Öfters mal Panne (36)

… oder: Nasse Füsse auf dem Fussballplatz

Wenn mein innig geliebter Mitreisender und ich einen Campingplatz anfahren, geschieht dies nicht aus täglicher Gewohnheit, sondern hat ausnahmslos triftige Gründe. Wir greifen nämlich nur auf derartige Infrastruktur zurück, wenn es gar nicht mehr anders geht. Das kann sein, weil der Strom im Womi am ausgehen ist (dank Solarpanelen an unseren europäischen Womis eigentlich die Ausnahme), weil wir dringend Wäsche waschen müssen oder weil es – wie im nachstehenden Geschichtchen – weit uns breit keinen geeigneten Übernachtungsplatz gibt.

England, das fanden wir innert kürzester Zeit heraus, ist nicht wirklich für Wohnmobile geeignet. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass England regelrecht wohnmobilfeindlich ist. Doch dieses Thema will ich hier nicht weiter plattwalzen. Tatsache ist, dass wir damals auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz in Südengland resigniert auf einen Campingplatz einbogen. Zuerst dachten wir, wir hätten uns verfahren und seien auf direktem Weg zu einem Fussballplatz. Der topfebene Platz wies keinerlei Strukturen auf. Keine Hecke, kein einziger Baum auf dem riesigen Areal von der Grösse zweier Fussball-Felder. Für die Engländer schien das, wie das folgende Bild zeigt, normal. Sie richteten sich ein mit ihren Zelten, Pavillons und Sichtschutzwänden. Campingfahrzeuge oder Wohnwagen hatten Seltenheitswert.

Wir suchten uns eine Ecke aus und fuhren auf das Grün. Dieses war, nach den vorangegangenen intensiven Niederschlägen, ziemlich weich. Ein mulmiges Gefühl beschlich uns, Erinnerungen an ähnlich weiches Terrain waren sofort wieder präsent. In solchen Fällen heckt der Mitreisende immer einen Plan B aus. Dieser sah primär vor, dass wir unser Fahrzeug wendeten, so dass wir im Vorwärtsgang wieder auf das schmale Asphaltband zurückfahren konnten. Man weiss ja nie.

Als mitten in der Nacht der Regen einsetzte, war es um unsere Nachtruhe geschehen. Dies nicht nur, weil der Regen in einem Wohnmobil viel lauter aufs Dach trommelt als zu Hause. Der Mitreisende machte nicht lange Federlesens. Er setzte sich ans Steuer, liess den Motor an und fuhr aus dem potentiellen Sumpf heraus. Nach wenigen Metern standen wir auf dem asphaltierten Platz vor einem geschlossenen Sanitärgebäude.

Was die Engländer in ihren Zelten ab uns gedacht haben mögen, war uns in diesem Moment ziemlich egal. Uns konnte der Regen nichts mehr anhaben. Wir standen auf sicherem Boden.

Vorsicht ist die Mutter der Porzellan-Kiste. Und die Schutzpatronin der Wohnmobil-Reisenden.

Kostbare Hinkelsteine

Wenn wir fernab der Heimat unterwegs sind, haben mein innig geliebter Mitreisender und ich öfters die Erfahrung gemacht, dass wir als Touristen gelegentlich unerwünscht sind. Nicht selten vermitteln uns die Einheimischen den Eindruck, dass es ihnen eigentlich am liebsten wäre, wir würden unsere Kohle da lassen und uns selber möglichst schnell wieder aus dem Staub machen. So geschehen beispielsweise an der kroatischen Küste, in Tschechien oder auch in England. Diese kurze Auflistung ist übrigens alles andere als vollzählig, und es gehören sowohl Destinationen dies- wie jenseits der Schweizer Grenze in diese unrühmliche Galerie.

In England fühlten wir uns insbesondere mit dem Wohnmobil als durchwegs unerwünscht. So bietet Südengland auch keine Infrastruktur für Womi-Reisende. Stellplätze nach unserem Verständnis gibt es nicht (mag sein, dass sich das seit damals geändert hat), die Campingplätze sind eher für Zelte ausgerichtet.

