Warten auf schlechtes Wetter

Ich schiebe seit längerem etwas vor mir her. Genau gesagt seit 2 Wochen. Aber immer war etwas wichtiger, unaufschiebbarer. Und nicht zuletzt das Wetter zu schön.

Ich habe mir einen neuen Fotoapparat gekauft. Und auch wenn ich vermutlich mehr als 95 % der Bilder im Auto-Modus knipsen werde, so sollte ich mir besser früher als später mal die Bedienungsanleitung zur Brust nehmen. 225 Seiten – mir graut!

Grundsätzlich bin ich ja mehr der Typ von try and error. Also einfach mal versuchen, wie es sich so knipst. Immerhin habe ich mit diesem Vorgehen mit der neuen Kamera schon über 300 Bilder gemacht. Und gar nicht so schlechte, wenn ich das mal sagen darf. Oder wagt jemand angesichts meiner Fotos in den letzten paar Blogs etwas anderes zu behaupten?!?

So warte ich nun also darauf, dass ich in Musse am Schreibtisch sitzen und mir die Bedienungsanleitung am PC zu Gemüte führen kann, während ich nicht das Gefühl haben muss, draussen etwas zu verpassen.

Bis es soweit ist, werde ich mir alle Mühe geben, dass meine neuste Errungenschaft möglichst schnell amortisiert wird.

20180419_165832

Inszeniertes Essen

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Food-Fotografen viele Tricks anwenden, damit das Essen im richtigen Licht erscheint. Und das Geheimnis ist ebenso offen, dass durch diverse Hilfsmittel das Essen meist nicht mehr geniessbar ist.

In der Betty Bossi Zeitschrift vom Mai wurde ein Rezept vorgestellt, für einen “Bündnernuss Dänemark”. Mit etwas Fantasie kann man sich auch ohne das dazugehörige Rezept vorstellen, was da hinein gehören soll.

Ich stelle mir lieber nicht vor, woraus der fotografierte “Schlagrahm” bestehen könnte. Oder die zufällig am Beckelirand herunterlaufende Schoggi-Sosse. Aber eines weiss ich gewiss: Ich würde meinen Gästen, wäre ich denn gewillt, ihnen diese nahezu 1’000 Kalorien schwere kulinarische Bombe vorzusetzen, sicher nicht ein derartiges Puff servieren.

IMG_NEW_0001

Sieht ja aus, wie wenn eine Bombe in diese Kalorienbombe eingeschlagen hätte!

Vergangenheitsbewältigung

Ich habe mich in den vergangenen Tagen (mehr noch als sonst) hinter dem Computer verkrochen. Dies ausnahmsweise nicht mit Freuden, sondern mit einem So-das-muss-jetzt-endlich-mal-sein-Gefühl. Schliesslich hatte ich den Dia-Scanner vor etlichen Wochen schon gekauft und so gut ich ihnen auch zusprach, von selber wollten sich die Dias einfach nicht einscannen.

Also unternahm ich diesen unanstrengenden Ausflug in meine Vergangenheit. Ganz im Gegensatz zu dem, was ich da sah, denn es handelte sich ausnahmslos um Aufnahmen aus meiner Zeit als Alpinistin, die mir so manchen Tropfen (Angst-)Schweiss abverlangt hatten.

Den Bildern, die nach dem Einscannen zum Vorschein kamen, hatte der Zahn der Zeit teilweise bereits arg zugesetzt. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, dass wir auf einer Skitour jemals in einen Sandsturm gekommen wären (oben rechts).

Da mein damaliger Freund und ich mit einfacher Gerätschaft unterwegs waren (von so leichten Digicams wie heute konnten wir vor mehr als 25 Jahren nur träumen), sieht man auf vielen Bildern ganz viel Seil und ganz wenig Bea. So wie hier:

Ich entdeckte Bilder, auf denen ich total entspannt wirkte…

… genauso wie solche, auf denen ich ganz offensichtlich nicht mehr taufrisch war…

… oder frisch gehalten wurde.

Ob Sommer oder Winter, was ich tat, bereitete mir in der Regel Spass, sicher bei solchem Wetter.

Ich entdeckte grandiose Landschaften, die ich beim besten Willen nicht alle geografisch einsortieren konnte,

selbst wenn man berücksichtigt, dass das eine oder andere Bild, wie hier an der Blüemlisalp-Überschreitung, seitenverkehrt eingescannt wurde.

Langer Rede kurzer Sinn: Das Werk ist nun vollbracht, weniger als ein Drittel der Bilder hat den Eingang ins digitale Zeitalter gefunden, dafür konnte ich bei der Handhabung der Dias mal wieder meine ausgeklügelten feinmotorischen Fähigkeiten und beim Anblick der Bilder mein schwindendes Erinnerungsvermögen unter Beweis stellen. Eine Frage bleibt noch: Wie werden 14 Magazine voller Dias artgerecht entsorgt?

Die September-Tapete

Frau Flohnmobil hatte soeben das Kalenderblatt umgedreht. Wie immer einige Tage zu spät. Sie machte einen Schritt zurück, legte ihren Kopf etwas schräg und studierte ihr Werk eingehend. Nicht schlecht, klopfte sie sich im Geiste selber auf die Schulter.

Ihre Gedanken schweiften ab, entführten sie aus ihrem Wohnzimmer hinaus an den Ort, wo sie das Bild aufgenommen hatte. Es war ein herrlicher Tag gewesen, damals in Schweden. Die Gegend einladend zum Fotografieren, mit einem traumhaft schön gelegenen Übernachtungsplatz. Eigentlich, so sann sie, eigentlich war es dort so schön, dass sie bestimmt Motive für alle 12 Monate des Jahres gefunden hätte.

„Wo war das?“ Herr Flohnmobil katapultierte sie mit seiner Frage in die Gegenwart zurück. Es ihm genau zu erklären, das wusste sie, war zwecklos. „Schweden, an der Westküste“ musste genügen.

„Das gäbe ein gutes Motiv für eine Tapete ab“, befand er.

~ Ý Ø~L MhD

Urteilt selbst: