Scheibchenweise

Man sieht allerhand im Zusammenhang mit Massnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus. Es war mir in den letzten Wochen und Monaten trotz diverser Einschränkungen mehrfach vergönnt, in Hotels zu übernachten. In Sachen Frühstücksbuffet habe ich da Diverses angetroffen.

Es reichte von zeitlicher Staffelung der Frühstücksgäste über Desinfektionsmittel am Anfang des Buffets (nicht immer sind die Räumlichkeiten derart, dass ein Anfang ersichtlich ist,) über vorgeschnittenes, abgepacktes Brot direkt am Tisch bis hin zu Plexiglasscheiben, unter/hinter denen Birchermüesli, Käse und Co. geschützt waren.

Alles Massnahmen, die Sinn machen und nachvollziehbar sind. Allerdings sei mir die Frage erlaubt, weshalb die Birchermüesli-Portionen einzeln in der Kühle stehen, damit man nur sein Gläsli anfassen muss, während das Messer zum Brot schneiden allgegenwärtig auf dem Holzbrett liegt. Vom Brot, das anzufassen sich trotz bereitgestellter Stoffserviette nicht völlig vermeiden lässt, ganz zu schweigen.

Den allergrössten Blödsinn habe ich kürzlich erlebt. Ich lasse bewusst den Namen des Hotels weg, denn die Betreiber haben es dort ohnehin nicht leicht. Aber wenn jede Salamischeibe einzeln vakuumiert ist, während man das Brot selber schneiden muss, vermisse ich schon die vielbemühte Prise gesunden Menschenverstands.

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Der tägliche Bedarf

Mit den neusten Massnahmen des Bundesrates, die seit Anfangs dieser Woche gelten, dürfen u.a. nur noch Läden, die Artikel “des täglichen Bedarfs” anbieten, geöffnet haben. Über die Klippe springen müssen z.B. Sportgeschäfte, Kleiderläden, Möbelhäuser etc.

Und wie bitte definiert man den täglichen Bedarf? Ganz bestimmt gehören Lebensmittel dazu. Der frische Salat, ein zünftiger Happen Fleisch, der vegane Käseersatz. Auch für diejenigen, die täglich eine Flasche Schnaps oder Zigis brauchen, ist mit der gängigen Vorschrift gesorgt. Mein zwar nicht täglicher, aber zumindest mehrmals wöchentlicher Bedarf wäre beispielsweise der Besuch des Fitness-Studios. Geht aber leider bis mindestens Ende Februar nicht. Trotzdem fehlt es mir eigentlich an nichts. Jedenfalls fast nichts, wenn man grosszügig darüber hinweg sieht, dass soziale Kontakte so gut wie ausgeschlossen sind. Keine Freunde zum Essen treffen, keine Möglichkeit, eine gemeinsame Wanderung bei Kaffee und Kuchen ausklingen zu lassen, bevor jeder wieder seines Weges geht. Und erst recht nicht jemanden daheim bekochen. Streng genommen darf man seine Freunde und Bekannten derzeit nur noch unter freiem Himmel treffen. Und das mitten im Winter!

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Die Definition “Artikel des täglichen Bedarfs” treibt sonderbare Blüten. Während Kleiderläden, Haushaltwaren-Geschäfte und Papeterien geschlossen bleiben müssen, dürfen die Grossverteiler munter Unterwäsche, Bratpfannen und Kugelschreiber verkaufen. Wie ein Augenschein bei Migros gestern gezeigt hat, ist trotzdem ein Teil des Sortiments abgesperrt. Was mir nicht ganz einleuchtet: Wieso darf man Socken, Pyjamas und BHs verkaufen, während Mützen und Handschuhe offenbar pfui sind? Mein akutester Bedarf bestünde aus einem Paar Schuhbändel. Auch die hängen zwar im Regal, dürfen aber nicht verkauft werden. Ich muss wohl noch bis Anfang März warten, bis ich meine Winterschuhe aufmöbeln kann. Zum Glück gibts fürs Gröbste noch ein paar Schnüre in unserem Haushalt.