Staubig, aber wa(h)r

Es gibt mit Sicherheit dringlichere Angelegenheiten, wenn man aus seinen Ferien heim kommt (in unserem Fall von 5 Wochen Housesitting), als sich sofort mit Staubsauger und Putzlappen zu bewaffnen. Diese Binsenwahrheit gilt zumindest für meinen innig geliebten Mitbewohner und mich. Insbesondere, weil wir vor unserer Abreise jeweils noch Staubwedel & Co. durch die hehren Hallen schwingen. Es mag eine Macke von mir sein, alles aufgeräumt und sauber zu hinterlassen. Aber mir ist wohl dabei und mittlerweile weiss ich aus zuverlässiger Quelle , dass ich mit dieser Macke nicht allein in der Prärie stehe. Zumindest die moralische Unterstützung in dieser Angelegenheit ist mir vor den nächsten Ferien schon mal auf sicher.

Früher oder später drängt sich aber der grössten Putzlappen-Resistenz zum Trotz der Griff zum farbigen Tüchlein auf. Und man fragt sich verwundert, wie sich so viel Staub ansammeln konnte, wo die Wohnung doch fünf Wochen lang unbewohnt war. Die Erkenntnis daraus ist zwar altbekannt, aber deswegen nicht weniger erschütternd:

 S t a u b   m a c h t   k e i n e   F e r i e n .

Housesitting- ein Resümee

Es ist bald drei Wochen her, seit wir unseren Ladenhüter-Dienst in Schweden abgeschlossen haben. Somit ist genügend Zeit vergangen, um das Ganze mit etwas Abstand zu betrachten, aber noch nicht so viel Zeit, dass Details in Vergessenheit geraten wären. Das Wichtigste vorab: Wir würden es wieder machen. Es hat enorm Spass gemacht. Aber wieso?

War es die die traumhafte Lage direkt an einem See?

Weil es so toll war, für einmal in einem so grossen Haus zu wohnen (auch wenn wir selber nie ein derart grosses Haus mit der damit verbundenen Arbeit unser eigen nennen möchten)?

Waren es die gründlichen Vorabklärungen, Mails, Skype, bevor wir zusagten?

War es die Abwechslung vom Alltag?

War es der grosse Garten mit seinem frischen Obst und Gemüse, dessen Angebot unseren Speisezettel massgeblich beeinflusste?

War es, weil Schweden einfach ein tolles Land ist?

Oder gar, weil das Wetter so perfekt passte und wir angenehme Sommertemperaturen hatten, während die daheim bei weit über 30 Grad schmachteten?

Es war wohl von allem ein Bisschen. Dank einem gerüttelt Mass Neugierde, Aufgeschlossenheit und Improvisationstalent, aber auch Toleranz und Achtung unseren nicht anwesenden Gastgebern gegenüber verbrachten wir drei unvergessliche Wochen in Schweden. Dem überschwänglichen Dankesbrief nach zu schliessen, würde unsere Gastfamilie uns ohne zu zögern wieder ihr Haus anvertrauen.

Wenn alle Umstände passen, namentlich die Lage des Hauses, die zu hütenden Tiere und Aufgaben, der Zeitpunkt und nicht zuletzt die Chemie mit den Hausbesitzern, werden mein zwischenzeitlich zum innig geliebten Mithüter mutierter Mitbewohner und ich uns wieder einmal aufs Abenteuer Housesitting einlassen.

Kulturschock

Es war etwas hektisch, als es endlich losging. Eigentlich nichts Neues, wenn man endlich von der vollgestopften Fähre fahren konnte. Auch die ersten Meter auf dem Boden waren naturgemäss hektisch, jeder wollte so schnell wie möglich weg kommen, als ob es nach stundenlanger Fährüberfahrt eine Rolle spielen würde, ob man als Fünfundfünfzigster oder Hundertvierzehnter von Bord fuhr.

Zugegeben, nach drei beschaulichen Wochen in Schweden konnte einem schnell etwas hektisch vorkommen. Doch die Hektik liess einfach nicht nach. Im Gegenteil, sie schien sich an unsere Fersen zu heften, verfolgte uns. Von dem Moment an, als wir von der Fähre auf die Insel Rügen fuhren, fühlten wir uns gehetzt. So auf dem Weg in unsere Unterkunft 20 Kilometer südwärts bei Frau Nagel mit ihren diversen Haaren auf den Zähnen. Und im Ostseebad Göhren, wo uns die Leute ständig auf den Füssen rumstanden.

