Das Auto-Auto

All diese Assistenz-Systeme an den modernen Autos sind ja toll. Der Tag kommt, da kann unsereins nur noch einsteigen, das Ziel bekanntgeben und los düst die High-Tech-Büchse. Bis es soweit ist, dauert es allerdings noch ein wenig und vom Automobilisten wird einiges an Können und Eigeninititative erwartet – Assistenz-Systeme hin oder her.

Ich war heute bei trüben Lichtverhältnissen unterwegs. Die Meisten fuhren nur mit Tagfahrlicht. Auf der Autobahn geradezu fahrlässig, denn diese Funzeln reichen in derartigen Sicht- und Lichtverhältnissen einfach nicht aus. Aber im Zeitalter all dieser “Auto”-Auto-Funktionen verkümmert das Hirn des gemeinen Automobilisten offenbar mehr und mehr. Es scheint sich noch immer nicht herumgesprochen zu haben, dass Tagfahrlichter nur nach vorne leuchten.

Und solange selbst Berufs-Chauffeure nur mit Standlicht unterwegs sind, ist wohl für Otto-Normal-Verfahrer Hopfen und Malz verloren.

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Schon lang nicht mehr gehabt

Es passierte. Einfach so. Hatte ich mich getäuscht, oder war da wirklich was? Nein, da war es wieder. Und grad nochmals. Beinahe hartnäckig.

Es brauchte einen Moment, bis ich realisierte, was da gerade in Gang war. Mit mir. Mit der Umwelt.

Noch länger dauerte es, bis ich mich daran erinnerte, dass Scheibenwischer zur serienmässigen Ausstattung eines Autos gehören.

Es regnete tatsächlich!

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Eile mit Weile

Es war das Wetter, bei dem sich früher absolut selbstverständlich mein Mann ans Steuer gesetzt hätte. Jegliche Diskussion hätte sich erübrigt. Es musste seit den frühen Morgenstunden schneien, auf der Strasse lagen schon fast zehn Zentimeter Schnee. Meine Hoffnung, dass sich die Wetterfront noch etwas verspäten würde, hatte sich nicht erfüllt, und so musste ich mich heute Morgen mit Todesverachtung selber ans Steuer setzen und von Brigels heim fahren. Was für ein Kontrast zu gestern!

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Vorsichtig fuhr ich die steile Strasse von Brigels runter. Was heisst hier fahren? ich liess es mehr oder weniger rollen, das war mir bei den Verhältnissen noch schnell genug. Der Schneepflug mit dem Salz kam mir entgegen, aber auf meiner Seite war die Strasse ziemlich glatt und nicht geräumt. Mein Fahrkurs, den ich vor wenigen Wochen absolviert hatte, kam mir entgegen. So machte ich mir nicht gleich in die Hose, als die Assistenz-Systeme meines Autos ihren Dienst taten und das Fahrwerk unter meinem Hintern rumpelte und surrte.

Im Schneegestöber erreichte ich in Tavanasa die Talsohle, fuhr auf der schneebedeckten Strasse weiter Richtung Ilanz. Ein Einheimischer war der Ansicht, meine 50 km/h seien zu langsam. Sollte er doch überholen! Es schneite unverdrossen weiter, die Temperaturen bewegten sich knapp unter Null. Die Strasse stieg wieder an, ich fuhr einer Kolonne auf. An deren Spitze ein Holztransporter mit Anhänger. Na wenn der mit diesen Strassenverhältnissen zurecht kommt, werde ich es wohl auch schaffen, ermunterte ich mich selber.

Am Kulminiationspunkt in Flims scherte der Lastwagen aus und liess die Kolonne passieren. Um ein Haar wäre ich nun die Vorderste der Kolonne gewesen…! Die nächsten Höhenmeter liessen sich elegant und sorglos im Tunnel vernichten. Doch noch war nicht alles ausgestanden. Unterhalb von Flims lag noch immer Schnee auf der Strasse, jedoch zusehends weniger. Kurz vor Reichenau ging der Schnee in Regen über, ich konnte mich langsam entspannen.

Auf der Autobahn herrschte mässiger Verkehr, aber es regnete ziemlich stark. Schon wieder nicht meine bevorzugten Strassenverhältnisse! In Landquart leistete ich mir einen Shopping-Stop im Outlet. Nun wäre ich froh gewesen, es wären Schneeflöckli gefallen. Diese wären mir wesentlich sympathischer gewesen als der strömende Regen.

Mit unwesentlich erleichtertem Portemonnaie und ohne weitere Probleme erreichte ich schliesslich den Heimathafen. Was mein Mann über meine Fahrweise gedacht hätte, darüber kann ich nur mutmassen. Sicher aber wäre er genauso froh gewesen wie ich, dass Auto und Frau wieder unversehrt daheim sind.

Beamtisch

Das Schreiben lag heute in unserem Briefkasten. Dezent der Aufdruck des Absenders. Tendenziell unerfreulich der Inhalt. Das Öffnen war einigermassen spannend wenn nicht sogar anspannend, schliesslich war die seinerzeitige Erleuchtung unübersehbar gewesen. Die Frage war nur noch: Wie viel würde es sein?

