Tattoo, nein danke!

Jetzt spriessen sie wieder. Nicht immer werden sie so wohlwollend aufgenommen wie die ersten Krokusse im Garten. Man hat sie, oder man hat sie nicht.

Ich habe sie seit jeher. Als Teenie hatte ich mich masslos über sie geärgert. Hatte die makellose Haut der Models bewundert und mir sehnlichst gewünscht, mein Gesicht käme auch ohne Sommersprossen aus. Heute weiss ich, dass ebenmässige Haut viel mit viel Schmiere zu tun hat und habe mich längst mit meinen Sommersprossen arrangiert.

Diese Tage erscheinen sie. Gratis und franko, auch wenn es Frauen geben soll, die sich – einem Trend folgend – Sommersprossen ums Näschen herum tätowieren lassen!!!

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Wie heissen sie übrigens bei euch? Wir haben sie immer Märzespriggeli genannt, oder – etwas weniger schmeichelhaft – Flüügeschiesserli.

Anders als sonst

Am Frühstückstisch. Brot, Butter, Konfitüre, Honig, Käse, Kaffee, Orangensaft. Gute Lichtverhältnisse, Brille frisch geputzt.

„Fällt dir nichts auf?“
(blickt kurz von der Zeitung auf) „Hä?“
„Ob dir nichts auffällt.“
„Nein, sollte es das?“ (vertieft sich wieder in die Lektüre)
Seufzen.

24 Stunden später. Gleicher Ort, gleiche Szenerie, nur frischeres Brot und leerere Konfitüre- und Honigtöpfe. Brille? Na ja…

„Fällt dir immer noch nichts auf?“
„Beim besten Willen nicht.“
Das Brot fühlt sich plötzlich etwas trocken an.

Blenden wir ein paar Tage zurück. In der Drogerie hatte ich eigentlich nur etwas für meine Zähne, meine Augen und des Mitbewohners Füsse gekauft. Als ich das Tütchen daheim leerte, entdeckte ich, dass die Drogistin klammheimlich ein Testset Anti-Ageing Pflege reingepackt hatte. Mit solchen Müsterchen kann man verschiedenartig vorgehen. Man kann sich ärgern, dass einem das eigene Alter so unverhohlen vorgehalten wird und drum das „Geschenk“ wegwerfen. Man kann es für irgendwann mal aufheben. Oder es in den nächsten Tagen brauchen, selbst wenn man das Produkt aus welchen Gründen auch immer nie kaufen würde. Ich entschied mich für die letzte Variante. Nach vier Tagen waren die beiden Mini-Tübchen leer.

Nochmals stellte ich am Morgen im Angesicht einer dampfenden Tasse Kaffee die Frage:

„Merkst du keinen Unterschied?“
„Was immer ich merken sollte, ich merke es nicht.“

Nun weiss man ja, dass Männer im Allgemeinen und der Mitbewohner im Besonderen nicht ausgesprochen gmerkig sind. Deshalb überraschte mich seine Antwort nicht speziell. Und irgendwie bin ich sogar beruhigt, denn ich kann auch keinen Unterschied feststellen.