Spektakuläres Madeira

Der Wander-Klassiker in Madeira sind zweifellos die Levadas. Sei können auch schon ganz spektakulär sein, wie in diesem Blog-Beitrag nachzulesen ist. Aber es geht noch viel spektakulärer.

Beispielsweise, wenn man einen der alten Wege bewandert, den die Einheimischen während Jahrhunderten und vor dem Bau von Strassen benützt haben, um ihre Waren von einem Ort zum nächsten zu transportieren. Oftmals führen solche Wege spektakulär und abenteuerlich über dem tosenden Meer hinweg.

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Die obigen Bilder stammen von einer Wanderung, die ganz harmlos als Levada-Wanderung begann….

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… und mit dreckigen Schuhen aufhörte.

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Zum Glück gab es kurz vor Ende der Wanderung eine regelrechte Schuh-Waschstrasse.

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Eine weitere imposante Wanderstrecke führte uns über einen alten Weg in ein Fischerdorf.

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Wie viele Steine wurden hier über die Jahrhunderte zu mehr oder weniger flachen, abgerundeten Treppenstufen verlegt!

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Nach dem langgezogenen Fischerdörfchen Paul do Mar

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geht es auf einem ebenso alten Pfad wieder 400 m aufwärts.

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Diese Wanderung klang dann entlang einer eher unspektakulären Levada aus…

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… argwöhnisch bewacht von Einheimischen.

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Wandern dem Wasser entlang

Madeira ist berühmt für seine Levadas. Ganze Heerscharen von Wanderer und Spaziergänger folgen den fast ebenen Wegen entlang der Wasserkanäle. Diese versorgen seit Jahrhunderten die trockeneren Gebiete mit dem köstlichen Nass aus dem Landesinneren.

Unsere Reiseleiterin, die schon über 60 (in Worten: sechzig!!!) Wanderwochen auf Madeira geleitet hat, kennt viele solcher Levadas. Doch auch sie kennt nur einen Bruchteil der 3’000 Kilometer Wasserführungen. Nichts desto trotz hat sie uns schon an zwei total unterschiedlichen Levadas entlang geführt. Die eine völlig abgeschieden im Landesinneren. Sehr rau, sehr viel Wasser. Und das nicht nur im Kanal, sondern aufgrund starker Niederschläge auch daneben. Gummistiefel wären das passende Schuhwerk gewesen.

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Wir waren alle ausgerüstet mit Wanderschuhen, Regenhosen, Regenjacke und vor allem einer Stirnlampe. Letzteres war zwingend notwendig, weil das längste Tunnel, das es zu begehen galt, einen Kilometer lang war. Wohl sah man von Anfang an das andere Ende, aber nur als nie näher kommen wollendes Mini-Pünktchen.

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Um es gleich vorneweg zu nehmen: Das Unterfangen geriet zur Ausdauer-Übung der Sonderklasse. Ursula, unsere Leiterin, entschuldigte sich nachher bei uns. Wenn sie gewusst hätte, dass neben der Levada im Tunnel derart viel Wasser liege, wäre sie nie und nimmer dorthin gegangen mit uns. So etwas habe sie in all den Jahre noch nie erlebt.

Teils auf dem unebenen Weg neben der Levada, teils auf dem Mäuerchen balancierend, sich mit den Händen an den feucht-schmutzigen Wänden abstützend oder breitbeinig. Jeder musste im Verlauf der Tunnel-Durchwanderung seine für ihn beste Methode entwickeln, wie er über die Runden kam. Ich entschied mich, auf dem Mäuerchen behutsam einen Fuss vor den anderen zu setzen und mit den Stöcken rechts der Levada das Gleichgewicht zu suchen. Dadurch musste ich allerdings aufpassen, dass ich meinen Kopf nicht anstiess. Zwischendurch watete ich einfach auch durch das etwa knöcheltiefe Wasser und testete meine Wanderschuhe. Meine Füsse blieben bis zum Schluss trocken. Über das Aussehen der Schuhe darf spekuliert werden.

Ingesamt  acht Tunnels lagen an unserer Strecke, das zweite war das längste und alle anderen, die folgten, entlockten uns nur noch ein müdes Lächeln.

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Die feuchte Landschaft mit ihren fast senkrechten “Hängegärten” war grandios und entschädigte uns für all die Mühen des Tages.

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Total anders dann die Levada, die wir am folgenden Tag bewanderten. Sie führt durch Kulturland, ist schmaler und der Weg daneben nicht wesentlich weniger dreckig. Anders als die erste Levada, die Wasser für ein Kraftwerk führt, dient diese Levada ausschliesslich der Bewässerung. Der Klassiker also.

