Die siebte erste Nacht

Es wäre alles so schön aufgegangen. Wir hätten am Freitag unser neues Wohnmobil übernommen und eineinhalb Tage Zeit gehabt, um es einzurichten, bevor wir am Sonntag damit wegfahren.

Hätte, wäre, wenn. Alles Theorie, denn am Freitag kam das Telefon aus der Adria-Vertretung. Es sein ein Arbeiter ausgefallen und unser Fahrzeug werde nicht zur vereinbarten Zeit fertig. Nun mag sich der unkundige Leser fragen, was denn an so einem fabrikneuen Fahrzeug noch „unfertig“ sein kann. Ich will es gerne erklären. Wir hatten unser altes Womi an Zahlung gegeben und von ebendiesem galt es, diverses Zubehör abzumontieren und am neuen Fahrzeug anzubringen. Beispielsweise die Solarpanele samt Regler und Batterien und die Satellitenschüssel, um nur die aufwändigsten zu nennen. Ausserdem hatten wir diverse Sonderwünsche wie ein neues Radiogerät, eine Markise oder ein Fahrrad-Ständer für die Heckgarage.

Das erwähnte Telefon traf uns also ziemlich hart. Wir stellten das Ultimatum: Entweder ist das Fahrzeug bis am Samstagmittag betriebsbereit oder wir erhalten ein Ersatzfahrzeug, damit wir wie geplant eine Woche wegfahren können. Man einigte sich darauf, vorläufig nur das Allernötigste zu montieren und am Samstagmittag war tatsächlich soweit alles fertig und brauchbar. Nun kamen mein innig geliebter Mitbewohner und ich gewaltig ins Rotieren! Nur wenige Stunden standen uns zur Verfügung, um unser nigelnagelneues Wohnmobil so einzurichten, dass wir darin eine Woche funktionieren konnten. Dazu sei erwähnt, dass wir es nur als Schlafwagen benutzten, denn wir standen einmal mehr vor dem altbekannten und bewährten Hotel Hintertuxerhof, dessen Infrastruktur wir – selbstverständlich gegen Entgelt – wie schon in früheren Jahren benutzen konnten. Also versuchten wir abzuwägen, welche Sachen wir dringend brauchten, was unbedingt noch vor der ersten Reise erledigt sein musste, und was warten konnte.

Das gänzlich Neue am Adria-Wohnmobil war, dass sich unsere Schlafstätte nicht mehr in schwindelerregender Höhe im Alkoven befand, sondern hinten im Fahrzeug, über der Heckgarage. Wie immer war es aber auch in diesem Fahrzeug an mir, über den Mitbewohner hinweg in den hinteren Teil des Betts zu krabbeln. Vor dem Einschlafen lauschten wir andächtig Regentropfen, die so ganz anders aufs Dach trommelten als im alten Womi und wogen die Vor- und Nachteile des neuen Fahrzeugs ab. Neue Geräusche, neue Ecken, um sich blaue Flecken zu holen, neue Macken, neue Abmessung, neues Fahrverhalten.

Seit drei Jahren nun haben wir dieses Adria-Wohnmobil, gut 32’000 km sind wir damit herumgekarrt. Mittlerweile kennen wir es in- und auswendig. Und schlafen entspannt und gut wie bis anhin in jedem Wohnmobil.

Die sechste erste Nacht

Bevor wir unser Haupt nach einem ereignisreichen ersten Tag zur Ruhe betten konnten, bescherte uns das neue Wohnmobil vor allem eines: schlaflose Nächte. Wesentlich schwieriger, als ein Wohnmobil zu kaufen ist es hierzulande nämlich, einen dafür geeigneten Abstellplatz zu finden.

Da wir unser Fahrzeug mit Wechselnummer einlösen wollten, konnten wir es nicht einfach am erstbesten Strassenrand abstellen. Ausserdem war uns sehr daran gelegen, dass wir für das Womi einen Platz unter Dach fanden. Da wir in ländlicher Umgebung wohnen, fragten wir bei umliegenden Bauernhöfen nach. Erst als das Problem „wohin damit?“ gelöst war, unterschrieben wir den Kaufvertrag.

