Beinahe erfroren

Es war saukalt die letzten drei Tage beim Skifahren in Brigels. Aber 13 Grad minus sind ja auch kein Pappenstil, selbst wenn man andernorts für diese “Kälte” nur ein müdes Lächeln übrig hat.

Am schlimmsten erschien es mir gestern, da hätte ich beinahe kapituliert. Trotz Skischuh-Heizung und vielen, vielen Schichten an einschlägigen Textilien war ich nach jeder Fahrt auf dem ungeschützten Sessellift total durchgefroren und die folgende Abfahrt vermochte mich in keinster Weise zu erwärmen. Ein etwas weniger rasanter Fahrstil hätte womöglich Abhilfe geschafft. Aber ich hatte meinen Skipass ja nicht gelöst, um auf der Piste rumzueiern. 

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Mittlerweile bin ich wieder daheim. Und ich kann euch sagen, die minus zwei Grad, die wir vor der Haustüre haben, fühlen sich geradezu frühlingshaft mild an.

Coole Aussichten

Angesichts der drükenden Hitze hatte ich mir überlegt, anstelle meines innig geliebten Mitbewohners, der momentan definitiv zu heiss gibt, ein paar Eiswürfel mit ins Bett zu nehmen. Eine interne Abklärung hat relativ schnell ergeben, dass diese Idee nicht von der ganzen Familie gutgeheissen wird. Varianten waren gefragt.

Als Sofortmassnahme entschied ich mich, anstelle der roten Bettwäsche die blaue zu verwenden. Da der gewünscht Langzeiteffekt ausblieb (wer mag im Dunkeln schon ständig nachschauen, ob die Bettwäsche immer noch im kühlenden Blau ist?) mussten weitere Ideen her. Nur was?

Bekanntlich fängt alles im Kopf an. Auch das Schwitzen? Ich versuche mir vorzustellen, wie jämmerlich ich im vergangenen Dezember im Engadin bei 20 Grad minus an den Arsch gefroren habe. Dieses gedankliche Abschweifen drosselt die Temperaturen zwar nicht merklich, hält mir aber vor Augen, dass es in absehbarer Zeit wieder kühler werden wird. Und es hält mir vor Augen, dass meine persönliche Wohlfühlzone extrem überschaubar ist. In der Regel zwischen 23 und 25 Grad.

Im Winter kann man sich gegen die Kälte anziehen– bis man sich vor lauter Kleiderschichten kaum mehr bewegen kann. Der Schutz vor Hitze fordert andere Massnahmen. Ich habe mein Patentrezept noch nicht gefunden. Eine Strom fressende Klimaanlage kommt mir jedenfalls nicht in die Wohnung. Da schaue ich mir lieber kühlende Bilder an, so wie dieses hier:

Kühler Kopf dank warmen Füssen

Meine Füsse beginnen schon beim blossen Gedanken an Skischuhe mit den Zähnen zu klappern. Gut 1,5 Meter weiter oben ist der Kopf, und der weiss längst: Frau Flohnmobil ist ein Gfrüürfüdli.

Doch der Kopf weiss auch: Es gibt Heizungen für Skischuhe. Und eine solche hat Herr Flohnmobil seiner stets schlotternden Gattin angeschafft. Bereits mehrfach. Denn ewig halten die Dinger leider nicht. Als erstes macht der Akku schlapp, welcher sich bei Bedarf ersetzen liesse. Aber irgendwann sind die feinen Käbelchen durchgescheuert oder das Steckerchen vom Aufsitzen auf einen Sessellift futsch. Und dann ist Ende Feuer. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Diesen Winter war ich schon mehrfach froh um meine Skischuh-Heizung. Im Härtetest im Engadin habe ich herausgefunden, dass immer beim linken Schuh der Akku schneller leer ist. Auch wenn ich die Akkus tausche.

Beseelt von der Idee, dass da noch Garantie drauf ist, bin ich zu Stöckli Outdoor Sports gegangen. Dort hat man mir vor einem Jahr die Heizung montiert und verkauft . Ein sehr netter junger Mann nahm sich meinem Problem an, liess das Gejammer von kalten Füssen und einseitiger Heizleistung über sich ergehen und stimmte schliesslich zu, die Heizung samt Skischuh dem Hersteller einzuschicken. Normalerweise könnte man einfach die Heizsohle herausnehmen. Aber ich habe – damit die Sache nicht zu unkompliziert ist – geschäumte Innenschuhe.

Eine Woche später der Bescheid: Mit der Heizung sei alles in Ordnung. Mit den Akkus auch. Eine Grafik mit dem Heiztest veranschaulicht das Resultat. — Ich hab ja immer gesagt: Glaub nur einer Statistik, die du selber gefälscht hast. — Auf meine Bitte hin unterzog der nette junge Mann die Heizung nochmals einem Test. Doch leider kam er zu keinem anderen Ergebnis. Ob das nun der berühmte Vorführ-Effekt ist, dass die Heizung nur bei mir Macken zeigt?

Die Sache hat sich für mich trotzdem zum Guten gewendet. Stöckli hat mir neue Heizelemente (an denen hängt das ominöse anfällige Kabel) montiert. Gratis und franko. Die Frage, ob Stöckli mir jemals wieder eine neue Skischuh-Heizung verkaufen wird, lasse ich hier mal im Raum stehen. Aber vielleicht können wir den Schaden in Grenzen halten, wenn wir weiterhin jedes Jahr zwei Paar Ski kaufen.

Eskimo-Training

Rechenaufgabe:

lange Unterwäsche, extra warme Qualität
ein Skihemd mit Reissverschluss-Kragen
ein Skianzug mit Titan-Thermo-Futter, Preissegment gehobene Mittelklasse
dicke Handschuhe mit Gore-Tex-Futter, darunter ein Paar feine seidene Handschuhe
unten ein Paar Skisocken, darüber Skischuhe mit Heizung
oben ein Helm bis unter die Ohren und ein Polar-Buff bis an die Nasenspitze

gibt?

Eine Skifahrerin, die sich trotz der ganzen High-Tech-Klamotten den ganzen Tag auf der Skipiste den Arsch abgefroren hat. Ich.

Der Wetterbericht lautete nüchtern: Temperatur -15° C, gefühlte Temperatur -25° C. Kommt noch der Fahrtwind hinzu, den ich meinem flotten Fahrstil zu verdanken habe. Und da soll ich nicht frieren? Da soll ich nach jeder Abfahrt statt wie ein Eisklotz wie die kleine Schwester des Kachelofens unten am Sessellift ankommen?

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Leider bin ich für dieses Eskimo-Wetter völlig ungeeignet. Tatsache ist, ich kann vermutlich bei dieser Kälte anziehen was ich will, ich bin immer innert kürzester Zeit durchgefroren. Denn auch das Zwiebelprinzip büsst irgendwann seine Wirkung ein. Nämlich spätestens dann, wenn man so viele Schichten Kleider trägt, dass man sich kaum mehr bewegen kann.

Was also kann ich tun?
Mir eine Speckschicht anfressen, die isoliert und wärmt.
Nebst der Skischuh-Heizung auch eine solche für Handschuhe und Jacke anschaffen (nicht lachen, gibt es!).
Mir einen Partner suchen, der entschieden mehr Windschatten abgibt als mein innig geliebter Mitbewohner.
Nach jeder Abfahrt einen Einkehrschwung einplanen.
Statt das Geld fürs Skifahren ausgeben lieber Ferien in der Karibik buchen.

Nichts von alledem scheint mir passabel. Hat jemand von euch die zündende Idee? cold.gif