Ja bin ich denn ein Fisch!!!

Beinahe könnte man meinen, Petrus hätte sich den Spruch

A   d e   P f i n g s t e   s c h i f f t s   a m   r i n g s t e .

zur Brust genommen. Jedenfalls wendet er ihn momentan sehr inbrünstig an. Und was macht der kultivierte Wohlstandsbürger in Zeiten, wo selbst Schnecken und Regenwürmer an einen trockenen Ort flüchten? Er hat grundsätzlich mehrere Möglichkeiten.

1. Er sucht sich einen trockenen Platz und ergibt sich seinem Schicksal.

2. Er flieht in den sonnigen Süden (was allerdings mit viel automobiler Geduld am Gotthard verbunden ist).

3. Er lässt sich nichts anmerken (das dürfte nur für hier mitlesende Fische und Amphibien zutreffen).

4. Er ergreift die Flucht nach vorne und begegnet der flüssigen Katastrophe mit flüssiger Gegenwehr (diese Methode – in der Light-Version – haben mein innig geliebter Mitbewohner und ich gestern Abend angewandt und uns ein Glas Wein zum Essen gegönnt).

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Letzteres wird bei uns salopp als “d’Lampe fülle” (die Lampe füllen) bezeichnet. Dieses sinnlose Betrinken (Betrinken ist in meinen Augen immer sinnlos, es gibt keinen plausiblen Grund, sich volllaufen zu lassen) kennt bestimmt noch mehr lokal gefärbte Bezeichnungen.

Wie sagt ihr dazu?

Leichtsinnige Putzlappen

Der Gedankenanstoss zu diesem Beitrag kam mir gestern beim putzen. Ja, beim putzen. Das musste auch wieder mal sein. Und bei diesem Sauwetter hatte ich nicht viel verpasst. Wer weiss, vielleicht schlägt der Regen ja doch mal in Schnee um und es wird noch Winter in diesem Winter. Und dann sind sowohl mein innig geliebter Mitbewohner als auch ich lieber auf der Skipiste anzutreffen als hinter dem Staubsauger.

Es dürfte bei einer eher etwas linkischen Bewegung gewesen sein, als mir in den Sinn kam, wie meine Mutter mich früher ab und zu mal als “Gispel” bezeichnet hatte. Wahrscheinlich hatte ich gerade wieder mal mit den Händen gesprochen und dabei ein volles Glas im hohen Bogen vom Tisch in eine entlegene Ecke befördert. Oder ich hatte mir drei Sachen gleichzeitig vorgenommen, und nichts wollte gelingen.

Gispel? Ich habe mich gefragt, wie man diesen Begriff mit einem Wort ins Deutsche übersetzt. Und bin dran gescheitert.

Im Schweizerischen Idiotikon ist nachzulesen:

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Aber ich weiss immer noch nicht, was ein Gispel auf Deutsch ist.

Irgendwelche guten Ideen? Gispel wird es wohl nicht nur in der Schweiz geben…!

Frühlingsrollen mit Nutella

Wenn du das Nutella-Glas an dein Ohr hältst,
kannst du ganz leise eine Bikini-Figur weinen hören.

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Der Spruch stammt nicht von mir, aber ich finde ihn originell. Vielleicht auch nur deshalb, weil sich meine Bikini-Figur von Nutella nicht beirren lässt.

Eine köstliche Bezeichnung für das, was der Figur mitunter etwas abträglich ist, habe ich kürzlich gehört: Frühlingsrolle. Das tönt doch viel hübscher als Speckschwarte, Beule, Pirelli oder Wampe.

Und nun stelle ich mal wieder eine meiner Lieblings-Fragen:

Wie nennt ihr in eurem Dialekt das Zuviel an Figur?

Zuhinterst

Als ich meinen Blog über die spektakuläre Baum-Kosmetik-Aktion schrieb, wählte ich meine Worte mit besonderer Sorgfalt. Das mache ich zwar eigentlich immer. Aber diesmal musste ich schauen, dass nicht bereits der Titel falsche Erwartungen weckte.

Ich fand jedoch, dass “Hintern” ein durchaus anständiges Wort sei für das, wo man sich normalerweise draufsetzt. Hätte ich beispielsweise “Füdli” geschrieben, wäre es zwar nicht ausgesprochen vulgär gewesen, aber das hätten nur die Schweizer verstanden. Hätte ich “Derrière” geschrieben, wäre mein grosses Sprachtalent zum Ausdruck gekommen, wählen doch die Franzosen dieses Wort für ihre Sitzfläche. Und mit einem kleinen Strichlein weniger pflegen sich die Engländer gepflegt auszudrücken.

