Abertausende von Tulpen

Zuerst waren da einfach die Blumenbeete. Schön angelegt, mit schon mehr oder weniger blühenden Pflanzen wie Tulpen, Bellis, Vergissmeinnicht, Narzissen, Ranunkel, Kaiserkronen etc. Was man halt um diese Jahreszeit im Freien schon zum blühen bringt.

Wir waren entzückt. Logo, wir waren auf der Blumeninsel Mainau, da erwartet man nicht mehr und nicht weniger als üppiges Blühen.

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Doch dann führte uns – meine Mutter, ihren Partner und mich – der Rundgang, den wir anfangs dem Seeufer entlang wählten, in die oberen Gefilde beim Schloss. Wir statteten der Orchideen-Schau im Palmengarten einen Besuch ab. Die exotischen Blüher – so begeisternd schön auch diese waren – lasse ich in diesem Beitrag aus. Denn was uns auf dem nachfolgenden Rundgang erwartete, machte uns ziemlich einsilbig.

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In Anbetracht der Blütenfülle brachten wir nur noch “boah”, “sooo schön”, “einmalig”, “so etwas habe ich noch nie gesehen” über die Lippen.

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Es ist wahrlich ein Schauspiel der Sonderklasse, die Blütenfülle auf der Insel Mainau zu sehen. Ich bin mir sicher, es ist hier zu jeder Jahreszeit sehenswert. Aber im Frühling, wo sich das Auge zuerst wieder an die Farbenpracht der Natur gewöhnen muss, ist es einfach nur spektakulär.

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Längst bin ich wieder zu Hause. Und begnüge mich mit dem Anblick meiner 6 x 10 Tulpen im Garten.

Weiter geht’s nimmer

Auch wenn ich gerade nicht mehr weiss, wo ich das Plänchen mit dem Geltungsbereich versenkt habe, so weiss ich doch immerhin: Weiter als Chiasso kommt man mit dem GA nicht. Wenn man das trotzdem will, kauft man sich am Bahnschalter, am Automaten ist es nicht möglich, ein Ticket. Im vorliegenden Fall von Chiasso nach Como San Giovanni. Kostenpunkt: 4 Franken.

Wenn man in Como aus dem Zug steigt und sich den Weg ins Stadtzentrum sucht, könnte es beispielsweise so aussehen:

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Unten an den Treppen begrüssen einen diese Hände. Ich hab schon weitaus unverständlichere Kunst gesehen.

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Von Como wusste ich bis anhin nicht mehr, als dass es die Nachbarstadt von Chiasso und die letzte Autobahn-Ausfahrt auf dem italienischen Autobahnnetz ist.

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Dabei ist es – wie sich im Verlauf des Tages herausstellen sollte – eine schöne Stadt an prächtiger Lage.

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Unser Ziel war aber der “Üetliberg” Comos, den wir über die 1894 eröffnete Standseilbahn erreichten.

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Der Eingang zum Funicolare sieht aus wie der Eingang ins Hänsel- und Gretel-Land.

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Unser erstes Ziel war der Faro Voltiano. Man beachte die minutengenauen Wegzeiten. Wusste gar nicht, dass die Italiener so Tüpflischisser sind.

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Auf dem Weg dorthin gab es viel Aussicht zu bewundern. Hier der Blick zum Monte-Rosa-Massiv.

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Oder weiter südwestlich in Richtung Aostatal.

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Im Dunst am unteren Bildrand sind die Hochhäuser Mailands zu erkennen.

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Am ersten Zwischenziel, dem von weither sichtbaren Aussichtspunkt der Sonderklasse, dem Faro Voltiano.

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Mittagsrast am Fusse des Turms.

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Danach gelüstete uns alle nach Kaffee. Doch die Kellner im Ristorante Il Faro nahmen zwar die Bestellung auf, wollten aber partout keine Zeit finden, die Kaffeemaschine in Betrieb zu nehmen. So verliessen wir – immerhin konnten wir alle eine Weile einigermassen gemütlich sitzen und die Toilette aufsuchen – das Lokal unverrichteter Dinge. Schliesslich wollten wir noch etwas wandern und nicht den Rest des Tages an einem leeren Tisch sitzen.

