. Und dort oben ist die Luft nicht nur dünn, sondern auch dunkel. Die Folgen davon sieht man auf dem Bild. Der Trieb und einzige Wachstumspunkt ist hellgrün und schwach.

Die zündende Idee kam mir in einer Gärtnerei. Dort sah ich ein ganzes Sortiment an Elefantenfüssen in allerlei Gestalt. Ihnen allen war gemein, dass ihr Stamm irgendwann mal gekappt wurde und sie dort frisch austrieben. Das hatte mich zu einer brutalen Radikalkur inspiriert. Vor einigen Tagen haben mein innig geliebter Mitbewohner und ich den Elefantenfuss ca. auf der Höhe des Fenstersimses abgeschnitten. Mit einem scharfen Küchenmesser ging das relativ einfach. Den oberen Teil mit dem (noch?) grünen Gestrüpp versuche ich als eigene Pflanze weiterzuziehen. Dazu steckt der Stängel jetzt im Christbaum-Ständer, den ich mir von einer Nachbarin ausgeliehen habe. Bis Weihnachten ist das Grünzeug entweder kompostiert oder es hat Wurzeln getrieben – es dürfte also keine Terminkollisionen geben.

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Zu guter Letzt habe ich ein knapp 30 cm langes Stammstück eine Vase gestellt und mit einem Plastiksack eine Art Mini-Treibhaus gemacht.

Nun harren wir der Dinge, die da kommen sollen.