Freiwillige Säufer gesucht

Im Frauengrüppchen, mit dem ich einmal pro Monat auf Wanderschaft gehe, hat es sich eingebürgert, auf der Heimfahrt im Zug ein Schnäpsli zu trinken. Nichts Starkes, eher ein klassisches Wiiberschnäpsli der klebrig-süssen Sorte. Verantwortlich für die Mitnahme des Gesöffs zeichnet jeweils die Organisatorin der Wanderung, das Schnapsgläsli zaubert jede Einzelne aus dem Rucksack.

Da ich früher oder später auch wieder mal an der Reihe sein werde, schaute ich mich vor geraumer Zeit anlässlich der Wanderwoche in den Abruzzen nach einem Schnäpsli um, das es bei uns nicht gibt. Meine Wahl fiel auf diese Flasche.

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Da es nicht die Idee ist, dass man am Tag X eine grosse, unverschlossene Flasche durch die Gegend schleppt, schenkte ich mir daheim kürzlich mal ein Gläschen ein. Schliesslich wollte ich wissen, was ich da meinen Kolleginnen in absehbarer Zeit zumuten werde. Und das Gesöff würde ich für die Wanderung ohnehin in eine kleinere Flasche umleeren.

Die  Zutaten liessen durchaus ein potentielles Wiiber-Schnäpsli erahnen: Süssholz, Zucker, Alkohol; daraus resultierend 21 Alkohol-Prozente. Farbe wie Konsistenz liessen zunächst auf reines Erdöl schliessen. Der eine und einzige Schluck, den ich mir genehmigte, überzeugte mich in Sekundenbruchteilen davon, dass dieses Gesöff für die besagte Runde absolut unzumutbar ist. Um nicht zu sagen: Erdöl hätte vermutlich besser geschmeckt. Und letztlich will ich nicht, dass wegen dem Schnäpsli auf meiner darauffolgenden Wanderung plötzlich alle Frauen auf gar seltsame Weise etwas anderes vorhaben!

Ohne Zweifel, würde sich nicht innert nützlicher Frist jemand für dieses Erdöl opfern, es würde in meinem Schrank bis zum Sanktnimmerleinstag ein höchst langweiliges Dasein fristen.

Mittlerweile hat sich ein dankbares Opfer gefunden, das diesen nach übelstem Bärendreck* schmeckenden Likör für trinkbar befunden hat. Dem Vernehmen nach muss er jedoch jedes Mal, wenn er dieses Gesöff zum probieren auftischt, alle anderen Gläser auch leertrinken.

Hauptsache das Erdöl steht nicht mehr bei mir rum!

*Bärendreck (Lakritze) habe ich grundsätzlich gern. Aber auf dem Weg in die Flasche muss etwas passiert sein, mit dem man als normaler Bürger nicht rechnen kann. 

Eine Bombe platzen lassen

Es gibt verschiedene Arten von Skifahrern. Die einen laufen zur Höchstform auf, wenn sie Pulverschnee unter den Skiern haben, die andern erst, wenn sie die Skier abschnallen.

Ohne Zweifel, meine Stärke liegt nicht im Après-Ski. Ich mache mit meinen Carving-Schwüngen die bessere Falle als an einer Schneebar hängend. Nichts desto trotz musste ich in den Ferien im Südtirol auch mal so eine Flüssigbombe bestellen.

Darf ich vorstellen: B o m b a r d i n o

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Wer die süsse Bombe nicht kennt, dem kann HIER geholfen werden.

Pin-oooh!

Hier mal wieder eine Anekdote aus der Zeit, als mein Mann und ich noch mit dem Wohnmobil Europa bereisten.

Wir hatten uns an einem hübsch gelegenen Stausee irgendwo in der Mitte Frankreichs installiert. Bald wurden wir von allen Seiten von Wohnmobilen zugeparkt, jeder wollte einen Stellplatz möglichst nahe am Wasser haben. Unsere nächsten Nachbarn waren Schwaben. Nachdem wir die üblichen Belanglosigkeiten (“Seid ihr schon lange unterwegs?” – “Wo kommt ihr her?”) ausgetauscht hatten, luden sie uns ein, nach dem Nachtessen auf ein Glas Pin-oooh zu kommen.