Als erstes machten wir mit dem frisch eingerichteten Womi eine Kaffeefahrt. Mit dem kleinen Unterschied bloss, dass wir nicht in einen Reisebus einstiegen, um uns in einem Hinterhofsaal irgendein völlig überteuertes Produkt andrehen zu lassen. Nein, wir wollten einfach nur ein kurzes Stück fahren und uns dann einen Kaffee kochen. Das Vorhaben wäre beinahe gescheitert, denn das Ehepaar Flohnmobil ist des Rauchens nicht mächtig und hatte deshalb keine Streichhölzer dabei, um das Gasflämmchen zu entfachen. Ein Kiosk half uns am damaligen Sonntag aus der Patsche.

Die erste wirkliche Ausfahrt mit allem drum und dran führte uns ins Südtirol und weiter bis ins Österreichische Burgenland. Die erste Nacht in einem ausgewachsenen Wohnmobil auf europäischem Boden verbrachten wir bei einem Sportplatz auf der italienischen Seite des Reschenpasses. Geschlafen haben wir mit Sicherheit gut. Nachdem die Feuerwehr, die dort eine Übung absolvierte, abgezogen war, schliefen wir wie die Herrgöttli. Weiter ins Detail gehe ich hier nicht, aber eines kann ich euch verraten: Die Spielwiese im Alkoven war grösser als unser Bett zu Hause.

Nicht am Reschensee, sondern in der Nähe von Bergen/Norwegen.

Die fünfte erste Nacht

Es geschah durchaus nicht freiwillig, dass wir ein paar Tage Ferien in Neuseeland machten. Ferien vom Reisen – diesen Schwachsinn hatten wir den Australiern zu verdanken. Wer nicht mitbekommen hat, weshalb wir das Land verlassen mussten, darf gerne hier nachlesen.

Wer geht schon im Mai nach Neuseeland? Kein Wunder, dass man auf den Tarifen für Mietfahrzeuge beinahe noch Herausgeld bekam. Da die Miete für einen Campingbus nicht teurer war als für einen Kleinwagen, buchten wir bei Britz kurzerhand einen Mercedes Sprint Campingbus.

Alternativ zu Neuseeland hätten wir übrigens 6 Tage nach Fidji fliegen können. Oder nach Malaysia. Wir kamen aber zum Schluss, dass das nicht nur unverhältnismässig teuer war, sondern dass uns diese Destinationen nichts bieten konnten, das wir im tropischen Norden Australiens nicht auch vor der Wohnmobiltür antreffen konnten.

Nach der Übernahme des Campers in Auckland verstauten wir unsere Habseligkeiten und fuhren los. Wir hatten ein 1A ausgerüstetes Wohnmobil auf einem Campingplatz in Nordosten Australiens hinterlassen, um mit dieser dürftigen Karre durch die Nordinsel Neuseelands zu kurven. Zugegeben, das Fahren mit dem Kastenwagen machte mehr Spass als mit unserem behäbigen Traktor.

Nun erfuhren wir also am eigenen Leib, wie es ist, wenn man mit einem Mietfahrzeug unterwegs ist, das nur mit dem Allernötigsten ausgestattet ist. Dessen Bordheizung nur mit 230 V läuft. Wo die Besteckschublade bei jeder Bodenunebenheit klappert, die Tassen im Schrank scheppern (sofern sie noch alle drin sind….) und nicht mal ein Schraubenzieher zur Grundausstattung gehört, dafür eine Mikrowelle. Ein Fahrzeug, das bewusst so eingerichtet ist, dass man damit jeden Abend einen Campingplatz anfahren muss. Wir, die alten Hasen mit damals schon über tausend Camper-Übernachtungen, mussten ziemlich unten durch.

An dieser Stelle ringe ich nun nach einer passenden Pointe. Sie will mir nicht einfallen. Die fünfte erste Nacht muss auf ihre Art eher unspektakulär gewesen sein. Doch eines weiss ich mit Sicherheit: All die Leute, die sich mit einem gemieteten Campingfahrzeug durch die Landschaft bewegen, erfahren nie, wie es wirklich ist, das Camperleben.

Die vierte erste Nacht

Als wir mit Sack und Pack in Australien ankamen, hatten wir lediglich eine Unterkunft in den Compass Country Cabins von Conny und Mark. Und ein klappriges Mietauto. Von einem eigenen Campingfahrzeug waren wir meilenweit entfernt. Am Tag nach unserer Ankunft begannen wir damit, unsere Ausrüstung für die bevorstehende Reise zusammenzukaufen und nach einem geeigneten Fahrzeug Ausschau zu halten. Dieses entdeckten wir bald und nach knapp 14 Tagen, in denen wir uns um die Finanzierung, Anmeldung und Versicherung des Wohnmobils bemühten, stand das Fahrzeug endlich neben unserem temporären Zuhause.