Eine der zahlreichen Attraktionen Englands sind offenbar die Hinkelsteine von Stonehenge. Als der Mitreisende und ich im Sommer 2008 mit dem Ziel Irland den Süden Englands durchquerten, statteten wir diesen Hinkelsteinen einen Besuch ab. Und wurden sowohl vom Besucheransturm wie von den Preisen beinahe erschlagen. Schon auf dem vollbesetzten Parkplatz wurden wir um die ersten 3 £ erleichtert. Dafür sparten wir uns die 6.5 £ für den Eintritt und begnügten uns – wie zahlreiche andere Besucher – mit dem Anblick der Steine durch einen Maschendraht-Zaun, der das ganze Gelände umgab. Wir waren uns schnell einig, dass wir auch so genug sahen.

Mag sein, dass wir dem altehrwürdigen Gestein, von dem nicht bekannt ist, wieso und auch wie es hierher kam, zu wenig Demut entgegen brachten. Ich musste jedoch dem Mitreisenden beipflichten, dass wir uns den Umweg für diesen „Gravel“ (Kieselsteine) hätten sparen können.

Mittlerweile habe ich bei Wikipedia gelesen, dass das ganze Gelände und das bei unserem Besuch offenbar noch provisorische Besucherzentrum umgemodelt wurde und zwei Kilometer von den Hinkelsteinen entfernt eine neue Abknöpfmaschinerie, sorry ein neues Besucherzentrum, erstellt wurde. Die Eintrittspreise wurden moderat um gut 100 Prozent angehoben. Ich will niemandem den Besuch in Stonehenge vergraulen, aber so verschaukelt wie dort fühlten wir uns lange nicht mehr.

Beschildert geschildert (16)

Manchmal wäre das Leben bedeutend einfacher, man würde einfach schreiben, was ausdrücklich erlaubt ist.

2’500 £ Busse für ein Bisschen Abfall wegschmeissen – da ist ja unsere Sackgebühr geradezu ein Schnäppchen!

Verbotenerweise Rad fahren und Fussball spielen darf man offenbar kostenlos in Angesicht des Herrn.

Platt für den Rest des Lebens

„You have to iron this down“, sagte die gutgekleidete Dame und nahm mir energisch das Bügeleisen aus der Hand. Dann demonstrierte sie, was genau sie meinte. Ich müsse die Textilpflege-Etikette, also dieses kratzende Ding hinten am Kragen, mit dem Bügeleisen bändigen, platt machen.

Die Bügel-Lektion war damit noch nicht zu Ende. Einmal in Schwung gekommen, erklärte mir das pingelige Frauenzimmer gleich noch, wie sie den Rest der Wäsche (inklusive Unterwäsche und Socken!!!) gebügelt haben wollte. Die Dame war nämlich für die kommenden sechs Monate meine – na wie nennt man das bloss? Jedenfalls war sie die Mutter von zwei verzogenen Kindern, geschieden, grosses Haus. Und ich war für sechs Monate nach England gegangen, um als Au-Pair Englisch zu lernen, nicht um Socken zu bügeln.

Vielleicht begründet in diesem Erlebnis, das schon mehr als ein Vierteljahrhundert zurück liegt, meine innige Abneigung gegen jegliche Bügeleisen. Seien sie mit oder ohne Dampf. Mit oder ohne Unterbau. Mit oder ohne Kabel. Nun mal ganz ehrlich: Hemden bügeln – okay, auch T-Shirts und Jeans lasse ich mir ja noch angehen. Aber Kissenanzüge, Geschirrtücher und Unterwäsche zu bügeln ist wirklich reine Zeitverschwendung. Da schreib ich doch in der Zeit lieber einen neuen Blog-Beitrag. Das kann ich nicht nur besser, da ist der Spassfaktor auch weeeesentlich grösser.