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Blick zurück zum Faro.

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Die Wege boten ein breites Spektrum: furztrocken, matschig, vereist, voller Schnee oder Laub. Asphalt, Kies, Betonplatten, Kopfsteinpflaster.

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Dieses Brunate scheint das Naherholungsgebiet von halb Mailand zu sein. Es ist nicht nur mit der Standseilbahn, sondern auch über eine Strasse erreichbar.

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Die Häuser auf diesem Hoger sind von sehr unterschiedlicher Bausubstanz. Viele stehen leer oder sind zum Verkauf angeschrieben.

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Am Ende dieses verhältnismässig kurzen Wandertages mit der verhältnismässig langen Anfahrt stürzten wir uns ins Getümmel in Como. Beeindruckt hat mich nicht nur der Dom, sondern die ganze gepflegte Altstadt.

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Die gesamte Wegstrecke mag unser Sechsergrüppchen gegen drei Stunden beschäftigt haben. Viel wichtiger aber als eine lange Wanderung war an diesem 2. Januar einmal mehr das Erlebnis, mit einer Gruppe Gleichgesinnter eine neue Region zu entdecken.

Vielen Dank für diese tolle Idee, Beat!

Karte

Mehr Infos zu diesem Ausflug und zahlreiche Links gibt es HIER.

Nicht auf dem falschen Dampfer

Es gibt Redewendungen, von denen kann man sich nicht auf Anhieb erklären, woher sie stammen. Ich behaupte: Bei Dampf ist das anders. Jemandem Dampf machen, Dampf ablassen, unter Dampf stehen und was dem Hansdampf in allen Gassen sonst noch einfällt.

Mein innig geliebter Mitbewohner und ich haben letzthin durchaus nicht auf den falschen Dampfer gesetzt. Obschon, es gäbe deren fünf. Und früher oder später wäre wohl jeder in die gewünschte Richtung abgedampft. Unser Dampfer heisst “Stadt Luzern” und in ebendieser besteigen wir ihn.

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Mal schauen, ob ich die diversen Haltepunkte noch zusammenbringe.

Verkehrshaus, Hertenstein, Weggis, Vitznau, Beckenried, Gersau, Treib, Brunnen, Rütli, Sisikon, Tellsplatte, Flüelen.

An den meisten Orten war ich noch nie. Die Leute steigen aus und zu, doch spätestens in Flüelen steigen die meisten aus. Dort ist der Wendepunkt und der Schiffskurs erhält eine neue Nummer.

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Unterwegs werden wir per Lautsprecherdurchsagen mit Informationen zu Geografie, Geologie und Geschichte gefüttert. Der Vierwaldstättersee ist der viertgrösste See der Schweiz und an seiner tiefsten Stelle 214 m tief.

Es ist eine ungewohnte Perspektive, die sich uns auf der über dreistündigen Fahrt präsentiert. Hier Beckenried, ein weisser Fleck in meiner Landkarte.

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Das Tagsatzungshaus in Treib.

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“Uri” sieht ählich aus wie der Schaufelraddampfer “Stadt Luzern”.

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Segler, Surfer und Kitesurfer geniessen den Wind auf dem Urnersee.

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Die Tellskapelle. Schwer geschichtsträchtig!

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Blickwechsel. Normalerweise sehen wir den Urnersee von der Axenstrasse aus. Heute ist es umgekehrt.

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In Brunnen verlassen wir unseren Kahn.

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Mein geliebtes Heimatland, wie bist du doch schön!

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R(h)ein ins Vergnügen

Unter einer herbstlich anmutenden Hochnebeldecke fuhren wir mit dem Zug nach Schaffhausen. Kurz vor Erreichen der Stadt erst lichtete sich das Geschlabber am Himmel allmählich. Für einen eigentlichen Bummel durch die nahe Altstadt reichte es nicht, obschon es Schaffhausen alleweil wert wäre. Gerade mal fünfzehn Minuten dauerte es, bis unser Anschlusszug fuhr. Dort drin bewiesen wir unser ganzes Geschick im öffentlichen Verkehr und verpassten es, vor Langwiesen den “Halt-auf-Verlangen”-Knopf zu drücken. Immerhin wissen mein innig geliebter Mitbewohner und ich nun, wo Schlatt ist. Und auch, dass dort zehn Minuten später ein Zug in die Gegenrichtung fährt.

