Völkerwanderung im Bregenzerwald

Er wird als “Hausberg des Bregenzerwalds” bezeichnet und logiert unter dem Namen “Kanisfluh”. Dank der Gondelbahn von Mellau ist der 2’044 m hohe Berg in zwei Stunden zu erreichen. Diese relative Nähe verleitet so manchen Wanderer, diesen Aussichtsberg zu erklimmen.

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Tatsächlich ist die Aussicht von dort oben spektakulär, auch wenn das Gipfelerlebnis durch das viele Volk arg getrübt wird (merke: Touristen sind immer die Anderen). In unserem Falle waren nicht nur Zwei- sondern auch Vierbeiner oben. Und diese können mitunter ziemlich aufdringlich sein, wenn sie Futter in einem Rucksack ausmachen.

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Wir zogen es deshalb vor, unser Picknick in ziegenloser Umgebung abzuhalten und stiegen wieder in den Sattel ab.

Zuvor jedoch genossen wir den Rundblick.

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Blick auf das letzte Stück des Aufstiegs.

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Ohne Zweifel, die Österreicher haben auch ganz nette Berge.

Im Abstieg nach Au, zurück in unser Hotel, konnten wir die Kanisfluh von der anderen Seite bewundern. Was für Schichtungen und steile Flanken!

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Die Wanderung ist ab der Bergstation Rossstelle gut beschildert. Der Weg auf den Gipfel erfordert insbesondere im Bereich der felsigen Passagen, die von Abertausenden von Schuhen poliert wurden, Trittsicherheit, die wir gewiss nicht jedem der anwesenden Wanderern attestieren konnten. Vom passenden Schuhwerk ganz zu schweigen.

Mehr Infos zur Kanisfluh gibt es unter anderem HIER nachzulesen.

Pizzo Claro? Claro!

Der Pizzo Claro thront hoch über dem Tal, dort, wo die Moesa und der Ticino sich vereinigen. In einem kleinen Anflug von Grössenwahn wird der 2’727 m hohe Berg auch “Matterhorn von Bellinzona” genannt.

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Wie auch immer, er ist ein Aussichtsberg erster Sahne. Allerdings wird er einem nicht geschenkt. Wir haben ihn von der Capanna Brogoldone aus (das ist die Hütte, die mir auf immer und ewig wegen ihren überrissenen Preisen fürs Essen in Erinnerung bleiben wird) angegangen.

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Ab der Hütte sind es vermeintlich “nur” 820 Höhenmeter, jedoch hat es mehrere kleine Zwischen-Abstiege, so dass einiges über 1’000 Höhenmetern zusammenkommt.

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Der Weg ist nicht immer einfach zu finden, die Markierungen dürftig bis unleserlich.

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Im Bereich der Alp di Mem grast ein halber Zoo. Rinder, Schafe, Ziegen und weiter oben selbst Lamas. Man beachte die beiden Munis auf dem Bild, die wir in respektvoll grossem Bogen umgangen haben.

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Vertrauen ins Schuhwerk und die eigene Gangart ist von Vorteil. Stöcke übrigens auch.

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Auf dem Gipfel werden wir nach rund 3 1/2 Stunden Aufstieg mit einer prächtigen Rundsicht belohnt.

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Am Horizont reiht sich ein Viertausender an den nächsten.

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Nach kurzer Beratschlagung nehmen wir den Abstieg über die Nordwest-Flanke Richtung Lago Canee.

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Obschon die Flanke sehr abwesend und steil wirkt, ist der Weg mit der nötigen Vorsicht gut zu begehen. Er ist durchgehend markiert, führt hier doch alljährlich im Oktober ein Berglauf von Claro auf den Gipfel, bei dem schlappe 2’500 Höhenmeter zu bewältigen sind. Der Schnellste schafft die 9,2 Kilometer lange Strecke in 1 Stunde 35 Minuten!!!

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Wir queren die steilen Hänge der Südwestflanke des Visagno. Markierungen findet man hier keine mehr, der Weg ist gegeben.

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So etwas habe ich schon lange nicht mehr gemacht. Ein wenig mulmig ist mir schon beim Queren dieser steilen Flanken. Andererseits hat es sicher nicht geschadet, auch wieder mal die Komfortzone zu verlassen.

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Bei unserer Rückkehr in die Hütte sind wir schon über 5 1/2 Stunden unterwegs. Nun steht noch das Dessert an: weitere 600 Höhenmeter Abstieg zur Bergstation der Seilbahn Monti di Sauru. Wir sind alle Drei heilfroh, als wir müde aber wohlbehalten das gelbe 4er-Gondeli besteigen können.

Wo sind die Gipfel?

Früher bestieg man einen Gipfel, atmete kurz durch, beglückwünschte sich gegenseitig zum erfolgreich bestiegenen Berg, setzte sich hin, packte das Futter aus, blickte in die Ferne und versuchte, das aufgereihte Panorama zu sortieren. Man erblasste vor Neid, wenn irgend so ein Dahergelaufener alle Gipfel kannte (man hatte es ihm allerdings irgendwie angesehen, dass er schon auf jedem Hoger gewesen sein musste).

