So ganz nebenbei mal auf der Skipiste

Man trifft ja immer wieder Hunde auf der Skipiste an. Sauhunde. Wilde Hunde. Aber einen richtigen Vierbeiner (sieht man mal von ausgebildeten Lawinenhunden ab), habe ich noch nie gesehen. Bis gestern.

Da stand ich am Sessellift, neben mir ein Mann. Und ein Hund. Eigentlich nichts Aussergewöhnliches, wenn man mal davon absieht, dass der Mann Skis anhatte. Ob er das könne, fragte ich den Skifahrer. Klar, dass damit der Hund gemeint war. Und ebenso klar bezog sich meine Frage darauf, ob der Hund Sessellift fahren könne. “Das hat sie schon viel gemacht”, war die Antwort. Eine Hündin also. Hm. Der Sessellift kam, der Hund sprang auf, wir setzten uns, zogen den Bügel runter und aufwärts ging es.

Im Gespräch auf dem Lift fand ich heraus, dass der Mann öfters mit seinem Hund auf die Skipiste geht, aber immer nur, wenn es nicht viele Leute hat. Insofern hatten wir da etwas gemeinsam. Er habe den Hund – demonstrierte es fuchtelnd mit beiden Händen – an einer elastischen Leine. Das funktioniere hervorragend, es mache dem Vierbeiner Spass. Wie lange er es aushalte? So gute zweieinhalb Stunden schon. Wenn der Untergrund hart gefroren sei, dann habe er Hundeschüeli. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Einzig, wenn es zu viele Leute auf der Piste habe, sei es nicht so gäbig, denn wecke sich im Hund der Jagdtrieb.

Einen Hund am Hosenbein, dachte ich mit Sorge um meine teuren Skihosen, das wäre wahrscheinlich so ziemlich das Letzte, was ich auf einer Skipiste erwarten würde.

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Nein, dieser berühmte Blog-Hund war es nicht (der Ski-Hund war eine andere Rasse, etwas grösser).
Und sein Besitzer verabscheut Schnee aus tiefstem, allertiefstem Herzen.

Auf Kriegsfuss mit dem Panorama

Eigentlich bin ich ja eine Schönwetter-Skifahrerin. Ich würde nie vorsätzlich bei schlechtem Wetter auf die Piste gehen.

Allerdings scheiden sich die Geister, was denn schlechtes Wetter überhaupt ist. Der Spruch “es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Ausrüstung” verliert etwas an Brillanz, wenn man beim Skifahren kaum über die Skispitze hinaus sieht. Genau das ist mir heute passiert. Die Nebelbänke waren faustdick. Die Hoffnung, wenigstens zuoberst im Skigebiet blauen Himmel anzutreffen, erfüllte sich nicht.

Das Panorama in Brigels kenne ich zwar auswendig, darauf verzichten mag ich beim Skifahren aber nur ungern. Anstelle eines Bildes hätte ich ebenso gut ein weisses Blatt Papier fotografieren können.

Der einzige Vorteil, den man solchen Verhältnissen abgewinnen kann: Die Gefahr, auf der Piste abgeschossen zu werden, war für einmal absolut inexistent.

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Wenn der Ski ein Krüppel ist

Es war exakt das passende Wetter, um mit meinem frisch geschliffenen Ski die Pisten unsicher zu machen.
Genau gesagt ist mein nicht ganz günstiger, erst 7 Tage gefahrener, frisch geschliffener Ski zwar ein Krüppel und eigentlich nur eine Notlösung. Denn unter dem Fersenautomat des einen Skis hat sich auf einer Länge von ca. 15 cm eine gleichmässige Erhebung gebildet, die dort nicht hin gehört. Da ich mitten im Winter den Ski nicht 14 Tage zur Garantie-Abklärung hergeben wollte und es mitten in den Schulferien auch keinen adäquaten Leihski gab, bot mir Stöckli an, den Belag vorerst mal plan zu schleifen.
Das Krüppeli hat sich gut gehalten; es verfügt nach dem Service über einen – abgesehen von der Problemzone – mustergültigen Steinschliff und perfekt präparierte Kanten. Eigentlich alles paletti. Dennoch gehe ich davon aus, dass mein Ski einen Fabrikationsfehler hat und man ihn mir auf Garantie ersetzen wird. Das tönt im ersten Augenblick nach gutem Kundenservice, immerhin steht mir in Aussicht, nach einem ganzen Winter einen ganz neuen Ski zu erhalten. Den Weg 3 x nach Kloten wird mir jedoch kaum jemand vergüten.
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Eile mit Weile