Selbst der nächste Tag mit seiner Velotour trug nicht zu unserer Entspannung bei. Es war Sonntag und durch ganz Rügen schien sich eine einzige brummende, stinkende Autokolonne zu wälzen. Mit dem Velo eine Strasse zu überqueren kam einer Mutprobe gleich. Genau genommen war es nur möglich, dank dem Mitleid, auch was sage ich Mitleid, dank dem Erbarmen einzelner Autofahrer. Die Automobilisten auf Rügen hatten es alle wahnsinnig pressant. So viele gestresste Urlauber auf einem Haufen – mein innig geliebter Mitreisender und ich waren fassungslos.

Und dann diese Strassen! Gut, es hat Radwege auf Rügen. Aber leider nicht überall. Und dummerweise nicht dort, wo wir hin wollten. So gerieten wir unversehens auf Kopfsteinpflaster. Der übelsten Sorte. Wer hatte eigentlich diese bescheuerte Idee, Rügen mit dem Rennrad zu befahren? Hätten wir uns doch wie alle anderen in die Fahrzeugkolonne eingereiht und hätten wir Deutschlands grösste und (angeblich) schönste Insel mit dem Auto bewandert!

Tags darauf fuhren wir weiter, liessen die gestressten Urlauber auf ihrer Urlaubsinsel hinter uns. Der Mitreisende und ich waren uns einig wie selten zuvor: Da kann unseretwegen die Kanzlerin mit dem gesamten Bundestag, Kaiser Wilhelm oder wie er geheissen haben mag und welche Prominenz auch immer auf Rügen Urlaub gemacht haben. Da können die schönsten Strandkörbe der Welt stehen und die frischesten Fischbrötchen angeboten werden.

Nach Rügen werden wir nie, nie, nie mehr fahren!

Frau Flohnmobil am Radio

Mein innig geliebter Mithüter und ich machen auch hier in Schweden das, was wir zu Hause am Morgen machen würden: Beim Frühstück Radio SRF1 hören. Im Gegensatz zu daheim halt einfach übers Internet. Heute Morgen war in der Sendung Treffpunkt das Thema „Ferien machen“.

Wenn ihr wissen wollt, was mir dazu grad so eingefallen ist, klickt auf diesen Link*. Wenn ihr nicht die ganze zweistündige Sendung hören wollt, dann klinkt euch bei 1.00.20 (Timeline an der oberen Bildkante) ein und hört, welche Fragen ich dem Moderator Michael Brunner leicht kichernd und euphorisch beantwortet habe.

Und, ach ja sorry, ist halt alles auf Schweizerdeutsch.

* Leider ist die Sendung nach all den Jahren nicht mehr abrufbar.

Die Ladenhüter

Der Rundgang führte uns zuerst in die Küche. Hier der Geschirrspüler, so funktioniert der Backofen, Vorsicht beim Öffnen des Kühlschranks. Dann das restliche Haus. Hier ist euer Zimmer, daneben das Bad.

Als nächstes der Gemüsegarten. Diese Kartoffeln könnt ihr schon nehmen. Beim Pfahl enden die Kefen, dahinter sind es Erbsli. Die Gurken brauchen viel Wasser, die Artischocken dürften bald gross genug sein, Rüebli hat es in vier verschiedenen Farben. Nehmt was ihr essen könnt, den Rest friert für uns ein.

Weiter zum Hühnerstall. Ein Hahn, fünf Küken, acht Hennen, davon eine am Brüten. Futtermischung hier, die Gackerinnen nicht vor Elf raus lassen, sonst müsst ihr die Eier überall suchen. Abends das Gehege wieder schliessen.

Einmal pro Woche Rasen mähen, die Katze zweimal täglich füttern. Die Geranien auf der Fensterbank nicht vergessen und – ach ja, wichtig – bitte nichts Saures auf dem Marmor ausleeren.

