Corona-Guezli

Auch in Corona-Zeiten – oder erst recht in Corona-Zeiten – lasse ich es mir nicht nehmen, Weihnachts-Guezli zu backen. Dies unter leicht veränderten Vorzeichen. Mit neuer Küche, teilweise neuen Gerätschaften und neuer Unterstützung. Dazu die altbewährten Rezepte.

Ich erkundigte mich vorsichtig beim lieben Bergler, welche Guezli-Sorten denn genehm seien und prompt fielen die Mailänderli durch die Maschen. Dafür wünschte der Bergler Kokos-Makrönli.

Die konnte er gerne haben, aber ich erklärte mich lediglich bereit, den Teig bereitzustellen. Wie hier schon mal zu lesen war, stehe ich mit dem Spritzsack und Gänggeli-Guezli auf Kriegsfuss. Es sollte sich herausstellen, dass die Makrönli-Masse auch nach mehreren Verdünnungs-Versuchen für den Spritzsack zu dick war. Also begann der Bergler, mit zwei Kafilöffeli Guezli zu formen. Er verfügt über die notwendige Geduld, wenngleich die Makrönli immer grösser und grösser wurden und das “li” langsam nicht mehr verdienten.

Als die Teilchen dann endlich aus dem Backofen kamen, musste ich mich schon sehr wundern. Die Guezli glichen eher Labormäusen. Oder einer Herde Schafe. Schmecken tun sie trotzdem. Nicht nur dem Bergler.

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Dialog vor der Parkhaus-Kasse

„Gib mir mal das Billett?“
„Aber das hast doch du, ich habe es dir bei der Einfahrt gegeben.“
„Ah ja, stimmt.“

Kramt das Ticket umständlich hervor.

„Wo muss ich es denn …. ah ja, da ist der Schlitz. Kommt es drauf an, wie man es reinhält?“
„Ich weiss nicht, stecks einfach mal rein.“

Mittlerweile steht das nicht mehr ganz jugendliche Paar nicht mehr ganz alleine vor der Parkhaus-Kasse.

„Wieviel macht es?“
„Einen Franken.“

Kramt nun, noch umständlicher als zuvor, im Portemonnaie herum.
Das Display beginnt zu zählen.
Zwanzig. Dreissig. Fünfzig. Sechzig.

Die Kolonne wird länger. Die Hoffnung, dass der Automat nicht auch noch Fünfrappen-Stücke akzeptiert, wird richtiggehend greifbar.

Siebzig, Achtzig. Neunzig.
Die Spannung steigt.

„Ah, jetzt ist mir doch noch ein Zehner runter gefallen.“

Bückt sich im Zeitlupentempo. Ein Stöhnen geht durch die Menge, helfen tut niemand.

„Sodeli.“

Das Portemonnaie wird wieder in die Handtasche zurück gesteckt.

„Und wo kommt jetzt das Billett raus?“
„Ich glaube aus dem Schlitz, wo du es reingesteckt hast.

Das Billett wird abgezogen. Das Paar dreht sich um.

„Was machen denn all die Leute da?“
„Keine Ahnung. Haben denn die nichts Besseres zu tun?“

Was ich noch sagen wollte: Die Geschichte ist nicht gänzlich frei erfunden, sie ist mir in nicht ganz so extremer Form vor ein paar Tagen im Parkhaus „begegnet“. Hätte das Parkticket bezahlende Paar aus Mutter und Kind bestanden und hätte das Kind das Geld einwerfen dürfen, hätte sich niemand aufgeregt. Alle hätten wohlwollend genickt: „Braves Kind, gut kannst du das schon.“