Mit versch(m)erzbarer Verspätung studierten wir den Wegweiser, der uns schnurstracks ans Ufer des Rheins brachte.

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Unser Ziel war Diessenhofen, das wir durch die Scharenwiis in knapp zwei Stunden erreichten. Der Weg führte mal mehr, mal weniger dem Wasser entlang, war insgesamt etwas feucht und mit der Zeit beinahe etwas monoton. Abwechslung boten einige Baumbrummer im Wald und Stellen, die vom Wanderer etwas mehr Aufmerksamkeit erfordern. Zahlreiche Feuerstellen deuten darauf hin, dass das Gebiet rege frequentiert wird.

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In Diessenhofen konnten wir dank gutem Time-Management dem Städtchen einen kurzen Besuch abstatten, bevor wir uns an der Schifflände einfanden. Dort sahen wir uns bald umzingelt. Jesses, was war denn da los! Eine über 30-köpfige Gruppe der Pro Senectute Zürich wollte das Schiff entern. Das hatte uns gerade noch gefehlt!

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Glücklicherweise bestiegen die sportwütigen Senioren (zu 80 % mit E-Bikes unterwegs) den Kahn Richtung Schaffhausen, der noch vor unserem Schiff anlegte. Der Mitbewohner konnte sich die Bemerkung nicht verkneifen, dass man mit dem Velo – mit oder ohne Motor – wohl schneller in Schaffhausen wäre, als mit dem Kursschiff.

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Einer gemütlichen Fahrt mit der MS Thurgau rheinaufwärts stand nun mehr im Wege. Und schon gar keine zwei Dutzend E-Bikes, die erstaunlich schnell im Bug des Schiffs parkiert waren. Die Besatzung scheint auf solche Fälle vorbereitet zu sein.

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Für den Mitbewohner und mich war das, was kam, mehr oder weniger Neuland. Insbesondere vom Wasser aus. Der Fluss heisst von Stein am Rhein bis Schaffhausen übrigens Unterrhein. Das mag jemandem, der viel, viel weiter unten am 1’200 km langen Strom auf die Fluten blickt, etwas seltsam anmuten. Dort nennt man unseren Unterrhein Hochrhein.

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Wir blieben die gesamte Strecke bis nach Konstanz auf dem Schiff. Ab Diessenhofen dauert so etwas geschlagene 3 1/2 Stunden. Mit unserem Billett hätten wir ja nach Belieben aus- und zusteigen können. Aber die Sicht vom Wasser aus auf die Dörfer des Rheins und Untersees war das Sitzleder wert.

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Uns so zogen sie denn an uns vorbei. Eine Dorf schöner als das andere.

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In Konstanz waren wir dann doch irgendwie froh, dass die Bootstour zu Ende ging. Ich war der Ansicht, ich hätte meine Seetüchtigkeit lange genug unter Beweis gestellt. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: Im Heimweg stand uns eine letzte Bewährungsprobe bevor. So viel sei verraten: Wir scheiterten jämmerlich. Aber da wir nicht ein Billett hatten, das ausschliesslich von A nach F via B, C, D und E gültig war, sondern eine Tageskarte fürs gesamte Schweizer ÖV-Netz, bestand unser Schaden lediglich aus einem kleinen Umweg über Nebenpfupfikon.

Billett lösen für Fortgeschrittene und Nervenstarke

Mein innig geliebter Mitbewohner und ich wollten einen Ausflug unternehmen. Mit Bus, Zug und Schiff. Dazu braucht es ein gültiges Billett. Und dieses gedachten wir am Bahnschalter zu lösen.