Ich betreibe mal wieder eines meiner Lieblingsspiele und frage euch:

Wie heissen die vier Buchstaben in eurem Dialekt? Und ist es so, wie ihr sie nennt, eher vulgär, Kindersprache oder nicht mehr oder weniger als das, was es nun mal ist:
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Ein mehr oder weniger breites Körperteil.

Unser edelstes Stück

Während ich mit meinem dank Helm und sicherem Fahrstil auch nach 10 Skitagen noch intakten Oberstübchen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags grad auf dem Heimweg bin (du meine Güte, was für ein geschwollener Satz!), möchte ich den Ball mal wieder meinen Leserinnen und Lesern zuspielen.

Ich beschäftige mich ja liebend gerne mit anderen Dialekten und Sprachgebräuchen. Deshalb hat mich der letzte Beitrag auf die Idee gebracht, mal wieder eine kleine Umfrage zu starten.

Auf Schweizerdeutsch ist es – ziemlich salopp ausgedrückt – der Grind. Vornehm nennt es sich Haupt. Er hat Auftritte als Brummschädel, Sturkopf, Dummkopf, Kahlkopf. In der Schweiz rangiert er unter dem Begriff Näggel oder Bire. Ein Berufsschul-Lehrer von mir hat jeweils gesagt, wenn bei einer einfachen Rechnung alle den Taschenrechner zückten: “Aber meine Damen und Herren, so etwas rechnet man doch mit dem Halsabschluss!”

Wie nennt ihr euer edelstes Stück?

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Was kann denn die Katze dafür?

Nach einem Glas Wasser ist man noch stocknüchtern.

Ein Glas Bier später hat man bereits etwas Öl am Hut.

Nach zwei Gläsern Wein ist man – zumindest in den Augen des Polizisten – nicht mehr fahrtauglich.

Nach zwei weiteren Schnäpsen ist man schon ehr und redlich angeheitert.

Die neuerliche Flasche Rotwein hat zur Folge, dass man mittlerweile ziemlich verladen ist.

Nach einer weiteren Ladung Alkohol ist man – ganz nüchtern betrachtet – stockbesoffen.

Während Promille-Zahlen ganz zweifelsfrei den mathematisch-medizinischen Allgemeinzustand ausdrücken, hat unsere Sprache einen weitaus grösseren Ermessensspielraum, wenn es um Alkohol geht. Saloppe Redewendungen wie blau wie ein Veilchen sein oder einen Affen haben veranschaulichen, wie grosszügig Alkoholkonsum in unserer Gesellschaft  akzeptiert und verharmlost wird.

Ich will hier weder missionieren noch dazu aufrufen, im Selbsttest herauszufinden, wie schnell ihr einen sitzen habt oder voll wie eine Strandhaubitze seid. Vielmehr interessiert mich, welche Begriffe es in eurer Mundart für den Zustand „zu viel Alkohol getrunken“ gibt.

Chatzchegelvoll ist nur einer von vielen (schweizerdeutschen) Begriffen für blau.

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende.
Schaut bitte nicht zu tief ins Glas!

 

Sprachlicher Widerspruch

„Wart mal schnell“, rief mir mein innig geliebter Mitbewohner zu, als ich schon abmarschbereit unter der Türe stand. Er hatte noch etwas vergessen. Okay, dachte ich mir, während ich es mir am Türrahmen bequem machte, wir sind nicht in Eile.

Ich hörte den Mitbewohner nach irgendetwas in einer Schublade fummeln und während ich im Türrahmen hing, sollte ich, wenn es nach ihm ginge, schnell warten. Wie soll das denn gehen? Ist das nicht ein Widerspruch in sich selbst? Der moderne Mensch, in der Regel nicht übermässig mit der Tugend Geduld gesegnet, wartet nur sehr ungerne. Weder an der Ampel, noch beim Zahnarzt oder bis das bestellte Essen endlich auf den Tisch kommt.

Wie um alles in der Welt soll man schnell warten können? Wo doch jede extra Sekunde eine Sekunde zu viel ist. Da ist auch schnell noch zu langsam. Dieses kontroverse schnell  hat sich einfach irgendwie in unseren Sprachgebrauch eingeschlichen. Dabei sagt doch das Sprichwort so klar und deutlich: „Gut Ding will Weile haben.“

Andererseits … würde mir der Mitbewohner sagen, ich solle langsam warten, würde ich wohl etwas an seinem Verstand zweifeln … und das ziemlich schnell.