Die saubere Schweiz

Ich wollte mich mit meinem Kaffeebecher dort niederlassen. Es ist unser inoffizieller Treffpunkt im HB Zürich vor Wanderungen. Von weitem schon sah ich die Sauerei. Es war am Sonntagmorgen um acht Uhr. Die Spuren eines nächtlichen Gelages liessen mich einen grossen Bogen um diese Sitzgelegenheit machen; ich liess mich auf der weitmöglichst entfernten Seite dieser Schweinerei nieder.

IMG_3243

Ich frage mich in solchen Momenten immer wieder: Wie sieht es bei diesen Schweinen zu Hause aus? Lassen sie ihre Poulet-Knochen auch dort liegen, wo sie sie abgenagt haben?

IMG_3243

Noch während ich meinen Gedanken nachhing kam ein in orange gekleideter Schwarzer mit entsprechender Ausrüstung und offiziellem Auftrag und beseitigte die Sauerei.

Einmal mehr muss ich ernüchtert feststellen, dass “man” in der Schweiz keinesfalls ordnungsliebender ist als im Ausland. Hierzulande wird nur wesentlich mehr Geld für die Beseitigung des Mülls ausgegeben. Die saubere Schweiz – alles eine Frage des öffentlichen Etats.

Billett lösen für Fortgeschrittene und Nervenstarke

Mein innig geliebter Mitbewohner und ich wollten einen Ausflug unternehmen. Mit Bus, Zug und Schiff. Dazu braucht es ein gültiges Billett. Und dieses gedachten wir am Bahnschalter zu lösen.

Zu diesem Zwecke begaben wir uns ins Nachbardorf, an einen der wenigen Bahnstationen der Umgebung, wo der Schalter noch bedient ist. “Grüezi, ich hätte gerne gewusst, was ein Billet von Pfupfikon nach C via A, B, mit dem Schiff nach E und via F zurück nach Pfupfikon kostet.” Das weibliche Wesen hinter der Glasscheibe hatte, nachdem es begriffen hatte, dass wir keine 08-15-Strecke befahren wollten, auf einem Blatt Papier mitgeschrieben. Es begann zu repetieren. Und nachzufragen. “Sie wollen in B aussteigen?” – “Nein, erst in C.” – “Ab D dann mit dem Schiff?” “Und ab E via F zurück nach Pfupfikon?”

Die Frage-und-Antwort-Ping-Pong dauerte eine Weile, dann war unser Reiseweg beim Computer angelangt. Dieser jedoch gab sich noch nicht zufrieden. “Wollen Sie in Vorderpfupfikon, Pfupfikon  City oder Hinterpfupfikon einsteigen?” Für den Preis spielte das, so war ich überzeugt, keine Rolle, aber der Computer musste dennoch die Strecke berechnen. Und das  tat er dann auch. Mit helvetischer Gründlichkeit und einem Weg, von dem man nicht mehr abweichen konnte, kostete das Ticket einen seltsam rund anmutenden Betrag.

Der Mitbewohner und ich schauten uns leicht ungläubig an und entschlossen uns dann, anstelle des komplizierten Billets eine Tageskarten einzusetzen, die wir in einem äusserst schlanken Prozedere sogleich am Schalter lösten. “Das hättest du auch einfacher haben können”, tadelte er mich. Hätte ich nicht! Denn zuerst musste ich schliesslich wissen, wieviel das Ticket kostet, um zu wissen, was billiger zu stehen kommt. Immerhin hatte das Blondinchen hinter dem Schalter für einmal keinen Anlass, die sonst übliche hätten-Sie-auch-am-Automaten-lösen-können-Leier zum Besten zu geben. Und eine Nachhilfe Lektion in Schweizer Geografie hat es erst noch gratis erhalten.

Sofern der Mitbewohner und ich unser Programm erfolgreich abspulen und nicht unterwegs Schiffbruch erleiden, dürfte an dieser Stelle bald etwas über unseren Ausflug zu lesen sein.

DSC07073

Beschildert geschildert (83)

Das Internet ist eine feine Sache. Man findet so vieles. Und so vieles, das man sucht, findet man nicht. Zumindest nicht auf Anhieb.

Im letzten August hatte ich einen Aufruf gestartet, ob jemand sich an das Plakat “Wundere Dich nicht wandere” erinnern könne. Es konnte niemand. Zumindest nicht auf Anhieb.

Doch vor wenigen Tagen schrieb mir jemand einen Kommentar auf den damaligen Beitrag. Das seinerzeitige Plakat sei bei ihnen vor kurzem eingescannt worden. Mit “ihnen” so viel darf ich verraten, ist die SZU gemeint, in der Vollversion: die Sihltal Zürich Uetliberg Bahn SZU AG.

Natürlich wollte ich wissen, auf welchen unergründlichen Wegen die Person auf meinen Blog gestossen sei. Und das wiederum ist wenig mysteriös. Es wurde nämlich einfach “wundere dich nicht wandere” gegoogelt.

Und nun will ich euch das Plakat, das in meiner Kindheit an den Bahnhöfen des betroffenen Bahnunternehmens hing, nicht mehr länger vorenthalten. Ich finde es extrem lässig, dass es mir zur Verfügung gestellt wurde.

Voilà:

wundere_dich_nicht_wandere_retusche

Das Geschäft-Geschäft

Lang schon sind die Zeiten vorbei, in denen man am Bahnhof für lumpige zwanzig Rappen seine Notdurft verrichten konnte. Heute steht an vielen grösseren Bahnhöfen eine auf Hochglanz polierte McClean-Filiale die gewaltig abkassiert.

Vielerorts wurden die öffentlichen Toiletten wegen Vandalismus auch kurzerhand und ersatzlos geschlossen. Klar, es gibt rühmliche Ausnahmen, so wie dieses Häuschen, dass die verehrte Miss Chatterbox einmal beschrieben hat.

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es aber dennoch. Die SBB hat nämlich die Notwendigkeit eingesehen, da und dort öffentliche Bedürfnisanstalten wieder zu eröffnen. Das ist durchaus erfreulich. Da aber mit Schweizerischer Gründlichkeit vorgegangen wird, dürften die Toiletten nicht nur teuer, sondern sackteuer werden. 90’000 Franken, so stand vor nicht allzu langer Zeit in einer Zeitung zu lesen, soll so eine High-Tech-Toilette, wie sie bereits von Autobahn-Raststätten bekannt sind, kosten.

Ich bin sprachlos. Für so viel Kohle kaufe ich mir doch lieber grad ein ganzes Wohnmobil. Da habe ich nebst einer Toilette sogar noch eine Dusche, eine Küche, ein Wohn- und ein Schlafzimmer. Und wenn mein innig geliebter Mitbewohner und ich zusammen rund 45’000 Mal auf der Toilette waren, haben wir das Fahrzeug bereits amortisiert. Wenn wir ab und zu duschen, sogar noch etwas früher.