Des Deutschen zu viel

Heute ertönte beim Einkaufen folgende Durchsage:

“Jetzt in Aktion: Früeh-Kartoffle.
Tragtäsche à 2,5 Kilo statt 6 Franke 50 nume 3.55”

Ich glaubte meinen Ohren nicht zu trauen.

!!! “Kartoffle” !!!

Hierzulande heisst das “Härdöpfel”. Neuerdings lasse ich zwar auch “Gummel” gelten. Aber Kartoffle – das schmerzt in meinen Gehörgängen, als würde ich mit Stacheldraht drin rum stochern.

Pfui Migros!

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Nun nimmt mich aber doch noch wunder, ob die Allerweltsknolle noch andere Namen habt.

Wie nennt ihr die Kartoffeln in eurem Dialekt?

Fluchen im Dienste der Weiblichkeit

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In meinem kürzlich erschienenen Beitrag Fluchen für Quereinsteiger habe ich mich mehr oder weniger darauf beschränkt, euch einen Link mit angeblichen Fluchwörtern unterzujubeln. Das ist mir auch einigermassen gelungen. Allerdings, und da muss ich diversen Kommentierenden Recht geben, sind es doch eher harmlose Schimpfwörter. Und ausserdem beziehen sie sich mehr oder weniger auf das männliche Geschlecht.

Ob Sürmel oder Habasch, richtig derbe Kraftausdrücke waren nicht darunter. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Nettigkeiten fallen mir ein, die meinem Geschlecht schmeicheln.

Da wäre mal die Scheese, Schachtle, Tschädere, Schälle oder Schreckschruube. Auch Zwätschge wird gerne ausgeteilt, nicht nur im Herbst. Nicht mehr sehr gebräuchlich ist die Gurre, ganz im Gegensatz zu Häx und dem für meine Ohren doch sehr derben Wiib.

Mit Lise und Griite werden Vornamen zu Schimpfwörtern verhunzt. Im entsprechenden Zusammenhang ist auch einer Tante nichts Positives abzugewinnen.

Aus der Tierwelt stammen Geiss, Chue oder Chatz. Während viele Begriffe auch von Frauen für Frauen verwendet werden, wird der letzte Ausdruck vorwiegend von Männern gebraucht. Aber bevor ich mich weiter darüber auslasse und daraus ein Ausflug ins horizontale Gewerbe wird, frage ich euch:

Was gibt es in eurem Dialekt für Nettigkeiten, um eine Frau zu beschimpfen?

Gustave, le Veston

Mir geistert da so ein Begriff im Kopf rum, den ich nicht mehr loswerde. Erstaunlicherweise kann ausser mir und meiner Mutter niemand etwas damit anfangen. Noch nicht mal mein innig geliebter Mitbewohner, der normalerweise mit alten bzw. veralteten Dialekt-Ausdrücken gut sortiert ist.

Tschoopehof Gusti

So nannten wir früher einen Menschen, vorwiegend männlichen Geschlechts, der nicht ganz dem gängigen Modell “Mann” entsprach. Häufig in Sachen Intelligenz, Schlauheit, aber auch in Bezug auf seine Ansichten, sein Äusseres oder seine Gewohnheiten. Er kommt daher wie ein Tschoopehof Gusti, würde ich vielleicht über jemanden sagen, der ausgelatschte Schuhe trägt, ein schräg geknöpftes Hemd oder eine Hose, deren Farbe man nicht mal mehr erraten kann.

Wie setzt sich der Begriff zusammen? Ein “Tschoope” ist eine Jacke, ein Veston, ein Jacket. Der Gusti ist die schweizerdeutsche Version von Gustav.

Es ist mir bewusst, dass ich mit diesem saloppen Ausdruck viele Vorurteile verbinde. Dennoch unternehme ich hier einen zaghaften Versuch, seinem Ursprung auf die Spur zu kommen.

Kann mir jemand dabei helfen? Verwendet ihr vielleicht einen ähnlichen Begriff?

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Zuhinterst

Als ich meinen Blog über die spektakuläre Baum-Kosmetik-Aktion schrieb, wählte ich meine Worte mit besonderer Sorgfalt. Das mache ich zwar eigentlich immer. Aber diesmal musste ich schauen, dass nicht bereits der Titel falsche Erwartungen weckte.

Ich fand jedoch, dass “Hintern” ein durchaus anständiges Wort sei für das, wo man sich normalerweise draufsetzt. Hätte ich beispielsweise “Füdli” geschrieben, wäre es zwar nicht ausgesprochen vulgär gewesen, aber das hätten nur die Schweizer verstanden. Hätte ich “Derrière” geschrieben, wäre mein grosses Sprachtalent zum Ausdruck gekommen, wählen doch die Franzosen dieses Wort für ihre Sitzfläche. Und mit einem kleinen Strichlein weniger pflegen sich die Engländer gepflegt auszudrücken.

Ich betreibe mal wieder eines meiner Lieblingsspiele und frage euch:

Wie heissen die vier Buchstaben in eurem Dialekt? Und ist es so, wie ihr sie nennt, eher vulgär, Kindersprache oder nicht mehr oder weniger als das, was es nun mal ist:
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Ein mehr oder weniger breites Körperteil.

