Nimm sie mit ins Bett!

“Und dann liess ich mir einen Kaffee raus, schnappte die Zeitung und ging mit beidem nochmals hoch.” Sie erzählte es mit einer derartigen Wonne, dass ich keinen Moment daran zweifelte, was sie “oben” machte. Natürlich, sie setzte sich ins Bett und las dort die Zeitung.

“Wäääk”, entfuhr es mir, “das würde ich nie machen, dann hast du ja das ganze Bett voller Druckerschwärze!” Sie schaute mich verständnislos an. “Bea, jetzt übertreibst du aber, das ist doch sooo gemütlich, im Bett Zeitung lesen. Wegen der Druckerschwärze habe ich mir noch nie Gedanken gemacht.”

Tatsache ist, dass ich jedes Mal, wenn ich die Zeitung gelesen habe, als erstes aufstehe und mir die Hände wasche. Diese von der Druckerschwärze gefärbten Pfoten kann ich nicht ausstehen. Der Gedanke, mit diesen Händen meine Bettwäsche zu berühren, widert mich ziemlich an.

Dass meine Bedenken nicht von ungefähr kommen, beweist das Sofa, wo ich seit Jahren immer an der gleichen Stelle meine Zeitung hinlege, wen ich am Lesen bin. Dort ist das Nubuk-Leder um diverse Nuancen dunkler. Das kann gar nicht anders, als von der Druckerschwärze stammen.

Übrigens habe ich in meinem ganzen Leben auch noch nie einen Kaffee im Bett getrunken. Bestenfalls eine Tasse Tee, aber da muss ich krank gewesen sein. Dass ich nichts von Frühstück im Bett mit Bröösmeli auf dem Leintuch halte, überrascht euch wahrscheinlich nun auch nicht mehr.

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Aus eins mach zwei

Es ist ja nicht so, dass ich seit dem Tod meines Mannes mit niemandem mehr geschlafen hätte. Genau genommen dürften es gegen 50 Personen sein. Die meisten mir wildfremde Menschen. Mit ihnen habe ich zwar weniger das Bett, aber dennoch das Schlafgemach geteilt. In Massenlagern auf der mehrtägigen Wanderung, die ich Ende Juli zusammen mit Freunden gemacht habe.

Nun aber ist die Situation nochmals eine gänzlich andere. Nun bin ich mit meiner Freundin in Frankreich unterwegs und selbstverständlich teilen wir uns das Zimmer, nicht aber das Bett. Wohl stecken wir in so manchen Situationen unter einer Decke, dennoch wollen wir uns in der Nacht jede in eine eigene Decke einrollen.

In Frankreich ist das mitunter etwas schwierig. In einem Hotel musste nach unserer Ankunft, und obschon wir bei der Reservation über booking.com extra drauf hingewiesen hatten, noch das Zimmermädchen anrücken und aus dem Doppelbett zwei Einzelbetten machen. In einer relativ aufwändigen Aktion verwandelte die Dame im schwarz-weiss gestreiften Röckchen das Doppelbett in zwei Einzelbetten. Entfernte das Doppelleintuch, schob die Betten voneinander, machte aus der zusammengeknöpften doppelten Decke zwei einzelne, bezog alles wieder frisch. Dabei hätte es uns doch gereicht, hätten wir jede eine Decke gehabt!

Noch komplizierter schien es im nächsten Hotel zu werden. Da tat man sich derart schwer mit unserem Wunsch nach zwei separaten Betten, dass wir befürchten mussten, die eine von uns müsse in einem Klappbett nächtigen. Mit Sorgenfalten im Gesicht stiegen wir die zwei Etagen im altertümlichen aber charmanten Hotel hoch, gespannt welche Art der Bettstatt uns erwarten würde. Unsere Bedenken erwiesen sich zwar als unbegründet, aber frau kann ja nicht von jedem Mössiöö erwarten, dass er auf Anhieb auf unsere Sonderwünsche eingeht.

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Schlafen auf Französisch

Unter einem französischen Bett stellt man sich bei uns ein Bett in der Grösse 160 x 200 cm vor. Um diverse Nächte in einem wahren französischen Bett reicher weiss ich mittlerweile, dass ein französisches Bett in Frankreich eine hochkomplexe Angelegenheit ist.

