Akustische Ablenkung

Man geht landläufig von der Meinung aus, dass unter der Dusche gesungen werde. Die Schreibende ist hiervon ausdrücklich ausgenommen! Unmusikalisch wie ich bin, werde ich das weder Anderen noch meinen eigenen Ohren antun.

Dabei hat es durchaus Vorteile, wenn man singt. Nicht unter, sondern vor der Dusche. Möglichst lautstark. Das jedenfalls hätte sich meine Freundin gewünscht, mit der ich jüngst wieder mal ein Hotelzimmer geteilt habe. Schon eine normale Türe zur Nasszelle ist weit davon entfernt, akustisch dicht zu sein. Eine Schiebetüre aus getöntem Glas dient da bestenfalls als Sichtschutz. Sie mag wohl stylisch sein, aber eben…

Meiner Freundin war es höchst peinlich, dass allerlei Körpergeräusche aus dem besagten Räumchen traten. Sie empfahl mir deshalb, lautstark zu singen. Oder doch wenigstens das Radio laufen zu lassen. Im gegenseitigen Einverständnis suchten wir einen netten Radiosender.

Was wir auf unserem Kurztrip ins Elsass im Kleinen praktizierten, wird auch im grossen Stil auf dieser Welt angewendet.  Doch leider lässt sich längst nicht jeder Furz mit lauter Musik übertönen.

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Die nagende Entdeckung

„Komm, schau mal!“ Die Stimme meines innig geliebten Mitbewohners liess vermuten, dass da etwas Besonders im Gang sein musste. Er deutete auf die Wasseroberfläche. „Ein Biber.“ Sofort erinnerte ich mich, dass ich bei der Stellplatzbeschreibung im Wohnmobilforum gelesen hatte, dass es hier Viecher geben musste, die oft mit Bibern verwechselt werden. Nein, mein lieber Mitbewohner, einen Biber haben wir hier nicht vor uns. Bloss, wie heisst das Vieh hier?

Wir beobachteten ihr Treiben, sie zeigten keinerlei Scheu, wenn man an den Rand des Hüninger Kanals trat. Biber waren es schon deshalb nicht, weil Biber einen flachen Schwanz haben und üblicherweise nur nachtaktiv sind. Ausser, man hat die Gelegenheit, sie in Alaska zu beobachten, wo es im Sommer immer hell bleibt.

Später sahen wir so ein Vieh am Land. Es graste wie ein Kaninchen, sah aber aus wie eine zu gross geratene Ratte. Oder ein Murmeltier, das sich ins Flachland verirrt hat. Als „Flachlandmungg“ bezeichneten wir es fortan. Richtigerweise heisst das Tier aber Nutria oder Biberratte. Es ist eine aus Südamerika eingebürgerte Nagerart, wie in Wikipedia zu lesen ist.

Für uns bleibt es ein Flachlandmungg und damit basta!

Eine Velopumpe als Duschmittel?

Es gibt kaum etwas Schöneres nach einer Velotour, als sich unter die Dusche zu stellen. Dass im Wohnmobil das Wasser dabei nicht ganz so üppig fliesst, muss man notgedrungen in Kauf nehmen, wenn man sich nicht auf einem Campingplatz einreihen will.

Mein innig geliebter Mitbewohner versucht meist als Erster von uns beiden, unter dem spärlichen Wasserstrahl nass zu werden. Diesmal jedoch wäre die Dusche beinahe in ein Vollbad ausgeartet. „Frau, die Dusche läuft nicht ab!“. Ja hoppla, und jetzt? „Nimm mal die Werkzeugbox und suche ein Stück Draht!“ Des Mitbewohners Füsse standen in der etwas bräunlichen Kloake der Duschwanne (wir sind keine Schweine, aber Velofahren gibt nun mal dreckige Stampfer!), als ich mit einem Gusler daherkam. Wir führen wohl Elektrokabel, Ersatzsicherungen, zig Schraubenzieher, einen Hammer, Imbusschlüssel und Rohrzangen mit, aber ein Stück Draht gehört nicht in die Standard-Ausrüstung des Womis. Also versuchte ich es mit einer 20 cm langen Kabelbride. Diese erwies sich als zu kurz, das Wasser lief weiterhin so gut wie gar nicht ab.

