Wie zu Grossmutters Zeiten

Man nehme:

einen Ofen
genügend Holz-Scheiter
einen ambitionierten Heizer
500 Gramm Mehl
Hefe
3,5, dl Flüssigkeit
Salz
eine unerschrockene Bäckerin
genügend Zeit

Im Idealfall wird aus solchen Ingredienzien ein Brot. Ein Holzofenbrot.

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Die grosse unbekannte Komponente in dieser Zutatenliste ist der Ofen. Wie heiss wird so ein Teil? Und wie lange bleibt die Hitze erhalten? Inegüxle wie daheim im Backofen geht ja nicht.

Nach 25 Minuten wurde das Brot, das längst zur vollen Grösse aufgegangen war, gedreht. Nach total 40 Minuten nahmen wir es aus dem Ofen. Prädikat: gut, aber noch verbesserungsfähig. Das nächste Mal – und es wird bestimmt ein nächstes Mal geben –  werde ich das Brot mind. 45 Minuten backen.

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Unweigerlich wurden Erinnerungen an Experimente mit Brot backen im Wohnmobil wach.

In die Röhre geguckt

Mein innig geliebter Mitbewohner hatte nur einen kurzen Blick in den Backofen geworfen. Lange genug allerdings, zum sich eine Meinung über das zu bilden, was im Inneren des Backofens am entstehen war.

Mit dem ihm ganz eigenen und unvergleichlichen Charme wollte er nur eines wissen: „Was hast du denn da für Unterstellböcke gemacht?“

Der Mechaniker war mal wieder voll und ganz mit ihm durchgegangen. Dabei bin ich so stolz auf die von mir selber kreierte Brotform.

Bäckerei Flohnmobil

Frisches Brot unterwegs ist keine Selbstverständlichkeit. Wer wie wir in der Regel nicht auf Campingplätzen übernachtet, läuft Gefahr, am Morgen einen mehr oder weniger weiten Weg in die nächste Bäckerei zu haben. Da ich zu Hause seit Jahren mein Brot selber backe, war es nicht so abwegig, auch unterwegs in Mehl und Hefe zu wühlen. Bloss: Wie backen, wenn man im Wohnmobil nicht über den Luxus eines eingebauten Backofens verfügt?

Die ersten Versuche auf dem Holzkohle-Grill endeten kläglich mit einer brotähnlichen Masse, die unten verkohlt und oben kaum fest war. Die Oberhitze fehlte. Als wir monatelang in Nordamerika unterwegs waren, wurde das Problem akut. Hatten wir in Europa stets die Möglichkeit gehabt, früher oder später ein Brot zu kaufen, das den Namen auch verdient, wurde dieses Unterfangen in Land der unbeschränkten Möglichkeiten nahezu unmöglich. Was dort unter der Bezeichnung „Brot“ über den Ladentisch bzw. an der Supermarktkasse vorbei geht, kann einen gewissen Verwandtschaftsgrad mit Schaumgummi nicht abstreiten und hätte uns bestenfalls als Reservekissen einen Dienst erwiesen.

Mit dem „Outback-Oven“ erstand ich 1999 in Kalifornien eine Teflon-Backform, einen Deckel, der Platz sparend rein passte, und eine Alu-beschichtete Haube, die sich über die ganze Angelegenheit stülpen liess. Damit konnte ich recht respektable Backergebnisse erzielen. In jedem Fall buk ich so ein Brot, das unseren Vorstellungen näher kam als die Amerikanische Pampe. Mit diesem Alu-Hut funktionierte ich beinahe ein Jahr lang.

Mit der Anschaffung des „Coleman“ Aufsetz-Backofens begann im neuen Jahrtausend eine neue Back-Ära. Fortan konnte ich nicht nur Brot, sondern auch Pizza und Wähen (etwas typisch Schweizerisches, bestehend aus unten Teig, oben Früchte oder Gemüse plus ein Eierguss) backen. Ob an einem lauschigen Waldrand, am Ufer eines norwegischen Fjords oder mittem im australischen Never-Never, die hauseigene Bäckerei funktioniert überall.

Zusammengefaltet findet der Backofen in einer 30 x 30 x 7 cm grossen Schachtel Platz. Einmal aufgestellt isolieren wir ihn zusätzlich mit einer Matte, die wir aus einer Frontscheiben-Abdeckung zusammengeschnipselt haben. Dank der Matte entweicht weniger Wärme und die Gefahr des Verbrennens ist gebannt. Die Wärme kommt zwar weiterhin nur von unten, aber das Brot wird oben doch einigermassen braun.

Ich geb’s ja zu,manchmal ist sie schon etwas mühsam, diese ganze Teigerei und das Zusammengebastle des Backofens. Aber immer noch das kleinere Übel, als morgens ein steinhartes Brot essen zu müssen.

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