Am kulinarischen Marterpfahl

Ich weiss, ich wiederhole mich. Aber ich trete auch immer wieder von neuem ins kulinarische Fettnäpfchen. Völlig unbedarft, naiv.

Ich hatte ausgeblendet, dass das Südtirol kulinarisch mehr zu Österreich zählt als zu Italien. Und musste es bitter büssen. Mit Kümmel!

Dieses Gewürz kann ich nicht ausstehen und wenn mir etwas mit Kümmel vorgesetzt wird, kann ich es bestenfalls noch dank meiner guten Kinderstube essen. Grundsätzlich wird für mich alles, restlos alles, und sei Kümmel nur in homöopathischen Dosen vorhanden, dadurch ungeniessbar.

Nicht mal diese prächtige Platte mit den vielfältigen Apéro-Häppchen, die man uns im Hotel offerierte, blieb verschont. Nur dank rechtzeitigem Anti-Kümmel-Reflex blieb mir der Gang an den kulinarischen Marterpfahl weitestgehend erspart.

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Wer immer noch nicht glaubt, dass ich keinen Kümmel mag, dem sei dieser Beitrag aus den Anfangszeiten des Flohnmobils ans Herz gelegt.

Invasion auf vier Beinen

Wenn es nun noch ein wenig wärmer wird – nein, dies gibt kein erneuter Blog über den verspäteten Frühling! – werden sie wieder zum Vorschein kommen, die Frösche und Kröten. Die entsprechenden Amphibien-Zäune, dort wo Feuchtgebiete und Strassen gefährlich nahe sind, sind bereits eingerichtet, alles wartet seit Wochen auf die grosse Wanderung der liebestollen Hüpfer.

Ob andernorts, also beispielsweise in Australien, so viel Aufwand betrieben wird, um die Angehörigen der quakenden Zunft sicher auf die andere Strassenseite zu begleiten, weiss ich nicht. Sicher ist aber, dass es dort eine Kröte gibt, die die Australier am liebsten im Multipack mit dem Bulldozer plattfahren würden: die Aga-Kröte.

Diese bis 25 cm lang und ein Kilo schwer werdende Amphibie (man stelle sich diesen Doppelpfünder vor!!!) wurde 1935 eingeführt mit der Absicht, dass sie sich über die schädlichen Zuckerrohr-Käfer hermachen würde. Stattdessen verköstigten sich die Kröten lieber mit leichter erreichbarer Beute und vermehrten sich zudem kräftig. Die heimischen Tiere dagegen, die fressen die Aga-Kröte nicht oder nur einmal, denn sie ist sondert giftige Hautsekrete aus, die beispielsweise apportierende Hunde innert 15 Minuten in den Hundehimmel befördern können. Mittlerweile hat sich die Aga-Kröte oder Cane Toad, wie die Aussies sie nennen, schon weit jenseits der Grenzen des Zuckerrohr-Anbaus ausgebreitet und bedroht die Bestände an einheimischen Echsen, Schlangen, Fröschen und Vögeln. Eine wahre Plage!

Mein innig geliebter Mitreisender und ich wussten von dieser Kröte, lange bevor wir in Australien aus dem Flugzeug stiegen. Trotzdem waren wir einigermassen überrascht, als wir diese pfundigen Dinger sahen. Es geschah an der Ostküste Australiens, in der Nähe der Küstenstadt Bundaberg (wo übrigens der gleichnamige Rum gebrannt wird). An einem Fluss hatten sich Freunde des Angelsports ein eigentliches Ferienressort mit ca. 25 Behausungen verschiedenster Art geschaffen, die damals allesamt verwaist waren.

Die Wiese neben dem Toiletten-Häuschen bot sich als Übernachtungsplatz richtiggehend an. Als der Mitreisende vor dem zu Bett gehen nochmals vor die Haus- bzw. Wohnmobil-Tür wollte, erblickte er sie. Dutzende, ja hunderte von Aga-Kröten hatten sich im feuchten Gras breit gemacht. Es wäre kaum möglich gewesen, an ihnen vorbei zum Toiletten-Häuschen zu gehen, ohne eine platt zu treten. Mit einer Mischung von Neugierde und Abscheu betrachteten wir das Kröten-Heer aus sicherer Entfernung. Und beschlossen, auf den nächtlichen Spaziergang zu verzichten und lieber die Wohnmobil-interne Toilette zu benutzen.

Wer mehr über die Aga-Kröte wissen will: Bitte hier!


Bild: Reuters