Biologisch für Anfänger

Da lag es. Klein, bunt und absolut deplatziert.

Vielleicht schämte es sich für seine Anwesenheit. Mich dünkte jedenfalls, dass das seine geeignete Einstellung gewesen wäre.

Aber im Grunde genommen trug es selber keine Schuld. Da hatte wieder mal so ein Mensch gewirkt.

Dennoch fragte ich mich, was an einem Bio-Getreidestängel noch Bio war, wenn man seine Kunststoff-Verpackung in den Bergen achtlos wegwarf.

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Biologisch bewehrt

Ich habe schon immer behauptet, dass die Bio-Welle mitunter absurde Formen annimmt. Das jüngste Beispiel ist Kakteenerde in Bio Qualität. Ich habe sie sowohl bei Migros als auch Coop entdeckt.

Bio Erde für Kakteen? Hallo!

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Der erste Kandidat, der in den Genuss der edlen Bio-Erde gekommen ist (etwas anderes ist beim Grossverteiler offenbar gar nicht mehr zu kaufen), ist dieser Säulenkaktus, dem ich einen grösseren Topf verpasst habe. Letzterer übrigens aus hundskommunem, unbiologischem Plastik.

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Ehrlich gesagt glaube ich, dass es meinen Kakteen mindestens so egal ist wie mir, ob biologisches Substrat oder konventionelle Erde ihre Wurzeln umgibt. Viel lieber wäre es ihnen, sie würden nicht mehrmals täglich dauergeduscht. Langsam aber sicher beginne ich mr nämlich, mir um meine Kakteen, die ungeschützt im Freien stehen, Sorge zu machen.

Der Bio-Schwachsinn

Biologische Lebensmittel – so hört man immer wieder – liegen im Trend. Artgerechte Tierhaltung, keine Verwendung von Pestiziden und Kunstdünger, Landwirtschaft im Einklang mit der Natur. So und ähnlich werden gegenüber den Kunden die Preise der zum Teil massiv teureren Bio-Produkte gerechtfertigt.

Ich stehe offen dazu: Ich kaufe keine Bio-Lebensmittel. Ich sehe keinen Vorteil darin, im Dezember Bio-Zucchetti oder Bio-Tomaten aus Marokko zu kaufen. Beides habe ich heute bei Coop gesehen und beide Gemüse haben im Sommer Saison, bestenfalls noch im Herbst, aber sicher nicht jetzt. Und was ist noch Bio an Buchweizen, der aus China importiert wurde? Oder an Endivien-Salat aus Spanien. Wurde das Grünzeug – übrigens etwas vom wenigen, das auch ein Hobby-Gärtner noch im Dezember vom eigenen Garten verzehren kann – vielleicht mit einem Bio-Futter fressenden Esel quer durch halb Europa transportiert?

Kürzlich habe ich am Radio gehört, dass unser Land, das auf einem regelrechten Butterberg hockt, Bio-Butter importieren muss. Das ist doch Schwachsinn! Und wenn ich heute gelesen habe, dass in Italien 700’000 Tonnen konventionell produzierter Lebensmittel als Bio-Produkte verkauft wurden, kann ich nur sagen: musste ja mal so kommen.

Mir stösst es auch sauer auf, wenn jemand konsequent auf der Bio-Welle reiten will, im gleichen Atemzug aber wegen zwei, drei Bio-Brötchen den Backofen zehn Minuten vorheizt. Das Argument „wir haben keinen Atom-Strom mehr“ versandet dabei in meinem müden Lächeln.

Statt mit aller Sturheit Bio-Produkte zu kaufen, finde ich es viel wichtiger, dass man saisongerecht einkauft. Ich weiss, wann welches Gemüse Saison hat. Bei mir kommen im ganzen Winterhalbjahr keine frischen Tomaten auf den Tisch. Ich wundere mich nicht, wenn ich im März keine Trauben kaufen kann und das Januar-Kopfsalätchen vor lauter Schrecken schon im Einkaufskorb die Schraube macht.

Aber natürlich lasse ich mich zwischendurch auch mal verleiten, beispielsweise eine Avocado oder Mango zu kaufen. Die haben in Gottes Namen bei uns nie Saison. Auch Zitronen zum Backen lasse ich mir nicht nehmen. Denn den ganzen Winter von getrockneten Apfel- und Birnenschnitzen leben mag ich nun doch auch wieder nicht.

So, und nun werde ich saisongerecht Sauerkraut in die Pfanne hauen.