Schweigen wäre Gold gewesen

Sie ist keine Zufallsbekanntschaft, wohnt sie doch seit einigen Jahren in unserer Überbauung. Ich habe sie einfach noch nie getroffen. Der Zufall jedoch wollte es, dass wir uns in den vergangenen Monaten mehrmals über den Weg liefen. Das letzte Mal sahen wir uns auf einer gemeinsamen Zugsfahrt nach Zürich.

Wir wissen wenig von einander. Die Gespräche bewegen sich im Rahmen von “ach, du wohnst schon so lange hier”, “hast du Familie?” und ähnlichen Banalitäten.

Dass mein Mann vor fünf Monaten gestorben war, wusste sie ebenso wenig, wie dass es ihn überhaupt gegeben hatte. Das konnte ich ihr nicht übel nehmen. Als sie von seinem Tod erfuhr, fragte sie nach, woran er gestorben sei. Ich habe kein Problem, darüber zu sprechen. Ich kann ja meine Informationen selber dosieren.

Aber seither habe ich ein Problem mit dieser Frau. Denn sie plapperte munter auf mich ein: “Ich bin geschieden. Es ist eigentlich kein Unterschied, ob du von einem Mann geschieden bist oder er gestorben ist. Weg ist weg. Und du musst ihn wenigstens nicht mehr anschauen.”

Schweigen wäre Gold gewesen. Diesen Zustand hatte ich im Moment jedoch gerade für mich in Anspruch genommen.

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Einmal tief Luft holen

Ich gehe die letzten Stufen hoch. Die letzten Sekunden für mich allein, meine Gedanken. Mein innig geliebter Mitbewohner streckt bereits seinen Finger der Klingel entgegen. Höchste Zeit für mich, eine andere Miene aufzusetzen. Gute Miene zu bösem Spiel.

Der Schlüssel dreht sich im Schloss, und da ertönt sie auch schon, ihre Stimme. Ein seltsames Gemisch aus schrill, piepsend, krächzend. Es tut weh in meinen Ohren. Aber ich werde sie in den nächsten paar Stunden ertragen müssen. Genauso wie die immer gleichen Gespräche. Zuerst über das allgemeine Befinden, dann über Geld. Es folgen alte Geschichten, die ich schon zig Mal gehört habe und die mir, wenn sie zur Pointe Luft holt, ein gequältes Lachen abringen. Dann steht wieder Geld im Mittelpunkt. Und Erben. Und wieder die alten Zeiten. Ich beisse mich durch, mache alles mit, doch nach ein paar Stunden ist das Fassungsvermögen meiner Ohren erschöpft.

Meine Gefühle für meine Schwägerin werden nie in den Himmel wachsen.

Vollends unvollendet

Es gibt Leute, die können keinen Satz zu Ende
Sie setzen zu einer Erklärung an und bleiben einfach irgendwo
Wenn sie nicht mehr weiter wissen, lassen sie dem unvollendeten Satz etwas so Unverbindliches wie „oder“, „gäll“, „ich meine“
Ich frage mich oft, ob solche Leute das überhaupt selber

Wie auch immer – mich nervt das kolossal.
Ob das ein Zeichen mangelnder Intelligenz…?
Erstaunlicherweise kann man aber trotz unvollständiger Sätze verstehen, was gemeint ist, oder
Zumindest kann der gepeinigte Zuhörer halbwegs
Und falls er mal den Durchblick nicht ganz hat, kann er ja immer noch

Es gibt Leute, die bringen es fertig, mit unvollendeten Sätzen Geld zu
Zum Beispiel der deutsche Komiker Piet Klocke. Er kitzelt diese Unsitte auf der Bühne gnadenlos aus.

Ich dagegen kann mich lediglich im Blog – wenn überhaupt