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Die Fotografin war die Einzige, die ungehemmt durch sämtliche Pfützen schritt. Alle Anderen versuchten in diversen Balanceakten, schadlos über die Runden zu kommen. Ihre Schuhe wurden aber im Verlauf der Wanderung mindestens so dreckig wie die von Frau Flohnmobil.

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Irgendwo hier plätschert bestimmt auch eine Levada durch die Hänge.

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Bohnen, Chabis, Gurken, Kürbis, Zwiebeln, 3 x im Jahr Kartoffeln, Mais, Rüebli. Jeder Madeirenser scheint einen Blätz Garten irgendwo am Bord zu haben.

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Nicht jeder Garten ist gleich einfach zu erreichen.

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Das steile Gelände wurde seit Jahrhunderten terrassiert.

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Futter beschaffen für eine Geiss oder Kuh.

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Vorbei an einem Toblerone-Häuschen.

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So unterschiedlich kann Levada-Wandern sein. Die meisten Wandergruppen beschränken sich auf diese flachen Wegstücke. Wir aber haben “Bergwandern” gebucht. Und wie spektakulär das sein kann, werde ich später berichten.

Wer mehr über die Levadas in Madeira, ihre Entstehung und Nutzung lesen will, gucke HIER nach.

Gross und doch nicht das Grösste

Es gibt zwei Buchstaben, bei denen gerät jeder Madeirenser in Ektase.

C . R .

Vielerorts sind diese zwei Buchstaben zu sehen. An Hotels, Bars, Museen. Jeder scheint zu wissen, wofür sie stehen. Und ist stolz darauf.

Hm. Die zwei Buchstaben, sie stehen für Madeiras berühmtesten Sohn. Der in einer überlebensgrossen Statue am Hafen Funchals verewigt wurde.

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Doch ganz ehrlich, was kümmert mich dieser schnöde Fussballer, wenn es auf Madeira so geile Wanderwege gibt.

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Wandern auf dem schwimmenden Blumentopf

Es gibt diverse Bezeichnungen für diese Insel weit draussen im Atlantik. “Blumeninsel” wird sie oft genant, auch “Garteninsel” oder „Insel des ewigen Frühlings“. Am besten gefällt mir “Schwimmender Blumentopf”.

Und fürwahr, Madeira verfügt besonders jetzt im Frühling über eine immense Blütenpracht. Einerseits als Pflanzungen in den Gärten. Was da nicht alles blüht, was bei uns teilweise mit grösster Sorgfalt meist nur eine Saison hält. Ganze Hecken von Hibiskus, Beete von Rittersternen (Amaryllis), regelrechte Geranien-Bäume. Umwerfend! Sehr eindrucksvoll, und leider schon fast vorbei, blühen die violetten Jacaranda (Palisanderbäume).

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So schön all diese Bepflanzungen sein mögen, viel mehr interessieren mich die wild wachsenden Pflanzen. An diesen kann ich ich kaum satt sehen.

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Dieser Hahnenfuss ist übrigens mindestens doppelt so gross wie bei uns daheim.

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Der Natternkopf gilt als die Blume Madeiras schlechthin.

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Und wie findet man all diese begeisternd schönen Blumen? Klar doch: auf Wanderungen. Und das sieht dann beispielsweise so aus:

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Frau Flohnmobil, frisch behutet, hat allen Grund zum Strahlen.

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Dieses Madeira ist so traumhaft schön, ich könnte heulen vor Freude.

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Höchste Zeit, die Schilder-Bilder Serie wieder aufzunehmen.

Und ebenso höchste Zeit, mal wieder eine Wanderung zu unternehmen.

Wer wird denn bei diesem prächtigen Herbstwetter daheim bleiben?

Frau Flohnmobil ganz sicher nicht!

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Diese Warntafel begegnet einem, wenn man vom Schäfler Richtung Säntis unterwegs ist. Nicht zu Unrecht.

Zu Besuch beim Winter

Die Flumserberge kenne ich eigentlich nur vom Skifahren her. Nur ein einziges Mal war ich hier vor Jahren einmal im Sommer unterwegs. Das hat sich gestern geändert.

Zu viert und begünstigt von einem perfekten Timing, gelangten wir mit Auto, Postauto und Gondelbahn zur Bergstation auf dem Maschgenkamm. Dort sah es irgendwie ganz anders aus als jeweils im Winter. Wo kam denn plötzlich diese Pfütze her?

