Scherben bringen Ärger

Scherben bringen Glück, sagt die Redewendung. Ich finde, Scherben bringen vor allem eines: Ärger.

Alle paar Wochen wieder steht selbst in meinem Einpersonen-Haushalt ein Entsorgungs-Gang an. Zeitungen, Karton, Altglas, ausrangierte Kleider, Metall und was man sonst noch besser an die “Wertstoffsammelstelle”, wie das bei uns so charmant heisst, zurückbringt, als es in den Abfall zu schmeissen. Wie immer stellte ich alles im Hauseingang bereit, fuhr mit dem Auto vor die Türe und begann einzuladen.

Da geschah es. Zuerst krachend, dann klirrend, kurz darauf fluchend (allerdings aus anderer Quelle) landete der Sack mit dem Altglas auf dem Boden. Die Henkel der Tragtasche, in der ich seit Jahren vorwiegend die leergetrunkenen Weinflaschen, ab und an mal auch ein Konfitürenglas oder Ähnliches, sammle, waren gerissen.

Wäre ich in Amerika, würde ich jetzt den Hersteller dieses Tragtasche verklagen. Ich würde darauf bestehen, dass nirgends ein Hinweis angebracht sei, dass diese Henkel nach hundert Jahren draussen am UV-Licht auch mal reissen können. Ich würde behaupten, aufgrund dieser Nachlässigkeit hätte ich eine Psychose eingefangen und könne in Zukunft nicht mehr ohne Begleitung mein Altglas entsorgen, weil ich immer wieder vom Schrecken dieses Ereignisses eingeholt werden würde. Ich würde darauf bestehen, dass mir der schlampige Hersteller dieser Tragtasche nicht nur Schmerzensgeld zahlen, sondern auch permanent einen Mitarbeiter abstellen würde, dem ich das vermaledeite Altglas mitgeben kann. Jawohl, das würde ich!

Weil wir hier aber nicht in Amerika sind, nahm ich nur kleinlaut s’Schüüfeli und Wüscherli aus dem Putzkasten, wischte die Sauerei auf und hoffte, dass mir niemand im Treppenhaus dabei zusah.

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Die saubere Schweiz

Ich wollte mich mit meinem Kaffeebecher dort niederlassen. Es ist unser inoffizieller Treffpunkt im HB Zürich vor Wanderungen. Von weitem schon sah ich die Sauerei. Es war am Sonntagmorgen um acht Uhr. Die Spuren eines nächtlichen Gelages liessen mich einen grossen Bogen um diese Sitzgelegenheit machen; ich liess mich auf der weitmöglichst entfernten Seite dieser Schweinerei nieder.

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Ich frage mich in solchen Momenten immer wieder: Wie sieht es bei diesen Schweinen zu Hause aus? Lassen sie ihre Poulet-Knochen auch dort liegen, wo sie sie abgenagt haben?

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Noch während ich meinen Gedanken nachhing kam ein in orange gekleideter Schwarzer mit entsprechender Ausrüstung und offiziellem Auftrag und beseitigte die Sauerei.

Einmal mehr muss ich ernüchtert feststellen, dass “man” in der Schweiz keinesfalls ordnungsliebender ist als im Ausland. Hierzulande wird nur wesentlich mehr Geld für die Beseitigung des Mülls ausgegeben. Die saubere Schweiz – alles eine Frage des öffentlichen Etats.

Güselchübel

Mit diesem Titel werden meine Leserinnen und Leser ausserhalb der Schweiz mal wieder nicht viel anzufangen wissen. Doch da sie mehr als 50 Prozent meiner Leserschaft ausmachen, will ich hier etwas Übersetzungshilfe leisten. Der Güsel ist nichts anderes als Abfall. Und ein Chübel ist ein Kübel. Ergibt also einen Abfalleimer.

Die Rede soll hier aber nicht von irgend einem Güselchübel sein, sondern von DEM Güselchübel schlechthin. Dem Ochsner-Chübel. Ich habe letzthin einen in Brigels fotografiert, der dort am Wegesrand den Güsel der Wanderer aufnimmt.

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Sein Anblick versetzte mich in meine Jugendzeit zurück, wo in jedem Schweizer Haushalt unter dem Spülbecken (das damals wie heute noch häufig als Schüttstein bezeichnet wurde) so ein Ochsner-Chübel stand. Ochsner darum, weil die Firma, die ihn produzierte – na wie wohl? – Ochsner hiess. Damals legte man den Chübel noch mit Zeitungspapier aus und stellte ihn am Tag der Güselabfuhr an den Strassenrand zum Leeren. Kehricht-Säcke wurden erst später erfunden. Zuerst aus starkem Papier, dann aus immer dünner werdendem Plastik.

Diese ganzen Erinnerungen holten mich wieder ein, als ich letzthin in einem Prospekt von Möbel-Pfister blätterte. Da entdeckte ich unter dem Titel “Schweizer Evergreens, die unseren Alltag bereichern” den “Alltagsklassiker Patent Ochsner”. Und der sieht mittlerweile so aus:

Daneben stand geschrieben.

Der zu Beginn des letzten Jahrhunderts entwickelte, metallene “Güselkübel” mit dem unverkennbaren Deckel demonstriert heute das Genie alltäglicher Dinge. Das Design der Re-Edition bringt den Klassiker mit neuen Funktionen und Materialien selbst im Wohnzimmer zum Strahlen.

Könnt ihr euch vorstellen, so einen noblen, strahlenden Güselkübel (zum bescheidenen Preis von Fr. 249.- übrigens) in eurem Wohnzimmer zu haben? Als ich ganz bestimmt nicht!