Das endlose Drama eines Küchen-Umbaus mit Fust (7)

Der erste Brief von Fust nach dem vollendeten Küchen-Umbau enthielt die Schlussrechnung. Okay, so etwas lässt sich nicht vermeiden. Ich bezahlte sie klaglos. Immerhin war mal von einem Mehrpreis bei der Glasrückwand die Rede gewesen. Davon wusste scheinbar niemand mehr etwas. Interne Koordinationsprobleme können für Kunden also doch auch Vorteile haben!

Kaum hatte ich den Zahlungsauftrag freigegeben, erhielt ich vom Leiter des Kundendiensts einen Anruf. In Anbetracht der zahlreichen Pannen gewährte man mir einen Rabatt, der umgerechnet immerhin sieben Prozent der Auftragssumme entsprach. Ich bedankte mich artig und versicherte, nun stünde die Firma Fust für mich wieder in einem etwas besseren Licht da.

Der nächste Brief enthielt die Police für eine Garantieverlängerung des Geschirrspülers, die ich mir hatte aufschwatzen lassen. Ehrlich gesagt hatte ich nie die Absicht, diese Garantieverlängerung zu aktivieren und dachte, ich würde mich – wie vor Jahren mal bei einem Fernseh-Gerät – wieder rausmogeln können.

Mit der Police kam gleich die Rechnung. Zahlbar innert 30 Tagen für eine Leistung, die erst in zwei Jahren beginnt! Ich schrieb ein Mail und verlangte, dass die Rechnung annulliert und mir zu gegebener Zeit eine neue geschickt werde. Dieses Mail muss irgendwie angekommen sein und irgend etwas ausgelöst haben, denn ein paar Tage später erhielt ich eine neue Rechnung für die Garantiverlängerung. Zahlungstermin noch einen Tag eher als bei der ersten Rechnung!!!

Ich griff zum Telefonhörer. Man erklärte mir, es gäbe Rabatt, wenn man die Garantieverlängerung sofort, d.h. nicht erst, wenn sie zu laufen beginnt, verrechne. Davon stand leider nirgendwo etwas und ich beharrte darauf, auch diese neue Rechnung storniert zu wissen.

Somit wäre das Thema Garantieverlängerung auch erledigt. Zumindest für die nächsten zwei Jahre. Und ich wartete nur noch darauf, dass mir die Superpunkte gutgeschrieben würden. Denn wer bei Fust etwas kauft, erhält Coop Superpunkte. Das gilt für einen Toaster genauso wie eine neue Küche.

Beim Abschluss des Kaufvertrags wurde ich bereits darauf hingewiesen, musste auch meine Supercard Nummer angeben. Ich ging davon aus, dass die Punkte automatisch gutgeschrieben würden, wenn die Schlussrechnung bezahlt war. Da hatte ich die Rechnung einmal mehr ohne den Wirt gemacht. Denn der Verkäufer hatte die Karten-Nummer offenbar nicht weitergeleitet. Ich will dieses Thema nicht noch weiter plattwalzen, aber irgendwie rundet es das ganze chaotische Bild ab, das die Firma Fust bei mir hinterlässt. Ich musste lediglich der Buchhaltung anrufen. Diese verwies mich an den (neuen) Verkäufer, dieser nahm mein Anliegen auf, kam dann aber doch nicht weiter und schickte mir letztlich einen Link, mit dem ich die ausstehenden Punkte selber einfordern konnte.

Und siehe da, keine 10 Tage später waren die Superpunkte verbucht!

Nun kann ich als letzten Akt die Umfrage zur Kundenzufriedenheit – ein weiteres Couvert, das ich an meine alte Adresse erhielt – ausfüllen. Ich werde meine Wortwahl gut überdenken.

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Das endlose Drama eines Küchen-Umbaus mit Fust (6)

Der grosse Tag hätte am 25. Juni sein sollen. Während ich zufrieden, glücklich und in überaus netter Begleitung ein paar Tage am wandern war, hätte in meiner Wohnung – endlich – die Küche fertiggestellt werden sollen.

Ihr ahnt es schon. Konjunktiv!

Als ich tags darauf heim kam und in meinem elektronischen Briefkasten den Montagerapport vorfand, stand da ziemlich lässig

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Aufgrund aller Erfahrungen, die ich mit der Firma Fust in den vergangenen Wochen und Monaten gemacht hatte, konnte ich davon ausgehen, dass dieser Sanitär wohl nicht ohne mein Zutun auftauchen würde. Ein Anruf bei Kundendienst bestätigte meine Vermutung. Hätte ich nicht reagiert, würde ich noch heute auf den Klempner warten.