Es war das Wetter, bei dem sich früher absolut selbstverständlich mein Mann ans Steuer gesetzt hätte. Jegliche Diskussion hätte sich erübrigt. Es musste seit den frühen Morgenstunden schneien, auf der Strasse lagen schon fast zehn Zentimeter Schnee. Meine Hoffnung, dass sich die Wetterfront noch etwas verspäten würde, hatte sich nicht erfüllt, und so musste ich mich heute Morgen mit Todesverachtung selber ans Steuer setzen und von Brigels heim fahren. Was für ein Kontrast zu gestern!

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Vorsichtig fuhr ich die steile Strasse von Brigels runter. Was heisst hier fahren? ich liess es mehr oder weniger rollen, das war mir bei den Verhältnissen noch schnell genug. Der Schneepflug mit dem Salz kam mir entgegen, aber auf meiner Seite war die Strasse ziemlich glatt und nicht geräumt. Mein Fahrkurs, den ich vor wenigen Wochen absolviert hatte, kam mir entgegen. So machte ich mir nicht gleich in die Hose, als die Assistenz-Systeme meines Autos ihren Dienst taten und das Fahrwerk unter meinem Hintern rumpelte und surrte.

Im Schneegestöber erreichte ich in Tavanasa die Talsohle, fuhr auf der schneebedeckten Strasse weiter Richtung Ilanz. Ein Einheimischer war der Ansicht, meine 50 km/h seien zu langsam. Sollte er doch überholen! Es schneite unverdrossen weiter, die Temperaturen bewegten sich knapp unter Null. Die Strasse stieg wieder an, ich fuhr einer Kolonne auf. An deren Spitze ein Holztransporter mit Anhänger. Na wenn der mit diesen Strassenverhältnissen zurecht kommt, werde ich es wohl auch schaffen, ermunterte ich mich selber.

Am Kulminiationspunkt in Flims scherte der Lastwagen aus und liess die Kolonne passieren. Um ein Haar wäre ich nun die Vorderste der Kolonne gewesen…! Die nächsten Höhenmeter liessen sich elegant und sorglos im Tunnel vernichten. Doch noch war nicht alles ausgestanden. Unterhalb von Flims lag noch immer Schnee auf der Strasse, jedoch zusehends weniger. Kurz vor Reichenau ging der Schnee in Regen über, ich konnte mich langsam entspannen.

Auf der Autobahn herrschte mässiger Verkehr, aber es regnete ziemlich stark. Schon wieder nicht meine bevorzugten Strassenverhältnisse! In Landquart leistete ich mir einen Shopping-Stop im Outlet. Nun wäre ich froh gewesen, es wären Schneeflöckli gefallen. Diese wären mir wesentlich sympathischer gewesen als der strömende Regen.

Mit unwesentlich erleichtertem Portemonnaie und ohne weitere Probleme erreichte ich schliesslich den Heimathafen. Was mein Mann über meine Fahrweise gedacht hätte, darüber kann ich nur mutmassen. Sicher aber wäre er genauso froh gewesen wie ich, dass Auto und Frau wieder unversehrt daheim sind.

Wenn du denkst, du bist schlauer als alle anderen

Ich dachte, ich mache das clever. Cleverer als die anderen, die sich vor dem Kassenhäuschen anstellten, um den Skipass zu kaufen. Ich kaufte ihn online. Der Wetterbericht war derart überzeugend gewesen, dass ich bereits am Vorabend meinen Skipass erstanden hatte. So würde mir der Gang an die Kasse erspart bleiben.