Nun galt es, das 4,5 Tonnen schwere Gefährt, das nach unserer Vorstellung reichlich unpraktisch ausgebaut war, etwas zu optimieren. Beispielsweise diese gelben Dinger, die hinten am Fahrzeug befestigt sind. Das sind zwei 20-Liter Kanister für Diesel, das dazu passende Gestell hatte uns ein örtlicher Schlosser aus einem Teil des nicht benötigten Sofa-Gestells hergestellt. Als kleinere Reparaturen, die wir selber erledigten, drängten sich auf:

– das Überdruckventil am Boiler musste gewechselt werden, weil es undicht war
– der Wasserhahn am Spülbecken wurde ersetzt
– ein Scheinwerfer hatte Kontakt-Probleme
– am Zigarettenanzünder war ein Kabel los

um nur die Aufwendigsten aufzulisten. Nach vielen kleinen Eingriffen waren wir der Meinung, wir seien nun reisefertig. Australia, we’re coming!

Die erste Nacht im Wohnmobil verbrachten wir nochmals in Mount Compass. Es hatte den ganzen Tag über geregnet und wir konnten ein erstes Mal ausgiebig im neuen Fahrzeug wohnen. Das behagliche Wohngefühl kam jedoch zu einem abrupten Ende. Während ich nämlich kurz vor dem Schlafengehen ganz gemütlich auf unserer transportablen Toilette sass (sorry, ich hätte euch dieses Detail gerne erspart, aber es ist für die Geschichte nicht unwesentlich), merkte ich plötzlich, wie es mitten im Camper vom Dach runter tropfte. Wir trauten unseren Augen nicht. Da hockten wir in unserem reisebereiten Fahrzeug und es regnete rein! Wir konnten im Moment gar nichts machen, um uns herum breitete sich die finstere Australische Nacht aus. Macht- und ratlos unterstellten wir fürs Erste einen Eimer und hofften, dass er gross genug sein würde, um die Nacht zu überstehen. Natürlich war unter diesen Voraussetzungen an eine geregelte Nachtruhe nicht mehr zu denken und wir wurden mehrmals wach und konnten so den Kübel immer wieder leeren.

Die Schadensbesichtigung am kommenden Tag ergab: Das gesamte Dach war mit einem speziellen Anstrich neu beschichtet worden. Leider hatte es der Pinsler nicht für nötig gehalten, dazu das Solarpanel abzuschrauben und die sich darunter befindlichen Risse auch zuzukleistern. Ganz abgesehen von den Bohrlöchern, denen eine Wurst Silikon gewiss gut getan hätte. Einmal mehr pilgerten wir zum Hardware Store von Mount Compass – wo wir innert kürzester Frist Stammkunden geworden waren – und erstanden zwei Kilo Polyester und einen Quadratmeter Fiberglasmatte. Damit flickten wir das löchrige Dach. DORT würde es garantiert nie mehr reinregnen!

In der folgenden Nacht hatten wir Gelegenheit, die Tauglichkeit unseres Werks zu prüfen. Selbst aus der etwas ungewöhnlichen Porta-Potti-Perspektive tropfte definitiv nichts mehr ins Fahrzeuginnere.

Die dritte erste Nacht

Da sassen wir also mitten in unseren Kartonschachteln und Einkauftaschen. Über der Millionenstadt hatte sich der Mantel der Nacht gelegt; angeblich regnet es zwar nie in Kalifornien, finster wird es jedoch alleweil. In uns selber wütete der Jetlag, die Anstrengung eines vollbepackten Tages und die Verarbeitung zahlreicher Eindrücke.

Wir standen am Anfang unserer Traumreise. Gestern noch hatten wir den Schlüssel in unserer Haustüre für längere Zeit zum letzten Mal gedreht. Dann der Flug nach L.A., eine Nacht im Hotel und anschliessend der grosse Moment: Wir sahen erstmals unseren Camper in Echtgrösse. 1999 hatte es fast noch etwas Pionierhaftes an sich, einen Camper übers Internet zu buchen. 5,7 nicht enden wollende Meter, das war ri-i-i-iesig im Vergleich zu unserem VW-Bus, den wir bis vor kurzem noch besessen hatten.

