Verwechslung ungünstig

Ich backe viel und gerne. Nicht nur Kuchen, sondern auch Brot und anderes Gebäck. Da ein Backofen ganz schön viel Energie verbraucht, versuche ich immer, seinen Kapazität so gut wie möglich auszunützen. Mein Backofen läuft nie wegen zwei einsamen Frischback-Brötli. Aber gar nie!

Natürlich kann auch ich ich mein hehres Ziel nicht immer erreichen, den Backofen doppelt zu bestücken. Aber ich bemühe mich zumindest. So brutzelt beispielsweise über drei Laiben Brot das Nachtessen in Form eines Poulets im Bratbeutel. Oder die Aubergines, die ich am nächsten Tag für die Vorspeise brauche, garen zeitgleich mit einem Cake.

Durch geschickte Planung lässt sich so Energie sparen, ohne dass die kulinarischen Wünsche zu kurz kommen. Am Schluss braucht es einfach noch den Durchblick, was da eigentlich alles im Backofen schmurgelt, was wann fertig ist und welcher Nachbehandlung es bedarf. Im vorliegenden Fall wäre den Auberginen eine Zitronen-Marinade sicher wesentlich besser bekommen, als wenn der Zitronencake mit Kräutern, Olivenöl und Knoblauch bestrichen worden wäre.

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In die Röhre geguckt

Mein innig geliebter Mitbewohner hatte nur einen kurzen Blick in den Backofen geworfen. Lange genug allerdings, zum sich eine Meinung über das zu bilden, was im Inneren des Backofens am entstehen war.

Mit dem ihm ganz eigenen und unvergleichlichen Charme wollte er nur eines wissen: „Was hast du denn da für Unterstellböcke gemacht?“

Der Mechaniker war mal wieder voll und ganz mit ihm durchgegangen. Dabei bin ich so stolz auf die von mir selber kreierte Brotform.

Die Backofenbrille

Es war einmal ein Bäcker. Ein begnadeter Bäcker. Ein talentierter Bäcker. Einer auch, der das, was er backte, sehr, sehr gerne selber ass. Mit wenigen Ausnahmen.

Unser Bäcker, nennen wir ihn der Einfachheit halber Peter, backte nicht nur herrlich knuspriges Brot, sondern auch Pizzen, bei denen selbst den Italienern das Wasser im Munde zusammenlief. Weil unser Peter ein durch und durch ordentlicher Mensch ist, ist er auch stets bestrebt, alles so zu versorgen, dass er es nachher wieder findet. Das kann ein Schraubenzieher sein, der Autoschlüssel oder auch seine Brille. Letztere war ihm ganz fürchterlich im Wege, als er für eine Gruppe Freunde Pizza backen wollte. Pizzen, bah, die konnte er selbst im Finsteren backen, dafür brauchte er sicher keine Brille! Er nahm sie sich von der Nase und legte sie an einen todsicheren Ort, wo er sie wieder finden würde.

Die Zeit ging vorbei, der Teig war lehrbuchmässig aufgegangen, die Pizzen mit leckeren Zutaten belegt. Peter gab dem Schalter einen Schupf, in wenigen Minuten würde er das Nachtessen in den Pizzaofen schieben können. In seinem leeren Magen machte sich eine wohlige Vorfreude breit.

„Was stinkt denn hier so?“ In der Stimme seiner Frau – auch sie mit leicht knurrendem Magen – mischte sich eine Spur von Unruhe. Man kam der Quelle des üblen Geruchs nicht auf die Spur. Es musste wohl vom Nachbargrundstück her kommen. Die Aufwärmzeit war um, Peter öffnete die Türe des Pizza-Ofens und entdeckte – perfekt untergebracht, doch kaum mehr wiederzuerkennen – seine Brille.

Die Moral von der Geschichte: In gewissen Fällen kann es finanziell durchaus interessant sein, wenn man die Pizza auswärts ist.

Sorry, Pesche, diese Geschichte konnte ich nicht für mich behalten. Aber seit ich dich persönlich kennengelernt habe, bin ich mir sicher, dass du mir das nicht übelnehmen wirst.

Der Kochbuch-Eintrag

Es gab mal eine Zeit, da wurde in meinem Freundeskreis viel gemeinsam gekocht und über Gekochtes diskutiert. Und je mehr gekocht wurde, desto grösser wurde die Ausfall-Liste. Dies hatte nicht primär mit unseren gastronomischen Fähigkeiten sondern mit den Vorlieben für kulinarische Ausflüge ins Unbekannte zu tun. Wenn etwas gründlich misslang oder sich zumindest nicht mit den hochgesteckten Vorstellungen deckte, sprachen wir davon, dass dies wieder mal ein „Eintrag fürs Kochbuch“ sei. Wir befassten uns allen Ernstes damit, ein Kochbuch herauszugeben, das aus lauter missratenen Rezepten und deren Verbesserungsvorschlägen bestehen sollte.

Eins sei vorweg erwähnt: Aus dem Kochbuch wurde nichts, selbst wenn es ständig ergänzt wurde und immer noch wird. Denn gerade gestern habe ich wieder einmal einen Eintrag ins besagte Kochbuch beigesteuert.