Hier ist der Geräteschopf, dort die Heizung, Sicherungen sind in diesem Schrank, der Garten wird aus dem See bewässert. Noch Fragen?

Zwei Stunden nach unserer Ankunft fuhr die fünfköpfige Familie, die wir nie zuvor gesehen hatten, mit Sack und Pack in die Ferien. Unser Abenteuer Housesitting hatte soeben begonnen.

Ferienende

in den Sommerferien in der 5. Klasse durfte ich eine Woche zu meiner Lieblings-Tante. Ferien bei meiner Tante waren stets ein freudiges Ereignis, denn sie hatte zwei Kinder in meinem Alter und diese waren wie Geschwister für mich. Dummerweise ging meine Tante mit ihrer Familie nach einer Woche selber in die Ferien und konnte mich nicht mitnehmen. Da meine Eltern am Arbeiten waren, war geplant, dass ich eine Woche bei meinen Grosseltern auf dem Bauernhof verbringen sollte.

Schon am zweiten Tag wurde es mir dort stinklangweilig. Die Kinder vom benachbarten Hof waren alle weg, ich hatte niemanden zum spielen. Meine Grossmutter, damals fast siebzig,  war zwar eine herzensgute Frau, doch sie musste auf dem Hof arbeiten und konnte nicht etwa Zooausflüge machen, wie das heutige Grossmütter mit ihren Enkeln tun. Mein Grossvater dagegen war ein Brummbär. Alle seine Enkel, mich inklusive, hatte er das Fürchten gelernt. Es schien ihm grossen Spass zu bereiten, wenn er uns mit der Mistgabel hinterher rennen konnte. Ich kann mich nicht erinnern, dass er jemals etwas Vernünftiges mit mir gesprochen hätte.

Als Stadtkind war ich auf dem Bauernhof mehr ein Hindernis denn eine Hilfe. Man konnte mich bestenfalls anstellen zum Johannisbeeren ablesen oder bei den Hühnern im Stall die Eier holen. Im Kuhstall hatte ich nichts verloren, zu viel Schiss hatte ich vor den Kühen, die zwar angebunden waren, aber jederzeit einen Schritt nach hinten machen konnten oder – nicht auszudenken – den Schanz lupfen und… na ihr wisst schon. Einzig zu den Kälbern wäre ich gerne gegangen, doch da musste ich wiederum an den Kühen vorbei, drum liess ich das auch bleiben.

Am dritten Tag stand mein Entschluss fest: Ich wollte nicht mehr länger bleiben. Nach dem Frühstück packte ich meine Siebensachen. Ich schleppte gerade das Köfferchen die steile Treppe runter, als mich meine Grossmutter erblickte. Ihre Augen hinter den dicken Brillengläsern wurden gross wie Wagenräder.

„Was hast du denn im Sinn?“
„Ich will nach Hause.“
„Aber da ist doch niemand, deine Mutter und dein Vater arbeiten beide.“
„Das ist mir egal, hier ist es mir zu langweilig.“

Da ich nicht umzustimmen war, begann das grosse Umhertelefonieren, bis sich endlich jemand fand, der mich an den nächsten Bahnhof fuhr. In den Siebzigerjahren stand noch nicht vor jeder Haustür ein Auto. Für mich war es nichts Aussergewöhnliches, alleine mit dem Zug zu fahren. Zweimal musste ich umsteigen, dann noch zehn Minuten zu Fuss, und ich war wieder glücklich und zufrieden daheim.

Wie sich meine Grossmutter gefühlt hatte, als ich das Weite suchte, war mir damals piepegal. Eines weiss ich mittlerweile: Mit neun eigenen Kindern, einem nie enden wollenden Berg Arbeit auf dem Hof und einem Scheusal von einem Mann hätte sie selber sicher oft genug Grund gehabt, den ganzen Bettel hinzuwerfen und auszuziehen.

Das Flickwerk

Er müsse sein ganzes Leben lang flicken. Wo immer er hin komme, immer müsse er zuerst etwas flicken. So und ähnlich habe ich meinen innig geliebter Mitbewohner seit Jahren monieren gehört.