Mein Mann und ich dachten, es gäbe einen Schluck Rotwein, Pinot. Schliesslich weiss man, wie gut die Deutschen Französisch sprechen. Als wir uns mit unseren Campingstühlen zu den Nachbarn setzten, schenkten sie uns ein helles, gelbliches Getränk ein. Mit Garantie kein Rotwein, so viel konnten wir in der Dämmerung erkennen.  Schmecken tat es geradezu unverschämt gut. Aber was war es?

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Es war Pineau, eine Mischung aus halbvergorenem Traubensaft und Cognac. Überaus süffig und gefährlich mit 17 % Alkohol. Das Getränk schmeckte uns dermassen gut, dass wir damals kurzerhand unsere Flasche Schlehenfeuer, die wir von Freunden aus Nürnberg erhalten hatten und mitführten, gegen den Pineau eintauschten. Das war zwar nicht nur in Bezug auf den Alkoholgehalt ein schlechtes Geschäft, sondern auch, weil der Pineau schon in der unteren Hälfte der Flasche dümpelte. Aber wir waren glücklich mit unserer neuen Errungenschaft.

Seither gehörte dieses hierzulande nahezu unbekannte Getränk in unser Standard Repertoire. Von jedem Frankreich-Aufenthalt brachten wir mindestens zwei Flaschen mit. Aus meinen Ferien in Frankreich letzten Monat habe ich auch wieder einige Flaschen mit nach Hause gebracht. Ich werde die bewährte Tradition fortführen und weiterhin meine Gäste zum Aperitif mit einem Gläschen dieser Exklusivität überraschen.

Pineau des Charentes gibt es übrigens auch bei uns zu kaufen, allerdings zu stark überhöhten Preisen. In Frankreich kostet eine Flasche im Supermarkt um die sieben Euro, hierzulande gegen dreissig Franken.

Und das schreibt Wikipedia über Pineau.

Nur gegen Waffenschein!

Und da war noch unser lieber Freund Herbert, der uns fragte, ob wir ihm von Samnaun eine Flasche Stroh Rum heimbringen könnten. “Selbstverständlich nur, wenn ihr selber nichts braucht.”

Diesem Wunsche konnte entsprochen werden, waren wir doch in den letzten Jahren so oft im Zollfrei-Paradies Samnaun, dass unser Lager an Hochprozentigem gut gefüllt ist.

Die Frage, die uns Herbert beantworten musste, bezog sich auf den Gehalt des Rums. “Vierzig, sechzig oder achtzig Prozent?” Er entschied sich für die stärkste Version.

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Und für die, so stellten wir nach dem Kauf fest, hätte es eigentlich einen Waffenschein benötigt. Ins Flugzeug nehmen darf man das hochprozentige, brennbare Gesöff jedenfalls nicht. Ganz schön viel Alkohol für gerade mal zehn Franken!

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Immerhin, Herbert versicherte uns glaubwürdig, er würden den Stroh Rum nicht pur konsumieren, sondern einen Gutsch in den Tee geben. Wir gehen mal davon aus, dass er ihn pur höchstens zum Einfeuern des Cheminées benutzen wird.

Guten Morgen du neues Jahr!

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Seid ihr gut aufgestanden?

Nun, ich bin’s noch nicht. Jedenfalls nicht zu dem Zeitpunkt, wo dieser Beitrag veröffentlicht wird. Denn ich bin, rein rechnerisch gesehen, nicht vor zwei Uhr morgens ins Bett gekrochen.

Ich hoffe, ihr seid alle gut ins neue Jahr gestartet. 

Hier und heute wird nichts Neues, Gescheites, Weltbewegendes veröffentlicht werden. Aber schaut euch doch mal diesen Beitrag an. Auch wenn er ein paar Jahre alt ist, ist er durchaus aktuell.

Ja bin ich denn ein Fisch!!!

Beinahe könnte man meinen, Petrus hätte sich den Spruch

A   d e   P f i n g s t e   s c h i f f t s   a m   r i n g s t e .

zur Brust genommen. Jedenfalls wendet er ihn momentan sehr inbrünstig an. Und was macht der kultivierte Wohlstandsbürger in Zeiten, wo selbst Schnecken und Regenwürmer an einen trockenen Ort flüchten? Er hat grundsätzlich mehrere Möglichkeiten.