Zu diesem Zwecke begaben wir uns ins Nachbardorf, an einen der wenigen Bahnstationen der Umgebung, wo der Schalter noch bedient ist. “Grüezi, ich hätte gerne gewusst, was ein Billet von Pfupfikon nach C via A, B, mit dem Schiff nach E und via F zurück nach Pfupfikon kostet.” Das weibliche Wesen hinter der Glasscheibe hatte, nachdem es begriffen hatte, dass wir keine 08-15-Strecke befahren wollten, auf einem Blatt Papier mitgeschrieben. Es begann zu repetieren. Und nachzufragen. “Sie wollen in B aussteigen?” – “Nein, erst in C.” – “Ab D dann mit dem Schiff?” “Und ab E via F zurück nach Pfupfikon?”

Die Frage-und-Antwort-Ping-Pong dauerte eine Weile, dann war unser Reiseweg beim Computer angelangt. Dieser jedoch gab sich noch nicht zufrieden. “Wollen Sie in Vorderpfupfikon, Pfupfikon  City oder Hinterpfupfikon einsteigen?” Für den Preis spielte das, so war ich überzeugt, keine Rolle, aber der Computer musste dennoch die Strecke berechnen. Und das  tat er dann auch. Mit helvetischer Gründlichkeit und einem Weg, von dem man nicht mehr abweichen konnte, kostete das Ticket einen seltsam rund anmutenden Betrag.

Der Mitbewohner und ich schauten uns leicht ungläubig an und entschlossen uns dann, anstelle des komplizierten Billets eine Tageskarten einzusetzen, die wir in einem äusserst schlanken Prozedere sogleich am Schalter lösten. “Das hättest du auch einfacher haben können”, tadelte er mich. Hätte ich nicht! Denn zuerst musste ich schliesslich wissen, wieviel das Ticket kostet, um zu wissen, was billiger zu stehen kommt. Immerhin hatte das Blondinchen hinter dem Schalter für einmal keinen Anlass, die sonst übliche hätten-Sie-auch-am-Automaten-lösen-können-Leier zum Besten zu geben. Und eine Nachhilfe Lektion in Schweizer Geografie hat es erst noch gratis erhalten.

Sofern der Mitbewohner und ich unser Programm erfolgreich abspulen und nicht unterwegs Schiffbruch erleiden, dürfte an dieser Stelle bald etwas über unseren Ausflug zu lesen sein.

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Hundert Prozent koffeinfrei

Die Bedienung im Café schien leicht gestresst. Offenbar waren gerade zwei Gäste auf einmal angekommen. Ich fragte mich, wie es hier wohl zu und her gehen würde, wenn an einem schönen Sonntag ein proppenvolles Postauto in Amden ankommen und alle Fahrgäste nur ein Ziel verfolgen würden:

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Davon waren wir weit entfernt. Wir konnten innert nützlicher Frist bestellen und schon bald manövrierte sich die Kellnerin mit einem Tablett voller Getränke zu unserem Tisch. Mein innig geliebter Mitbewohner erhielt seine innig geliebte heisse Schokolade, unsere beiden Begleiter je einen Kaffee und ich das, was die Kellnerin ebenfalls für eine Tasse Kaffee hielt. Professionell arrangiert auf dem Tellerchen waren ein Kaffeelöffel, ein Zuckerbeutelchen, eine Portion Rahm und sogar ein Stückchen Blechkuchen. Nur das Wichtigste fehlte.

Die Kellnerin entschwand bereits zum Nachbartisch, wo sie zwei weitere Tassen des dampfenden Gebräus servieren würde. Mir hingegen hatte sie nur die Untertasse samt dem erwähnten Beigemüse hingestellt. Mein “Dürfte ich vielleicht hierzu noch eine Tasse Kaffee haben?” ging beinahe im lauten Gelächter eines Gasts hinter meinem Rücken unter. Auch an unserem Tisch brach schallendes Gelächter aus.

Die Kellnerin schaute kurz auf, verdrehte die Augen und begab sich zurück zum Buffet. Kurz danach brachte sie mir in einer Extrafahrt eine Tasse Kaffee und entschuldigte sich für den Lapsus. An unserem Tisch gluckste es immer noch.

Diese Anekdote wird in die Kategorie “ist mir noch nie passiert” eingehen. Selten hat ein Kaffee für so viel Erheiterung gesorgt. Und so wenig Koffein gehabt.