Im Blütenrausch

Es gibt dieser Tage drei dominierende Themen in meiner Küche: Holunderblüten, Holunderblüten und Holunderblüten.

Ich bin grad so begeistert von deren Aroma, dass ich sie auf verschiedene Arten eingemacht habe. Als Essig, Sirup und Apfel-Gelée.

Jedes neue Rezept mit den derzeit überall so verschwenderisch vor sich hin duftenden Blütendolden kann ich zwar nicht ausprobieren, aber ich bin auf eine Creme mit Holunderblüten gestossen, die sowohl meinen innig geliebten Mitesser als auch mich in helles Entzücken versetzt hat. Das Rezept und weitere Ideen zur Verwendung von Holunderblüten, gibt es HIER.

Zur Creme passen übrigens ausgezeichnet frische Erdbeeren, die jetzt und ERST JETZT so richtig schmecken, weil sie praktisch vor der Haustüre wachsen. Alles, was seit Februar in den Läden als Erdbeeren angeboten worden ist, schmeckt dagegen wie rotes Styropor.

Und gleich noch ein Gratis-Tipp von Frau Flohnmobil: Die Creme lässt sich auch ausserhalb der Blütenzeit des Holundestrauches herstellen. Dazu einfach etwa einen Deziliter Sirup beigeben und einen Teil des Zuckers weglassen. Himmlisch!

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Seniorengerechte Erdbeeren

Erdbeeren sind schön rot. Sie sind süss. Und sie wachsen verdammt weit unten. Das gilt für Kulturerdbeeren genauso wie für ihre viel kleineren Verwandten in freier Wildbahn, die Walderdbeeren.

Ätsch – stimmt gar nicht! Walderdbeeren wachsen dort, wo es ihnen passt. Am liebsten an sonnigen Standorten. Und noch lieber an sonnigen Böschungen. Und dort kann man sie sehr rückenschonend pflücken und ohne Ächzen und Stöhnen geniessen. Vorausgesetzt man entscheidet sich für die Böschung oberhalb und nicht für die unterhalb des Weges.

Und solche Böschungen haben mein innig geliebter Mitbewohner und ich heute zuhauf angetroffen. Auf unserer Wanderung, die uns zuerst um den von steilen Felsen gesäumten Kessel des Panixer Stausees herumgeführt hat und anschliessend über Andiast, Waltensburg zurück nach Brigels. Wäre der Himmel nicht voller rabenschwarzer Wolken gewesen, die uns zum Weitergehen gedrängt hatten, ich glaube, wir wären immer noch am Beereli günne.

Das Ende unserer Jordgubbar-Kur

Sie war nicht geplant, nein ganz gewiss nicht. Es hat sich einfach so ergeben. Aber es hat sich sicher gelohnt, diese Kur zu absolvieren. Und es hat auch überhaupt keine Überwindung gekostet. Weder mein innig geliebter Mitreisender noch ich können uns zurückerinnern, dass wir jemals so viele Jordgubbar gegessen haben. Ob sie gesund sind? Bestimmt! Was so schön rot ist, muss einfach gesund sein. Hierzulande wird es schliesslich häufig gekauft und was so viele Leute machen, kann derart schlecht nicht sein.

Wir haben uns immer wieder gewundert ab der schieren Masse von Jordgubbar, die in Schweden angeboten werden. Buchstäblich an jeder Ecke. Manchmal, wie das folgende Bild zeigt, gleich drei Stände nebeneinander.

Diese Erdbeer-Schwemme hat direkten Einfluss auf den Preis. Hatten wir am Beginn unserer Reise noch 40 Kronen für ein Schächtelchen Jordgubbar bezahlt, ging der Preis im Verlauf der letzten fünf Wochen kontinuierlich auf bis 15 Kronen (gut 2 Franken) runter. Wahrlich ein günstiger Preis in einem Land, das sonst in etwas das gleiche Preisniveau wie die Schweiz hat. Nun ist unsere Jordgubbar-Kur zu Ende. Ich glaube kaum, dass wir zu Hause noch Erdbeeren kaufen können. Und schon gar nicht zu einem solchen Preis.

Jedem Schweden seinen See

Schweden hat nicht nur eine enorm lange Küstenlinie, Schweden hat auch unzählige Seen und Tümpel. Einige der angeblich 95’000 Seen haben wir bereits gesehen, an einigen haben wir in traumhaft schöner Umgebung übernachtet, an mehreren sind wir mit dem Velo vorbeigeradelt, einen haben wir zu Fuss umwandert und ganz, ganz, ganz, ganz viele haben wir vom Womi aus erspäht.

Wirklich hart untendurch mussten wir ein paar Tage lang in Sachen Wetter. Ein Aufenthalt im Freien war häufig nur mit hochgeschlagenem Kragen der Windstopper-Jacke möglich. Ein giftiger Wind pfiff uns um die Ohren und zerzauste meine Frisur! Davon nicht betroffen war mein innig geliebter Mitreisender. Nicht, weil er sich weniger im Freien aufhalten würde, des Mitreisenden Haarpracht ist einfach viel sturmresistenter. Nun haben wir ein paar Sommer-Tage verbracht – leider ist deren Ende auch bereits wieder absehbar. Aber wir sind ja schon etwas abgehärtet…

An allen Ecken und Strassenausbuchtungen und teilweise sogar in den Vorräumen von Supermärkten werden momentan Erdbeeren angeboten. Wir machen eine regelrechte Erdbeer-Kur. Wir sind erstaunt, dass so weit im Norden so süsse Erdbeeren wachsen. Kein Vergleich zu der geschmacklosen Import-Ware aus Italien und Spanien, die im April bei uns verscherbelt wurde!

Ach ja, in Göteborg waren wir auch noch. Doch Schwedens zweitgrösste Stadt konnte uns keine Begeisterungssprünge abringen. Purer Durchschnitt. Keine beeindruckenden Gebäude, keine besonders schöne Lage an der Mündung des Götaälv. Immerhin Schwedens grösster Hafen. In Erinnerung wird uns wohl kaum mehr als das blau-weisse „Züri-Tram“ bleiben, das in Göteborg auf Normalspur durch die Strassen düst.

Die Vegetation ist 12 Breitengrade nördlich der Heimat natürlich noch im Verzug. In Schweden blüht noch der Raps (igitt, stinkt doch so widerlich!), Rhododenren bilden Farbtupfer in den Gärten und in den Wäldern Maieriesli (Maiglöckchen). Wie letztere auf Schwedisch heissen, weiss ich nicht, vermutlich so etwas wie „Juniriesli“.