Beigetragen zu dieser überaus wertvollen Erfahrung hat unter anderem die Tatsache, dass wir gestern die neue Matratze der Hausbesitzerin in Empfang nehmen durften und so in den Genuss kamen, das Doppelbett Schicht um Schicht abzutragen. Nach dem Bettüberwurf plus fünf Kissen, je einem Ober- und Unterleintuch, einer Flanellauflage und einer dicken Matte mit Wollfüllung, waren wir auf dem Niveau angelangt waren, wo bei uns ein Lattenrost zu Tage gekommen wäre. Hier war es einfach so etwas wie eine zusätzliche Matratze. Von Rüschen umgeben. Letztere dürften eher auf den Geschmack der norwegischen Besitzerin denn auf französische Gewohnheiten zurückzuführen sein. Die Matratze darüber sage und schreibe 30, in Worten dreissig, Zentimeter dick. Und sackschwer. Ist schon ein normales Bett (also so eines, wie ich es mir gewohnt bin) zum Betten machen ein veritabler Rückenkiller, so ist ein solches Geschwür von einer Schlafstätte der Sensenmann schlechthin.

Betten sind selbstverständlich etwas sehr Individuelles. Wie alles in unserem gesitteten Haus sind auch die besagten Schlummerboxen nur vom Feinsten und entsprechend teuer. Wir könnten es uns nicht leisten, für ein Doppelbett über € 6’000 auszugeben. Aber etwas so Unpraktisches wie diese Betten in Frankreich ist mir noch nie untergekommen. Ich freue mich jedenfalls auf mein schnörkelloses französisches Bett zu Hause.

Unser bescheidenes Schlafgemach in den letzten paar Wochen.

Auf der Strasse der Liebe

Da liegen sie. Mitten in zerknüllten Bettlaken. Die Kleider rund um ihr Bett verstreut. Jeden Meter etwas. Höschen, BH, Hemd, Jacke, ein Gürtel. Muss das eine heisse Nacht gewesen sein!

Und immer wenn sie aufwachen, liegen sie sich in den Armen. Halten sich fest umschlungen, als müssten sie aufpassen, dass keiner abhandenkommt.

Jedenfalls im Film. Denn jeder, der schon mal in den Armen seines Partners gelegen ist, weiss:

Das mag romantisch sein, aber sackunbequem!

Nach spätestens zehn Minuten fault dir oder dem Anderen ein Arm ab, wird des Andern Schulter zu hart oder das Bein zu schwer. Garantiert. Oder du schwitzt dich zu Tode. Kein vernünftiger, anatomisch korrekter Mensch hält solche Verrenkungen um seinen Partner lange aus.

Oder bin ich schon zu lange verheiratet?

Hochspannung

Als Kind war es ja noch ein Abenteuer, auswärts zu schlafen. Das Schlafen kam dabei zwar meist zu kurz, ganz egal, ob man auf einer sich allmählich entleerenden Luftmatratze, einem quietschenden Liegestuhl oder in einem richtigen Bett lag.

Die Einstellung zum damaligen Abenteuer hat sich bei mir über die Jahre radikal geändert, nichts desto trotz, schlafe ich fast überall wie ein Herrgöttli. Mein innig geliebter Mitbewohner behauptet, das sei auf hunderte von Übernachtungen in SAC-Hütten zurückzuführen. Vermutlich hat das wiederkehrende kollektive Schnarchkonzert in einem 30-er Schlag bei mir eine gewisse abhärtende Wirkung hinterlassen.

Beim neusten Abenteuer in Sachen „auswärts Schlafen“ war es so ruhig, wie es nur in einem Bergdorf sein kann, und wenn ein Schnarchen zu hören gewesen wäre, hätte es definitiv vom Mitbewohner stammen müssen. Doch lange bevor es so weit kommen konnte, verabschiedeten wir uns mit einem innigen Gutenachtkuss, kuschelten uns jeder in seine Decke.

Aber wo kam denn diese Lichtquelle her? Das Licht war doch abgedreht.

„Hast du das auch gesehen?“
„Was?“
„Dieses Funken unter der Decke.“
„Das bildest du dir nur ein. Schlaf jetzt.“
„Nein schau, es wird wirklich hell, wenn ich die Decke bewege. Und knistern tut’s auch“

Der Mitbewohner, grundsätzlich alles andere als leichtgläubig und solchen Phänomenen gegenüber stets mit einer nervenden Portion Misstrauen gesegnet, sah es nun endlich auch. Die synthetische Decke versprühte regelrechte Funken durch die Finsternis des Raumes.

Wir brachen in lautes Gelächter aus. Nach 12 Ehejahren schaffen wir es nämlich noch ohne fremde Hilfe, dass es unter unserer Bettdecke knistert.