Heute besteigt man einen Gipfel, atmet kurz durch, beglückwünscht sich gegenseitig zum erfolgreich bestiegenen Berg, setzt sich hin, packt das Futter aus und blickt statt in die Ferne aufs Handy. Das aufgereihte Panorama zu sortieren versucht man schon gar nicht erst, weil das elektronische Allerweltsteil auch das besser kann.

„Peak Finder“ heisst die App, die einem das Panorama auseinanderbeint. Zack, App öffnen und wenige Sekunden später weiss man mit Sicherheit, dass das dort drüben nicht das Matterhorn sein kann.

Bei meinen Handy funktioniert das auch. Irgendwann. Gar nichts mit ZACK. Meistens habe ich nicht die Geduld, so lange zu warten, bis das Panorama auf meinem Bildschirm sortiert ist.

Aber wenn es dann mal endlich sortiert ist, ist dieser Peak Finder durchaus eine gute Sache.

Zurück in den Frühling

Die Wanderung beginnt – und darüber ist kurz vor 10.00 Uhr niemand traurig – im Schatten.

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An der Sonne dagegen heizt es schon ziemlich ein.

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Es geht aussichtsreich

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obsi

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und obsi

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und immer noch obsi,

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bis wir kurz unter dem Gipfel des Buochserhorns mit dieser Traumaussicht belohnt werden.

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Einmal mehr ein gigantisches Gipfelkreuz. Es scheint das Modell “Nidwalden” zu sein.

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Nach der Mittagsrast auf dem Gipfel geht es weiter, immer mit Blick auf die Dalmatinerberge.

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Irgendwo in diesen Felszähnen steht uns noch eine Kraxelei bevor.

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Kurzes Werweisen, ob der Rätzelenweg für alle begehbar ist.

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Kein Problem! Alle meistern den blau-weiss markierten Weg mit Bravour.

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Wem würde bei einem solchen Anblick nicht das Herz aufgehen?

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Auf dem Musenalper Grat blühen noch immer Krokusse.

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Nach einer Einkehr in der Musenalp machen wir uns an den Abstieg zurück nach Niederrickenbach.

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Mittlerweile sieht man sie viel, diese “Hoflädeli”, in denen die Bauern versuchen, ihre Waren direkt zu verkaufen. Wenn es, wie hier, sympathisch und sauber daherkommt, kann ich jeweils nicht widerstehen.

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Nach dieser wunderschönen Wanderung transportiert uns die Luftseilbahn wieder talwärts an die Hitze zurück. Uff – muss es wirklich anfangs Juni schon 30 Grad heiss werden?!?

Herzlichen Dank an Beat für diese prächtige Wanderung und allen Krokus- und sonstigen Blüemli- und Aussichts-Fotografinnen und Fotografen für die angenehme Gesellschaft. Ich bin immer wieder gerne mit euch unterwegs!

Mehr Details zur Tour gibt es HIER nachzulesen.

Karte

Die Ballenberg-Wanderung

Als uns das Postauto beim Altersheim in Kühlewil ausspuckt (hier möchten wir aller Beschaulichkeit zum Trotz aus verschiedenen Gründen nicht leben), ist es ganz schön frisch. Wer hat, zieht Mütze und Handschuhe an.

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Mit dem leichten Nebel verbreitet sich eine mystische Stimmung.

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Als zum ersten Mal der Blick auf die Berner Alpen frei wird, entfährt wohl Jedem von uns ein “boah!”.

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Wir wandern durch die beschauliche Landschaft und erfreuen uns an den zahlreichen schönen Anblicken, die die Natur für uns bereit hält.

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Aber nicht nur, denn auch der Mensch hat hier seit Jahrhunderten Hand angelegt und entstanden sind prächtige Gehöfte, die für die Gegend so typisch sind.

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Ganz besonders erfreut uns der Anblick derartiger Gebäude. Wer würde sich angesichts dieses Stöcklis nicht gleich ins Freilichtmuseum Ballenberg versetzt fühlen?

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Das überwältigende Panorama rückt immer näher und der Himmel hält so manche Überraschung für uns bereit.

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Allerdings ist auch der Weg nicht gänzlich überraschungsfrei. Wegen eines Felssturzes wird der Original Gürbetaler Höhenweg grossräumig umgeleitet. Die Alternative führt etwas weniger attraktiv und und heute reichlich matschig durch den Wald.

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Unverhofft stossen wir auf ein Restaurant und entschliessen uns spontan, dort etwas Kleines zu essen.

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Der Weg führt buchstäblich von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt.

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Eine Holunder-Plantage? Haben wir noch nie gesehen. Aber wer hat’s erfunden…?

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Wir nehmen hier zwar nur den Schrott zur Kenntnis, nicht aber Platz, finden dennoch die Idee ganz sympathisch.

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Wir nähern uns unserem Ziel in Riggisberg.

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Dort steht die Kirche nicht im Dorf, sondern erhaben darüber.

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Und der Beck hat nicht nur eine sonnige Terrasse, sondern auch leckere Sachen, die uns die Wartezeit aufs Postauto in angenehmster Weise verkürzen.

