Sonniges Getreide

Am vergangenen Samstag  packte ich die Gelegenheit am Ende der Wanderung beim Schopf, kaufte ein richtiges Walliser Roggenbrot und stopfte das robuste Teil in meinen Rucksack. Ich liebe den Geschmack dieses Getreides. Zusammen mit den eingebackenen Nüssen – einfach himmlisch! Und obschon dieses Brot monatelang haltbar ist, dürfte mein Einpersonen-Haushalt mit den fünfhundert Gramm Backerzeugnis sehr viel früher fertig werden.

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Als ich das kompakte Brot heute Morgen anschnitt, lachte mir buchstäblich die Walliser Sonne entgegen. Was für ein Lichtblick an einem Tag, an dem es bei uns vor der Haustüre grau und trübe ist.

Ich wünsche euch Allen einen schönen Tag mit Sonne am Himmel, im Herzen oder als absolutes Minimum auf dem Teller.

Lust auf mehr Infos über Walliser Roggenbrot?

Hotel ohne Alles

Ich hatte angekündigt, dass mir die dritte und letzte Übernachtung im Rahmen der viertägigen Wanderung im Wallis einen eigenen Blog-Beitrag Wert sei. Während ich dazu noch etwas ausholen muss, mögen zarte Gemüter ihrer geistigen Gesundheit wegen vielleicht eher nicht weiterlesen.

Ich hatte im Vorfeld mehrere Mails in dieses Hotel verschickt. Das Erste, um grundsätzlich abzuklären, ob am besagten Tag bis zu acht Personen beherbergt werden könnten. Das Zweite um zu melden, ich würde bis zu einem bestimmten Tag Bescheid geben, wie viele Personen wir tatsächlich seien. Auf mein drittes Mail, wir seien nur zu zweit, erhielt ich keine Antwort mehr. Ich machte mir aber keine grossen Sorgen, denn es war ja ausserhalb der Hochsaison.

Als sich unsere Gruppe für die letzten zwei Etappen um hundert Prozent vergrösserte, versicherte ich mich kurz im Internet, dass das Hotel noch über freie Zimmer verfügte. Als wir an unserem Etappenort ankamen, orteten wir das Hotel ziemlich schnell. Es war gegen 16.00 Uhr, eitel Sonnenschein über Vercorin. Etwas stutzig machte uns die halbwegs daniederliegende Tafel am Zugang zum Hotel.

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Tapfer schritten wir weiter. Von der Terrasse aus konnten wir beobachten, wie im Carnozet eine angeregte Lismi-Runde mit älteren Damen im Gang war. Immerhin ein Lebenszeichen! Am Empfang erschien kurz nach Betätigen der Glocke eine junge Dame. Ich erklärte ihr, wir seien nicht wie angemeldet zu zweit, sondern zu viert. Und wir wünschten wenn immer möglich Doppelzimmer mit zwei separaten Betten. Keiner von uns war erpicht darauf, vier Quadratmeter Bettdecke mit dem Bettnachbarn zu teilen.

Das alles schien sich problemlos bewerkstelligen zu lassen. Die Rezeptionistin  und Mädchen für alles, wie sich später herausstellen sollte, zeigte uns Zimmer. Das Erste war noch nicht gemacht, die nächsten Zwei entsprachen unseren Vorstellungen. Die Frage, ob wir auch hier essen würden, bejahten wir.

Wir deponierten unsere Rucksäcke im Zimmer und begaben uns zurück auf die aussichtsreiche Terrasse, um unseren Durst zu löschen. Derweil ging ich zurück an die Rezeption um zu fragen, ob man noch eine ID bräuchte, eine Unterschrift vielleicht. Und das Schicksal nahm seinen Lauf.

Mademoiselle beeilte sich, mir zwei Anmeldezettel hin zu schieben. Dumm nur, dass da statt meinem Namen ein anderer stand. Ich machte auf diesen Umstand aufmerksam. Meine Reservation gab es ganz offensichtlich nicht! Nun, damit konnten wir leben, wir hatten ein Bett. Der dicke Hund folgte erst noch. Mademoiselle eröffnete mir – alles im mir verhassten Französisch, wohlgemerkt – dass wir das Frühstück in einem anderen Hotel einnehmen müssten. Ich war dermassen paff, dass ich das erst mal verdauen musste und gar nicht nach dem Grund fragte. Sie schrieb mir die Adresse auf, fand aber keinen Ortsplan auf dem sie mir hätte zeigen können, wo das sei. “Seulement cinq minutes en voitures”, versicherte sie mir. Dass wir zu Fuss unterwegs waren, musste ihr trotz unserer Wanderausrüstung entgangen sein. Es seien aber auch zu Fuss nur fünf Minuten.

