Total sinnbefreit

Gestern noch hatte ich gedacht, ich würde heute einen Beitrag schreiben. Einer meiner kleinen, bedeutungslosen Beiträge aus meinem kleinen, bedeutungslosen Leben. Es sollte anders kommen.

Schon die Schlagzeile in der Tageszeitung hinterliess bei mir ein Gefühl von Abscheu und tiefster Sorge. Die Sondersendung am Fernsehen verstärkte meinen Eindruck noch, dass nach dem gestrigen Abend nichts mehr sein würde, wie es war.

Dieser Blog ist nicht gerade für seine politischen Statements bekannt. Ich mag mich nicht öffentlich über solche Themen äussern. Dennoch kann ich Moment gerade nicht anders, als dem alles dominierenden meiner aufgewühlten Gedanken freien Lauf zu lassen.

Wir brauchen keine Terroranschläge.

Wir brauchen keinen Krieg.

Wir brauchen keine IS!

Verdammt noch mal, rottet diese Saubrut aus!

Bild 064

Im Angesicht des Bären (2)

Fortsetzung

(wer nicht weiss, worum es geht, bitte hier Teil 1 lesen)

Der Bär, der eben aus dem Gebüsch gekommen war, zeigte sich von unserem Gestikulieren und Schreien unbeeindruckt. Gemächlichen Schrittes trottete er in unsere Richtung. Noch trennten ihn gut zwanzig Meter von uns.

„Es nützt nichts“, dürfte ich wohl von leichter Panik getrieben geschrieen haben, als ich merkte, dass sich das Raubtier nicht von seinem eingeschlagenen Weg abbringen liess. „Schrei weiter“, keuchte der Mitreisende atemlos. Er stiess ununterbrochen schrille Pfiffe durch seine Finger aus. Wenn es taube Bären gab, musste dieser hier der Gattung stocktaub angehören. Im Geiste spulten wir beide unser Repertoire an Massnahmen bei Begegnungen mit Bären runter. Wie theoretisch doch alles war! In meiner Fantasie war der Bär stets auf einer weitläufigen Fläche unterwegs gewesen. Das Viech hatte ich jeweils von weitem gesehen und einen grossen Bogen darum machen können.

Aber hier, in der brutalen Realität der kanadischen Wildnis, sassen wir in der Falle. Sollten wir vielleicht über diesen hohen Zaun klettern und uns statt von einem Bären fressen zu lassen, von Büffeln zu Tode getrampelt werden? Und verdammt noch mal, der Pfefferspray, der den Bären in die Flucht schlagen würde, lag im Auto.

Mittlerweile war der potentielle Killer bis auf zehn Meter an uns herangekommen. War es Einbildung, oder konnten wir bereits seinen Atem riechen? Wir hatten ein gut dosiertes Abenteuer in der kanadischen Wildnis durchaus gesucht – nun stand es leibhaftig vor uns. Wir wünschten uns weit weg, in die gut behütete Umgebung der vertrauten Heimat. Dorthin wo es (zumindest damals!!!!) keine Raubtiere gab und Wanderungen nicht zu lebensgefährlichen Exkursionen ausarteten.

In unserer Verzweiflung schrieen wir den Bären an: „Kehr um! Blödes Vieh, hau endlich ab!“ Wir fluchten und beschimpften das arme Tier aufs Gröbste. Dazu bewegten wir uns weiterhin mit sorgfältigen Schritten rückwärts. Wohl bedacht, nicht zu stolpern und dem Bären noch wehrloser ausgeliefert zu sein. Auf wen würde er sich zuerst stürzen?

Mit einem Mal blieb der Bär stehen, wiegte den Kopf hin und her und stiess ein unwirsches Brummen aus. Schweizer schienen heute nicht auf dem Speisezettel des einheimischen Riesen zu stehen. Fast schien es, als rümpfe er die Nase. Dann beäugte er uns ein letztes Mal und trottete dorthin, wo er gekommen war: ins Dickicht.

Bärliland im Riding Mountain Nationalpark

Was waren wir erleichtert! Stumm gingen wir weiter. Immer und immer wieder blickten wir über unsere Schulter zurück um uns zu vergewissern, dass es sich der Bär nicht doch anders überlegt hatte. Uns war nicht mehr nach munterer Konversation zu Mute, denn uns war klar: Wollten wir nicht einen vierstündigen Marsch um den See auf uns nehmen, mussten wir auf dem gleichen Weg zurück zum Campingplatz gehen.

Mit einem mehr als mulmigen Gefühl kehrten wir schliesslich um. Wir konnten nur hoffen, dass sich der Bär tatsächlich verzogen hatte. Noch nie waren uns zwei Kilometer Wegstrecke so lang vorgekommen. Zurück beim Wohnmobil suchte der Mitreisende als erstes den Pfefferspray heraus. Wir hatten ihn erst vor kurzem gekauft. Extra und ausschliesslich zur Abwehr von Bären. Er schwor sich, keinen Schritt mehr ohne diese Spraydose zu machen.

Am Lagerfeuer unterhielten wir uns den ganzen Abend lang über unser Abenteuer. Zweifellos, wir würden zu Hause einiges zu erzählen haben. Dass dereinst einmal ein Bär in die Schweiz einwandern würde, konnte damals niemand erahnen.

Impressionen des Frühlings

 Was wir heute auf unserer Wanderung so alles angetroffen haben:

GänseblümchenHuflattichPestwurzVeilchenScharbockskrautGuggu-Blüemli (Waldanemone)Schlüsselblume

Seidelbast (geschützt!)

Wovon es kein Bild gibt:

Vom Zitronenfalter, der viel zu flink vor mir her flog.
Vom Wind, der beim Cervelat bräteln immer von der falschen Seite kam.
Von unseren Schweisstropfen.
Von unserer Freude ab dem herrlichen Tag.

Was ich ausgeblendet habe:

Die Zecken, die schon wieder munter sind.
Den Geschmack nach Gülle, der uns über weite Strecken begleitet hat.
Die schrecklichen Ereignisse in Japan mit dem drohenden atomaren Super-GAU.