Hundert Prozent koffeinfrei

Die Bedienung im Café schien leicht gestresst. Offenbar waren gerade zwei Gäste auf einmal angekommen. Ich fragte mich, wie es hier wohl zu und her gehen würde, wenn an einem schönen Sonntag ein proppenvolles Postauto in Amden ankommen und alle Fahrgäste nur ein Ziel verfolgen würden:

DSC08348

Davon waren wir weit entfernt. Wir konnten innert nützlicher Frist bestellen und schon bald manövrierte sich die Kellnerin mit einem Tablett voller Getränke zu unserem Tisch. Mein innig geliebter Mitbewohner erhielt seine innig geliebte heisse Schokolade, unsere beiden Begleiter je einen Kaffee und ich das, was die Kellnerin ebenfalls für eine Tasse Kaffee hielt. Professionell arrangiert auf dem Tellerchen waren ein Kaffeelöffel, ein Zuckerbeutelchen, eine Portion Rahm und sogar ein Stückchen Blechkuchen. Nur das Wichtigste fehlte.

Die Kellnerin entschwand bereits zum Nachbartisch, wo sie zwei weitere Tassen des dampfenden Gebräus servieren würde. Mir hingegen hatte sie nur die Untertasse samt dem erwähnten Beigemüse hingestellt. Mein “Dürfte ich vielleicht hierzu noch eine Tasse Kaffee haben?” ging beinahe im lauten Gelächter eines Gasts hinter meinem Rücken unter. Auch an unserem Tisch brach schallendes Gelächter aus.

Die Kellnerin schaute kurz auf, verdrehte die Augen und begab sich zurück zum Buffet. Kurz danach brachte sie mir in einer Extrafahrt eine Tasse Kaffee und entschuldigte sich für den Lapsus. An unserem Tisch gluckste es immer noch.

Diese Anekdote wird in die Kategorie “ist mir noch nie passiert” eingehen. Selten hat ein Kaffee für so viel Erheiterung gesorgt. Und so wenig Koffein gehabt.