Meine drei Wanderfreunde zeigten sich so erstaunt wie ich. Da das Frühstückshotel in genau der entgegengesetzten Richtung unserer morgigen Wanderung lag, entschieden wir uns, im Ort eine Bäckerei mit Café oder dergleichen zu rekognoszieren, wo wir uns morgen stärken konnten.

Das gelang uns nicht ganz auf Anhieb, da mittlerweile das Informationsbüro geschlossen war. Wir mussten einen derart hilflosen Eindruck hinterlassen haben, dass man uns freundlicherweise doch noch aufmachte. So wurden wir nach einigen Umwegen im Hotel Victoria vorstellig, wo man unserem Anliegen grösstes Verständnis entgegenbrachte.  Wir bummelten anschliessend noch etwas durch den Ort, dem ich nur zögerlich gewisse Sympathien entgegenzubringen vermochte, genehmigten uns einen Apéro und gingen zurück ins Hotel, um zu duschen.

Dumm nur, dass meine Haare bereits klatschnass waren, bis ich feststellte, dass der Fön im Bad nicht funktionierte. Einmal mehr fand ich mich an der Rezeption ein. Nach anfänglichem Schulterzucken und der Erklärung, sie arbeite sonst gar nicht hier (aha!!!) fragte mich Mademoiselle, ob es mir etwas ausmachen würde, in einem anderen Zimmer meine Haare zu trocknen. Auch diese Hürde war überwunden.

Frisch gespült und fein duftend fanden wir uns alle Vier gegen 19.00 Uhr im Speisesaal ein. Kurioserweise war dort die Hälfte der Tische fürs Frühstück gedeckt. Wir suchten uns im ungeheizten, nicht sehr einladend wirkenden Raum einen Tisch aus, an dem uns die Fenster einigermassen dicht schienen. Mademoiselle erschien mit der Speisekarte. Diese war so dürftig, dass wir uns – und diesmal ohne es ironisch zu meinen – unserer Gesundheit zu Liebe entschieden, die Küche lieber nicht auszuprobieren. Nebst uns war nur noch ein einziges Paar im Raum, das Raclette bestellen wollte. Leider seien die Kartoffeln ausgegangen, eröffnete ihnen Mademoiselle nicht ohne Bedauern. Die Zwei taten uns richtig Leid, so alleine dinieren zu müssen, denn sie wirkten nicht so mobil und fit, dass sie noch auf die Idee hätten kommen können, das Restaurant zu wechseln.

Wir Vier jedoch marschierten schnurstracks ins Hotel Victoria, wo man uns bereits kannte, einen netten Tisch zuwies und wir Nudeln an Lachssauce bzw. Tomatenfondue bestellten, assen und für sehr gut befanden. Immer wieder drehte sich unser Gespräch um das andere Hotel. Ob wir wohl die letzten Gäste vor dem Abbruch waren? Oder zumindest vor dem Saisonende? Weder noch, das Hotel ist auch heute noch im Internet, beispielsweise auf booking.com.

Nach einem guten Znacht, einer ruhigen Nacht und einem letzten Blick zurück ins Zimmer, ob wir auch nichts vergessen hätten, deponierten wir unsere Schlüssel an der verwaisten Rezeption. Symptomatisch für die ganze Einrichtung hing der eine Schlüssel nur an einem dürren Schnürchen. Wir staunten nicht schlecht, als vor der Hoteltüre ein Papiersack mit frischem Brot stand.

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Kurz vor 8.00 Uhr kehrten wir diesem seltsamen Etablissement den Rücken zu und futterten uns am kleinen aber feinen Frühstücksbuffet im Hotel Victoria die nötigen Kalorien für den bevorstehenden Wandertag an. Sollte ich mich jemals wieder nach Vercorin verirren, würde ich dieses Hotel ohne jegliche Umwege ansteuern.

Sternschnuppen

Es war so nicht geplant gewesen. Und überhaupt, es entsprach nicht im Geringsten unsern Vorstellungen. Aber die Heimreise von Schweden auf der Autobahn ab Rostock ging nicht so zügig vorwärts, wie wir gehofft hatten. Da war mal der Stau südlich von Potsdam und anschliessend das Unwetter, dessen Zentrum ziemlich genau im gleichen Tempo wie wir in ziemlich genau der gleichen Richtung vorwärts kam und die Sicht stark einschränkte, nicht davon zu reden, dass die Strasse mitunter zentimetertief unter Wasser war.