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Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr

Anlässlich einer Geschwindigkeitskontrolle stellten wir fest, dass der/die Lenker/Lenkerin des untenstehenden Fahrzeuges folgende Uebertretung/en gemäss Ordnungsbussenliste im Strassenverkehr (OBV) begangen hat.

—— Es folgt die Litanei wo, wann, wieviel und wieviel nach Abzug der Sicherheitsmarge. ——

Da Ihnen die Uebertretung nicht sofort eröffnet und der Bussenbetrag nicht direkt erhoben werden konnte, bitten wir Sie, den Betrag mittels untenstehenden (Achtung: Fehler!!!) Einzahlungsschein innerhalb von 30 Tagen zu überweisen. Wird diese Gelegenheit innerhalb der vorgeschriebenen Frist nicht benutzt, wird das ordentliche Verfahren eingeleitet, das heisst (Achtung: Fehler!!!) es erfolgt eine Verzeigung.

Mit freundlichen Grüssen
KANTONSPOLIZEI GLARUS
FD Verkehr / Radarverwaltung

Nette Worte für eine Geschwindigkeitsbusse, nicht wahr? Nicht ganz fehlerfrei zwar, nichts desto Trotz unmissverständlich. Das ganze Blabla lasen wir natürlich erst im Nachhinein, entscheidend war, dass die Busse nur sechzig Franken betrug, obschon der Mitbewohner im Achtziger-Bereich mit fast hundert gebrettert war. Und nun soll mir niemand mehr sagen, es sei nicht wichtig, ob man vom Beifahrersitz aus auf den Tacho sehen kann!

Habt ihr übrigens gewusst, dass die Bussen nicht überall in der Schweiz gleich hoch sind? Selbst auf Autobahnen nicht. Finde ich ehrlich gesagt etwas seltsam.

Mit Musse müssen

Als unser Auto kürzlich für den Jahres-Service in der Garage war, erhielten wir einen Ersatzwagen in Form eines Subaru Outback. Mein innig geliebter Mitbewohner zeigte sich ganz begeistert über all die neumodischen Möglichkeiten des für uns viel zu grossen Autos. Alpott piepste es ab irgendwas. Sensor hinten, Sensor vorne, Sensor überall – die komplette Überwachung. Wie von Zauberhand verlangsamte das Auto plötzlich, wenn auf der Autobahn ein Fahrzeug vor uns zu nahe war, beschleunigte wieder auf die vorherige Geschwindigkeit, wenn die Bahn frei war.

Die Zeiten, wo ich mich mit Vergnügen in ein Auto setze, um zu fahren, sind längst passé. Der viele Verkehr macht das Autofahren für mich nicht zur Musse sondern nur noch zum Müssen. Doch selbst wenn ich noch eine begeisterte Automobilistin wäre, käme diese Familienkutsche nicht in Frage. Vom Beifahrersitz aus konnte ich nämlich nicht ohne Verrenkungen ablesen, mit welchem Tempo der Mitbewohner durch die Gegend bretterte. Ergo konnte ich auch nie intervenieren, wenn des Mitbewohners Fuss zu schwer wurde. Ein Auto, bei dem ich von nebenan nicht auf den Tacho sehe – was für eine Fehlkonstruktion!

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Sooooo muss Autofahren!

Unterwegs auf der Autobahn. Das Radio läuft. Der Moderator leiert Verkehrsmeldungen runter. Endlos. Tagtäglich die gleichen. Darunter Angaben wie “A1, Gubristtunnel, Fahrtrichtung Bern. Verkehrsbehinderung wegen eines Unfalls. Rechnen Sie rund 30 Minuten länger als normal.”

Normal? Normal! Gibt es überhaupt noch so etwas wie “normal” auf unseren Strassen? Die neuralgischen Stellen sind doch konstant überlastet, Stau an der Tagesordnung. Ich finde Autofahren mittlerweile – sorry – ziemlich zum Kotzen! Ich fahre nicht mehr als nötig. Überlege mir, ob und wann ich wohin fahren soll.

Und doch, den Normalfall gibt es auch noch. Zum Beispiel, wenn man sich den Luxus erlauben kann, gegen den Strom zu fahren. Wir waren nämlich unterwegs nach Brigels. Während die Staumeldungen am Radio verlesen wurden, sah es auf der A3 so aus:

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So entspannt stelle ich mir Autofahren vor. So leer dürften meiner Meinung nach die Strassen immer sein.

Die Vorwarnung

Eine kleine Episode von unserer Fahrt in die Provence.

Tatort: auf der Autobahn im Rhonetal bei Avignon
Verkehrsaufkommen: erträglich
Tatverdächtiger: ein Auto mit Schweizer Kennzeichen

Aber nicht wir!!!!

Der rechte Fahrstreifen war mehr oder weniger durchgehend von Lastwagen in Beschlag genommen. In der Mitte fuhr unser vollbepacktes Auto, ganz links die, die’s eilig oder besonders eilig hatten. Besonders eilig hatte es ein Range Rover mit Genfer Kennzeichen. Sagen wir mal GE 123456.