Am Morgen stieg ich aus dem Skibus und ging siegesgewiss die wenigen Schritte bis zur Bergbahn. Ich stieg in die Bindung, stiess mich mit den Stöcken ab und stand vor dem Drehkreuz. Beim ersten Mal am Morgen dauert es jeweils etwa fünf Sekunden, bis der Skipass auf dem Datenträger aktiviert ist. Am Vortag hatte es gut geklappt. Doch das war leider Schnee von gestern. Die Anzeige blieb beharrlich auf rot, das Drehkreuz machte keinen Wank. Ich probierte das zweite Drehkreuz aus – man weiss ja nie.

Nun hatte ich die Gewissheit, dass da etwas nicht geklappt hatte. Ich machte eine 180-Grad-Wende und stellte mich wohl oder übel in die Schlange der Wartenden. Mein ganzer Vorteil war dahin. Ich würde nicht vor allen anderen auf dem Sessellift sein, sondern im Gegenteil so ziemlich als Letzte hochfahren. Als ich endlich an der Reihe war, erklärte ich der netten Dame hinter dem Schalter mein Problem und hielt ihr das Bestätigungs-Mail auf dem Handy entgegen. Sie schaute kurz drauf, gab zwischendurch noch ihrer Kollegin, die den zweiten Schalter bediente, Auskunft, checkte meinen Datenträger, murmelte etwas von “Fehler bei Skidata”, gab nochmals quer durchs Kabäuschen hinweg Auskunft. Frauen können das – Multitasking!

Dann gab sie mir eine Mail-Adresse, an die ich mein Bestätigungs-Mail vom Ticket-Corner weiterleiten musste, es machte BLING bei ihr am PC und sie nickte zufrieden. Sie schob mir einen Wisch zum unterschreiben unter der Glasscheibe durch, stellte mir einen neuen Skipass aus und meinem Skitag stand endlich nichts mehr im Wege. Ausser vielleicht die Horde, die aus dem nächsten Skibus, der soeben angekommen war, entstieg.

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Da das Problem – ausnahmsweise! – mal nicht bei den Brigelser Bergbahnen lag, wagte ich am folgenden Tag nochmals, ein Ticket online zu kaufen. Die Rechnung ging auf und während andere noch am Frühstück sassen, war ich bereits auf der Skipiste. Der dritte perfekte Skitag in Serie war für mich der letzte dieses Jahres. Nun überlasse ich das Feld all denen, die nur an den Wochenenden, Ferien und Feiertagen Skifahren können. Das makellose Winterwetter ist aller Voraussicht nach für die restlichen Tage dieses Jahres ohnehin Geschichte.

Auch da muss ich durch

Mein über alles geliebter Mann

Ich ging heute Skifahren. Ganz alleine. 

Es war ein traumhafter Skitag. Blauer Himmel, Pulverschnee, sonnig, mild, windstill. Und vor allem: kein Mensch auf der Piste. Du wärst begeistert gewesen!

Ein gelungener Einstieg in die neue Skisaison. Aber auch ein trauriger. Denn es war das erste Mal, dass ich ohne dich auf der Piste war. In einem Skigebiet, wo wir in den letzten 23 Wintern so viel rumgekurvt sind. Wo wir jeden Hubbel kannten, mit jedem Pistenpfahl per du waren. Wo wir so viele glückliche Momente hatten. 

Du hättest meine Skis sehen sollen! Weisst du, der Fischer Slalom, den wir vor drei Jahren gekauft haben. Seine Kanten sind rostig geworden, weil du dich nach unseren letzten Skiferien nicht mehr um unsere Skis kümmern konntest. Immerhin, heiss gewachst habe ich den Ski vor wenigen Tagen noch. Und ich darf sagen, dass mir das ganz leidlich gelungen ist, obschon bekanntlich hundert Mal  zuschauen nicht gleich viel wert ist, wie einmal selber machen. Ich habe mich in der Werkstatt einigermassen zurecht gefunden in deinem System der ganzen Skiwachserei. Aber ans Kanten abziehen wage ich mich momentan noch nicht. Drum bleiben sie halt rostig, auch wenn dich das grausam stört, aber im Pulverschnee ist das nicht so wichtig.

