Die umgetopfte Schwiegermutter

Wir haben uns lange nach dem Grundsatz “leben und leben lassen” verhalten, meine Schwiegermutter und ich. Aber irgendwann ging es einfach nicht mehr. Ich musste eingreifen, konnte nicht mehr länger tatenlos zusehen, wie sie ins Verderben rannte. Von “rennen” konnte in ihrem Zustand zwar nicht direkt die Rede sein, vielmehr war es eine schleichende Verwandlung, die sie zusehends aus dem Gleichgewicht zu bringen drohte.

Also schritt ich wohl oder übel ein. Denn eine Schwiegermutter, die kopfüber stürzt ist noch schwerer zu ertragen, als eine Schwiegermutter, die sich mit aller Gewalt gegen Veränderungen wehrt.

Sie hat es – ganz im Gegenteil zu dem, was man sich unter dem Verhalten von Schwiegermüttern gemeinhin vorstellt – mit stoischer Ruhe ertragen. Natürlich hat sie sich etwas zur Wehr gesetzt, hat ihren ganzen kratzbürstigen Charme spielen lassen. Aber wir sind überein gekommen, dass es für sie das Beste war. Früher oder später wird auch sie zu dieser Einsicht gelangen. Bis es soweit ist, wird sie noch etwas schmollen in ihrem neuen Quartier.

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Nun überwacht sie die Kakteen-Familie aus einem neuen, grösseren Topf. Durchaus zu ihrem Vorteil, finde ich.

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Echinocactus grusonii (im Volksmund Schwiegermuttersessel genannt)

Big Business in der Wüste

In der Firma Piecks GmbH & Co. standen einige gewichtige Veränderungen an. Strukturbereinigungen würde man das anderswo nennen. Die Geschäftsführerin höchstselbst trat vor die eher abweisend wirkende Belegschaft und überbrachte die Kunde, die nicht für alle Anwesenden gleich froh war. Es galt nämlich, sich den örtlichen Begebenheiten anzupassen und auf die veränderten Bedürfnisse einzugehen. Wirtschaftliche Überlegungen dagegen waren für einmal zweitrangig. Die Chefin redete nicht lange um den heissen Brei herum, sondern schritt zur Tat. Kurz und schmerzlos, das war ihre Devise.

Das Resultat der Strukturbereinigung:

  • Einem Mitarbeiter wurde fristlos gekündigt. Seine Stelle übernahm ein Jungspund (1), der seine Gene in sich trug und – zumindest für die nächsten paar Jahre – pflegeleichter schien. Man gedachte des kompostierten gekündigten Mitarbeiters mit einer Schweigeminute.
  • Ein weiterer Mitarbeiter wurde von einer Auffang-Gesellschaft übernommen. Nachdem es für ihn lange nicht nach einer positiven Lösung ausgesehen hatte, erbarmte sich jemand seiner und nahm ihn bei sich auf.
  • Das beste Los traf den dritten von den Umstrukturierungsmassnahmen betroffenen Mitarbeiter (2). Er kam in den längst fälligen Genuss grösserer Geschäftsräumlichkeiten. Seine Repräsentationsaufgaben würde er fortan in feudaler Umgebung ausführen können.

Soweit die personellen Konsequenzen. Und da schon mal die ganze Belegschaft versammelt war, wurden noch ein paar weitere Informationen publik gemacht.

  • Zwei Mitarbeiterinnen (3 + 4) wurden für ihre unermüdlichen Bemühungen ausgezeichnet, stets früh im Jahr für üppige Blütenpracht besorgt zu sein.
  • Der Mitarbeiterin mit Migrationshintergrund (5) wurde zur wiederholten Schwangerschaft gratuliert.
  • Einen grossgewachsenen Mitarbeiter (6) ermahnte man zu mehr Standfestigkeit, ansonsten man sich geeignete Massnahmen überlegen müsste.
  • Allgemein wurde seitens der Geschäftsleitung der Wunsch geäussert, sich doch etwas zufriedener mit dem hiesigen Wetter zu geben. Man werde sich im Gegenzug dafür einsetzen, dass auf die individuellen Bedürfnisse mehr Rücksicht genommen werde. Als erste Sofortmassnahme wurde jedem Mitarbeiter eine Schaufel frische Erde in Aussicht gestellt.

Im Anschluss an die Bekanntgabe traf man sich zum Gruppenfoto und stiess mit einem Schluck Dünger auf bessere Zeiten an.

Meine Kakteen, nach den Umstrukturierungs-Massnahmen und vor dem Umzug an ihren Sommerplatz.

Streicheleinheiten

An was denkt ihr, beim Anblick einer Rose?

Schöne Blüten?

Betörender Duft?

Dornen?

Mehltau?

Blattläuse?


Vermutlich von allem ein wenig. Aber denkt ihr auch an Toilettenpapier? Also ich sicher nicht.

Die Franzosen sehen das offenbar anders. Oder zumindest die Werbestrategen, die dem Toilettenpapier diesen Aufdruck verpasst haben.

Ich wünsche euch aus der sonnigen Provence einen wunderbaren Sonntag mit Streicheleinheiten ohne jegliche Dornen.