Kaffee und Cafés

Hättet ihr gewusst, dass in Zürich bis ins 18. Jahrhundert Kaffee trinken verboten war? Es waren die Zünfte, die sich dagegen wehrten.

Das und noch viel mehr über die Geschichte der Kaffeehauskultur an der Limmat habe ich heute auf einem geführten Rundgang durch die Altstadt erfahren.

Eine höchst interessante Führung, durchgeführt von der Kunsthistorikerin Yvonne Höfliger, die ich gerne weiterempfehle.

Weitere Infos gibt es HIER

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Aber das Himbeer Tartelette schmeckte ausgezeichnet

Kürzlich liess ich mich temporär nieder in einer echt schweizerischen Institution. Denn so englisch es auch tönen mag, “Tea Rooms” gibt es nur in der Schweiz. Zu meiner grossen Erleichterung wird in einem Tea Room allerdings auch Kaffee serviert.

In jenem Tea Room, dem eine Confiserie angegliedert ist und in dem ich mir ein überaus leckeres Himbeer Tartelette genehmigte, schien die Zeit still gestanden zu sein. Eben, in der Zeit, als man so ein Lokal noch Tea Room nannte und nicht Café, Coffee Lounge, Cafeteria oder wie auch immer.

Ich sass auf einer Polsterung aus leicht eingerissenem Kunstleder, unter den zahlreichen Lampenschirmchen heizten noch herkömmliche Halogen-Birnen und die Tapete war von einer derart düsteren Scheusslichkeit, dass ich unentwegt aus dem Fenster zu schauen gezwungen war. Aber das Himbeer Tartelette schmeckte ausgezeichnet.

Mein Kaffee, leider etwas durchsichtig ausgefallen, wurde serviert mit etwas Kaffeerahm in einem winzigen Edelstahl-Chrüegli. Die Gäste bestanden vorwiegend aus Damen im fortgeschrittenen Alter. Nun, da gehöre ich über kurz oder lang wohl auch dazu. Dennoch liess ich mir das Himbeer Tartelette schmecken.

In solchen Etablissements, mir kommt da gerade das traditionelle “Café Littéraire” an der Bahnhofstrasse Zürich in den Sinn, konnte man früher die Patisserie direkt am Tisch aussuchen. Mann waren das noch Zeiten, als man nachmittags in dem, was man damals als eine gepflegte Atmosphäre betrachtete, sein Cremeschnittchen mit einem silbernen Dessert-Gäbelchen möglichst ohne Landschaden zu zerlegen versuchte!

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Hundert Prozent koffeinfrei

Die Bedienung im Café schien leicht gestresst. Offenbar waren gerade zwei Gäste auf einmal angekommen. Ich fragte mich, wie es hier wohl zu und her gehen würde, wenn an einem schönen Sonntag ein proppenvolles Postauto in Amden ankommen und alle Fahrgäste nur ein Ziel verfolgen würden:

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Davon waren wir weit entfernt. Wir konnten innert nützlicher Frist bestellen und schon bald manövrierte sich die Kellnerin mit einem Tablett voller Getränke zu unserem Tisch. Mein innig geliebter Mitbewohner erhielt seine innig geliebte heisse Schokolade, unsere beiden Begleiter je einen Kaffee und ich das, was die Kellnerin ebenfalls für eine Tasse Kaffee hielt. Professionell arrangiert auf dem Tellerchen waren ein Kaffeelöffel, ein Zuckerbeutelchen, eine Portion Rahm und sogar ein Stückchen Blechkuchen. Nur das Wichtigste fehlte.

Die Kellnerin entschwand bereits zum Nachbartisch, wo sie zwei weitere Tassen des dampfenden Gebräus servieren würde. Mir hingegen hatte sie nur die Untertasse samt dem erwähnten Beigemüse hingestellt. Mein “Dürfte ich vielleicht hierzu noch eine Tasse Kaffee haben?” ging beinahe im lauten Gelächter eines Gasts hinter meinem Rücken unter. Auch an unserem Tisch brach schallendes Gelächter aus.

Die Kellnerin schaute kurz auf, verdrehte die Augen und begab sich zurück zum Buffet. Kurz danach brachte sie mir in einer Extrafahrt eine Tasse Kaffee und entschuldigte sich für den Lapsus. An unserem Tisch gluckste es immer noch.

Diese Anekdote wird in die Kategorie “ist mir noch nie passiert” eingehen. Selten hat ein Kaffee für so viel Erheiterung gesorgt. Und so wenig Koffein gehabt.