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Wir tippelten auf dem anfänglich breiten Wanderweg los und schon ab dem ersten Meter war Frau Flohnmobil hin und weg. Nach dem Blick in die Webcam am Vortag war ich mir nämlich nicht so sicher gewesen, ob wir da nicht noch etwas zu früh unterwegs waren auf fast 2’000 Meter Höhe. Mitnichten! Überall blühte es nach Leibeskräften.

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Der Himmel war zwar einmal mehr nicht so wolkenlos, wie uns der Wetterbericht versprochen hatte, aber meiner Freude über die überschwänglich blühende Alpenflora tat dies keinen Abbruch. Der Stimmung in unserem munteren Grüppchen übrigens auch nicht.

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Selbst die Alpenrosen sind hier schon am blühen.

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Unser Zwischenziel war die Spitzmeilen-Hütte (2’087 m), eine Hütte des Schweizerischen Alpenclubs, die gut auf Tagesgäste eingestellt ist. Auf dem Weg dorthin galt es einige kleine Schneefelder und ein paar harmlose Bäche zu queren, insgesamt aber ist die Hütte einfach zu erreichen. Und wer es nicht glaubt, dem gibt vielleicht der Hinweis, dass vor der Hütte ein Veloständer steht, die Bestätigung, dass die Wege weder abschüssig noch extrem steil sind. Allerdings dürfte es einige Passagen drin haben, die zu Fuss einfacher zu bewältigen sind als mit dem Velo. Ausser man hat die Fähigkeiten unseres frisch gebackenen Mountain-Bike Weltmeisters Nino Schurter…

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Mit den Bäuchen voller Älpler-Magronen, die gar köstlich geschmeckt hatten, begaben wir uns auf den Rückweg zur Prodalp.

Auch auf diesem Weg konnte ich mich an den Blumen kaum satt sehen. Insbesondere an den Hängen, wo keine Rinder weideten, blühte es, was das Zeug hielt.

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Ab der Alp Fursch ist der Weg mit Autos befahrbar. Trotzdem ist er ganz angenehm zu begehen, sind doch nur wenige hundert Meter asphaltiert.

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Schön isch es gsi!

2 Stunden von der Bahnstation Maschgenkamm zur Hütte, keine nennenswerten Anstiege, knapp 2 1/2 Stunden zur Prodalp.

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Staub mit Erinnerungs-Potential

Immer, wenn ich ihnen begegne, und das ist immer, wenn ich abstaube, also eigentlich eher selten, erinnern sie mich an eine meiner längsten, schönsten, aber auch anstrengendsten Bergwanderungen.

Diese Wanderung hätte gar nicht so lang werden sollen. Wir waren auf dem Heimweg von einer Reise aus Kroatien und Slowenien und machten mit dem Wohnmobil einen Abstecher ins Südtirol. Bei Einheimischen, die vor einer bewirteten Alphütte bei Ponticello sassen, erkundigten wir uns nach einer etwa fünfstündigen Wanderung. Diese gaben uns frohgemut den Tipp, doch den 2’810 m hohen Seekofel zu besteigen.

Zu früher Morgenstunde stiegen wir los, denn es versprach, ein heisser Tag zu werden. Wir kamen vorbei an Almen, auf denen nicht nur Kühe, sondern auch Pferde weideten. Was für eine Idylle! Und als ob es nicht schon kitschig genug gewesen wäre, wuchsen auf der ganzen Wiese Edelweisse. Soviel übrigens zum Thema “Edelweiss in steiler Bergeswand”. Dieser Mythos gehört ins Zeitalter der Louis-Trenker-Filme.

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Nicht erst auf dem Gipfel merkten wir, dass wir den Zeithorizont überschreiten würden. Dank den gut markierten Wegen und dem makellosen Wetter war das aber kein Problem.

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Im Rifugio Biella gönnten wir uns Speis und Trank. Neben uns sassen Deutsche, die mit dem Feldstecher durchs Panorama linsten. “Wenn mich nicht alles täuscht, stehen dort drüben die Drei Zinnen”, hörten wir vom Nebentisch. “Die sieht man nicht von hier aus”, knurrte ich mehr zu mir selber zwischen zwei Happen. Der Mitbewohner jedoch, der konnte diese Abänderung der Bergwelt nicht so im Raum stehen lassen und sagte laut und unüberhörbar: “Meine Frau hat gesagt, das seien nicht die Drei Zinnen. Und sie muss es wissen, schliesslich war sie auf allen drei oben.” Schwang da ein bisschen Stolz in seiner Stimme mit? Na jedenfalls musste ich nachher Auskunft geben, was mir eher peinlich war. Es war und ist nicht meine Art, mit derartigen Leistungen anzugeben.