Grundsätzlich vom Niedergaren sehr angetan, wollte ich gestern meinen Gästen das „Leicht geräucherte Gewürzfilet“ aus dem Betty Bossi Kochbuch „Niedergaren leicht gemacht“ auftischen. Dazu musste ich zuerst eine Mischung aus Rohzucker, Anispulver, Nelken und Zimt auf einer Alufolie verteilen, auf dem Blech in den kalten Ofen schieben und auf 240 Grad heizen. Dann Ofen aus, Türe nie öffnen und warten, bis die Temperatur auf 80 Grad gesunken ist, das edle Stück Fleisch rein und warten bis die gewünschte Kerntemperatur erreicht ist.

Ich hab alles genau gemacht wie im Rezept beschrieben. Der Zucker hat sich aufgelöst, caramelisiert und ist schliesslich verbrannt. Ich war mir sehr unschlüssig, ob ich das Fleisch diesem Gestank aussetzen wollte. Ein kurzes Schnuppern in den Backofen bewies mir aber, dass es dort drin nicht nach verbrannt roch und tatsächlich noch ein Hauch der Gewürze an den Wänden hing. Also zog ich das Rezept durch wie beschrieben.

Zum Resultat kann ich nur soviel sagen: Der Kalbshohrücken war sehr schmackhaft und zart, von den mit viel Aufwand erzeugten Räucheraromen aber war absolut nichts zu merken.

Dass in der Richtung etwas gegangen sein muss, liess sich jedoch an meinem Backofen ablesen. Der Caramel-Qualm hatte eine gleichmässig braune Schicht in meinem Backofen hinterlassen. Aber ich wollte ihn ja schon lange wieder mal gründlich reinigen…

Heute nun habe ich beim Schreiben dieser Jammerschrift nach dem Rezept gegoogelt. Ich habe es gefunden und siehe da, dort werden nur Temperaturen von 160 Grad angegeben, sollte sich Rauch entwickeln, müsse man sogar vor Erreichen der besagten Temperatur zurückschrauben. Gut möglich, dass es mit 160 statt mit 240 Grad funktioniert. Mir ist ehrlich gesagt die Lust auf dieses Rezept vergangen. O-Ton meines innig geliebten Mitbewohners: „Ich hab dir ja gesagt, dass das nicht funktionieren kann! Hätten wir es draussen auf dem Räucherofen gemacht….“ Ja, ja, nur weil der Mitbewohner in der jüngsten Vergangenheit ein paar Dutzend Fischfilets geräuchert hat, muss er sich noch nicht einbilden, vom Fach zu sein.

Bäckerei Flohnmobil

Frisches Brot unterwegs ist keine Selbstverständlichkeit. Wer wie wir in der Regel nicht auf Campingplätzen übernachtet, läuft Gefahr, am Morgen einen mehr oder weniger weiten Weg in die nächste Bäckerei zu haben. Da ich zu Hause seit Jahren mein Brot selber backe, war es nicht so abwegig, auch unterwegs in Mehl und Hefe zu wühlen. Bloss: Wie backen, wenn man im Wohnmobil nicht über den Luxus eines eingebauten Backofens verfügt?

Die ersten Versuche auf dem Holzkohle-Grill endeten kläglich mit einer brotähnlichen Masse, die unten verkohlt und oben kaum fest war. Die Oberhitze fehlte. Als wir monatelang in Nordamerika unterwegs waren, wurde das Problem akut. Hatten wir in Europa stets die Möglichkeit gehabt, früher oder später ein Brot zu kaufen, das den Namen auch verdient, wurde dieses Unterfangen in Land der unbeschränkten Möglichkeiten nahezu unmöglich. Was dort unter der Bezeichnung „Brot“ über den Ladentisch bzw. an der Supermarktkasse vorbei geht, kann einen gewissen Verwandtschaftsgrad mit Schaumgummi nicht abstreiten und hätte uns bestenfalls als Reservekissen einen Dienst erwiesen.

Mit dem „Outback-Oven“ erstand ich 1999 in Kalifornien eine Teflon-Backform, einen Deckel, der Platz sparend rein passte, und eine Alu-beschichtete Haube, die sich über die ganze Angelegenheit stülpen liess. Damit konnte ich recht respektable Backergebnisse erzielen. In jedem Fall buk ich so ein Brot, das unseren Vorstellungen näher kam als die Amerikanische Pampe. Mit diesem Alu-Hut funktionierte ich beinahe ein Jahr lang.

Mit der Anschaffung des „Coleman“ Aufsetz-Backofens begann im neuen Jahrtausend eine neue Back-Ära. Fortan konnte ich nicht nur Brot, sondern auch Pizza und Wähen (etwas typisch Schweizerisches, bestehend aus unten Teig, oben Früchte oder Gemüse plus ein Eierguss) backen. Ob an einem lauschigen Waldrand, am Ufer eines norwegischen Fjords oder mittem im australischen Never-Never, die hauseigene Bäckerei funktioniert überall.

Zusammengefaltet findet der Backofen in einer 30 x 30 x 7 cm grossen Schachtel Platz. Einmal aufgestellt isolieren wir ihn zusätzlich mit einer Matte, die wir aus einer Frontscheiben-Abdeckung zusammengeschnipselt haben. Dank der Matte entweicht weniger Wärme und die Gefahr des Verbrennens ist gebannt. Die Wärme kommt zwar weiterhin nur von unten, aber das Brot wird oben doch einigermassen braun.

Ich geb’s ja zu,manchmal ist sie schon etwas mühsam, diese ganze Teigerei und das Zusammengebastle des Backofens. Aber immer noch das kleinere Übel, als morgens ein steinhartes Brot essen zu müssen.

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