Meine Körperhygiene war vorläufig sistiert, nun galt es, den Ablauf wieder irgendwie frei zu machen. Zwei pulverisierte Kukident-Tabletten im Ablauf zeigten keinen unmittelbaren Effekt. Der Mitbewohner – mittlerweile frisch geduscht und nicht unwesentlich besser duftend als ich – nahm sich nun selber des Problems an. Nach kurzer Bestandsaufnahme des vorhandenen Werkzeugs kam er mit – ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen – der Velopumpe an. Der Mitbewohner hielt den Schlauch auf den Ablauf und umwickelte den Ventilaufsatz mit einem meiner kostbaren Putzlappen, damit keine Luft entweichen konnte; ich legte mein gesamtes Körpergewicht in die Pumpe. So pusteten wir gemeinsam Luft durch das verstopfte Ablaufrohr. Und siehe da, der Ablauf wurde wieder frei!

Was lernen wir daraus? Eine Pumpe ist wesentlich besser als ihr Ruf. Und mit dem nötigen technischen Flair ist sie ein vielseitig einsetzbares Werkzeug.

 

Im Wohnmobil-Slum

Dieses Jahr kam es mir wie eine kleine Ewigkeit vor. Wann würden wir denn endlich das erste Mal mit dem Wohnmobil ausrücken? Mir schien, dieses Jahr erfolgte der Saisonbeginn besonders spät, doch die sorgfältig nachgeführte Statistik besagt: Letztes Jahr waren wir sogar einen Tag später dran. Allerdings fuhren wir am 18. April 2010 nach Samnaun zum Skifahren, doch lassen wir das Thema.

Diesen etwas wirr daher geschriebenen Zeilen könnt ihr entnehmen: Wir sind unterwegs. Seit gestern spulen wir im Elsass unsere ersten Wohnmobil-Kilometer runter. Gestern die Anreise bis nach Thann, ein kurzer Spaziergang durch die kahlen Rebberge und durch den Ort. Heute die Kurverei durch die ausgeschilderte „Elsässer Weinstrasse“. Ein Winzerdorf am nächsten. Fachwerkbauten, Rebberge, Störche. Ich staune, die Natur ist hier weiter als bei uns. Flieder hat seinen Zenit beinahe überschritten, Glyzinien blühen bereits, Raps (der hier genauso stinkt wie in den heimischen Gefilden) blüht kräftig gelb, die Kirschbäume haben schon Näggeli angesetzt.

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Wir halten in einigen der Dörfer, bummeln kurz durch die Gassen, setzen uns wieder ins Auto. Nach dem dritten Ort (Kaysersberg) sieht bald alles gleich aus und das vielbesuchte Ribeauvillé vermag uns nicht mehr so richtig zu begeistern, auch wenn die Häuser zweifellos von bemerkenswertem Baustil und Farbe sind. Überall der gleiche Souvenir-Kitsch, Wein bis zum Abwinken und die armen Störche müssen auch für alles Mögliche hinhalten.

Wir sind nicht ganz alleine unterwegs, das sieht man spätestens, wenn man einen Wohnmobil-Stellplatz ansteuert. In Kaysersberg waren bereits um 15.00 nahezu alle der 80 Stellplätze belegt und hier in Ribeauvillé sieht es nicht besser aus. Lauschig ist es hier bestimmt nicht. Ich habe heute erstmals den Begriff „Wohnmobil-Slum“ verwendet. Ich befürchte, ich werde ihn je länger je mehr aussprechen müssen. Die Zeit der grenzenlosen Freiheit mit dem Womi ist auch hier in Frankreich langsam aber sicher vorbei.