Neuentdeckung eines kulinarischen Erbes

Die Rubrik “Chuchichästli” wurde an dieser Stelle lange vernachlässigt. Völlig zu Unrecht! Nicht nur, dass mein lieber Bergler und ich gerne etwas Gutes essen und einem feinen Tropfen auch nicht abgeneigt sind. Nein, wir finden grossen Gefallen darin einzukaufen, spezielle Lebensmittel zu entdecken und gemeinsam zu kochen.

Letzthin entdeckte ich im Einkaufsrevier des Berglers ein altertümlich aussehendes Gewürzbeutelchen, das zumindest für mich kulinarisches Neuland war. “Das hat schon meine Mutter gebraucht”, verkündete dagegen der Bergler.

Wir kauften so ein “Magenträs” und streuten es daheim in homöopathischer Dosis über unser Erdbeer-Dessert. Es schmeckte undefinierbar, exotisch. Und es regte in höchstem Masse meine kulinarische Fantasie an.

Und so rührte ich tags darauf einen Teig zusammen aus:

250 g Mehl
180 g Zucker
1 TL Backpulver
1 Päckchen Vanillezucker
1 Beutel (30 g) Magenträs
30 g Butter
2 Eier
2 Prisen Salz
180 g ganzen Mandeln

Daraus entstanden Cantucci. Man merkt ihnen an, dass da etwas “Fremdes” drin steckt. Aber damit das Aroma des Magenträs richtig zur Geltung kommt und das Sandelholz seine Farbe entfalten kann, müsste wohl die Menge mindestens verdoppelt werden. Ich bleib dran – und probiere vielleicht als nächstes mal dieses Rezept aus.

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Infos zu diesem altehrwürdigen Gewürzzucker, der Eingang ins Kulinarische Erbe der Schweiz gefunden hat, gibt es HIER.

Die Zähne ausbeissen

Ich habe ja nicht mehr waaaahnsinnig oft Gäste. Aber wenn ich Freunde zum Essen einlade, dann lasse ich mich nicht lumpen. Denn eigentlich koche ich ja immer noch gerne, es macht einfach für mich alleine nicht mehr überaus viel Spass. Und gewisse Gerichte lassen sich beim besten Willen nicht auf eine Person herunterbrechen.

Was mir auch nicht abhanden gekommen ist, ist die Freude, etwas  Neues auszuprobieren und/oder in der Küche meine Kreativität auszuleben.

Das Rezept von Tanja Grandits in der Coop Zeitung kam mir gerade recht. Herzhafte Cantucci? Ich liebe dieses harte Gebäck, kannte es bis anhin nur in diversen süssen Varianten. Nichts wie ran!

Das Rezept:

80 g weiche Butter und 150 g Zucker gut verrühren.
2 Eier dazugeben und mit 230 g Mehl, 1/4 TL Backpulver, der abgeriebenen Schale von 1 Zitrone, 2 EL Thymian, und 1/2 TL Fleur de Sel zu einem Teig verarbeiten.

Dann 60 g geriebener Parmesan, 50 g Pistazien, 40 g Kürbiskerne, 40 g Sonnenblumenkerne und 80 g ganze Mandel leicht anrösten und dazugeben.

Den Teig im Kühlschrank eine Stunde ruhen lassen, dann zu vier langen Stangen von 3 cm Durchmesser rollen. Die Menge reicht präzis für ein Blech. Die Rollen mit Eigelb bestreichen und bei 180 Grad 18 Minuten backen. Die Stangen auskühlen lassen, bei Bedarf einen Teil davon einfrieren (habe ich gemacht, so habe ich die nächsten Cantucci im Nu zubereitet).

Die Stangen leicht schräg in 1 cm dicke Scheiben schneiden und bei 150 Grad ca. 10 Minuten fertig backen.

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Die Kombination aus süss und salzig begeistert vermutlich nicht Jedermann, aber wie man der ziemlich leeren Guezlibüchs entnehmen kann, hat es zumindest meinem Besuch geschmeckt.

Im Original-Rezept wird noch Kreuzkümmel dazugegeben. Den mag ich nicht und hab ihn deshalb weggelassen. Ich studiere an alternativen Gewürzen rum. Vielleicht ein, zwei gepresste Knoblauchzehen, Bockshornklee-Samen, Curry.

Sonst noch gute Ideen?