Es hat tatsächlich etwas an sich. Kommen wir zu meiner Mutter, heisst es schnell mal: „Du Schwiegersohn, du kannst doch so gut…., könntest du nicht…?“ Auch Andere haben die Qualitäten meines Mitbewohners entdeckt. Schweissen, Autoreparaturen, Elektroinstallationen, Gartenarbeiten – er kann’s einfach. Natürlich spart man mit so einem Universalgenie im Haus auch viel, viel Geld. Und nicht zuletzt blieben wir dank seinen vielfältigen Talenten auf unseren Reisen noch nie mitten in der Pampa stehen und waren auf fremde Hilfe angewiesen.

Dramatisch war es in vergangenen Jahren jeweils, wenn wir eine Ferienwohnung bezogen. Mal war die Heizschlange des Backofens nicht richtig drin, mal der Ablauf verstopft, es blieb dunkel oder das Bett krachte zusammen. Mein Mitbewohner, der nie ohne Schraubenzieher aus dem Haus geht, hat noch immer alles wieder hingekriegt.

Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Nicht etwa, dass dem Mitbewohner das Talent zu Reparaturen abhanden gekommen worden wäre. Nein, im Chesa Munteratsch hat es aufmerksame Leute, die dafür sorgen, dass auch mein innigst geliebter Mitbewohner seine Ferien von der ersten Minute an geniessen kann. Herzlichen Dank!

Spiel mit mir Prinzessin!

Meine Schwägerin hat uns kürzlich beim Mittagessen eröffnet, einmal in ihrem Leben wolle sie mit ihrem Bruder (also meinem innig geliebten Mitbewohner) und mir zusammen eine !!! Kreuzfahrt !!! unternehmen.

Ab dieser Schlagzeile wäre mir beinahe ein Stück Kalbsleber im Hals stecken geblieben. Eine Kreuzfahrt. Für mich der auf Wasser dahindümpelnde Inbegriff von Langweiligkeit. Ich auf einem Kreuzfahrtschiff! Eingesperrt auf einem schwimmenden Kahn wie ein Meersäuli im Käfig. Was wird dort aus meinem Bewegungsdrang? Den ganzen Tag am Essen, von einem Buffet zum nächsten mampfend. Jeden Abend ein neues Outfit weil einem sonst die Dame am nächsten Tisch abschätzig von den frisch gestylten Haaren bis zu den unbequemen Stöckelschuhen mustert. Nie ohne Make-up die Kabine verlassen. Mit Schmuck behangen wie ein Weihnachtsbaum.

Sorry, aber Prinzessin spielen liegt mir wirklich nicht. Und für so was noch viel Geld ausgeben. Na ich weiss nicht. Ich bestell mir vorsichtshalber am besten für das Captain’s Dinner den Zimmerservice.

 

Zeitung auf Abwegen

Es gibt aus der Sicht eines Zeitungslesers nicht nur Negatives über die Zeitung selber zu berichten. Für einmal soll hier weder vom geschrumpften Lokalteil noch von der absolut überflüssigen Montags-Beilage in Englisch die Rede sein. Auch nicht über einseitige Berichterstattung oder aufgewärmte Agenturmeldungen.

Nein, an dieser Stelle möchte ich offen und ehrlich meine Bewunderung für die Logistik der Zustellung aussprechen. Mein Dank gilt insbesondere den Zustellerinnen (meist sind es meines Wissens tatsächlich Frauen), die bei Wind und Wetter dafür besorgt sind, dass ich morgens meine Zeitung aus dem Briefkasten fischen kann. Ich wage mir nicht einmal vorzustellen, wie es sein muss, dieser Tage in aller Herrgottsfrühe die Zeitungen zu vertragen.

Im Weiteren gilt mein Dankeschön an die Leute des Abo-Service des Tages-Anzeigers, die mir knapp zwei Wochen lang meine Zeitung ans Ferien-Domizil zugestellt haben. Nicht nur das, man hat meine mehrfachen Abänderungen in Bezug auf die Feriendauer zuverlässig umgesetzt. *

Selbstverständlich? Nichts anderes erwartet, schliesslich zahlt man ja dafür?
Wer das glaubt, ist ein verwöhnter Sack!

* Kleingedrucktes:
Das war bei früheren Umleitungen nicht immer der Fall.