Der Mitbewohner lässt eine Bemerkung fallen von wegen “da hat einer aber ausgesprochen pressant”, schon ist der Landsmann an uns vorbei gerauscht. “Wenigstens kann der die Sprache, sollte die Polizei ihn anhalten”. Stimmt, man soll nicht immer nur das Negative im Automobilisten sehen.

Kurz darauf fahren wir unter einer Anzeigetafel durch, auf der steht in grossen Lettern: “GE 123456 trop vite.” Das war eine Vorwarnung für den Genfer Autofahrer, dass er zu schnell unterwegs sei. Derartige Anzeigen kennt man bei uns nicht und sie entbehren nicht einer gewissen Nettigkeit. Allerdings bezweifle ich, dass der betreffende Autofahrer die Tafel wahrgenommen hat. Ich würde zu gerne wissen, welche Stufe die Autobahnpolizei als nächstes zünden kann.

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Weil ich Autobahnen grundsätzlich wenig fotogen finde, hier ein Bild des täglichen Hundespazierganges. Immerhin auch zweispurig.

Beschildert geschildert (26)

Immer wieder mal hört man am Radio die Durchsage: „Autobahn A99, zwischen Hinterpfupfikon und Vorderhausen, Fahrtrichtung Überalldorf. Vorsicht, es befinden sich Kühe auf der Fahrbahn.“

Es könnten auch Schafe sein. Giraffen oder Rehe. Die Durchsage würde immer ähnlich tönen. Anders in Mexiko. Nein, ich meine hier nicht den Umstand, dass die Verkehrsmeldung in spanisch durchgegeben würde. Ich bin im Gegenteil der Meinung, dass Tiere auf der Strasse dort fast zum normalen Alltag gehören. Wir glaubten damals, unseren Augen nicht zu trauen, als wir bei einer doppelspurigen, autobahnähnlich ausgebauten Strecke plötzlich Kühe sahen. Und nicht etwa neben der Fahrbahn, nein, die Rindviecher weideten ganz genüsslich auf dem Mittelstreifen! In Mexiko stört sich niemand daran. Schliesslich war ein Hirte dabei und die Rindviecher waren sich offenbar an die für unsere Verhältnisse doch sehr spezielle Fresserei gewohnt.

Diese Begebenheit – und es blieb in Mexiko nicht bei der einen – kam mir wieder in den Sinn, als ich das folgende Schild zum veröffentlichen erhielt.

Fotografiert hat Urs (wo steckst du eigentlich?) die Verkehrstafel in Polen. Wo man offenbar auch im 21. Jahrhundert noch speziell darauf hinweisen muss, dass Pferdefuhrwerke auf der Autobahn nichts verloren haben. Im Gegensatz zu Mexiko scheint es dort immerhin Leitplanken zu geben.

Streckenrekord

Heute für einmal eine Anekdote aus dem reichhaltigen Repertoire meines innig geliebten Mitbewohners, die er immer wieder gerne erzählt.

Noch heute ist er stolz auf seinen persönlichen Rekord für die Bewältigung der Strecke von seinem damaligen Wohnort westlich von Zürich nach Silvaplana an die Corvatschbahn. Mit seinem Porsche feilte er seinerzeit die gut 200 km in knapp zwei Stunden. Dem topografisch unwissenden Leser mag das als nicht allzu schnell erscheinen. Es gilt jedoch zu erwähnen, dass es die Alpen zu überqueren gilt.

Wenn er seine Geschichte jeweils zum Besten gibt, hört man es in den Hirnwindungen seines Gegenübers richtiggehend rumoren. In der Regel ist die Strecke bekannt, zumindest ansatzweise, und man weiss, dass nebst dem Julierpass mit seinen zahlreichen Kehren auch sonst noch diverse Kurven am Weg liegen. Der oder die Zuhörer sind meist ziemlich beeindruckt von der Fahrleistung des Mitbewohners, rechnen sich wohl insgeheim aus, an wie vielen Geschwindigkeitsbussen er vorbeigeschrammt sein muss.

Erst dann lässt der Mitbewohner die Katze aus dem Sack: Damals hörte die Autobahn am linken Zürichseeufer entlang bei Lachen auf. Wie also war es möglich, 200 Kilometer in weniger als zwei Stunden zu absolvieren?

Dann erklärt der Mitbewohner jeweils mit seinem verschmitzten Lachen, für das ich ihn so innig liebe: „Damals gab es auf unseren Strassen noch keine Geschwindigkeitsbeschränkungen. Ich bin teilweise mit 120 durch die Dörfer gefahren.“

Gefahren? Dem würde ich eher tief fliegen sagen. Ein zeitgemässes Navi gibt übrigens für die Strecke nahezu drei Stunden an.

Das Schloss Crap da Sass stand schon, als es im Engadin noch keine Autos gab. Und erst recht keine tieffliegenden Porsches.