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Mein Dank gebührt Beat, der einen lange gehegten Wandertraum von mir umgesetzt hat und allen Mitwanderern für die tolle Kameradschaft.

Weitere Infos und Fotos zum (nicht ganz im Original gewanderten) Gürbetaler Höhenweg gibt es HIER.

Karte


Auf dem alpinen Rummelplatz

“Der Kronplatz ist unser High-Tech-Berg.” Aus der Stimme unseres Skiguides, der vorne im Bus sass, konnte ich nicht erkennen, ob mehr Bewunderung oder Abscheu mitschwang.

Es folgten weitere Infos. “Der Kronplatz ist von vier Seiten her erschlossen. 32 Lifte führen hinauf, über 100 Pistenkilometer erwarten den Skifahrer. Die Lifte haben eine Beförderungskapazität von 71’000 Personen pro Stunde. An Spitzentagen tummeln sich hier über 25’000 Wintersportler.”

Das fuhr ein. 25’000 Wintersportler! Und ich Eine davon? Nie und nimmer! Nun kann man mit Fug und Recht behaupten, dass sich selbst eine derartige Menschenmenge über ein so grosses Skigebiet gut verteilt. Dennoch bin ich ganz froh, dass es wesentlich weniger Skifahrer gewesen sein dürften, die heute den angeblich beliebtesten Skiberg Südtirols heim suchten.

Der Superlative aber noch nicht genug. Einhundert Prozent der Pisten sind technisch beschneibar. Und wenn die Verhältnisse stimmen, braucht es lediglich 6 Tage, bis der High-Tech-Berg für den Wintersport bereit ist.

Was für ein alpiner Rummelplatz! Für mich übrigens ganz klar nicht der Favorit im Gebiet.

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Aber im Gegensatz zum vorigen Jahr, als die Sicht den grösseren Teil des Tages nahe bei Null war, haben wir diesmal ganz ordentlich etwas vom überwältigenden Panorama mitbekommen.

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Früh aufstehen

… hat sich gelohnt.

Es war ein perfekter Wintertag, an dem vieles möglich gewesen wäre – ausser abseits gesicherter Pisten unterwegs zu sein. Die Lawinengefahr nach den massiven Schneefällen der vergangenen Tage war immer noch auf Stufe “erheblich”.

Ich habe mich fürs Skifahren am Pizol entschieden.

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Putzig

Das Gerücht hält sich hartnäckig. Und an jedem Gerücht ist bekanntlich etwas Wahres dran. Also bin ich geneigt zu glauben, dass es tatsächlich Leute gibt, die gerne

! ! ! P U T Z E N ! ! !

Eine beängstigende Vorstellung. Kann mir garantiert nicht passieren! Ich mag es zwar sauber in meiner Wohnung, aber dennoch nicht klinisch rein. Und ich renne nicht jedem Stäubchen hinterher; Dreck wird grundsätzlich im Kollektiv eingesammelt.

Daraus ergibt sich folgende, für Putzteufelchen nicht nachvollziehbare These: Eine fünfstündige Wanderung strengt mich weitaus weniger an, als zwei Stunden lang mit Putzlappen, Staubsauger und Strupper bewaffnet in meiner Wohnung zu wirken.

Deshalb bin ich heute zwecks Erholung auch nicht zu Hause anzutreffen.

Auf dem grössten Stein Italiens

Eine ganze Woche hatten wir in den Abruzzen verbracht. “Wir”, das sind ein Bergführer und vier Gäste. Was für ein Privileg, diesem hehren Kreise anzugehören!

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Jeden Tag wanderten wir auf einen der umliegenden Gipfel. Jeden Tag eine neue Aussicht (ich deutete das in diesem Beitrag an).

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Der absolute Höhepunkt erfolgte jedoch gestern mit der Besteigung des 2’912 m hohen Corno Grande, dem höchsten Gipfel der Abruzzen.

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In den vergangenen Tagen hatten wir jeweils keine Menschenseele angetroffen. Am Samstag war das ziemlich anders. Am Parkplatz am Ende der Strasse beim Campo Imperatore war um 8.30 Uhr schon Hochbetrieb. Es brauchte keinen Feldstecher, um die Karawanen auszumachen, die bergwärts zogen.

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Der Anfang des rund 2 1/2 stündigen Aufstiegs war noch eher von der harmlosen Sorte. Je näher wir dem felsigen Gipfelaufbau kamen, desto anspruchsvoller wurde das Gelände. Wer etwas damit anzufangen weiss: T4.

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Auf dem Gipfel mussten wir beinahe Platzkarten lösen.

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Der Abstieg erforderte nochmals volle Konzentration, zumal sich noch viele Gipfelstürmer im Aufstieg befanden. Teilweise mit haarsträubendem Schuhwerk!

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Das war der überaus gelungene Abschluss einer überaus gelungenen Wanderwoche. Die sieben Wandertage dürften sich zu über 7’000 Höhenmetern, gut 100 Kilometern und 150’000 Schritten summiert haben.

Frau Flohnmobil wird aus diversen Gründen in den nächsten paar Tagen keine Wanderschuhe schnüren. Überdruss ist keiner davon.