Kulinarisches Unkraut

Es war ein Experiment. Ich wusste, und das seit Jahren, dass man sie essen kann. Hatte es aber noch nie getan. Angesichts eines gewissen Überangebots und der Gewissheit, dass hier kein Hund hingepinkelt hatte, begann ich – mit entsprechendem Werkzeug – die Ernte.

Ich erntete nur die Spitzen und selbst diesen schnitt ich in der Küche – noch immer mit dem entsprechenden Werkzeug – die dicken Stängel ab. Ich wollte nichts, gar nichts (an)brennen lassen an diesem kulinarischen Experiment. Und so schaute ich, das Unkraut war längst in der Pfanne, noch kurz im Internet nach, wie aus diesem Grünzeug denn etwas Schmackhaftes herzustellen sei.

Ich stellte fest, dass ich auf dem richtigen Weg war, hatte ich doch zuerst eine Schalotte im Olivenöl angedämpft, bevor ich das Kraut in die Pfanne warf, es dünstete, etwas Bouillon beigab und nach zehn Minuten die wohl matchentscheidenden zwei Esslöffel Doppelrahm unterrührte.

Moll-moll, so kann man Brennnesseln essen. Wir können uns sogar vorstellen, beim entsprechenden Überangebot mal wieder aus diesem gratis Wildkraut Spinat herzustellen.

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Am Rande der Wildnis

Für schwedische Verhältnisse mag dieser Ort noch mitten in der Zivilisation liegen. Verglichen mit weiter nördlich ist im Süden Schwedens ohnehin alles noch ziemlich nahe beieinander. Für unsere Verhältnisse aber, wo nach spätestens drei Kilometern wieder ein neues Dorf kommt, wenn die Dörfer nicht grad nahtlos ineinander übergehen, ist es hier schon sehr abgelegen. In den nächsten Ort müssen wir zehn Kilometer fahren. Einkaufen ohne Auto ist also keine Option.

Natürlich geniessen wir diese Abgeschiedenheit. Kein Fluglärm, kein Strassenlärm, keine Eisenbahn. Kein Nachbar, der um sechs in der Früh zur Arbeit an unserem Schlafzimmer vorbei fährt. Wovon, Nachbarn haben wir hier auch. Unser Haus, eine ehemalige Schmiede, gehört zu einer ganzen Gruppe von bewohnten Häusern, die wiederum zu einem Schloss mit Schlossgarten, Stallungen und allem Drum und Dran gehören. Unsere Hausdame ist sogar die Tochter des Schlossherrn. Wenn ich es endlich mal schaffe, im richtigen Licht den Fotoapparat dabei zu haben, werde ich hier Bilder veröffentlichen von diesem traumhaft schön gelegenen Schloss, das teilweise bewohnt, teilweise als Museum eingerichtet und daher öffentlich zugänglich ist.

Eine Kehrseite hat das Ganze natürlich. Wir sind nicht nur am Rande der Zivilisation, nein für unsere Verhältnisse richtiggehend am Rande der Wildnis. Die Brennnesseln und anderes Kraut gedeihen hier kräftig und ungehemmt. Unsere Hausleute sind nämlich ganz und gar biologisch. Und da haben zweifelsohne auch Brennnesseln ihren Platz. Dennoch, das Kraut in Schach zu halten ist eine unserer zahlreichen, teilweise selbstauferlegten Aufgaben. Ich mag mich nicht ständig beim Beeren pflücken brennen lassen, also weg mit dem Gestrüpp. Auch wenn die Brennnesseln zweifelsohne biologisch gewachsen sind.