Südlich von Leipzig hatten wir die Nase voll und waren auch nicht mehr so ganz frisch, deshalb verliessen mein innig geliebter Mitbewohner und ich die Autobahn, um nach einem Nachtquartier Ausschau zu halten. Der kleine Haken daran: Wir waren nur mit einer Karte 1:500’000 unterwegs, und Orte, die dort drin eingezeichnet sind, entsprechen wohl nicht zwingend der ländlichen Idylle, die wir von Schweden her noch gewohnt waren und die wir für unsere Hotelübernachtung anstrebten. Eine kleine Vorahnung, dass aus der lauschigen Übernachtung in einem Landgasthof wohl nichts werden würde, befiel mich, als wir in der Innenstadt aufs Kopfsteinpflaster donnerten.

Einige Zeit später standen wir vor der folgenden Wahl: 3 Sterne für 99 Euro, 4 Sterne für 95 Euro pro Zimmer. Der Mitbewohner und ich legen sonst nicht so grossen Wert auf die Himmelskörper, aber da wir schon mal bei den 4 Sternen standen, und die erst noch billiger waren, entschieden wir uns um 19.00 Uhr kurzerhand für diese. Wir gaben uns nicht der Illusion hin, dass für diesen Preis – selbst im ehemaligen Osten – das geboten würde, was bei uns unter einem Viersterne Hotel rangiert.

Dennoch, das Zimmer war grosszügig und sauber, mit einer Infrastruktur, wie man sie erwarten konnte. Das Essen dagegen, naja, da haben wir Schweizer vermutlich etwas andere Vorstellungen von Verpflegung und ich behaupte glattweg, dass man mit den Zutaten auch etwas Besseres hätte kochen können.

Das Frühstücksbüffet anderntags liess vordergründig keine Wünsche offen. Kaum hatten wir einen Teller gefasst, wurden wir schon belagert, ob wir ein Spiegelei oder Rührei wünschten. Wünschten wir nicht, genauso, wie wir keine Peperoni, Wurstwaren, Fisch oder Gurken zum Frühstück mögen. Wir essen zu Hause Brot, Butter, Konfitüre und ein Stück Käse und von dieser Sitte sahen wir nur insofern ab, als dass wir noch etwas Müesli aufluden. Was da jedoch an Brot angeboten wurde, blieb uns beinahe im Hals stecken. Nicht, weil es so trocken war, sondern so gummig. Ich bin mir sicher, dass man Aufbackbrötchen so lange im Ofen lassen kann, bis sie eine brotähnliche Konsistenz angenommen haben. Diesen Viersterne-Brötchen war das nicht vergönnt.

Als wir Zeugen wurden, wie der Kaffee, der wieder abgetragen wurde, zurück in einen grossen Pot gekippt wurde, um dem nächsten Gast zu servieren, veränderte sich das Firmament endgültig.

Frühstück in Absurdistan

Der Herr des Hauses hatte die Idee, mal wieder ein weiches Ei zum Frühstück zu essen. Die Gattin fand das ausgesprochen begrüssenswert, zumal der Gemahl Anstalten machte, die Hühnerprodukte auch gleich selber in die Pfanne zu hauen.

Gewisse Zweifel kamen ihr zwar ab dem richtigen Timing, doch nach dem Motto „wenn er denn schon mal selber die Initiative ergreift“, liess sie ihn gewähren. Zwei Eier konnten in ihrem Reich keinen allzu grossen Schaden anrichten.

Und so kam es, dass die Beiden vor den nicht mehr ganz heissen Frühstückseier sassen, diese mit dem handelsüblichen Werkzeug köpften und in stiller Eintracht ihre perfekt weichgekochten Eier auslöffelten. Jedenfalls so lange, bis der Gatte monierte, sein Löffel sei zu gross. „Nein, dein Loch ist zu klein“, entgegnete sie, mit einem Auge auf ihr eigenes Ei schielend, das sie mit einem gleich grossen Löffel ass, durch ein Loch, das das gleiche Werkzeug wie bei ihrem Gegenüber geschaffen hatte.

Diesem Argument hatte der Herr des Hauses nichts entgegenzusetzen. Nach einer Weile erst fiel ihm aber ein: „Es ist schon verblüffend, wie die heutigen Hühner Eier legen, die genau zu unseren Löffeln passen.“

Fast wie bei Lorriot.

An diesen Eiern würde man sich die Zähne ausbeissen. Sie sind aus Alabaster gefertigt.