Ihr Wunsch sei mir Befehl

Wir sollen NÜÜT mitbringen, hatte meine Freundin mir eingebläut.

Sie würde sich freuen, wenn wir ihr am Geburtstag einen Besuch abstatten würden, das sei für sie Geschenk genug.

Nein wirklich, wir sollen NÜÜT bringen.

Diesen Wunsch respektierten wir selbstverständlich. Auf unsere Weise.

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PS: Nüüt heisst bei uns nichts. Als wirklich nichts.

Federleichter Alptraum

Herr F. fand es gerade ausgesprochen gemütlich, da wo er sich befand. Er räkelte sich und war im Begriff, erneut ins Land der Träume abzudriften. Wie schön war es doch, pensioniert zu sein und am Morgen fast nach Belieben ausschlafen zu können!

Da hatte er allerdings die Rechnung ohne seine Frau gemacht. Diese hatte ganz andere Pläne und scheuchte ihn ungesehen der Tageszeit aus dem Bett. Sparsam wie Frau F. nun mal ist, war sie nämlich wild entschlossen, aus dem günstigen Stromtarif Profit zu schlagen. Und diesen gab es leider nur in den Morgenstunden. Also musste Herr F. noch vor Tagesanbruch aufstehen und ihr helfen, die Bettwäsche abzuziehen, in der er eben noch so friedlich geschlafen hatte.

Frau F. eilte sodann in die Waschküche und entgegnete ihrem maulenden Angetrauten, er könne sich ja auch ohne Bettwäsche nochmals in die Heia legen. Was dieser auch tat. Allerdings nur so lange, bis seine Holde den nächsten guten Einfall hatte. Und dass dieser nicht lange auf sich warten würde, wusste Herr F. nach mehreren Jahrzehnten Ehe nur zu gut.

Sein nächster Auftrag bestand darin, kurz nach Sonnenaufgang den Wäscheständer im Freien aufzustellen und seiner Frau artig beim Wäsche aufhängen behilflich zu sein. Schliesslich drapiert sich derart grosses Tuch nicht von alleine sittsam an der Leine.

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Aus der Überlieferung ist nicht bekannt, ob Herr und Frau F. den ganzen frühmorgendlichen Akt im Schlafanzug vollführten oder ob sie sich eigens dafür anzogen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass Herr F. spätestens beim Wäsche aufhängen hellwach war.

Ich wünsche den Beiden weiterhin viel Spass beim Bettwäsche waschen, auch wenn sie, wie ich inzwischen auf hartnäckiges Nachfragen hin erfahren habe, durchaus mehrere Garnituren Bettwäsche im Schrank haben…

… und wie ich aus persönlicher Erfahrung weiss, auch sämtliche Tassen.

Fünf grosse Kinder

Ein Seufzen ging durch den Raum. “Ich musste extra für den Osterkuchen Milchreis kaufen. Aber was mache ich denn nun mit dem Rest des Reises? Milchreis kann ich meiner Familie nicht auftischen.” Kind Nummer eins schien in arger Not.

Ohne mögliche Spätfolgen zu überdenken, fiel Kind Nummer zwei in das allgemeine Gejammer ein. “Ich hab auch gerne Milchreis. Aber ich kann mich nicht erinnern, wann es das bei uns zum letzten Mal gegeben hat.”

Als ihm Tage später diese Geschichte zugetragen wurde, verkündete Kind Nummer drei ohne zu zögern: “Milchreis, so fein! Das habe ich schon ewig nicht mehr gegessen.”

Worauf Kind Nummer vier bereits mit konkreten Verbesserungsvorschlägen kam. “Aber lieber mit Zwetschgenkompott als mit Apfelmus.”

Und so ergab es sich, dass Kind Nummer fünf kürzlich einen grossen Topf Milchreis kochte und diesen seiner schon leicht angegrauten Gästeschar zusammen mit Zwetschgenkompott servierte. Alle löffelten das Gericht mit Wonne und schwelgten in Erinnerungen an die gute alte Zeit.

Für Milchreis ist man nie zu alt. Man kann ihn höchstens nicht gern haben. Und sich darüber streiten, ob Zimtzucker darauf gehört. Oder man kann ihn vorübergehend aus seinem kulinarischen Repertoire streichen. Dabei ist Milchreis soooo gut. Findet ihr nicht auch?

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Der verkannte Freund

Sie hatten mir erzählt, sie würden bald kommen. Mit IHM. Mit Fridolin.

Hurra, dachte ich, endlich mal etwas für mich. Etwas hundefreundliches. Nicht nur zwei weitere Komische, die mit meinen beiden Komischen endlos komisch palaverten, so wie letzte Woche.

Mit Fridolin wäre für meine Unterhaltung gesorgt. Ich würde mit ihm durch den Garten toben. Ihm meinen Wald zeigen. Ihn gönnerhaft durch mein Revier führen. Und wenn er ganz nett mit mir wäre, würde ich ihm sogar meine Lieblings-Pfütze zeigen.