Eines der Hauptprobleme, das ich mittlerweile bei Fust geortet hatte, ist wohl, dass zu viele Leute beteiligt sind. Ich weiss zwar von reibungslosen Umbau-Abläufen bei dieser Firma, allerdings war dort jeweils ein hauseigener Bauleiter beauftragt worden. Ich hatte es zuerst mit einem Verkäufer zu tun. Dann mit der Disposition, dann mit diversen Monteuren, dem Kundendienst, wieder der Dispo, zwischendurch mit dem neuen Verkäufer. Von Koordination keine Spur!

Auf den allerletzten Drücker, nämlich am Tag, bevor ich meiner Mieterin den Schlüssel für die Wohnung übergab, wurde tatsächlich auch noch der Stössel im Spülbecken ersetzt. Und eine scheusslich verzogene Blende am Dunstabzug wenn nicht gerichtet, so wenigstens noch mit einer Silikonfuge versehen, die – wen wunderts – bei der Montage vergessen ging.

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Ich wollte mich schon entspannt zurücklehnen, da erhielt ich mal wieder Post von Fust. Übrigens wie immer noch an die alte Adresse.

Das endlose Drama eines Küchen-Umbaus mit Fust (5)

So ein Küchen-Umbau geht in Etappen vor sich. Selbst wenn alles reibungslos läuft, gibt es Tage, an denen nichts geht. Ich habe zwei total gegenläufige Küchen-Umbauten erlebt. Im einen Fall klappte alles wie am Schnürchen, im andern Fall eben nicht.

In meiner Küche standen mittlerweile bis auf die beiden Geräte-Hochschränke alle Möbel, die Arbeitsplatte war gesetzt, Kochfeld, Dunstabzug und Geschirrspüler montiert aber noch nicht angeschlossen. Dazu der Wasserhahn. Wieder so ein Lapsus! Denn der Wasserhahn musste nochmals weg, damit die zwei Glasrückwände montiert werden konnten. Aber das musste er ohnehin, denn er stand hinten an, wenn man ihn in die Stellung Heisswasser brachte.

Freundlicherweise ersetzte man mir den Wasserhahn – durch den noch nie Wasser geflossen war – auf Kulanz.

Am 18.5. war es soweit: Gemäss Montagerapport galt der Auftrag seitens von Fust als abgeschlossen. Dass ich das etwas anders sah, zeigt das folgende Mail, das ich gleichentags sowohl dem Verkäufer als auch dem Leiter Kundendienst schrieb:

Ich hatte heute erstmals Gelegenheit, die Küche in aller Ruhe anzuschauen. Ich habe alle Türen und Schubladen geöffnet, um mir ein Bild davon zu machen, was über die vergangenen Wochen in diversen Anläufen alles geliefert und montiert wurde.

  • Die Türe am Hochschrank ist ein absolutes ästhetisches Negativbeispiel! Schauen Sie sich bitte die beiden Bilder an. Wenn es schon eine zweiteilige Türe braucht, weshalb ist sie auf einer neuen Linie unterteilt und nimmt nicht die Höhe der Schränke rechts und links auf? Und wer würde auf die Idee kommen, den Griff für den Hochschrank so weit unten anzubringen? Ich erwarte, dass diese Türe ersetzt wird.
  • Der Ablauf-Stöpsel macht nicht dicht. Nicht einmal, wenn man von Hand nachhilft.
  • Die Schranktüre ob dem Kühlschrank muss gerichtet werden, sie streift auf der Kühlschranktüre beim öffnen.
  • Der Einsatz für die Besteck-Schublade fehlt noch immer.

Ich erwarte Ihren Bericht, wann die fehlerhaften bzw. fehlenden Teile geliefert werden. Dass ich von der Firma Fust als Küchenbauer schwer enttäuscht bin, muss ich wohl nicht noch extra betonen.

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Und wieder mal entschuldigte sich der Leiter Kundendienst bei mir und versicherte mir, einer seiner Mitarbeiter werde sich des Falls annehmen, damit möglichst schnell alles zu meiner Zufriedenheit erledigt werden könne.