Der Anis-Notstand

Ich liebe diese kleinen Krümel über alles. Leider gibt es viel zu wenig Rezepte mit Anis. Oder ich hab sie einfach noch nicht gefunden. Jedenfalls war ich der Meinung, dass sich die Gewürzsamen auch in Cantucci gut machen müssten. Deshalb habe ich kurzerhand mein Zitronen-Walnuss-Cantucci-Rezept abgeändert. Und das sieht nun folgendermassen aus:

250 g Mehl
180 g Zucker
1 TL Backpulver
1 Päckchen Vanillezucker
2 Eier
Salz
30 g Butter
180 g Walnüsse
1 bis 1 1/2 EL Anis (ev. grob gemörsert)
1 EL Kirsch

Diese Zutaten zu einem Teig verarbeiten. Ist er allzu fest, noch etwas Kirsch beigeben.

Den Teig ca. 30 Minuten kühl stellen, anschliessend in vier gleiche Stücke teilen und zu Rollen von ca. 25 cm formen. Bei 180 Grad etwa 15 Minuten backen. Der Teig läuft auseinander und es ergibt sich die typische Form. Etwas abkühlen lassen und schräg in fingerdicke Scheiben schneiden. Cantucci nun weitere 10 Minuten backen.

Ich war sehr gespannt auf meine Neukreation. Hatte ich genügend Anis beigegeben? Konnte er sich so entfalten, wie ich mir das vorstellte? Nach dem ersten Probiererli war ich etwas enttäuscht, denn es hätte ruhig etwas intensiver nach Anis schmecken dürfen. Das nächste Mal werde ich 1 1/2 Esslöffel nehmen und die Krümel grob im Mörser zerstossen. Und sollte ich keine Walnüsse im Haus haben, flögen Haselnüsse oder Mandeln in den Teig.

Allerdings, wenn ich meine bald leere Guezlibüchs anschaue, kann das Rezept so grottenschlecht denn auch wieder nicht gewesen sein.

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Unglücks-Chlötzli

Es gibt nur etwas, das mich mehr nervt, als Computer, die mir mitten in der Nacht ein SMS verschicken: schlampig abgefasste Rezepte, die nicht funktionieren.

Das jüngste Nervensägen-Beispiel kam verkleidet als Cantucci-Rezept daher. Krieg ich gebacken, dachte ich optimistisch, und machte mich ans Werk. Cantucci, ich liebe sie. Und wenn ich eine neues Rezept entdecke, so wird es früher oder später verbacken. Das Zitronen-Walnuss-Cantucci-Rezept zeigte allerdings wenig Euphorie, sich standesgemäss aufzuführen. Im Gegenteil, der Teig klebte trotzig an sämtlichen zehn Fingern (und im Rezept stand ausdrücklich, man solle ihn von Hand kneten). Mehl musste her. Wie blöd, dass ich eine so ordentliche Hausfrau bin, und den Mehlsack nach dem Abwiegen wieder zurück in den Schrank gestellt hatte. Erste Akrobatik-Übungen, um den Schrank mit einem Fuss zu öffnen, missrieten kläglich. Das lag weniger daran, dass ich zu wenig beweglich wäre, sondern an der Konstruktion der Türe. Also musste ich den Küchenschrank mit meiner teigverschmierten Hand öffnen und den Mehlsack mit der gleichen immer noch teigverschmierten Hand herausfischen. Wieso sind eigentlich Männer immer dann weg, wenn man sie mal wirklich brauchen könnte? Es benötigte mindestens das Doppelte der angegebenen Menge an Mehl, bis der Teig eine anständige Konsistenz aufwies. Und meinen Handmixer, den ich zu guter Letzt doch noch hervor holte.

Mein innig geliebter Mitbewohner beäugte das fertige Backwerk mit skeptischem Blick. “Es erinnert stark an Magenbrot”, holte er aus, “ist aber insgesamt etwas zu bleich geworden.” Ich kenne ihn mittlerweile gut genug, um zu wissen, dass der eigentliche Hammer erst folgen würde. Und so war es auch. “Wir hätten schon Abnehmer”, fügte er an. “An der Seepromenade?” “Nein, eher im Rossstall.” Als der Mitbewohner die “Chnusperli” schliesslich probierte, war meine Reputation als Bäckerin zumindest einigermassen rehabilitiert.

Leider war die Sache mit dem halbfertigen Rezept noch das kleinste Übel, mit dem die Chnusperli aufwarten konnten. Denn die Person, für die sie bestimmt gewesen wären, ist, noch bevor sie in den Genuss derselben hätte kommen können, auf dem Glatteis ausgerutscht und hat sich den Ellbogen gebrochen. Deshalb an dieser Stelle:

Gute Besserung, liebe Frau S.

Ich drück dir ganz fest die Daumen, dass alles gut kommt.

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