Ansichten und Aussichten

Es hat auch wieder seine positiven Seiten, wenn

  • beim Butterbrot streichen der Messergriff nicht lottert.
  • man den Geschirrspüler ohne Ohropax laufen lassen kann.
  • im Bad alle Lampen funktionieren.
  • das gesamte Sortiment an Gummischabern griffbereit ist.
  • die Möbel, Kleiderbügel und Zahngläser etwas weniger blau sind.
  • eheliches Vergnügen nicht über dem Schanzengraben ausgeführt werden muss.
  • man sich auf einem Sofa lümmeln kann, das sich nicht durchbiegt.
  • man nicht vom Rauschen der Schneekanonen in den Schlaf gewiegt wird.

Aber die Aussicht aus dem Wohnzimmer-Fenster war in den vergangenen zwei Wochen definitiv erfreulicher.

Farbenspiel

Es gibt derzeit nur eine, alles beherrschende Farbe. Dort, wo das blendende Weiss der Skipiste oder der umliegenden Berggipfel aufhört geht es übergangslos

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weiter. Und zwar wolkenlos. Streifenlos. Makellos.

In unserem speziellen Fall ist es aber noch etwas blauer. Damit meine ich nicht etwa die Folgen übermässigen Alkoholkonsums – mein innig geliebter Mitbewohner und ich trinken zwar gern ab und zu ein gepflegtes Glas Wein, aber wir können auch ohne Kurvenöl elegante Schwünge in den Schnee zeichnen. Unseres Ermessens geht so etwas in nüchternem Zustand sogar entschieden besser.

Nein, was derzeit wirklich blau ist, ist die Ferienwohnung, wo wir ein paar Tage einquartiert sind. Vom Lichtschalter über die Zahngläser, Vorhänge, WC-Deckel, Sofa, Teppiche und Kleiderbügel ist hier alles

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Wir haben uns dran gewöhnt, schliesslich waren wir vor zwei Jahren schon mal hier. Zum Glück hat es in der Wohnung viel Holz. Und dieses wurde nur im Fall der Chuchichästli überpinselt. In einem scheusslichen

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Ob sich die Wohnungsbesitzer vom Wetter haben inspirieren lassen? Schliesslich heisst die Region Portes du Soleil.

Das Flickwerk

Er müsse sein ganzes Leben lang flicken. Wo immer er hin komme, immer müsse er zuerst etwas flicken. So und ähnlich habe ich meinen innig geliebter Mitbewohner seit Jahren monieren gehört.

Es hat tatsächlich etwas an sich. Kommen wir zu meiner Mutter, heisst es schnell mal: „Du Schwiegersohn, du kannst doch so gut…., könntest du nicht…?“ Auch Andere haben die Qualitäten meines Mitbewohners entdeckt. Schweissen, Autoreparaturen, Elektroinstallationen, Gartenarbeiten – er kann’s einfach. Natürlich spart man mit so einem Universalgenie im Haus auch viel, viel Geld. Und nicht zuletzt blieben wir dank seinen vielfältigen Talenten auf unseren Reisen noch nie mitten in der Pampa stehen und waren auf fremde Hilfe angewiesen.

Dramatisch war es in vergangenen Jahren jeweils, wenn wir eine Ferienwohnung bezogen. Mal war die Heizschlange des Backofens nicht richtig drin, mal der Ablauf verstopft, es blieb dunkel oder das Bett krachte zusammen. Mein Mitbewohner, der nie ohne Schraubenzieher aus dem Haus geht, hat noch immer alles wieder hingekriegt.

Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Nicht etwa, dass dem Mitbewohner das Talent zu Reparaturen abhanden gekommen worden wäre. Nein, im Chesa Munteratsch hat es aufmerksame Leute, die dafür sorgen, dass auch mein innigst geliebter Mitbewohner seine Ferien von der ersten Minute an geniessen kann. Herzlichen Dank!

Wintercamping? Um Gottes Willen!

Leute, die uns nicht so gut kennen, gehen häufig davon aus, dass wir unser Wohnmobil auch im Winter benutzen. Weit gefehlt! Unser Wohnmobil steht seit Ende Oktober am Trockenen. Für unsere Ferien im Winter – sprich Skiferien – ziehen wir definitiv eine Ferienwohnung vor. Denn … selbst die kleinste Ferienwohnung ist ein Mehrfaches grösser als unser 6 Meter langes Womi. Wir müssen uns nicht um die Stromversorgung kümmern, es kann keine Wasserleitung einfrieren und die Gasflasche ist auch nicht mitten in der Nacht leer und bringt die Heizung zum erliegen.

Oh nein, so gerne und viel wir mit dem Womi unterwegs sind; für unser Wohlbefinden (und wohl auch das des Womis) braucht’s Temperaturen, die deutlich im Plusbereich liegen. Wir mögen unserem Womi weder Winterreifen und Schneeketten antun noch eine versalzenes Chassis. Und das geeignete Fahrzeug für heikle Strassenverhältnisse ist so ein Wohnmobil ja nun wirklich nicht, oder?

Ich geb ja zu, ich hab noch nie Wintercamping praktiziert. Aber ich stell’s mir einfach nicht gemütlich vor, wenn jedes Mal, wenn die Aussentüre geöffnet werden muss, 40 Grad kältere Luft ins Womi-Innere strömt. Ich finde es auch nicht patent, mit tropfenden Skischuhen und feuchter Skibekleidung heim zu kehren und nicht zu wissen, wohin mit den muffeligen Klamotten. Ausserdem hat mein innig geliebter Mitbewohner ziemlich konkrete Ansprüche in Bezug auf einen Skiraum, denn er möchte jeden Morgen mit perfekt gewachsten Skiern auf die Piste.

Nein, aus unserer Sicht spricht nicht viel dafür, mit einem Camping-Fahrzeug in den Skiurlaub zu fahren.