Erst als wir weitergingen, konnten wir im Dunst das berühmteste Dreigestirn der Dolomiten ausmachen.

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Unsere Wanderung indes war noch nicht zu Ende. Längst hatten wir herausgefunden, dass mit den fünf Stunden Wanderzeit lediglich der Hinweg auf den Gipfel gemeint war. Wir kamen auch im Abstieg an Wiesen vorbei, die vor Edelweissen nur so strotzten. Drum erlaubte ich mir, vier der geschützten Pflanzen zu pflücken. Ich weiss, dass man das nicht soll, aber die Kühe latschten ja auch geradewegs über diese raren Blümchen.

Nach acht ereignisreisen, aber auch reichlich ermüdenden Stunden waren wir wieder zurück beim Ausgangspunkt, wo unser Wohnmobil artig auf uns wartete.

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Die vier Edelweisse, die ich nach alter Väter Sitte zwischen zwei Buchdeckeln getrocknet hatte, sind in der Zwischenzeit reichlich verblasst. Trotzdem haben sie nach acht Jahren noch ihren festen Platz in unserer Wohnung. Und auch wenn der Mitbewohner meint, ich solle die Staubfänger endlich liquidieren, von diesem Souvenir mag ich mich nicht trennen.

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Der aufgeräumte Berg

Wir Schweizer sind ein ordentliches, ordnungsliebendes Volk. Das hat sich längst herumgesprochen, ist weitherum bekannt. Heute habe ich den Beweis dafür angetroffen. Unsereins räumt ganze Gipfel auf! Seht selbst:

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Da staunt ihr, was!?!

Der aufgeräumte Berggipfel ist das Kistenstöckli (2’746 m), auf Romanisch Muot da Rubi.  Er gilt als eigentliches Wahrzeichen von Brigels und ist von weither sichtbar. Mich erinnert das Kistenstöckli immer an eine umgekehrte Zaine (ein verkehrter, geflochtener Korb).

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Je näher man ihm kommt, desto unnahbarer wirkt es. Der Aufstieg jedoch erfolgt von der linken Seite her und ist – Schwindelfreiheit vorausgesetzt – gut machbar. Diverse Ketten entschärfen die ausgesetzten Stellen.

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Am Fusse des Kistenstöcklis liegt die Bifertenhütte, die man von der Alp Quader aus (mit dem PW ab Brigels erreichbar) in gut 2 Stunden erwandert.

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Wenn ihr das Kistenstöckli auch mal besteigen wollt: Es hat aller Aufgeräumtheit zum Trotz noch genügend Steine auf dem Gipfel, um einen Steinmann zu konstruieren. Es muss ja nicht gerade ein solches Vorzeigemodell sein.

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Panor-AAAAH-ma!

Der Anblick morgens aus dem Hotelfenster hätte mich beinahe umgeworfen. An dem Spruch “Morgenstund hat Gold im Mund” ist definitiv etwas dran.

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Während wir gemütlich losmarschieren, hatte ich ausgiebig Gelegenheit, die Engstlenalp zu bewundern. Gestern war mir im strömenden Regen der Sinn nicht so danach gestanden.

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Auch war schon fast der ganze Aufstieg unseres Wegs in die Planplatten sichtbar. Ortskundigen Lesern wird nun auffallen, dass wir ein etwas halbstündiges Wegstück den gleichen Weg zurück gehen mussten, wie wir gestern gekommen waren. Bei diesem Wetter wahrlich kein Müssen.

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Und nochmals hatten wir ausgiebig Gelegenheit, die Obwaldner Kühe zu bewundern. So viele Kühe und Rinder wie in den letzten drei Tagen haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Es müssen weit über Tausend gewesen sein. Gerüchten zufolge sollen die Rindviecher hier schöner sein als die Einheimischen. Und noch mehr Subventionen erhalten.

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Durch diese Flanke führt der gut angelegte Weg.

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Die Nähe zum Tourismusgebiet Meiringen-Hasliberg mit seinen geöffneten Seilbahnanlagen war unverkennbar. Die Wanderer wurden zahlreicher. Ab Planplatten fädelten wir auf den Panoramaweg zur Käserstatt ein.

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Die Blumen am Weg waren nicht mehr sehr zahlreich und bestenfalls noch dort als üppig zu bezeichnen, wo nie Kühe geweidet hatten.

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Ab Käserstatt erlaubten wir uns den Luxus, mit der Gondelbahn runter zu fahren. Weiter ging es ein kurzes Stück mit dem vollen Postauto zum Brünigpass.