Vermutlich werde ich den Ski ohnehin verscherbeln. Das Brett hat ja schon keine Spannung mehr! Ich muss mich nun auf meine eigene Beurteilung verlassen, kann mich nicht mehr hinter deiner immensen Erfahrung verschanzen.

Ich habe mit dem heutigen Skitag einen weiteren wichtigen Schritt in meinem neuen Leben gemacht. Dem Leben ohne dich. Alleine Skifahren ist zwar nicht das, was ich mir immer gewünscht habe, aber alleine unter dem Nebel Trübsal blasen, wäre die schlechtere Option gewesen. So habe ich den heutigen Tag auf eine spezielle Art geniessen können. Ich fühlte mich dir ganz nah, auch wenn ich bei jedem Schwung (und glaub mir, es waren viele und viele perfekte) schmerzhaft daran erinnert wurde, dass ich alles, was mich als Skifahrerin ausmacht, dir zu verdanken habe.

Deine Bea

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Menschenleere Pisten, perfekte Verhältnisse: Skigebiet Brigels am 22. Dezember 2017

Eine Weihnachtsgeschichte

Das Paar und sein Neugeborenes taten Kantonspolizist Forster irgendwie leid. Aber Dienst war Dienst, auch an Weihnachten. “Das Kind kam in diesem Stall zur Welt?”, fragte er streng. Josef nickte müde und schaute auf die erschöpfte Maria mit dem schlafenden Jesus im Arm. “Es war kein Platz in der Herberge”, sagt er. “Wieso Herberge? Warum sind Sie denn nicht ins Spital?”, fragte Forster vorwurfsvoll. Er hasste komplizierte Feiertagseinsätze. Und immer hatte ausgerechnet er es an Weihnachten mit solchen Sozialfällen zu tun. Ein so herziges Göfli in einem kalten Stall zur Welt zu bringen, wo gab es denn so was, dachte er. Und wieso schaute der Mann ihn so verständnislos an?

“Also nun mal von vorne”, sagte Forster. “Sind Sie der Vater des Kindes?” Josef schüttelte den Kopf. “Es ist der Sohn Gottes.” Sektenmitglieder, auch das noch, dachte Forster. Oder Islamisten. Der Mann sah ohnehin irgendwie orientalisch aus. Und dann fiel ihm ein, dass Kollegen von ihm am Tag zuvor drei so komische Vögel, darunter einen Schwarzen, aufgegriffen hatten. Die waren offenbar illegal eingereist und erzählten auch etwas Wirres von einem Sohn Gottes, den sie angeblich suchten. Ihr Gold hatten die Beamten vorsichtshalber beschlagnahmt, nur Weihrauch und Myrrhe durften die drei behalten, als man sie ins Empfangszentrum Kreuzlingen brachte.

“Ihre Ausweise bitte”, sagte Forster. Wieder dieser verständnislose Blick des Mannes. Natürlich weggeworfen, dachte Forster. Kommen in die Schweiz, um zu gebären, Asyl zu beantragen, Sozialhilfe zu beziehen, und wir Steuerzahler dürfen das alles berappen. “Wie alt ist Ihre Frau?”, fragte Forster. “Verlobte”, sagte Josef, “sechzehn”. Na wunderbar, dachte Forster, auch noch sexueller Missbrauch einer Minderjährigen. Das alles war eindeutig ein Fall für die Kesb. Sollen die sich doch darum kümmern, dachte Forster. Er freute sich direkt darauf, bald wieder alkoholisierte Autofahrer aus dem Verkehr ziehen zu dürfen.

In diesem Moment erwachte ich aus dem Albtraum. Erleichtert, dass die Geburt unseres Erlösers schon vor mehr als 2000 Jahren über die Bühne ging. Frohe Weihnachten!

Quelle: Zeitung Südostschweiz vom 24.12.2016
Autor: Christian Ruch

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Heute Morgen in Brigels: Ein Hauch von weisser Weihnacht…

… wenn man nicht zu lange zögerte beim Abdrücken.