1. Er sucht sich einen trockenen Platz und ergibt sich seinem Schicksal.

2. Er flieht in den sonnigen Süden (was allerdings mit viel automobiler Geduld am Gotthard verbunden ist).

3. Er lässt sich nichts anmerken (das dürfte nur für hier mitlesende Fische und Amphibien zutreffen).

4. Er ergreift die Flucht nach vorne und begegnet der flüssigen Katastrophe mit flüssiger Gegenwehr (diese Methode – in der Light-Version – haben mein innig geliebter Mitbewohner und ich gestern Abend angewandt und uns ein Glas Wein zum Essen gegönnt).

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Letzteres wird bei uns salopp als “d’Lampe fülle” (die Lampe füllen) bezeichnet. Dieses sinnlose Betrinken (Betrinken ist in meinen Augen immer sinnlos, es gibt keinen plausiblen Grund, sich volllaufen zu lassen) kennt bestimmt noch mehr lokal gefärbte Bezeichnungen.

Wie sagt ihr dazu?

Erkenntnisse aus dem Flaschenboden

Man kann von Alkohol halten was man will, er wird gerne und viel konsumiert. Und über die Festtage ganz besonders. Da darf es auch mal ein edlerer Tropfen sein. Oder eben auch nicht.

Wie schnell man vom Alkoholkonsum blau wird, hängt nicht nur von der eigenen Konstitution ab, sondern auch davon, was man in sich reinkippt. Und da habe ich am am 31. Dezember 2014 um 24.00 Uhr eine völlig neue, bahnbrechende Theorie entwickelt: Am meisten von einem Vollrausch hat man, wenn man sich ganz langsam mit schwachprozentigem Alkohol abfüllt. Am schnellsten geht es mit Schnaps. Am stilvollsten mit Champagner. Am teuersten, wenn man den Alk im Restaurant konsumiert. Am traurigsten, wenn man den Fusel alleine auf einer kalten Parkbank in sich rein schüttet. Am lautesten, wenn man an einem Kampfsaufen teilnimmt.

Meine bevorzugte Variante: ein gediegenes Glas Champagner auf dem heimischen Sofa zusammen mit meinem innig geliebten Mitbewohner und/oder lieben Freunden.

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Und es soll bitte niemand auf die Idee kommen, ich sei erst jetzt wieder nüchtern genug, einen Beitrag zu schreiben. Wir haben an der Flasche nämlich zwei Abende lang genuckelt.

Was kann denn die Katze dafür?

Nach einem Glas Wasser ist man noch stocknüchtern.

Ein Glas Bier später hat man bereits etwas Öl am Hut.

Nach zwei Gläsern Wein ist man – zumindest in den Augen des Polizisten – nicht mehr fahrtauglich.

Nach zwei weiteren Schnäpsen ist man schon ehr und redlich angeheitert.

Die neuerliche Flasche Rotwein hat zur Folge, dass man mittlerweile ziemlich verladen ist.

Nach einer weiteren Ladung Alkohol ist man – ganz nüchtern betrachtet – stockbesoffen.

Während Promille-Zahlen ganz zweifelsfrei den mathematisch-medizinischen Allgemeinzustand ausdrücken, hat unsere Sprache einen weitaus grösseren Ermessensspielraum, wenn es um Alkohol geht. Saloppe Redewendungen wie blau wie ein Veilchen sein oder einen Affen haben veranschaulichen, wie grosszügig Alkoholkonsum in unserer Gesellschaft  akzeptiert und verharmlost wird.

Ich will hier weder missionieren noch dazu aufrufen, im Selbsttest herauszufinden, wie schnell ihr einen sitzen habt oder voll wie eine Strandhaubitze seid. Vielmehr interessiert mich, welche Begriffe es in eurer Mundart für den Zustand „zu viel Alkohol getrunken“ gibt.

Chatzchegelvoll ist nur einer von vielen (schweizerdeutschen) Begriffen für blau.

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende.
Schaut bitte nicht zu tief ins Glas!