Wir waren drei Tage lang je etwa fünf Stunden gewandert. Hatten uns einmal mehr an unserem schönen Land erfreut, die frische Bergluft eingeatmet, die Aussicht bewundert, die kühleren Temperaturen genossen. Dieser Erinnerung würde eine Weile hinhalten müssen, denn seit unserer Rückkehr vor drei Tagen hocken wir nur noch im aussichtslosen Backofen.

Teil eins der Wanderung ist HIER nachzulesen. Und HIER Teil zwei.

Eine pass-able Fortsetzung

Hier noch die dritte und letzte Etappe unserer Wanderung die wir von Montag bis Mittwoch dieser Woche gemacht haben.

Den Wecker hätten wir uns sparen können. Einhundert Meter Luftlinie zum Kirchturm von Vals und zwei geöffnete Fenster reichten völlig aus, um uns noch vor dem Handy-Gedudel aus dem Schlaf zu reissen. Immerhin, zwischen 22.00 und 6.00 Uhr war es ruhig gewesen. Zumindest was den Kirchturm betraf.

Grundsätzlich hätten wir im Hotel erst ab 8.00 Uhr Frühstück erhalten. Das war – insbesondere in Anbetracht des Wetterberichts, der für den Nachmittag Gewitter angekündigt hatte – mindestens eine Stunde zu spät. Wir waren aber nicht die einzigen wandernden Gäste im Hotel und so stellte man alles bereit, damit wir uns selber bedienen konnten. Fast alles. Denn es hatte weder Teller noch Zucker. Auf dem papierenen Tischset mein Brot streichen war ja noch vertretbar, aber Kaffee ohne Zucker – wääääk!

Die ersten 90 Minuten des Aufstiegs verliefen angenehm im Schatten. Angenehm nicht was die Steilheit, sondern die Temperaturen betraf.

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Der Weg führte hoch oberhalb des Peiltals durch vereinsamte Alpweiden. Das Vieh war bereits weiter oben. Ein abschweifender Blick in die Ferne gab den Blick aufs “Bündner Matterhorn”, das Zervreilahorn, frei.

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Dass wir unterwegs den Weg verfehlten, will ich hier nicht weiter ausschlachten. Der Lapsus bescherte uns einige zusätzliche Höhenmeter und eine gute halbe Stunde Mehrzeit.

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Der Weg nervte mich insgesamt etwas, verlief er doch zwischendurch entlang von hohem Gras, um nicht zu sagen hüfthohen Brennnesseln. Das Vergnügen in kurzen Hosen hielt sich in Grenzen.

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Entschädigt wurde ich einmal mehr durch die Blumen am Wegrand.

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Auf gut 2’000 Metern weideten die Rinder. Ihr Gebimbel liess uns beschwingt die letzten der 1’250 Höhenmeter in Angriff nehmen.

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Auf den letzten Metern war der Weg steinig, aber gut begehbar.

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Oben auf dem Valserberg (2’504 m) gab es eine wohlverdiente Pause. Die ganze Umgebung ist gespickt mit alten Militär-Anlagen. Wir fanden allerdings nicht schlüssig heraus, welchen Felsen genau unsere Armee hier verteidigt hatte.

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Es folgte “nur” noch der Abstieg. Das Wetter schien zu halten. Die gestrige und heutige Etappe sind übrigens Teil der 19-tägigen Walserwegs, der von San Bernardino bis ins vorarlbergische Brand führt.

Obschon noch weit entfernt, hörten wir bereits den Strassenlärm der San-Bernardino-Strasse. Im Dunst ist der Zickzack der Passstrasse zu erkennen.

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Wir entschieden uns, den Abstieg nach Nufenen statt nach Hinterrhein zu nehmen. Im Nachhinein gesehen vielleicht nicht die klügste aller Entscheidungen. Wohl war der Weg markiert, aber das war dann auch schon alles. In steilem, praktisch weglosem Gelände stolperten wir zu Tale, unsere Füsse immer runder.

Der Rest ist schnell erzählt. Postauto zurück nach Splügen. Heimfahrt. Beinahe undurchdringliche Regenwand bei Sargans. Keine Blasen an den Füssen. Grosse Genugtuung über eine schöne, dreitägige Tour in unseren herrlichen Schweizer Bergen bei Prachtswetter und das Wissen, wieder mal etwas nicht Alltägliches vollbracht zu haben.

Wer den Anfang verpasst hat: Hier geht es zum ersten und zweiten Teil der Wanderung von Splügen über Safierberg ins Safiental, weiter über den Tomülpass nach Vals und schliesslich (oben beschrieben) über Valserberg zurück nach Nufenen.