Das endlose Drama eines Küchen-Umbaus mit Fust (4)

Zugegeben, ich hatte einen gestrafften Terminplan für den Küchen-Umbau. Doch wer würde freiwillig zusehen, wie an der Küche länger als nötig herumgewerkelt wird. Genau das aber schien sich nun abzuzeichnen. Ich sah nicht Fust-orange, sondern ziemlich dunkelrot!

Mit eingeschriebenem Brief vom 20.4. machte ich höflich aber bestimmt auf alle Unzulänglichkeiten aufmerksam und schrieb, dass meine Wohnung auf Mitte Mai vermietet sei und die Küche demzufolge bis dann fertig gestellt sein müsse. Ich erhielt vom Leiter Kundendienst am 23.4. ein Mail mit entschuldigenden Worten und dem Hinweis, dass die fehlenden Möbel umgehend bestellt worden seien. Noch schien es also möglich, dass die Küche bis Mitte Mai vollendet sein würde. Zugegeben, ich hatte bei meinem Mail an Fust etwas geschummelt. Zum damaligen Zeitpunkt hatte ich nämlich noch keinen Mieter; da spielte mir die Corona-Situation nicht gerade in die Karten. Aber es tönte zumindest plausibel und schien zu wirken.

Innerhalb eines Monats waren vier verschiedene Fust-Monteure an total 5 Tagen in meiner Küche beschäftigt. Hinzu kam je eine weitere Person, die die Arbeitsfläche bzw. die Glasrückwand ausmass. Ausserdem verschaffte sich mein neuer Ansprechpartner der Verkaufsabteilung einen Überblick vor Ort. All dies geschah grösstenteils ohne meine Anwesenheit, da ich nicht jedes Mal den langen Weg auf mich nehmen wollte. Möglich machte dies ein Schlüssel-Safe mit Zahlencode, den ich auf Anfrage hin jeweils bekanntgab.

Einmal jedoch war ich – zum Glück – anwesend. Als der Sachbearbeiter der einschlägigen Firma die Glasrückwand ausmass, konnte ich rechtzeitig eingreifen, um Schlimmeres zu verhindern. Mein einstiger Super-Verkäufer hatte nämlich die rudimentären Pläne so gezeichnet, dass die Glasrückwand hinter dem Kochfeld, die eine totale Breite von weniger als zwei Metern aufweist, aus drei Teilen bestanden hätte!!!

Dass dies längst nicht der letzte Lapsus in diesem mehrteiligen Drama war, erstaunt wohl niemanden mehr.

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Das endlose Drama eines Küchen-Umbaus mit Fust (3)

Ich hatte meine Nachbarn zwar vorgewarnt, aber so ein Umbau ist nun mal mit Lärm verbunden. Als ich erstmals wieder meine Wohnung betrat, war das Gröbste schon vorbei. Will heissen, von der alten Küche lag höchstens noch Staub herum und bereits war zu erkennen, wie die neue Küche dereinst aussehen würde.

Nichtsahnend fragte ich den anwesenden Küchenbauer, ob alles in Ordnung sei. Die vermeintlich rhetorische Frage gipfelte in einer längeren Ausführung über die Unzulänglichkeiten der im Büro arbeitenden Belegschaft und fehlende Teile. Zwei Schränke wurden nicht geliefert! Und die Begründung dazu? Sie seien wohl bestellt, aber vom Werk nicht bestätigt worden. Und weil sich im Verkaufsbüro niemand mehr für mich zuständig gefühlt habe, sei dieses Schlammassel unbemerkt geblieben.

Ohne diese zwei Schränke ist die Küche nicht benutzbar, wird doch in den einen der Kühlschrank, in den  anderen der Backofen und Steamer eingebaut. Ausserdem fehlten diverse Wangen und die Türe zum Oberschrank beim Dunstabzug.

Kleine Bemerkung am Rande: HÄTTE jemand festgestellt, dass die Lieferung unvollständig war, wären noch mehrere Wochen Zeit geblieben, um die fehlenden Küchenmöbel nachzubestellen.

Wir schreiben den 20. April 2020. Und obschon der Umbau schon bald fertig sein sollte, geht es jetzt erst so richtig zur Sache.