Nach der Übernahme des Fahrzeugs begann das grosse Einkaufen, das sich noch über mehrere Tage hinwegziehen sollte. Wir hatten ja weder Geschirr noch Töpfe, keine Toilettenwäsche und noch nicht mal Toilettenpapier. Wir stopften unsere Einkäufe in den reichlich vorhandenen Platz rein. Am Ende des ersten Tages war in unserem Camper alles überstellt. So ähnlich muss es bei Messies aussehen. Bei ordentlichen Messies vielleicht, denn der Grossteil unserer Habe befand sich noch in Kartonschachteln, mit denen wir unsere Habe über den Atlantik transportiert hatten.

Wohin mit all dem Zeug? Wie sollten wir den Stauraum nützen? Wir verräumten alles erst mal provisorisch in die Schubladen und Schrankabteile, denn wir waren nudelfertig. Wir arbeiteten uns genau so lange durch unser Gepäck vor, bis wir auf unser Bettzeug stiessen. Die Erlösung! Selten habe ich so gut in einer so grossen Unordnung geschlafen. Dass der Dockweiler RV Park unmittelbar in der Abflugschneise des Flughafens lag, störte uns erst in den kommenden Tagen, denn die Kähne flogen so nah über uns hinweg, dass wir jede Schraube zählen konnten. Aber was spielte das für eine Rolle, wir würden diese schreckliche Grossstadt so bald wie möglich hinter uns lassen und die traumhaften Landschaften Amerikas erkunden.

Eine knappe Woche nach unserer Ankunft in Kalifornien waren wir startbereit. Wir hatten einen Grossteil unserer Ausrüstung beisammen. Klar stellte sich im Nachhinein heraus, dass das eine oder andere fehlte, wie beispielsweise eine Bärenlampe. Aber sicher kam uns zu Gute, dass wir schon zu Hause mit einem Campingfahrzeug Erfahrungen gesammelt hatten. Es sollten noch mehr dazukommen, als uns teilweise lieb war.

Die zweite erste Nacht

Wie sehr hatte ich mir immer gewünscht, mit einem Camper zu verreisen. Unabhängig zu sein. Das eigene Bett stets im Gepäck. Unsere pannenvolle Premiere mit dem alten, grünen Bus hatte uns nicht entmutigt, im Gegenteil (wem die Geschichte nicht bekannt ist, kann sie gerne hier nachlesen). Ein knappes Jahr später kauften wir uns einen gebrauchten Campingbus, Typ VW Westfalia Joker. Er hatte unter anderem den Vorteil, dass er mit seinen kompakten Massen in unsere Tiefgarage rein passte. Doch dort hatten wir natürlich die erste Nacht nicht verbracht. Wir vertrauten drauf, dass unser Fahrzeugs dicht war, schliesslich war es keine alte Klapperkiste, sondern ein sechsjähriges Schnäppchen.

Ich platzte beinahe vor Stolz und Vorfreude, als wir zum ersten Mal damit losfuhren. Es war an einem Freitagabend im Mai. Das Fahrzeug hatten wir am Vortag schon startklar gemacht, damit wir möglichst ohne Zeitverlust ins Wochenende rasen konnten. Unser Ziel war ein Campingplatz im Tessin. Vermutlich standen wir damals nicht im Stau vor dem Gotthard, und wenn, dann hätte ich das in meiner damaligen Euphorie locker weggesteckt.

Als wir im Maggiatal ankamen, war es noch immer hell. Nach welchen Gesichtspunkten sucht man sich einen Stellplatz auf dem Campingplatz aus, wenn man frei wählen kann? Wir wussten es damals noch nicht. Wir wussten weder, dass man darauf schauen sollte, dass man nicht unter einem Baum mit dürren Ästen steht, die im Falle eines Sturmes abbrechen, noch, dass man sich so hinstellt, dass der Kühlschrank möglichst wenig Sonne abkriegt. Ach was waren wir für Greenhorns, hochgradig ambitionierte Greenhorns!

Unsere Ausrüstung war damals noch genauso unvollständig wie unsere Vorstellungen vom Camperleben euphorisch und vielfältig waren. Aber wir hatten stets eine glasklare Vorstellung davon, wie unser Ruhelager auszusehen hatte. Wir hatten absolut keine Lust, uns in Schlafsäcke zu wickeln. Seit eh und je hatten wir ein Fixleintuch und unsere ganz normale Bettdecke dabei. Doch zuerst galt es, die Bettstatt herzurichten, was in einem durchschnittlich mit Gepäck vollgestopften VW-Bus mit zahlreichen Manövern verbunden ist. Was auf Position A lag, musste nach B verlagert werden, was vorher auf B war, gehörte nach A. Das Leintuch musste schön sauber um alle vier Ecken der zweiteiligen Matratze gespannt sein, was nur durch mehrere Turnübungen zu erreichen war. Mein innig geliebter Mitbewohner hat es noch nie geschätzt, auf einem Rumpf (auf Deutsch würde man dazu wohl „Falte“ sagen) zu schlafen!

