Vielerlei Wasser

Nach einer etwas unruhigen Nacht im Gästehaus der Älggialp und einem ausgiebigen Frühstück marschierten wir kurz vor 9.00 Uhr los. Der flache Boden der Älggialp entfernte sich langsam aus unserem Blickfeld. Höchste Zeit, nochmals still zu stehen und einen vermeintlich letzten Blick auf die Mitte der Schweiz zu werfen.

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Der Weg Richtung Melchsee-Frutt stieg stetig an, er führte uns vorbei an einem Seelein, wo emsig geangelt wurde. Der Mitbewohner konnte es nicht lassen, mit den Mannen dort zu fachsimpeln.

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Unter dem Seefeldstock durch führte das Weglein auf einen Übergang. Dort oben:

WOW!

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Die steile, von Felsen durchsetzte Grasfanke hoch zum Abgschütz ist stellenweise mit Ketten gesichert und Eisentritten versehen. Für eine ehemalige Bergsteigerin wie mich ein Klacks, aber objektiv gesehen bestimmt nicht für Jedermann geeignet und bei Nässe noch einen Tick anspruchsvoller.

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Oben angekommen konnten wir einerseits nochmals zu unserem Ausgangspunkt zurück schauen, andererseits sahen wir bereits unser Zwischenziel, die Melchsee Frutt. Das Wetter schien sich an die Prognose zu halten, es wurde zusehends mehr bewölkt.

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Den anspruchsvollsten Teil hatten wir zwar hinter uns, dennoch waren wir nicht sehr erpicht, unsere Regenschütze zu testen. Der einzige Kaffeehalt war dann aber doch zu viel, denn eine Viertelstunde, bevor wir auf der Engstlenalp ankamen, begann es zu regnen. Ich hoffe, ihr habt Verständnis, dass ich von diesem Ereignis keine Bilder habe, sondern euch als Ersatz den vorerst noch trockenen Anblick anbiete.

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Der Mitbewohner hatte sich für die Version “Pellerine” entschieden, während ich strammen Schrittes unter meinem 35-jährigen Knirps dem Ziel entgegeneilte. Es regnete gerade runter, war windstill, doch seltsamerweise wurde ich auf der linken Schulter ziemlich schnell ziemlich nass. Um es kurz zu machen: Der Schirm wanderte am nächsten Tag nicht mit uns weiter, sondern auf direktem Weg in den Kübel. Und dieser Kübel stand im altehrwürdigen Hotel Engstlenalp, Baujahr 1892.

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Die Bettstatt in unserem Nostalgiezimmer hatte grosse Ähnlichkeit mit der auf der Älggialp. Meine Befürchtungen bezüglich der zu erwartenden akustischen Untermalung würden nicht enttäuscht werden.

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Der wahre Grund, weshalb ich hierhin wandern wollte, war nicht das Hotel im hinteren Teil des Gentals, sondern der Engstlensee. Vor Jahren waren wir mal an ihm vorbei gekommen, nun wollte ich mir etwas mehr Zeit nehmen können, dieses Idyll zu bewundern. Da es schon kurz nach dem halbstündigen Regenguss wieder nahezu wolkenlos war, stand diesem Unterfangen nichts mehr im Weg. Frisch geduscht gingen wir die wenigen Meter zum See.

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Meine Erinnerung hatte mich nicht enttäuscht: Der See war und ist ein Naturidyll der Sonderklasse.

Im Mittelpunkt

Eigentlich hatten wir uns für die Wanderung Begleitung gesucht. Oder zumindest versucht, sie zu suchen. Aber nach diversen Absagen (Kinder, Gärten und Schweizer Kreuze hüten), machten mein innig geliebter Mitbewohner und ich uns alleine auf den Weg. Dass wir nicht als Wanderleiter brillieren konnten, aber dennoch ganz im Mittelpunkt standen, hatte einen anderen Grund.

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Doch schön der Reihe nach. Wir starteten am Brünigpass und fädelten dort auf den Obwaldner Höhenweg ein. Der Weg war so – na ja. Zuerst für meinen Geschmack zu viel auf asphaltierten Strassen, dann grad wieder etwas gar unwegsam. Mitunter etwas unlogisch angelegt. Ausreichend beschildert, aber bestimmt keine Markierung mehr als absolut nötig.

Unterwegs sahen wir diese drei markanten Berg-Ahornbäume. Man bedenke, dass wir hier schon fast auf 1’400 Metern sind. Gigantische Wesen der Natur!

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Zu einem Höhenweg gehört Aussicht. Voilà:

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Dem Weg musste zwischendurch etwas unter die Arme gegriffen werden. Was hier als überflüssiges Bauwerk scheint, dürfte in einem nassen Sommer hochwillkommen sein.

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Nach fünf Stunden Wanderzeit war das Ziel erreicht: die Älggialp. Ein wirklich schönes Fleckchen Erde.

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Ob der geografische Mittelpunkt der Schweiz wirklich gerade dort ist, wo ohnehin kein Weideland ist (Zufälle gibt’s!), ist eigentlich schnuppe. Der Mitbewohner und ich waren jedenfalls gleichermassen fasziniert von diesem beschaulichen Stückchen Heimat.

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Dazu hatte sicher auch der nette Empfang im Berggasthaus Älggialp beigetragen.

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Nach einem Nachtessen draussen auf der Terrasse mit Blick mitten auf die Schweiz machten wir einen Spaziergang vorbei an den diversen Alpgebäuden, sogen die spezielle Stimmung ein, die hier herrscht und legten uns schliesslich in unser Bett, das gleich neben dem unseres Zimmernachbars zu stehen schien. Jedes Zelt wäre akustisch dichter gewesen und hätte garantiert weniger geknarrt als die 70-jährigen Böden und Wände des Gästehauses.

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