Als Fridolin um die Ecke bog, überkam mich eine herbe Enttäuschung. SO hatte ich mir meinen Spielkameraden nicht vorgestellt.

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Das Wohnmobil heisst übrigens wirklich Fridolin. Ohne Kohl!
Seine Besitzer haben wir nur dank diesem Blog kennen gelernt.

Und das Goldschätzchen hat seine Enttäuschung in der Zwischenzeit verkraftet und geniesst die zusätzlichen Streicheleinheiten.

Neunundfünfzig Würstli

Und da war vorgestern noch der 59. Geburtstag unseres Freundes Peter. Was mitbringen?

Die Antwort lieferte uns seine Frau. Zwar nicht direkt, aber ich griff ihre Bemerkung dankbar auf. Genau genommen war es mehr ein Zeichen der Resignation, als sie uns erzählte, dass ihr Mann abends vor dem Fernseher problemlos ein ganzes Pack Würstchen futtern könne. Sie habe deshalb aufgehört, diese zu kaufen, da sie beide ja stets mit der Waage auf Kriegsfuss stünden. Mit wenig Erfolg, denn Peter gehe nun einfach selber zu Aldi, um sich die besagten Kalorien zu besorgen.

Hm. Darauf liess sich aufbauen, dachte ich mir, ging zu Aldi und stand reichlich ratlos vor einem Angebot an Würstchen, das meinen kulinarischen Horizont übersteigt. Welche waren es denn nun? Ich entschied mich für die Tiroler Bergluft Stangerl, nicht wissend, was aus der Bergluft auf dem Weg in die Aldi-Filiale geschehen sein mochte.

Und aus den Würstchen bastelte ich dann zusammen mit meinem innig geliebten Mitbewohner diese kulinarische Collage.

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Zehn Würstchen mit und 49 ohne Kalorien. Ganz im Interesse von Peters Frau. Und durchaus auch zur Freude des Geburtstagskindes.

So hat sich auf ganz wunderbare Weise der Kreis zu diesem Beitrag beinahe geschlossen.

Unglücks-Chlötzli

Es gibt nur etwas, das mich mehr nervt, als Computer, die mir mitten in der Nacht ein SMS verschicken: schlampig abgefasste Rezepte, die nicht funktionieren.

Das jüngste Nervensägen-Beispiel kam verkleidet als Cantucci-Rezept daher. Krieg ich gebacken, dachte ich optimistisch, und machte mich ans Werk. Cantucci, ich liebe sie. Und wenn ich eine neues Rezept entdecke, so wird es früher oder später verbacken. Das Zitronen-Walnuss-Cantucci-Rezept zeigte allerdings wenig Euphorie, sich standesgemäss aufzuführen. Im Gegenteil, der Teig klebte trotzig an sämtlichen zehn Fingern (und im Rezept stand ausdrücklich, man solle ihn von Hand kneten). Mehl musste her. Wie blöd, dass ich eine so ordentliche Hausfrau bin, und den Mehlsack nach dem Abwiegen wieder zurück in den Schrank gestellt hatte. Erste Akrobatik-Übungen, um den Schrank mit einem Fuss zu öffnen, missrieten kläglich. Das lag weniger daran, dass ich zu wenig beweglich wäre, sondern an der Konstruktion der Türe. Also musste ich den Küchenschrank mit meiner teigverschmierten Hand öffnen und den Mehlsack mit der gleichen immer noch teigverschmierten Hand herausfischen. Wieso sind eigentlich Männer immer dann weg, wenn man sie mal wirklich brauchen könnte? Es benötigte mindestens das Doppelte der angegebenen Menge an Mehl, bis der Teig eine anständige Konsistenz aufwies. Und meinen Handmixer, den ich zu guter Letzt doch noch hervor holte.

Mein innig geliebter Mitbewohner beäugte das fertige Backwerk mit skeptischem Blick. “Es erinnert stark an Magenbrot”, holte er aus, “ist aber insgesamt etwas zu bleich geworden.” Ich kenne ihn mittlerweile gut genug, um zu wissen, dass der eigentliche Hammer erst folgen würde. Und so war es auch. “Wir hätten schon Abnehmer”, fügte er an. “An der Seepromenade?” “Nein, eher im Rossstall.” Als der Mitbewohner die “Chnusperli” schliesslich probierte, war meine Reputation als Bäckerin zumindest einigermassen rehabilitiert.

Leider war die Sache mit dem halbfertigen Rezept noch das kleinste Übel, mit dem die Chnusperli aufwarten konnten. Denn die Person, für die sie bestimmt gewesen wären, ist, noch bevor sie in den Genuss derselben hätte kommen können, auf dem Glatteis ausgerutscht und hat sich den Ellbogen gebrochen. Deshalb an dieser Stelle:

Gute Besserung, liebe Frau S.

Ich drück dir ganz fest die Daumen, dass alles gut kommt.