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Das endlose Drama eines Küchen-Umbaus mit Fust (2)

Nach der ernüchternden Eröffnung, dass es meinen damaligen Verkäufer nicht mehr gab, folgte ein kleiner Hoffnungsschimmer. Immerhin wusste der neue Ansprechpartner, welche Kontaktdaten ich suchte. Nämlich die des “Allround-Handwerkers”, der mir angepriesen worden war. Dieser hätte – so sah es die Planung vor – die alte Küche demontieren und entsorgen sollen und wäre auch sonst für sämtliche anstehenden Arbeiten, die der Küchenbauer nicht erledigen kann, also Stromer, Sanitär, Maurer, einsatzbereit gewesen. Für all die Arbeiten war ein Pauschalpreis vereinbart worden.

Davon wusste der besagte Allrounder dann allerdings nichts mehr, als er meine Küche begutachtete. Wenige Stunden später erhielt ich per Mail eine Offerte, die nahezu doppelt so teuer ausfiel. Gerade seriös wirkte das nicht auf mich, zumal in der Offerte so gut wie keine Materialkosten ausgewiesen waren, dafür so viele Arbeitsstunden, dass ein einzelner Handwerker mehr als eine Woche Beschäftigung gefunden hätte. Es muss hier einmal erwähnt sein: Meine Küche ist nicht riesig. Auf mein Nachfragen hin reduzierte sich der Preis zwar auf wundersame Weise um etwa 20 Prozent, aber ich hatte keine Lust mehr auf eine Zusammenarbeit mit so einem Schlufi, der ganz offenbar meine Situation auszunutzen versuchte.

So nahm ich Kontakt auf zu einem Kundenmaurer, der mir die Arbeiten zu einem nachvollziehbaren Preis offerierte und – so viel vorneweg – auch sehr sauber und termingerecht ausführte.

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Mittlerweile war der Osterhase übers Land gehoppelt, die Wohnung unbewohnt und alles war eingefädelt. Einem reibungslosen Umbau der Küche stand nichts mehr im Weg. Dachte ich.

Mehr davon im nächsten Beitrag.

Das endlose Drama eines Küchen-Umbaus mit Fust

Zu Beginn lief es rund und flott. Ich rief Anfangs Oktober 2019 bei Fust an, äusserte meinen Wunsch und flugs stand ein Berater bei mir in der Wohnung. Willens, mir eine Küche zu verkaufen, zeigte er sich sehr kooperativ.

Einer ersten Bestandesaufnahme vor Ort folgten drei Besuche im Fust Küchenstudio. Offerte, Materialauswahl, Fragen, neue Offerte. Ich wollte meine neue Küche weder vergolden noch waren wegen des Grundrisses grosse bauliche Veränderungen möglich. Am 24. Oktober 2019 unterschrieb ich den Vertrag für den Umbau meiner Küche. Ich war mehr als früh dran, war doch die Ausführung erst im April des kommenden Jahres geplant. In der Annahme, alles sei gut aufgegleist, lehnte ich mich zurück und liess es zuerst Winter und dann Frühling werden.

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Mittlerweile hatte ich bereits zwei Drittel des Preises bezahlt. Das sah der Kaufvertrag so vor und letztlich war es meine Schuld, dass ich anfänglich davon ausging, die Küche könnte schon im März montiert werden.

Anfang März war aber dann doch der Montagetermin allmählich absehbar und so nahm ich mit dem Verkäufer Kontakt auf. Zumindest wollte ich das. Denn als ich bei Fust anrief, beschied mir der Typ am Telefon: “Wie ich erst gerade selber erfahren habe, arbeitet Herr A. seit kurzem nicht mehr bei uns.” Die Vermutung, dass dem Mann fristlos gekündigt worden ist, war reine Spekulation meinerseits. So oder so fehlte mir nun ein Ansprechpartner. Das System Fust sieht offenbar nicht vor, bestehende Kunden über solche Mutationen zu informieren; ich musste mich selber durchfragen!

Das Schicksal nahm seinen Lauf.  Und die Fortsetzung des Dramas ist hier demnächst zu lesen.

Aus dem Leben eines Berufskrauts

Über Jahre hinweg glaubte man, man könnte mich mit einem simplen Rasenmäher in Schach halten. Rechtzeitig vor der Blüte schneiden und das Berufskraut kann sich nicht vermehren, so lautete die Devise.

Wie sehr haben sich die Rasenmäher-Leute getäuscht! Denn ich wusste mir zu helfen. Ein Schnitt zur rechten Zeit verlieh mir geradezu ungeahnte Kräfte, mein Vermehrungsdrang explodierte förmlich. Welcher Dilettant auch immer mir den deutschen Namen “einjähriges Berufskraut” verlieh, er hatte keine Ahnung, zu was ich fähig bin. Durch den Rückschnitt bilde ich nämlich Rosetten aus, die mehrjährig werden können und die Mathematik lautet simpel und einfach: Aus eins mach zwei. Kann gut sein, dass ich so für den Rest des Jahres nicht mehr zum blühen komme, aber weg von der Bildfläche bin ich deswegen noch lange nicht.

Auch in diesem Garten im Misox pflegte ich über Jahre hinweg ein angenehmes Leben. Wurde gelegentlich gemäht, aber mit Rücksicht auf die umliegenden, durchaus erwünschten Wiesenblumen frühestens ab Mitte Sommer. Kurz, ich konnte mich ziemlich ungehindert ausbreiten. Bis der Landbesitzer mit dieser semi-professionellen Unkraut-Jäterin und Naturliebhaberin daher kam und von seinem Leid mit mir berichtete. Sie wurde von einem nicht nachvollziehbaren Ehrgeiz gepackt, meiner habhaft zu werden.

Seither rückt sie mir jedes Mal (JEDES MAL!!!) wenn sie hier ist, und das ist sie neuerdings ziemlich häufig, auf die Pelle. Tagelang schon ist sie auf allen Vieren durch die sonst so gehätschelte Blumenwiese gekrochen und hat an mir und meinen Artgenossen herumgerupft. Danach sieht es jeweils aus, als hätte eine Rotte Wildschweine ihr Unwesen getrieben.

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Zugegeben, es ist die einzig wahre Möglichkeit, unsereins in Schach zu halten. Nur mitsamt der Wurzel ausgerissen können wir unser Werk nicht vollenden. Die Frau lässt nicht locker und geht davon aus, dass sie sich früher oder später arbeitslos gejätet hat. Dabei verkennt sie völlig, dass ich im Dorf, ja was sage ich, in der gesamten Talschaft, Hunderttausende von Verwandten habe, die ungehindert wachsen dürfen. Und deren Samen lassen sich von dem Bisschen Zaun ums Areal nicht abhalten, auch im Garten des genannten Landbesitzers wieder eine neue Bleibe zu finden.

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Und wenn sie nicht ausgerissen wurden, so vermehren sie sich noch heute, die Berufskräuter.

Abstand mit Anstand

Ich bin im Begriff, in die Bäckerei zu treten, bei der ich schon öfters mein Brot gekauft habe. Mittlerweile weiss ich, dass dort drin alles umgekrempelt wurde, damit der nötige Abstand zwischen den Kunden gewahrt werden kann. Erlaubt sind maximal drei Kunden aufs Mal im Laden. Ich erblicke deren zwei.

Vor dem Geschäft sind drei junge Frauen am schwatzen, in gebührendem Abstand steht ein Senior. Einer von der Sorte, die jetzt zuhause bleiben sollte. Gerade öffnet sich vor mir die automatische Türe, da bellt es von hinten: “Hey, das ist eine Warteschlange. Stellen Sie sich gefälligst hinten an!” Ich blicke mich um. Die drei Frauen erscheinen mir nicht allzu wartend, der Senior wirkt auch nicht so. “Aha, Sie sind am anstehen”, sage ich und reihe mich ein. Hinter den keifenden Senior, der in mir offenbar das geeignete Objekt erkannt hat, irgendeinen aufgestauten Frust loszuwerden. “Ja was denken Sie denn, ich mache hier Ferien?” Auf solche wie dich können wir hier gut verzichten, würde ich am liebsten sagen, mache aber stattdessen zwei weitere Schritte zurück mit der ausreichen laut geäusserten Bemerkung “sonst kriege ich noch einen weiteren Anschiss, wenn ich zu nahe stehe”.

Da stehe ich nun also, weiter weg von der Eingangstüre zur Bäckerei denn je. Die drei jungen Frauen sind immer noch am schwatzen, der Senior dagegen beginnt auf der Strasse herumzuschlendern. Kommt auf mich zu (definitiv weniger als ein Meter Abstand!), entfernt sich immer weiter von der Bäckerei. “Ja sind Sie denn jetzt am anstehen oder nicht?” Will der Typ mich schikanieren, testen, ärgern? “Nein, aber meine Frau ist drinnen am Brot kaufen.”

Irgendwie scheint doch etwas wahr zu sein an dem Gerücht, dass das Corona Virus das Gehirn angreift.

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