Unser edelstes Stück

Während ich mit meinem dank Helm und sicherem Fahrstil auch nach 10 Skitagen noch intakten Oberstübchen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags grad auf dem Heimweg bin (du meine Güte, was für ein geschwollener Satz!), möchte ich den Ball mal wieder meinen Leserinnen und Lesern zuspielen.

Ich beschäftige mich ja liebend gerne mit anderen Dialekten und Sprachgebräuchen. Deshalb hat mich der letzte Beitrag auf die Idee gebracht, mal wieder eine kleine Umfrage zu starten.

Auf Schweizerdeutsch ist es – ziemlich salopp ausgedrückt – der Grind. Vornehm nennt es sich Haupt. Er hat Auftritte als Brummschädel, Sturkopf, Dummkopf, Kahlkopf. In der Schweiz rangiert er unter dem Begriff Näggel oder Bire. Ein Berufsschul-Lehrer von mir hat jeweils gesagt, wenn bei einer einfachen Rechnung alle den Taschenrechner zückten: “Aber meine Damen und Herren, so etwas rechnet man doch mit dem Halsabschluss!”

Wie nennt ihr euer edelstes Stück?

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Schnäder – was?

Essen ist etwas Schönes, nicht? Ich esse fürs Leben gern. Ich geniesse das Essen, das ich esse. Und ich habe auch Freude daran, das, was ich esse, selber zuzubereiten.

Ich weiss, dass gerade letzteres Attribut nicht für alle zutrifft. Muss auch nicht sein, schliesslich gibt es genügend Restaurants, die einem für überteuertes Geld gerne das vorsetzen, was einem schmeckt. Oder zumindest meint man, man erhalte etwas auf dem Teller serviert, das einem schmeckt. Wenn es dann nicht den Vorstellungen entspricht, ist man zumindest enttäuscht. Eine gewisse Toleranz muss man in solchen Fällen sicher walten lassen, denn Kalbsgeschnetzeltes schmeckt nun mal nicht überall gleich gut. Zum Glück, sonst würden vielleicht alle Wirte dieselben Fertigprodukte verwenden.

Ich bezeichne mich nicht als heikle, sondern als kritische Esserin. Mit wenigen Ausnahmen (Muscheln, Kümmel) esse ich fast alles, probiere es zumindest. Ich weiss, was wie gut schmeckt. Schmecken kann. Aber es gibt viele Leute, die haben Vieles einfach nicht gern. Spinat, Rosmarin nur wenn unsichtbar, Rosinen, gekochte Früchte, Reis, süss/saure Gerichte, Schweinefleisch, Oliven, Estragon, Käse, Fisch, Rüebli nur gekocht, Knoblauch.

Für solche Leute zu kochen ist nicht einfach. Sie sind – in unserem Dialekt ausgedrückt – schnäderfrässig.

Wie heisst das in eurem Dialekt?

Gemütliche Bücher

Es ist ja so, dass man als Blog-Autor kaum weiss, wer seine Beiträge liest. Klar, WordPress füttert einen mit einer Blog-Statistik, die – im Vergleich zu noch vor zwei Jahren – relativ detailliert ist. Sie zeigt einem auf, aus welchem Land die Leser kommen, über welchen Link oder Suchbegriff sie sich in den Blog verirrt haben, welche Beiträge sie angeschaut haben. Die Statistik sagt indes gar nichts darüber aus, wie alt die Leser sind, ob männlich oder weiblich, ob Lehrer, Flugzeugmechaniker oder Gärtner. Nur die allerkleinste Minderheit der Leser nutzt die Kommentar-Funktion und gibt mitunter etwas über sich selber Preis.

Als Buch-Autor erfährt man erst recht nicht, wer zur Leserschaft gehört. Dabei würde ich ja so gerne wissen, wer mein Buch liest! Aber da tapse ich nicht nur in Bezug auf die Leser sondern insbesondere auch in Bezug auf die Anzahl der Leser im Zappendustern. Vom Verlag kann ich nur einmal jährlich mit Zahlen rechnen und das wird noch eine Weile dauern.

Nur in einem Fall weiss ich haargenau, wer mein Buch gekauft hat. Bei der Handvoll Leserinnen und Lesern nämlich, die das Buch direkt bei mir gekauft haben, über welche Wege auch immer. Und da zeichnet sich ein ganz erstaunlicher Trend ab. Fast fünfzig Prozent der Bücher habe ich in den Kanton Bern verkauft. Sei es an Miss Chatterbox, die Wilde Henne oder auch Pesche, der trotz Wahlheimat Spanien immer ein Berner bleiben wird.

In mir macht sich ein schrecklicher Verdacht breit: Schreibe ich denn wirklich sooo langsam? *

* Damit auch Ausserirdische Nichtschweizer verstehen, worum es hier geht, eine kurze Erklärung: Ich wohne im Kanton Zürich. Uns Zürchern wird ein hässlicher Dialekt und ein geschliffenes Mundwerk nachgesagt. Die Berner dagegen sprechen den deutschschweizer Dialekt, der allgemein als der beliebteste gilt. Allerdings ist er ziemlich bhäbig und   g e m ü t l i c h . Das ist sogar wissenschaftlich festgenagelt und hier nachzulesen.