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Internationales Eierkochen

„Wie lange muss man denn hier die Frühstückseier kochen?“ fragte mich meine Freundin Gabi vor einigen Tagen. Die Frage mag seltsam anmuten, ist aber nicht ganz unbegründet, erreicht doch Wasser in der Höhe den Siedepunkt bereits vor 100 Grad. Mit „hier“ war Silvaplana gemeint, das auf 1’800 m über Meeresspiegel liegt und wo wir zu viert in den Skiferien waren. Gabi kocht ihre Frühstückseier in der Regel 1’500 m tiefer, in Nürnberg, wo es nach unserem Verständnis – trotz anderslautender Ortsbezeichnung – weit und breit keine Berge gibt.

„Drei oder vier Minuten, je nachdem wie weich du sie magst und wie gross die Eier sind“, war meine Antwort, die prompt mit einem „das langt nett“ quittiert wurde. Ihr Mann und sie mochten keine schlabbrigen Eier zum Frühstück. Sie werde es mal mit fünf Minuten versuchen. „Fünf Minuten, dann sind sie ja schon fast hartgekocht“, gab ich zu bedenken, „Ostern ist doch erst in sechs Wochen.“ Wie schwere Eier sie denn gekauft habe, war nun meine nächste Frage. „Keine Ahnung, woher soll ich denn das wissen!“ „Steht doch auf jeder Schachtel.“ „Sowas steht bei uns in Deutschland nicht auf der Schachtel. Da steht bloss M oder L.“ Mir dämmerte allmählich, dass das mit dem Eierkochen ein gröberes Problem werden könnte.

Am nächsten Morgen verkündete Gabi, ihre Frühstückseier seien nach fünf Minuten kochen noch zu weich gewesen. Zum Glück hatte sie einen Sechserkarton gekauft, so boten sich ihr noch zwei weitere Chancen, perfekte Frühstückseier zu kochen.

Damit ich nicht aus dem hohlen Bauch heraus sprach, kaufte ich auch Eier, 63+ (das ist, für alle Unwissenden, nicht das Alter der Eier, sondern deren Gewichtsklasse), kochte sie viereinhalb Minuten lang und sie waren … PERFEKT.

Gabi jedoch liess ihre Eier am folgenden Morgen sechs Minuten im kochenden Wasser und war – zu unser aller Erleichterung – glücklich. Für Verwirrung sorgte nur noch, dass sie ihre Eier grundsätzlich ins kochende Wasser gibt, während ich sie seit eh und je kalt aufgesetzt habe. Dass etwas so Banales wie Eier kochen derart kompliziert sein kann! Die Frühstückseier haben für viel Gesprächsstoff aber auch viel Gelächter gesorgt. Fast wie bei Loriot, denn Gabi beteuerte, sie koche ihre Eier in erster Linie nach der Fernseh-Uhr und in zweiter Linie nach Gefühl.

Wer fundierte wissenschaftliche Fakten zum Eierkochen in der Höhe nachlesen will, bitte HIER entlang.

Und wer jetzt immer noch nicht weiss, wie lange er seine Eier kochen muss, findet beim WEICHEI RECHNER Hilfe.

Was habe ich da wieder angerichtet!

Kochen und bloggen haben eines gemeinsam: Das Zubereiten dauert in aller Regel wesentlich länger als das Konsumieren.

Während die Einen ausschliesslich konsumieren, macht es den Anderen mehr Spass, produktiv zu sein. Als Köchin wie als Bloggerin komme ich durchaus in den Genuss fremder Kreationen. Heute allerdings ist die Reihe zum Kochen an mir. Und heute dauert das Zubereiten des Gästemenüs auf jeden Fall viel länger, als es brauchen wird, selbiges zu verspeisen. Auch wenn die erwarteten Gäste bekannter weise über ein sehr solides Sitzpolster verfügen.

Dem Bloggen wie dem Kochen geht immer eine gewisse Vorbereitungsphase voraus. Selten setze ich mich an den PC ohne nicht schon gewisse Vorstellungen des zu schreibenden Blogbeitrags zu haben. Selten allerdings auch die Fälle, wo ich nur schreibe, nicht aber auch in anderen Blogs lese.

Wie beim Kochen weiss ich auch beim Bloggen nicht immer so genau, was dabei herauskommt, wie euch mein Menü schmeckt. Beiträge, die ich selber als besonders gelungen einstufe, lösen kein Echo aus, während unter Umständen ein einziges Bild mehrere Kommentare hervorbringt.

Bei aller Liebe zum Kochen, wenn ich nur für meinen innig geliebten Mitbewohner und mich koche, veranstalte ich nicht so einen grossen Aufwand (es „Gköch“, wie das bei uns heisst). Da gibt es meist keine Vorspeise, und wenn, so besteht sie nicht aus drei verschiedenen Panna Cottas.

Und einen gewichtigen Vorteil hat bloggen gegenüber kochen auf jeden Fall: Bloggen hat keine Kalorien.

Dieser Blog ist im Verlauf des Samstag Nachmittags entstanden. Zur Veröffentlichung geplant habe ich ihn erst Stunden später. Feind liest mit! Welche Köchin gibt den Gästen schon im Voraus preis, was auf den Teller kommt. Ich jedenfalls nicht!