Happy Hour fürs Auto

Ich staunte nicht schlecht, als die Preisliste für die Auto-Waschstrasse vor mir auftauchte. Das war doch letztes Mal noch erheblich billiger gewesen! Allerdings segelte da die Waschanlage noch unter anderer Flagge.

Da es weder ein Zurück gab – der Rückwärts Fahrgang ist nicht mein bester Freund und eine Beule wäre in jedem Fall teurer gekommen – noch ich gewillt war, ein halbes Vermögen in die Sauberkeit meines Vehikels zu investieren, entschied ich mich fürs billigste Programm. Schliesslich ist mit dem Winter noch nicht aller Tage Abend und mein Fahrzeug wird garantiert nochmals mit Salz kontaminiert werden.

So kam ich nicht in den Genuss der Happy Hour: falscher Zeitpunkt, falsches Programm. Dass am Ende der Waschstrasse kostenlose Staubsauger-Plätze zur Verfügung stehen, möbelte meine Heiterkeit – pardon Happyness – nur unwesentlich auf.

Und das Resultat, ganz ehrlich, hat mich nicht restlos überzeugt. Ich werde mich wohl nach einer neuen Auto-Waschstrasse umschauen müssen. Oder nach alter Väter Sitte in der Stützliwösch selber Hand anlegen. Schliesslich sind die Ansprüche nicht mehr so hoch, wie als mein Mann noch lebte.

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Baustelle aus heiterem Himmel

Es gibt Baustellen, die werden von langer Hand geplant und mit der entsprechenden Vorlaufzeit von Seiten der Bauherrschaft wie Bauunternehmer angegangen. Es gibt aber auch Baustellen, die aus einem Notfall heraus entstehen. Da ist zielgerichtetes, schnelles Handeln gefragt. Gewisse ästhetische Belange und individuelle Ansprüche bleiben auf der Strecke. So oder so, die Komfortzone lässt man erst mal hinter sich, wenn in der Wohnung umgebaut wird.

Dabei hatte alles so harmlos angefangen. Mit nur wenig Fremdeinwirkung hatten sich an der Wand im Bad ein paar Plättli (Fliesen) gelöst. Dass da eine Zeitbombe tickte, hatten wir schon lange gewusst. Aber musste es gerade jetzt…? Handlungsbedarf war angesagt. Und Handwerker, die innert kürzester Zeit auf dem Plan waren. Die Ereignisse im Zeitraffer:

Dienstag: Die Plättli lösen sich von der Wand. Keine halbe Stunde später steht der Bauführer einer lokalen Bauunternehmung vor dem grauen Fleck, begutachtet den Schaden, misst aus und verkündet, wenn wir uns sofort entscheiden würden, hätten sie diese Woche noch Zeit, um mit den Arbeiten anzufangen.

Mittwoch: Armaturen und Einrichtung werden demontiert, einzig die Badewanne bleibt drin. Mein innig geliebter Mitbewohner und ich wählen im Express-Verfahren neue Plättli aus. Die Auswahl ist relativ beschränkt, da wir auf Lagermaterial zurückgreifen müssen.

Donnerstag: Die Plättli werden herausgespitzt. Was als eintägige Aktion eingeplant war, ist innert zwei Stunden erledigt, da die Plättli mehr oder weniger von selbst runter purzeln. Schon am Nachmittag wird der Boden verlegt.

Freitag: Die Plättliarbeiten gehen weiter. Der gröbste Dreck und Staub ist bereits vorbei. Der Staubvorhang wird demontiert und unsere Wohnung sieht schon beinahe wieder etwas wohnlich aus.

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Samstag/Sonntag: Der Mitbewohner hütet die Baustelle. Frau Flohnmobil ist im Kochkurs in Scuol. Zweifelsohne, ich hätte mir kein besseres Datum dafür aussuchen können!

Montag: Die restlichen Plättli werden verlegt.

Dienstag: Heute wird gefugt was das Zeug hält. Ich kann mich schon mal mit dem Gedanken anfreunden, nicht nur das neue Bad, sondern die gesamte Wohnung gründlich zu putzen.

Mittwoch: Armaturen, Lavabo und Toilette werden montiert. Anschliessend legt der Mitbewohner selber Hand an und bohrt die erforderlichen Löcher für Handtuchhalter, Seifenschale etc. Es sieht schon beinahe wieder wie ein Bad aus.

Donnerstag: Der Plättlileger kommt ein letztes Mal vorbei, um die Silikon-Fugen um Lavabo und WC zu legen.

Freitag: Wir sind endlich wieder unter uns. Keine Handwerker, die ständig ein und aus gehen. Erleichterung macht sich breit.

Fazit: Es ist alles flott über die Bühne gegangen. Hätten wir mehr Zeit gehabt, sähe unser Bad nach dem Umbau nicht wesentlich anders aus. Dass wir nur aus ca. zehn verschiedenen Wandplättli auswählen konnten, ist im Nachhinein betrachtet nicht schlimm.  Mit Sicherheit hätte uns die enorme Auswahl an Wand- und Bodenplättli, die eine Lieferfrist von 3 Wochen gehabt hätten, an den Rand der Verzweiflung getrieben. So jedoch sind wir auch nach dem gelungenen Turbo-Umbau noch immer klar bei Sinnen.

Schlammschlacht

Ich hatte zwar bereits in den Nachrichten Bilder davon gesehen, aber das Bild im heutigen Tages-Anzeiger hat meine Gedanken erneut in Wallung versetzt.

Für solche Schlamm-Packungen zahlt man ja unter dem Begriff „Wellness“ unter anderen Umständen gehörig viel Geld. Die Beteiligten am Open Air St. Gallen scheinen ihren Spass gehabt zu haben.

Aber was, wenn sie das Festival-Gelände verlassen? Wie kommen sie nach Hause? Im eigenen Auto? Als derartige Drecksäue! Im Zug? Um Himmels Willen, da würde ich als SBB die ältesten Güterwagen auffahren lassen! Mit dem Velo? Das ist vielleicht noch die beste Lösung, besteht doch eine gewisse Möglichkeit, dass ein Teil des angekrusteten Schlamms von alleine absplittert.

Wenn ich mir dann weiter vorstelle, dass meine (fiktive) Tochter als grosse Schwester von ET unter der Türe steht und Einlass begehrt, ich kriegte wohl einen Schreikrampf. Ich würde sie vermutlich in die nächste Autowaschanlage – na was eigentlich? Fahren? Ausgeschlossen, da würde ja mein Auto dreckig. Aber irgendwie müsste der Dreck ja weg.

Kennt jemand von euch jemanden, der am Open Air war? Oder hat es gar Flohnmobil-Leserinnen oder Leser, die übers vergangene Wochenende höchstselbst im St. Galler Schlamm suhlten? Mich würde wirklich brennend interessieren, wie die Betroffenen wieder trocken hinter den Ohren sauber wurden.