Meine Schwiegermutter

…wird immer stacheliger und

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kratzbürstiger.

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Und ausserdem ist sie mittlerweile ziemlich rund.

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Was ich ihr nicht verübeln kann, schliesslich gedeiht sie unter meiner Pflege prächtig. Nun darf sie wieder bis im Herbst im Freien stehen und sich die Sonne auf den Pelz brennen lassen.

Echinocactus grusonii – im Volksmund Goldkugelkaktus oder Schwiegermutterstuhl genannt. Seit bald 30 Jahren meiner Pflege ausgesetzt, dürfte ca. 35 Jahre alt sein.

Die umgetopfte Schwiegermutter

Wir haben uns lange nach dem Grundsatz “leben und leben lassen” verhalten, meine Schwiegermutter und ich. Aber irgendwann ging es einfach nicht mehr. Ich musste eingreifen, konnte nicht mehr länger tatenlos zusehen, wie sie ins Verderben rannte. Von “rennen” konnte in ihrem Zustand zwar nicht direkt die Rede sein, vielmehr war es eine schleichende Verwandlung, die sie zusehends aus dem Gleichgewicht zu bringen drohte.

Also schritt ich wohl oder übel ein. Denn eine Schwiegermutter, die kopfüber stürzt ist noch schwerer zu ertragen, als eine Schwiegermutter, die sich mit aller Gewalt gegen Veränderungen wehrt.

Sie hat es – ganz im Gegenteil zu dem, was man sich unter dem Verhalten von Schwiegermüttern gemeinhin vorstellt – mit stoischer Ruhe ertragen. Natürlich hat sie sich etwas zur Wehr gesetzt, hat ihren ganzen kratzbürstigen Charme spielen lassen. Aber wir sind überein gekommen, dass es für sie das Beste war. Früher oder später wird auch sie zu dieser Einsicht gelangen. Bis es soweit ist, wird sie noch etwas schmollen in ihrem neuen Quartier.

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Nun überwacht sie die Kakteen-Familie aus einem neuen, grösseren Topf. Durchaus zu ihrem Vorteil, finde ich.

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Echinocactus grusonii (im Volksmund Schwiegermuttersessel genannt)

Schwiegermutter im Regen

„Waaas, du lässt deine Schwiegermutter im Regen stehen?“ kreischte meine Kollegin. Eine Spur von Hysterie schwang in ihrer Stimme mit, als sie mir mit Nachdruck zu erklären versuchte, dass Schwiegermütter keinen Regen mögen. „Meine Schwiegermutter muss das aber ertragen können, sonst ist sie bei mir an der falschen Stelle“, erwiderte ich gleichgültig. „Eigentlich sieht sie ja gar nicht so schlecht aus“, gab meine Kollegin widerwillig zu, „vielleicht sollte ich meine auch einmal in den Regen stellen.“ Damit war die Sache erledigt, und wir wandten uns wieder wichtigeren Dingen im Leben zu, nämlich dem bevorstehenden Nachtessen.

Die Schwiegermutter aber, sie blieb im Regen stehen. Und dort steht sie auch heute, wo es einmal mehr wie aus Eimern giesst, noch. Denn die Schwiegermutter ist eine Pflanze, und als solche braucht sie nun mal Wasser. Das pikante Detail daran ist höchstens, dass die Schwiegermutter ein Kaktus ist. Ein Schwiegermutter-Stuhl, wie der Echinocactus grusonii im Volksmund heisst. Als sukkulente Pflanze bräuchte die Schwiegermutter keine helvetische Dauerdusche. Doch alle Kakteen meiner bescheidenen Sammlung verbringen den Sommer im Freien und wenn es regnet, dann werden sie in Gottes Namen nass. Schliesslich kann das Wasser unten aus dem Topf wieder raus laufen. Und wem das nicht passt, der wird früher oder später eingehen. Beziehungsweise ersaufen. Man kann es ja schliesslich nicht allen recht machen.

Und wenn die Schwiegermutter Anlass zum motzen hätte, dann wäre es höchstens, weil sie eigentlich schon lange mal umgetopft werden müsste. Doch dafür muss es erst mal zu regnen aufhören. Sonst werde ich nämlich nass, wenn ich die Schwiegermutter vom Bänkli hole.

Schwiegermutter-Stuhl – wem hat dieser harmlose Kaktus wohl den bösartigen Namen zu verdanken?