Die erste Nacht im eigenen Camper war – na wie war sie eigentlich? – unspektakulär. Eine von vielen, die folgen würden. Vom Platz her natürlich etwas eng, aber was spielt das für eine Rolle, wenn man sich liebt? Da reichen 1,2 Meter in der Breite doch völlig aus.

Zwar nicht im Tessin aufgenommen, liefert dieses Bild doch den Beweis, dass wir immer in richtigem Bettzeug geschlafen haben.

Die erste Nacht

Unser erstes Mal fand in einem betagten VW-Camper mit Hochdach statt.

* P A U S E T A S T E *

Pfui, doch nicht was ihr denkt!
Wenn ihr weiterlest, werdet ihr schnell merken, dass wir damals grössere Sorgen hatten, als die Federung des klapprigen Busses zu testen.

* P A U S E T A S T E *

Das schlammgrüne Objekt der Begierde wurde uns von Freunden im temporären Austausch gegen unseren PW zur Verfügung gestellt. Es sollten die ersten gemeinsamen Ferien meines zukünftig innig geliebten Mitbewohners und mir werden. Frohen Mutes fuhren wir mit dem VW-Bus an einem sommerlich warmen Freitagabend Richtung Genua. Kurz nach Mailand passierte es. Pffft – Plattfuss vorne rechts, Karkasse total zerfetzt. Das ist schon mit dem eigenen Fahrzeug ein Ärgernis, wenn man mit einem geliehenen Wagen unterwegs ist, verkommt es unter Umständen zum Alptraum. Wir orteten das notwendige Werkzeug unter der Sitzbank des Beifahrers und konnten so in Kürze den Radwechsel vornehmen. Was wir aber nicht bedacht hatten: Wir standen in der Abenddämmerung am Rande eines Reisfelds. Als wir wieder einstiegen, schwirrten uns Dutzende von Moskitos um die Ohren. Da wir weder eine Fliegenklatsche ausmachen konnten, noch einen Insektenvernichtungs-Spray fanden, nahmen wir den fast aussichtslosen Kampf gegen die Blutsauger mit einem Stück Vorhang auf. Wir würden den Ort nie mehr finden, wo wir unsere erste Nacht in einem Campingfahrzeug verbrachten. Aber ihr könnt mir glauben, dass jene Nacht sehr kurz und sehr unruhig ausfiel. Als wir schliesslich in Korsika von der Fähre rollten, mussten wir zuerst einen neuen Reifen auftreiben, bevor Ferienstimmung aufkommen konnte.

Damit wir uns nicht zu sehr in Sicherheit wiegten, überraschte uns das Fahrzeug laufend mit neuen Mätzchen. Einmal stieg die Wasserpumpe aus, das nächste Mal riss das Kupplungskabel. Stets fanden wir das für die Reparatur nötige Ersatzteil mitsamt dem Werkzeug unter der besagten Sitzbank vor.

Angesichts dieser vielen Pannen in so kurzer Zeit mag es verwundern, dass wir uns nicht entsetzt von diesem neu entdeckten Hobby abwandten und beschlossen, fortan in Hotels Ferien zu machen. Doch es war schon immer mein Wunschtraum gewesen, mit einem Camper zu verreisen. In all den Jahren, als ich auf dem Campingplatz versuchte, Zeltheringe gerade in den Boden zu schlagen, schielte ich stets schwärmerisch und auch ein wenig neidisch zu den Campingbussen rüber. Wie grenzenlos musste die Freiheit mit einem solchen Fahrzeug sein! Bereits als Kind hatte ich mit Legosteinen Wohnwagengrundrisse entworfen. Hätte es damals schon Barbie- und Playmobil-Wohnmobile gegeben – ich hätte mit Sicherheit eins im Kinderzimmer gehabt.

Bald zwei Jahrzehnte nach unserer pannenvollen Premiere sind wir immer noch und trotz allem mit Leib und Seele Camper-Reisende. Mehr als 2’000 Mal haben wir bereits in einem Campingfahrzeug geschlafen. In einer kleinen Serie werde ich euch die diversen Fahrzeuge und das damit verbundene Abenteuer der allerersten Übernachtung in einem neuen Fahrzeug vorstellen.