Silvester dort unten

Ob man will oder nicht, ob man feiert oder nicht, um den letzten Tag des Jahres weht immer ein spezielles Lüftchen. Grad zweimal erlebten wir auf unserer 15-monatigen Australien-Reise Silvester bei den Kängurus.

Beim zweiten Mal befanden wir uns in Südaustralien auf der Yorke Peninsula. Es herrschte eine Affenhitze, das Thermometer näherte sich der 40°-Grenze. Im Bottle Shop besorgten wir uns eine Flasche Sekt, bevor wir auf dem Caravan Park in Moonta Bay den letzten freien Platz ergatterten. Dieser hatte allerdings einen kleinen Schönheitsfehler, denn es fehlte ihm jegliche Schattierung. So schlossen wir unverzüglich das Stromkabel an und liessen die Dachklimaanlage laufen. Bei wahrscheinlich über 50° in der Sonne schaffte es die Klimaanlage gerade so knapp, die Temperatur in Wohnmobil allmählich auf unter 30° zu bringen. Wir empfanden dies als angenehm kühl.

Auf dem proppenvollen Campingplatz bemühten sich die Aussies, sich mit Essen und nicht zu wenig Alkohol in den letzten Stunden des Jahres in Stimmung zu bringen. Etwas Feuerwerk, knallige Papphüte und Leuchtschmuck in verschiedenen Farben untermalte die Szene. Punkt 0.00 Uhr kreischte es aus allen Kehlen „Happy New Year“ und man fiel sich in die Arme. Unsere Nachbarn der älteren Generation konnten ganz kurz den Blick vom Fernseher lassen, kamen aus ihrem klimatisierten Cabin ins Freie, bliesen zwei, drei Mal ein Tü-Tü-Rü-Tü auf ihren Papiertröten, kniffen in einen roten Ballon, gaben mit rauchiger Stimme das obligate „Happy New Year“ von sich und wandten sich alsbald wieder der Glotze zu.

Mit den Sektgläsern in der Hand machen wir – noch immer nur mit in Shorts und T-Shirts bekleidet – einen kurzen Rundgang durch den Campingplatz und erwiderten einige „Happy New Years“. Da nichts Aufregendes mehr auszumachen war, setzten wir uns nochmals für kurze Zeit vor den Camper und genossen die laue, klare Sommernacht.

In Australien ist der Spuk bereits vorbei, das Jahr 2014 hat begonnen.
Bei uns dauert es noch ein paar Stunden.
Wo und wie immer ihr sie verbringen mögt,
ich wünsche euch einen guten Rutsch ins neue Jahr.

HAPPY NEW YEAR!

Ringelreihen für den Sommer

Midsommar ist für die Schweden das Fest der Feste und kommt in der Wichtigkeit unmittelbar nach Weihnachten. Midsommar wird an einem Freitag gefeiert und läutet auch die Ferienzeit ein, obschon die Kinder schon seit einer Woche nicht mehr zur Schule gehen. Seit vergangenem Freitag stehen nun auf den Dorfplätzen wieder diese typischen „Maibäume“ aus Birkenlaub und Blumen.

Wir waren an einer solchen Zeremonie, wo um den Baum Trachtengruppen tanzten. Anschliessend führten mit Blumenkränzen geschmückte Kinder zusammen mit ihren Eltern eine Art Ringelreihen zu einem live gesungenen und von einem Heimwehkompressor begleiteten Lied auf. Die Lieder scheinen altbekannt zu sein und werden vermutlich Jahr für Jahr gesungen. Als Höhepunkt – sicher aus der Sicht der Kinder – gab es am Schluss ein Glacé. Nach gut einer halben Stunde war der Spuk vorbei und das Ganze löst sich auf. Den Rest von Midsommar feiert der Schwede zu Hause.

Danach folgte hier, wo doch sonst so viele Geschäfte „öppet alla dager“ sind, eine kollektive Flaute. Wir haben uns erklären lassen, dass man sich in den beiden Tagen nach Midsommar in erster Linie erholen muss. Vom Fressgelage und vom Saufen? Läden sind geschlossen, Museen ohnehin und selbst die meisten Restaurants haben eine „stängd“ Tafel an der Türe hängen.

Jedenfalls wird es in Schweden jetzt so richtig losgehen. Viele touristische Angebote wie beispielsweise Kursschiffe gibt es erst ab dem 25. Juni bis Ende August. Ein wahrhaft kurzer Sommer, hier im Norden.