Oh Mensch!

Sein Blick schweifte ins Tal, er kniff die Augen zusammen und wehrte eine Schneeflocke ab, die sich gerade auf seinen Wimpern breit machen wollte. Ungläubig schüttelte er den Kopf. Ihm fehlten die Worte. Das mochte daran liegen, dass er sich hier lange, viel zu lange, nicht mehr zu Wort gemeldet hatte und ihm die Routine etwas abhanden gekommen war. Aber es lag auch daran, dass er dem, was er sah, wenig abgewinnen konnte.

Zweieinhalb Monate lang hatten die dort unten sich auf das grosse Fest vorbereitet. Hatten geplant, organisiert, delegiert. Während Tagen hatten sie Futter und Geschenke angeschleppt. Sie hatten sich den Kopf zerbrochen, was und wie viel für wen, wen überhaupt und überhaupt. Sie hatten ihr Heim mit derart vielen Lichtern verunstaltet, dass es ihn selbst auf dem Berg noch blendete. Halb ohnmächtig vor lauter Festtags-Strategien hatten sie sich schliesslich der Besinnlichkeit hingegeben. Hatten sich ein paar Stunden lang vollgefressen und angeheuchelt.

Und knapp drei Tage später war alles vorbei! Weihnacht war Geschichte. In den Läden gab es Kerzen, Girlanden und Glühwein zum halben Preis. Der Frühling konnte kommen.

Manchmal, so dachte sich der Steinbock, waren doch die da unten eher hirn- als hornlos. Er beobachtete eine weitere Schneeflocke, die auf seinem dicken Winterpelz schmolz und hielt der Zivilisation das hin, was sie seiner Meinung nach verdiente.

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Falsche Weihnachten

Es gibt traditionellerweise nicht eben viele Weihnachts-Traditionen, die im Hause Flohnmobil zelebriert werden. Eines muss aber jedes Jahr sein: Weihnachts-Guezli backen.

So stürzte ich mich kurz nach der Rückkehr aus unseren Skiferien in die Küche und begann zu werkeln. Diesmal nur sechs altbekannte, bewährte Sorten. Ich wollte mich für einmal nicht auf die (Tannen)Äste wagen. Wovon, einen Christbaum gibt es bei uns auch nicht.

Nicht alle Arbeiten beim Guezeln machen gleich viel Spass. So schweiften meine Gedanken öfters mal ab und landeten auf ganz seltsamen geistigen Anhöhen. Mein grösster Horror bei der Be- und Verarbeitung der Teige wäre weder dass ich zu wenig Zucker hätte, noch der Backofen plötzlich ausstiege (obschon, das wäre auch ein mittelprächtiges Desaster). Nein, wirklich schlimm würde ich finden, wenn plötzlich mein betagter Handmixer Jahrgang 1986 aussteigen würde. Zehn Minuten lang Butter schaumig rühren von Hand? Nein Danke! Auch schlimm: wenn die Batterie meiner supergenauen Digitalwaage schlapp machen würde.

Keine der erdachten Katastrophen hat sich in meiner Küche eingefunden. Am Ende eines arbeitsamen Wochenendes waren sechs verschiedene Sorten Guezli fertig. Und alle haben sie schon den Geschmackstest bestanden.

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Ganz ohne Pannen ist die Guezli-Bäckerei aber doch nicht abgegangen, wie das Bild beweist. Wer zuerst herausfindet, was falsch gelaufen ist, wird zu mir nach Hause zu Kaffee und Weihnachts-Guezli eingeladen.

Wer den Fehler nicht findet, dem wünsche ich trotzdem schöne Weihnachten.