Auf dem Schoggi-Grat

Was für ein spezielles Datum es war, sah ich erst, als ich uns im Gipfelbuch eintrug. 19.7.19. Der Tag würde mir für immer in Erinnerung bleiben.

Die Wanderung, sie war wunderschön, anstrengend und emotional. Erstmals, seit ich die Asche meines Mannes verstreut hatte,  war ich wieder zu dem Ort aufgestiegen. Zu meiner Freude war alles noch so da, wie wir die Stätte vor gut einem Jahr arrangiert hatten.

IMG_7672

Es lag noch mehr Schnee als letztes Jahr. Weiter als bis zum See war ich in den vergangenen Jahren nie gekommen, wir hatten immer eine andere Route gewählt. Gestern stiegen wir auf zum Gufelstock

IMG_7682

und folgten der neuerdings als “Schoggigrat” bezeichneten Route zum Schwarzstöckli.

IMG_7679

Ein Weg ganz nach meinem Geschmack. Mitunter etwas luftig, aber gut zu begehen und lückenlos markiert.

IMG_7685

Die Route liegt am Rande der Tektonik Arena Sardona. Notabene Unesco Welterbe.

IMG_7690

Das verschieden farbene Gestein erzählt eine eigene Geschichte.

IMG_7692

Am Schluss unserer rund 6-stündigen Runde wartete noch eine Überraschung auf uns. Nach der Alpegligen fanden wir uns in einem Felslabyrinth wieder, aus dem wir wohl ohne Wegmarkierungen nicht mehr herausgefunden hätten!

IMG_7694

Die Natur wird hier sich selber überlassen.

IMG_7698

Wer gerne ein paar Kraxelstellen überwindet, über die nötige Kondition verfügt, unberührte Natur und viel Aussicht schätzt, wird an dieser Route Freude haben.

Kein Saus ohne Braus

Etwas blauäugig war es schon, ausgerechnet an einem Silvester-Abend in den Bus einzusteigen und aufs Geratewohl loszufahren. Geplant hatten wir vieles. Eine mehrtägige Skitour mit der entsprechend umfangreichen Ausrüstung. Aber keine Übernachtung am Ausgangsort. Das Schicksal nahm seinen Lauf.

Als wir in Adelboden den Bus verliessen, war es bereits dunkel. Die Tourenskischuhe an den Füssen, einen schweren Rucksack am Rücken und die Skis geschultert machten wir uns auf, im Touristendorf ein Hotelzimmer zu finden. Wo immer wir auch anklopften, alles war besetzt bzw. man wollte uns nicht für eine einzelne Nacht beherbergen. Ich weiss nicht mehr, wie viele Hotels wir abklapperten. Aber wie das in solchen Situationen so ist, schraubten wir unsere Ansprühe laufend runter. Am Schluss hätten wir wohl sogar auf einer Kirchenbank übernachtet. Doch soweit sollte es nicht kommen, denn mein damaliger Freund und ich beschlossen, dass wohl aus der geplanten Skitour nichts werden würde.

Missmutig, enttäuscht und voller Zweifel setzten wir uns in den letzten Autobus und fuhren von Adelboden zurück nach Frutigen und mit dem Zug nach Spiez. Dort hatten wir unser Auto stehen. Das grosse Loch in unseren Mägen ignorierten wir geflissentlich und machten uns zuerst daran, noch eine Bleibe zu finden.

Es wirkte reichlich schäbig, das Hotel, das wir schliesslich gleich neben dem Bahnhof fanden. Aber wie war das mit dem Teufel, der Not und den Fliegen? Auf ein opulentes Silvestermenü mussten wir ebenso verzichten wie auf ein anständiges Bett. Die Küche war nämlich nach 22.00 Uhr geschlossen. Alles, was der Wirt uns noch anbieten konnte, war ein Teller voll Kartoffeln und Käse. Auch unter dem Namen “Raclette” bekannt. Und was die Betten betrifft, da waren wir wohl so ziemlich die letzten Gäste, bevor das Hotel Bahnhof Terminus abgebrochen wurde.

Am Neujahrstag gab es dann doch noch eine Skitour, wenn auch nicht die vorhergesehene mehrtägige.

2014-01-02-13-38-36

Um mein leibliches Wohl muss ich mir heute Abend keine Sorgen machen. Auch mein Bett steht, wann immer ich auch rein sinken werde, bereit. Ich hoffe, dass es euch auch so ergeht.

Hebed en guete Rutsch!